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Freitag, 23. August 2019
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Verschiedenes

 
NABU ruft zur Meldung von Kiebitzen auf
Der sympathische FrĂŒhlingsbote wird immer seltener

Das typische „Ki-witt“, der Balzruf des Kiebitzes, ist ĂŒber Deutschlands Feldern immer seltener zu hören, wenn die meisten Kiebitze ab Februar aus ihren Winterquartieren von Westeuropa nach Deutschland zurĂŒckkehren.

Einst ein hĂ€ufiger Brutvogel auf Weiden, Wiesen und Äckern, steht der sympathische FrĂŒhlingsbote mit den markanten Schmuckfedern am Kopf nicht nur weit oben auf der deutschen Roten Liste, sondern gilt auch europaweit als gefĂ€hrdet. Weltweit ist Vanellus vanellus sogar auf der globalen Vorwarnliste bedrohter Vogelarten.

Der NABU ruft in diesem Jahr erstmals dazu auf, gesichtete Kiebitze ĂŒber die Naturbeobachtungs-Webseiten Ornitho.de oder NABU-naturgucker.de (ohne Registrierung: http://goo.gl/QS0ETe) zu melden. Auf einer Übersichtskarte wird die RĂŒckkehr des Kiebitzes sichtbar.

„Mit der Meldeaktion wollen wir auf den gefĂ€hrdeten Wiesenvogel aufmerksam machen. Der Hauptgrund fĂŒr den RĂŒckgang des Kiebitzes liegt in der Intensivierung der Landwirtschaft. Dadurch gibt es kaum noch geeignete BrutplĂ€tze und viele Gelege und KĂŒken gehen verloren“, so Dominic Cimiotti vom Michael-Otto-Institut im NABU.

Auf feuchtem und offenem DauergrĂŒnland, auf Äckern, Brachen oder ÜberschwemmungsflĂ€chen beginnen die Kiebitze zwischen MĂ€rz und Juni mit ihrer Brut. Dabei legen sie bis zu vier Eier in ein mit Gras ausgepolstertes Nest am Boden – doch immer hĂ€ufiger brĂŒten die Tiere ohne Erfolg.

Um den bedrohten Wiesenvogel in Deutschland vor dem Aussterben zu bewahren, sucht der NABU derzeit gemeinsam mit Landwirten nach Lösungen. Im Projekt „Der SympathietrĂ€ger Kiebitz als Botschafter: Umsetzung eines Artenschutz-Projektes zur Förderung des Kiebitzes in der Agrarlandschaft� im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt testen Bauern in insgesamt acht Projektregionen mögliche Maßnahmen auf ĂŒberwiegend konventionell bewirtschafteten Äckern und Wiesen. Erste Erfolge gibt es bereits.

„Wenn Landwirte ihren Mais nur wenige Tage oder Wochen spĂ€ter aussĂ€en, ĂŒberleben schon deutlich mehr Kiebitze. Die Tiere können zu Ende brĂŒten, ehe die Böden mit schweren GerĂ€ten bearbeitet werden. Das ist ein erster Hoffnungsschimmer fĂŒr den Kiebitz“, so Cimiotti. Auch eine weitere Maßnahme testet der NABU mit den Landwirten: So hat sich gezeigt, dass schon ein einfaches Umfahren der Kiebitzgelege Erfolge bringen kann – sofern die Nester rechtzeitig auf dem Boden entdeckt und auch die KĂŒken geschĂŒtzt werden.

HintergrĂŒnde zum Projekt:

Im Projekt „Der SympathietrĂ€ger Kiebitz als Botschafter: Umsetzung eines Artenschutz-Projektes zur Förderung des Kiebitzes in der Agrarlandschaft“ testet der NABU mit Landwirten verschiedene Maßnahmen zum Kiebitzschutz in folgenden Regionen: Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Bayern sowie im Braunschweiger Raum, im Landkreis OsnabrĂŒck, im MĂŒnsterland und im SchwĂ€bischen Donaumoos.

