oekoplus - Freiburg
Samstag, 16. Februar 2019
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr
  •  


Verschiedenes

 
Erfolg im Tropenwaldschutz
NABU-Projekt fĂŒhrt Waldschutzlizenz auf Sulawesi ein

Tennhardt: „Weg frei fĂŒr Tropenwaldschutz auf 50.000 Hektar im östlichen Indonesien”

Berlin/Gorontalo – Der NABU und sein indonesischer Partner im BirdLife-Netzwerk, Burung Indonesia, setzen auf der indonesischen Insel Sumatra ein Projekt zum Schutz von RegenwĂ€ldern um und konnten ein neues System der Waldbewirtschaftung einfĂŒhren. Die sogenannte Ökosystemrestaurationslizenz (ERC) verbietet jedes Abholzen sowie die Umwandlung in AgrarflĂ€chen. Zugleich verlangt sie vom Inhaber den Schutz und die Wiederherstellung des Waldökosystems. FĂŒr das NABU-Projektgebiet im östlichen Indonesien will der indonesische Staat die ERC nun fĂŒr bis zu 2,7 Millionen Hektar RegenwaldflĂ€che einfĂŒhren.

„In vielen Regionen der Erde sind RegenwĂ€lder insbesondere dann gefĂ€hrdet, wenn sie keinem Management unterliegen. Mit der ERC soll der Wald nachhaltig genutzt und besser geschĂŒtzt werden. Dies kann zumindest einen Teil der indonesischen WĂ€lder vor der Zerstörung bewahren“, so NABU-VizeprĂ€sident Thomas Tennhardt.

Entwickelt wurde die ERC in Hutan Harapan, einem der letzten verbliebenen Tieflandregenwaldgebiete auf Sumatra. Seit ihrer EinfĂŒhrung im Jahr 2009 sind 14 Lizenzen mit insgesamt 500.000 Hektar Wald vergeben worden, unter anderem in Hutan Harapan (knapp 100.000 Hektar), in der Pufferzone des Bukit Tigapuluh Nationalparkes sowie in weiteren Waldgebieten auf Sumatra und Kalimantan. Im östlichen Indonesien gab es die ERC bislang nicht. Der NABU arbeitet zusammen mit seinen Projektpartnern von Burung Indonesia und der KfW-Entwicklungsbank seit Dezember 2014 an einem ERC-Modell in der Provinz Gorontalo im Norden der Insel Sulawesi. Am vergangenen Freitag hat der Gouverneur von Gorontalo, Rusli Habibie, seine UnterstĂŒtzung fĂŒr die ERC im westlichen Teil der Provinz Gorontalo erklĂ€rt.

Das Gebiet mit dem klangvollen Namen Popayato Paguat verbindet zwei Schutzgebiete (Panua Nature Reserve und Nantu Wildlife Reserve) sowie sechs geschĂŒtzte Waldgebiete und fördert damit die Vernetzung von insgesamt 257.000 Hektar WaldflĂ€chen. „Die UnterstĂŒtzung durch die Provinzverwaltung ist ein wichtiger Schritt zum besseren Schutz des Waldes und Ausdruck der hohen Akzeptanz fĂŒr die Ökosystemrestaurationen. Jetzt ist der Weg fĂŒr die erste ERC im östlichen Indonesien frei“, so Tennhardt. Er erklĂ€rte, der NABU wolle insgesamt auf knapp 50.000 Hektar die Waldnutzung einfĂŒhren, die Mensch und Natur gleichermaßen ein gutes Auskommen sichere.

Indonesien beherbergt etwa zehn Prozent der weltweit verbliebenen tropischen WĂ€lder – etwa 90 Millionen Hektar. Gleichzeitig fĂŒhrt das Land aber auch die Statistik mit der weltweit stĂ€rksten Entwaldung an. WĂ€hrend der starken WaldbrĂ€nde insbesondere auf den Inseln Sumatra und Kalimantan zwischen September und November 2015 wurde eine WaldflĂ€che viermal so groß wie Niedersachsen vernichtet, womit sich der CO2-Ausstoß Indonesiens im vergangenen Jahr verdreifachte. Hunderttausende Menschen mussten wegen der monatelangen Rauchbelastung medizinisch versorgt werden. Mit dem Wald verschwindet nicht nur der Lebensraum einer reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt, auch in den WĂ€ldern lebende indigene Völker und Kleinbauern verlieren ihre Existenzgrundlage.