Das Projekt wird durchgefĂŒhrt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt und ĂŒber fĂŒnf Jahre gefördert durch das Bundesamt fĂŒr Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie Mitteln des Umweltministeriums von Schleswig-Holstein und die Hanns R. Neumann Stiftung.
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Nach wiederholten Nahbegegnungen mit einzelnem Wolf:
NABU empfiehlt kontrollierte Managementmaßnahmen

Kriterien fĂŒr VergrĂ€mung können bei EinzelfĂ€llen erfĂŒllt sein

Mit Blick auf die wiederholten Nahbegegnungen von Mensch und Wolf im nordöstlichen Niedersachsen spricht sich der NABU fĂŒr kontrollierte Maßnahmen gegen diesen Wolf aus. Wie bislang bekannt wurde, soll sich ein Wolf wiederholt Menschen bis auf weniger als zwei Metern angenĂ€hert haben. Aggression habe das Tier nie gezeigt.

Sollten sich die geschilderten Ereignisse tatsĂ€chlich so zugetragen haben, sind aus NABU-Sicht damit die Kriterien fĂŒr eine VergrĂ€mung des Tieres erfĂŒllt und sollten auch zur Anwendung kommen. Mögliche VergrĂ€mungsmethoden sind der Beschuss mit Gummischrot oder anderen nicht tödlichen Geschossen, die dem Wolf unmissverstĂ€ndlich seine Grenzen aufzeigen. Voraussetzungen fĂŒr solche Maßnahmen sind nach Ansicht des NABU die eindeutige Identifizierung des Tieres sowie die Abstimmung und Organisation der Maßnahmen durch erfahren Experten unter anderem durch die Einbeziehung der Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW).

„In speziellen EinzelfĂ€llen wie bei einem Wolf, der sich wiederholt Menschen annĂ€hert, ist eine deutliche Reaktion erforderlich. Konkrete Maßnahmen, wie die kontrollierte VergrĂ€mung durch fachkundige Personen, sind in einem solchen Fall angebracht“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. „Trotzdem darf der strenge Artenschutz des Wolfes nicht aus den Augen verloren werden. Der NABU wird die Maßnahmen, die gegen den Wolf ergriffen werden, auf artenschutzrechtliche GĂŒltigkeit prĂŒfen – um zu gewĂ€hrleisten, dass alles Mögliche getan wurde, um den Wolf am Leben zu lassen“, so Miller weiter.

Seit 2007 liegen von Experten erarbeitete Empfehlungen vor, wie das Verhalten von Wölfen zu bewerten ist und welche Handlungsempfehlungen sich daraus ergeben. „Nach unserer Interpretation der vorliegenden Empfehlungen sind die Verhaltenskriterien, die eine VergrĂ€mung nicht nur rechtfertigen, sondern notwendig machen, in diesem Fall gegeben“, so Miller. Der Wolf, bei dem es sich um ein mĂ€nnliches Tier aus dem Munsteraner Rudel handelt, ist im vergangenen Sommer neben einem zweiten Tier mit einem Senderhalsband ausgestattet worden. Der Aufenthaltsort des Wolfes kann somit festgestellt werden.

Der NABU begleitet die RĂŒckkehr der Wölfe seit ĂŒber zehn Jahren und setzt sich fĂŒr ihren strengen Schutz ein. In begrĂŒndeten EinzelfĂ€llen sieht der NABU es aber als unausweichlich an, die durch das Bundesnaturschutzgesetz vorgesehenen Ausnahmeregelungen umzusetzen. VergrĂ€mungsmaßnahmen oder gar die Entnahme von Wölfen bedĂŒrfen jedoch immer der EinzelfallĂŒberprĂŒfung durch qualifizierte Experten. In den vergangenen 15 Jahren, seitdem es wieder Wölfe in Deutschland gibt, ist es zu keinem Angriff von Wölfen auf Menschen gekommen.

„Das Verhalten einzelner Wölfe steht nicht stellvertretend fĂŒr alle Tiere der Population. Äußere EinflĂŒsse, wie zum Beispiel die FĂŒtterung durch Menschen, können dazu fĂŒhren, dass sich einzelne Tiere weniger scheu verhalten“, so Markus Bathen, NABU-Wolfsexperte. In diesen FĂ€llen sieht der NABU das Wolfsmanagement der BundeslĂ€nder in der Pflicht, das Monitoring – also die Überwachung der Wölfe – zu verstĂ€rken.
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Erfolg im Tropenwaldschutz
NABU-Projekt fĂŒhrt Waldschutzlizenz auf Sulawesi ein

Tennhardt: „Weg frei fĂŒr Tropenwaldschutz auf 50.000 Hektar im östlichen Indonesien”

Berlin/Gorontalo – Der NABU und sein indonesischer Partner im BirdLife-Netzwerk, Burung Indonesia, setzen auf der indonesischen Insel Sumatra ein Projekt zum Schutz von RegenwĂ€ldern um und konnten ein neues System der Waldbewirtschaftung einfĂŒhren. Die sogenannte Ökosystemrestaurationslizenz (ERC) verbietet jedes Abholzen sowie die Umwandlung in AgrarflĂ€chen. Zugleich verlangt sie vom Inhaber den Schutz und die Wiederherstellung des Waldökosystems. FĂŒr das NABU-Projektgebiet im östlichen Indonesien will der indonesische Staat die ERC nun fĂŒr bis zu 2,7 Millionen Hektar RegenwaldflĂ€che einfĂŒhren.

„In vielen Regionen der Erde sind RegenwĂ€lder insbesondere dann gefĂ€hrdet, wenn sie keinem Management unterliegen. Mit der ERC soll der Wald nachhaltig genutzt und besser geschĂŒtzt werden. Dies kann zumindest einen Teil der indonesischen WĂ€lder vor der Zerstörung bewahren“, so NABU-VizeprĂ€sident Thomas Tennhardt.

Entwickelt wurde die ERC in Hutan Harapan, einem der letzten verbliebenen Tieflandregenwaldgebiete auf Sumatra. Seit ihrer EinfĂŒhrung im Jahr 2009 sind 14 Lizenzen mit insgesamt 500.000 Hektar Wald vergeben worden, unter anderem in Hutan Harapan (knapp 100.000 Hektar), in der Pufferzone des Bukit Tigapuluh Nationalparkes sowie in weiteren Waldgebieten auf Sumatra und Kalimantan. Im östlichen Indonesien gab es die ERC bislang nicht. Der NABU arbeitet zusammen mit seinen Projektpartnern von Burung Indonesia und der KfW-Entwicklungsbank seit Dezember 2014 an einem ERC-Modell in der Provinz Gorontalo im Norden der Insel Sulawesi. Am vergangenen Freitag hat der Gouverneur von Gorontalo, Rusli Habibie, seine UnterstĂŒtzung fĂŒr die ERC im westlichen Teil der Provinz Gorontalo erklĂ€rt.

Das Gebiet mit dem klangvollen Namen Popayato Paguat verbindet zwei Schutzgebiete (Panua Nature Reserve und Nantu Wildlife Reserve) sowie sechs geschĂŒtzte Waldgebiete und fördert damit die Vernetzung von insgesamt 257.000 Hektar WaldflĂ€chen. „Die UnterstĂŒtzung durch die Provinzverwaltung ist ein wichtiger Schritt zum besseren Schutz des Waldes und Ausdruck der hohen Akzeptanz fĂŒr die Ökosystemrestaurationen. Jetzt ist der Weg fĂŒr die erste ERC im östlichen Indonesien frei“, so Tennhardt. Er erklĂ€rte, der NABU wolle insgesamt auf knapp 50.000 Hektar die Waldnutzung einfĂŒhren, die Mensch und Natur gleichermaßen ein gutes Auskommen sichere.

Indonesien beherbergt etwa zehn Prozent der weltweit verbliebenen tropischen WĂ€lder – etwa 90 Millionen Hektar. Gleichzeitig fĂŒhrt das Land aber auch die Statistik mit der weltweit stĂ€rksten Entwaldung an. WĂ€hrend der starken WaldbrĂ€nde insbesondere auf den Inseln Sumatra und Kalimantan zwischen September und November 2015 wurde eine WaldflĂ€che viermal so groß wie Niedersachsen vernichtet, womit sich der CO2-Ausstoß Indonesiens im vergangenen Jahr verdreifachte. Hunderttausende Menschen mussten wegen der monatelangen Rauchbelastung medizinisch versorgt werden. Mit dem Wald verschwindet nicht nur der Lebensraum einer reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt, auch in den WĂ€ldern lebende indigene Völker und Kleinbauern verlieren ihre Existenzgrundlage.

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fördert das von der KfW-Bank getragene Gorontalo-Projekt mit 4,4 Millionen Euro. Die Initiative finanziert seit 2008 gezielt Klima- und BiodiversitĂ€tsprojekte in Entwicklungs- und SchwellenlĂ€ndern sowie in den Transformationsstaaten.
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Teilnehmer fĂŒr Kirgistan-Expedition gesucht
Laienforscherreise hilft Schneeleoparden im Tian-Shan-Gebirge

Die Naturschutzorganisationen NABU und Biosphere Expeditions suchen noch Teilnehmer fĂŒr die diesjĂ€hrige Schneeleoparden-Expedition nach Kirgistan. Die Forscherreise ermöglicht es Laien, aktiv am Schutz des Schneeleoparden und seiner Beutetiere im nördlichen Tian-Shan-Gebirge mitzuwirken. Die Termine fĂŒr die Expeditionen sind 11.-23. Juli, 1.-13. August und 15.-27. August. Anmeldungen werden unter www.biosphere-expeditions.org/tienshan angenommen. „Der NABU freut sich ĂŒber die Zusammenarbeit mit Biosphere Expeditions und ĂŒber die zusĂ€tzlichen KapazitĂ€ten, die diese fĂŒr den Schneeleopardenschutz mit sich bringt“, sagte NABU-VizeprĂ€sident Thomas Tennhardt.

Die Expeditionsteilnehmer bauen zusammen mit den NABU-WildhĂŒtern der „Gruppa Bars“ (Gruppe Schneeleopard) Fotofallen auf oder prĂŒfen bereits aktive. Sie suchen und identifizieren Spuren von Schneeleoparden und fĂŒhren WildzĂ€hlungen an Wildschafen, Steinböcken, Murmeltieren und Vögeln durch. Um die Akzeptanz des Schneeleoparden in der lokalen Bevölkerung zu verbessern, gehört auch der Austausch mit den örtlichen Hirten und Dorfbewohnern zu den Aufgaben der Teilnehmer. Dabei geht es zu Fuß oder im GelĂ€ndewagen in Höhen bis zu 3.600 Meter hinauf. „Körperliche Fitness ist daher eine Teilnahmevoraussetzung“, erklĂ€rte Dr. Matthias Hammer, GrĂŒnder und Chef von Biosphere Expeditions. Eine weitere seien zumindest rudimentĂ€re Englischkenntnisse. „Weitere Vorkenntnisse oder spezielle FĂ€higkeiten sind nicht erforderlich – was man fĂŒr die Feldarbeit wissen muss, wird vor Ort im Rahmen einer zweitĂ€gigen Ausbildung zum Beginn der Expedition vermittelt“, so Dr. Hammer weiter.

Schneeleoparden gehören zu den am meisten bedrohten Großkatzen der Welt. In Kirgistan gibt es nur noch etwa 300 der seltenen Tiere. Der NABU engagiert sich bereits seit ĂŒber 15 Jahren in der Tian-Shan-Region fĂŒr deren Schutz. Seit 2014 bietet Biosphere Expeditions zusammen mit dem NABU die Forscherreisen fĂŒr Jedermann in den Tian Shan an. Das lokale Wissen der NABU-Filiale in Kirgistan und die Erfahrung von ĂŒber fĂŒnfzehn Jahren im nachhaltigen Wissenschaftstourismus von Biosphere Expeditions bilden die Grundlage fĂŒr die Expeditionen.
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Illegal getöteter Wolf
NABU setzt 5.000 Euro Belohnung fĂŒr Hinweise auf TĂ€ter aus

Konsequente Strafverfolgung bei illegalen Wolfstötungen

Im Fall einer Ende vergangenen Jahres illegal getöteten Wölfin hat der NABU jetzt 5.000 Euro Belohnung fĂŒr Hinweise an die Polizei ausgesetzt, die zur Ermittlung des TĂ€ters fĂŒhren. Am 27. November hatte ein JagdpĂ€chter an der Verbindungsstraße zwischen Loburg und LĂŒbars, Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt einen weiblichen Wolf mit einer tödlichen Schussverletzung gefunden.

Der NABU sieht grundsĂ€tzlich große Schwierigkeiten bei der Verfolgung in FĂ€llen von UmweltkriminalitĂ€t. Mit der Auslobung einer Belohnung möchte der NABU die Arbeit der Ermittlungsbehörden unterstĂŒtzen.

„Bestehende Konflikte zwischen Mensch und Wildtier werden durch das Wolfsmanagement der BundeslĂ€nder im Einvernehmen aller betroffenen Interessengruppen getroffen. Wer aber eigenmĂ€chtig und dazu noch mit einer Schusswaffe versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen, handelt kriminell. Dies ist eine Straftat, die nicht der Konfliktlösung dient, sondern dem Dialog schadet. Der NABU fordert eine konsequente Verfolgung bei UmweltkriminalitĂ€t. Wir wollen die Ermittlungsarbeit mit dieser Belohnung fördern“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.

Der Wolf wurde Ende November zur Untersuchung ins Institut fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung in Berlin gebracht. Hier sollen neben der Todesursache auch Informationen ĂŒber die verwendete Munition sichergestellt werden.

„In Sachsen-Anhalt wurde zuletzt vor sechs Jahren ein illegal geschossener Wolf gefunden. Dieser Fall ereignete sich ebenfalls im Landkreis Jerichower Land“, so Annette Leipelt, NABU-LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Sachsen-Anhalt. Seit 2000 wurden in Deutschland insgesamt 19 illegal erschossene Wölfe gefunden. Bei weiteren vier Tieren, die an einer natĂŒrlichen Todesursache starben, wurden bei der Autopsie ausgeheilte Schussverletzungen entdeckt. Bis heute ist es nur in einem Fall aus dem Jahr 2012 in Hachenburg (Rheinland Pfalz) zu einer rechtskrĂ€ftigen Verurteilung gekommen. Damals hatte sich der TĂ€ter freiwillig gestellt.

„Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Wolf eine streng geschĂŒtzte Tierart. Seine illegale Tötung kann mit bis zu fĂŒnf Jahren Haft und 50.000 Euro Geldstrafe geahndet werden“, so NABU-Wolfsexperte Markus Bathen.

Der NABU ist angesichts der europaweiten Erfahrung und aus 15 Jahren Erfahrungen und Beobachtungen nach RĂŒckkehr der Wölfe in Deutschland der Überzeugung, dass Menschen, Nutztiere und Wölfe als Nachbarn zusammen leben können. Mit seinem Projekt „Willkommen Wolf!“ unterstĂŒtzt er seit 2005 die RĂŒckkehr der Wölfe nach Deutschland.
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NABU: Regierungsprogramm fĂŒr nachhaltigen Konsum zu zaghaft
Guter Ansatz, Durchschlagskraft fehlt/Wunschliste statt wirksamer Plan

Der NABU begrĂŒĂŸt das heute vom Kabinett beschlossene Nationale Programm fĂŒr Nachhaltigen Konsum, bemĂ€ngelt jedoch, dass kaum wirksame Maßnahmen enthalten sind. „Die Bundesregierung hat versĂ€umt, messbare Indikatoren, quantifizierbare Ziele und einen fest definierten Zeitrahmen in das Programm aufzunehmen. Das ist notwendig, um nachhaltigen Konsum als ernsthaftes und ĂŒberprĂŒfbares Politikziel zu etablieren“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.

„Das Nationale Programm fĂŒr Nachhaltigen Konsum liest sich eher wie eine Wunschliste, als ein ernst gemeinter und wirkmĂ€chtiger Plan“, so Miller weiter. Der NABU begrĂŒĂŸt, dass das Programm nicht nur vom Bundesumweltministerium auf den Weg gebracht, sondern ressortĂŒbergreifend abgestimmt wurde und damit andere, fĂŒr nachhaltigen Konsum und Verbrauch maßgebliche Bereiche, wie das Landwirtschaftsministerium und das Ministerium fĂŒr Justiz- und Verbraucherschutz von Anfang an beteiligt waren. Daran ließe sich erkennen, dass nachhaltige Entwicklung auch in ErnĂ€hrungs-, Landwirtschafts- und Verbraucherfragen von Anfang an mitgedacht werden muss.

Aus Sicht des NABU wĂ€re die Regierung gut beraten gewesen, drei bis vier wirkungsvolle Maßnahmen zu beschließen, deren Umsetzung sie tatsĂ€chlich in der Hand hat. Dazu zĂ€hlt beispielsweise, nachhaltigere öffentliche Beschaffungskriterien zu beschließen, als die bloße Umsetzung der EU-Vergaberichtlinien. „Das derzeitige Vergaberecht hilft insbesondere klammen Kommunen nicht, ihre AuftrĂ€ge mit mehr ökologischen und sozialen Anforderungen auszustatten. Stattdessen wirkt das Programm nun wie eine Roadshow an guten Ideen, die lĂ€ngst schon aus anderen politischen Programmen und Strategien bekannt sind. Entscheidend ist es 2016 jedoch, tatsĂ€chlich darauf Einfluss zu nehmen, unseren ressourcenverschwendenden und klimaschĂ€dlichen Lebensstil in Deutschland zu verĂ€ndern“, so NABU-Expertin fĂŒr nachhaltigen Konsum, Indra Enterlein.

Angesichts der Kompetenz und des Sachverstands von zivilgesellschaftlichen Organisationen beim Thema nachhaltiger Konsum, habe es den NABU gewundert, dass diese nicht im Vorfeld ebenfalls zu Rate gezogen worden und somit ihre Erfahrungen einbringen konnten.

Hintergrund:
Die Bundesregierung will mit dem Nationalen Programm fĂŒr Nachhaltigen Konsum den notwendigen Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit vorantreiben und eine breite gesellschaftliche Diskussion ĂŒber Lebensstile und Konsumverantwortung anstoßen. Vor allem in den Feldern MobilitĂ€t, ErnĂ€hrung, Wohnen und Haushalt, Arbeit und BĂŒro, Bekleidung sowie Freizeit und Tourismus. DarĂŒber hinaus werden ĂŒbergreifende HandlungsansĂ€tze des nachhaltigen Konsums vorgestellt.
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NABU und Alnatura verleihen Förderpreis an 15 neue Bio-Bauern
Bio einkaufen lohnt sich / Foto: NABU / S. Hennigs
 
NABU und Alnatura verleihen Förderpreis an 15 neue Bio-Bauern
430.000 Euro Förderung fĂŒr Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft - Bewerbungen ab MĂ€rz wieder möglich

Der NABU und Alnatura haben erstmals gemeinsam den Förderpreis der „Alnatura Bio-Bauern-Initiative“ (ABBI) verliehen. 15 landwirtschaftliche Betriebe erhalten insgesamt 430.000 Euro – und damit die notwendige finanzielle UnterstĂŒtzung, um von konventioneller Landwirtschaft auf Öko-Landbau umzustellen. Elf Landwirte nahmen den Preis am heutigen Donnerstag auf der Bio-Lebensmittel-Messe Biofach in NĂŒrnberg entgegen, weitere vier Betriebe bekommen die Auszeichung am 5. Juni 2016 auf dem Umweltfestival in Berlin. Die Betriebe aus sieben BundeslĂ€ndern haben sich innerhalb des letzten halben Jahres einem in Deutschland anerkannten Ökoanbauverband angeschlossen.

„Die Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln steigt in Deutschland weiter an. Doch fĂŒr Landwirte ist die Umstellung auf Ökolandbau mit hohen Investionen verbunden“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. „Genau diese finanziellen HĂŒrden wollen wir mit dem Förderpreis ĂŒberwinden."

„Wir freuen uns, wenn kĂŒnftig mehr Bio-Produkte in Deutschland erzeugt werden und wir damit entsprechend dem Alnatura-Leitmotiv mehr ,Sinnvolles fĂŒr Mensch und Erde' gestalten können“, ergĂ€nzt Alnatura-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Götz Rehn.

Vom 1.Oktober bis 30. November 2015 konnten sich Landwirte fĂŒr den Förderpreis der Alnatura Bio-Bauern-Initiative bewerben. Von insgesamt 65 Bewerbungen unterschiedlichster landwirtschaftlicher Sparten wurden nun 15 Betriebe ausgewĂ€hlt, die aufgrund Ihres Beitrags fĂŒr die umweltvertrĂ€gliche Produktion regionaler Bio-Lebensmittel in Deutschland besonders herausgestochen sind.

Neben vielen Bewerbungen aus der Milchviehwirtschaft, gab es auch einige wenig verbreitete Konzepte, wie z.B. den Walnuss- oder Johannisbeeranbau. Auch Marktfrucht-, Getreide- und Legehennenbetriebe waren unter den PreistrĂ€gern. Insgesamt konnte mit der Förderung der 15 Landwirtschaftsbetriebe eine FlĂ€che von 2038 Hektar auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt werden. Um solches Engagement auch weiterhin zu unterstĂŒtzen, wird der Förderpreis ab sofort jĂ€hrlich vergeben. Die nĂ€chste Bewerbungsrunde wird vom 1. MĂ€rz bis 30. Juni 2016 laufen.
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NABU und LBV: Spatz bleibt hÀufigster Wintervogel
Über 91.000 Menschen machten mit bei der "Stunde der Wintervögel"/Erlenzeisig ist "Shooting Star" des Winters

Der hĂ€ufigste Wintervogel in Deutschland bleibt der Spatz. Auch bei der sechsten bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ behauptete der Haussperling (Passer domesticus) seinen Spitzenplatz, wie der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund fĂŒr Vogelschutz (LBV), am heutigen Freitag mitteilten. Bei Deutschlands grĂ¶ĂŸter wissenschaftlicher Mitmachaktion, die vom 8. bis 10. Januar stattfand, haben bundesweit ĂŒber 91.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen Ergebnisse aus ĂŒber 61.000 GĂ€rten ĂŒbermittelt. In den jeweils einstĂŒndigen BeobachtungszeitrĂ€umen wurden insgesamt ĂŒber 2,5 Millionen Vögel gezĂ€hlt. Pro ZĂ€hlstelle wurden damit im Schnitt knapp ĂŒber 41 Vögel erfasst. Im vergangenen Winter beteiligten sich 77.000 Menschen mit Meldungen aus knapp 53.000 GĂ€rten an der Aktion.

Auf den ersten acht PlĂ€tzen der hĂ€ufigsten Wintervögel folgen nach dem Spitzenreiter Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, Feldsperling, Amsel, GrĂŒnfink, Buchfink und Elster, was genau dem Durchschnitt der ZĂ€hlungen vergangener Jahre entspricht. Nur in kalten Wintern mit viel Zuzug von Verwandten aus dem Norden und Osten scheint die Kohlmeise den sehr sesshaften Haussperling bundesweit von Platz eins verdrĂ€ngen zu können – so geschehen zuletzt im Jahr 2013. „Je mehr BĂŒrger uns Daten ĂŒber die Vögel vor ihrer HaustĂŒr ĂŒbermitteln, desto genauer wird unser Schnappschuss der winterlichen Vogelwelt in Deutschlands GĂ€rten und Parks“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Die große Überraschung des Jahres 2016 liegt auf Platz neun der hĂ€ufigsten Arten: Der Erlenzeisig ist der „Shooting Star“ des Winters. Im Vergleich zum Vorjahr (Platz 22) wurde der kleine gelbgrĂŒne Finkenvogel fast viermal hĂ€ufiger gemeldet – mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2011 erschienen an den ZĂ€hlplĂ€tzen. Die Art konnte deutschlandweit fast in jedem fĂŒnften Garten entdeckt werden, bei durchschnittlich 1,28 Vögeln pro Garten. „Grund fĂŒr diese Zahlen ist eine sogenannte Invasion aus dem Norden. Sie tritt ein, wenn die Zeisige in Skandinavien im Sommer besonders viele Junge aufgezogen haben, fĂŒr die das Futterangebot dort im Winter nicht ausreicht“, erlĂ€utert Lachmann. Bereits ab Juli 2015 hatten Ornithologen verstĂ€rkten Zuzug von Erlenzeisigen aus dem Norden beobachtet. Das bestĂ€tigen jetzt auch die Ergebnisse der Stunde der Wintervögel. Andere typische WintergĂ€ste wie Bergfinken oder SeidenschwĂ€nze, die in manchen Jahren sehr zahlreich auftreten können, machten sich dagegen rar.

Die fĂŒr Ornithologen und NaturschĂŒtzer wichtigsten Ergebnisse der ZĂ€hlung sind jedoch Hinweise auf langfristige Zu- oder Abnahmen bestimmter Vogelarten. „Über Zunahmen freuen wir uns, bei Abnahmen mĂŒssen wir möglichst schnell die Ursachen bestimmen, um gegensteuern zu können“, so Lachmann.
Hier bereitet vor allem der GrĂŒnfink Sorgen: Seit der ersten DurchfĂŒhrung der Aktion werden von Jahr zu Jahr weniger von diesen fĂŒr den menschlichen Siedlungsraum typischen Finkenvögeln gesehen. Mit 1,8 Vögeln pro Garten sind es in diesem Winter nur noch etwas mehr als halb so viele wie 2011. Als Grund vermuten die VogelschĂŒtzer vor allem das in den vergangenen Jahren vermehrt auftretende „GrĂŒnfinkensterben“, hervorgerufen durch eine Infektion mit dem parasitĂ€ren Einzeller Trichomonas gallinae, der besonders an sommerlichen Futterstellen ĂŒbertragen wird, an denen viele Vögel zusammenkommen.

Der KĂ€lteeinbruch kurz vor dem ZĂ€hltermin im Norden Deutschlands fĂŒhrte außerdem zu einer kleinen KuriositĂ€t: Viele Kraniche, die bis dahin versucht hatten, in Deutschland zu ĂŒberwintern, machten sich mitten im Winter doch noch auf den Weg in den warmen SĂŒdwesten und wurden dabei, obwohl keinesfalls typische Gartenvögel, ĂŒber vielen GĂ€rten ziehend beobachtet. 7899 Kraniche wurden gemeldet, wobei manche ziehenden Trupps sicherlich mehrfach registriert wurden. Auf der Deutschlandkarte der Wintervögel bilden sich daher ganz deutlich die beiden Hauptflugrouten der Kraniche ab, nĂ€mlich von der Ostsee ĂŒber das Ruhrgebiet und von Berlin bis ins Saarland.

Abgesehen von den vermehrt in Deutschland ĂŒberwinternden Kranichen konnten trotz des bis zum ZĂ€hltermin besonders milden Winters deutschlandweit keine deutlich erhöhten Zahlen von ĂŒberwinternden Zugvögeln festgestellt werden. Unter den typischen Kurzstreckenziehern, die regelmĂ€ĂŸig in Deutschland zu ĂŒberwintern versuchen, gab es nur leicht erhöhte Zahlen, die durch die grĂ¶ĂŸere Teilnehmerzahl erklĂ€rt werden können: 1988 HausrotschwĂ€nze gegenĂŒber etwa 1700 in den Vorjahren, 589 Zilpzalpe gegenĂŒber etwa 350 in den Vorjahren und 742 Bachstelzen gegenĂŒber etwa 600 in den Vorjahren.

Eine interessante Tendenz beobachten die Vogelforscher jedoch bei Deutschlands grĂ¶ĂŸter Wildtaube, der Ringeltaube. Zwar sind die im Rahmen der Stunde der Wintervögel gemeldeten Zahlen nur unwesentlich angestiegen, dafĂŒr aber ist der Anteil der GĂ€rten, aus denen diese Taube gemeldet wurde, ĂŒber die Jahre signifikant angestiegen: Statt nur in 18 Prozent aller GĂ€rten, findet sie sich nun in fast jedem vierten Garten. Dies deutet darauf hin, dass die Art ihr Winterverbreitungsgebiet in Deutschland derzeit deutlich ausweitet.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt in diesem Jahr der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016. Sein Bestand nimmt deutschlandweit stark ab, er liebt aber winterliche Futterstellen. In der Tat erreichte der Stieglitz in diesem Jahr mit 0,51 Vögeln pro Garten sein bisher bestes Ergebnis. Ob dieses erfreuliche Ergebnis lediglich dem diesjĂ€hrigen „Promi-Status“ des Vogels zu verdanken ist, oder wirklich eine beginnende Bestandserholung anzeigt, werden die Ergebnisse zukĂŒnftiger ZĂ€hlungen zeigen. Im Jahr des Stieglitz fordern NABU und LBV alle BĂŒrger auf viele ‚bunte Meter‘ aus samenreichen Wildblumen zu schaffen.

Auch bei der NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“, die jedes Jahr im Mai durchgefĂŒhrt wird, landet der Haussperling seit vielen Jahren auf Platz eins. Die nĂ€chste große VogelzĂ€hlung findet am Pfingstwochenende statt (13. bis 15. Mai)
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