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fördert das von der KfW-Bank getragene Gorontalo-Projekt mit 4,4 Millionen Euro. Die Initiative finanziert seit 2008 gezielt Klima- und BiodiversitĂ€tsprojekte in Entwicklungs- und SchwellenlĂ€ndern sowie in den Transformationsstaaten.
Mehr
 

 
Teilnehmer fĂŒr Kirgistan-Expedition gesucht
Laienforscherreise hilft Schneeleoparden im Tian-Shan-Gebirge

Die Naturschutzorganisationen NABU und Biosphere Expeditions suchen noch Teilnehmer fĂŒr die diesjĂ€hrige Schneeleoparden-Expedition nach Kirgistan. Die Forscherreise ermöglicht es Laien, aktiv am Schutz des Schneeleoparden und seiner Beutetiere im nördlichen Tian-Shan-Gebirge mitzuwirken. Die Termine fĂŒr die Expeditionen sind 11.-23. Juli, 1.-13. August und 15.-27. August. Anmeldungen werden unter www.biosphere-expeditions.org/tienshan angenommen. „Der NABU freut sich ĂŒber die Zusammenarbeit mit Biosphere Expeditions und ĂŒber die zusĂ€tzlichen KapazitĂ€ten, die diese fĂŒr den Schneeleopardenschutz mit sich bringt“, sagte NABU-VizeprĂ€sident Thomas Tennhardt.

Die Expeditionsteilnehmer bauen zusammen mit den NABU-WildhĂŒtern der „Gruppa Bars“ (Gruppe Schneeleopard) Fotofallen auf oder prĂŒfen bereits aktive. Sie suchen und identifizieren Spuren von Schneeleoparden und fĂŒhren WildzĂ€hlungen an Wildschafen, Steinböcken, Murmeltieren und Vögeln durch. Um die Akzeptanz des Schneeleoparden in der lokalen Bevölkerung zu verbessern, gehört auch der Austausch mit den örtlichen Hirten und Dorfbewohnern zu den Aufgaben der Teilnehmer. Dabei geht es zu Fuß oder im GelĂ€ndewagen in Höhen bis zu 3.600 Meter hinauf. „Körperliche Fitness ist daher eine Teilnahmevoraussetzung“, erklĂ€rte Dr. Matthias Hammer, GrĂŒnder und Chef von Biosphere Expeditions. Eine weitere seien zumindest rudimentĂ€re Englischkenntnisse. „Weitere Vorkenntnisse oder spezielle FĂ€higkeiten sind nicht erforderlich – was man fĂŒr die Feldarbeit wissen muss, wird vor Ort im Rahmen einer zweitĂ€gigen Ausbildung zum Beginn der Expedition vermittelt“, so Dr. Hammer weiter.

Schneeleoparden gehören zu den am meisten bedrohten Großkatzen der Welt. In Kirgistan gibt es nur noch etwa 300 der seltenen Tiere. Der NABU engagiert sich bereits seit ĂŒber 15 Jahren in der Tian-Shan-Region fĂŒr deren Schutz. Seit 2014 bietet Biosphere Expeditions zusammen mit dem NABU die Forscherreisen fĂŒr Jedermann in den Tian Shan an. Das lokale Wissen der NABU-Filiale in Kirgistan und die Erfahrung von ĂŒber fĂŒnfzehn Jahren im nachhaltigen Wissenschaftstourismus von Biosphere Expeditions bilden die Grundlage fĂŒr die Expeditionen.
Mehr
 

 
Illegal getöteter Wolf
NABU setzt 5.000 Euro Belohnung fĂŒr Hinweise auf TĂ€ter aus

Konsequente Strafverfolgung bei illegalen Wolfstötungen

Im Fall einer Ende vergangenen Jahres illegal getöteten Wölfin hat der NABU jetzt 5.000 Euro Belohnung fĂŒr Hinweise an die Polizei ausgesetzt, die zur Ermittlung des TĂ€ters fĂŒhren. Am 27. November hatte ein JagdpĂ€chter an der Verbindungsstraße zwischen Loburg und LĂŒbars, Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt einen weiblichen Wolf mit einer tödlichen Schussverletzung gefunden.

Der NABU sieht grundsĂ€tzlich große Schwierigkeiten bei der Verfolgung in FĂ€llen von UmweltkriminalitĂ€t. Mit der Auslobung einer Belohnung möchte der NABU die Arbeit der Ermittlungsbehörden unterstĂŒtzen.

„Bestehende Konflikte zwischen Mensch und Wildtier werden durch das Wolfsmanagement der BundeslĂ€nder im Einvernehmen aller betroffenen Interessengruppen getroffen. Wer aber eigenmĂ€chtig und dazu noch mit einer Schusswaffe versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen, handelt kriminell. Dies ist eine Straftat, die nicht der Konfliktlösung dient, sondern dem Dialog schadet. Der NABU fordert eine konsequente Verfolgung bei UmweltkriminalitĂ€t. Wir wollen die Ermittlungsarbeit mit dieser Belohnung fördern“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.

Der Wolf wurde Ende November zur Untersuchung ins Institut fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung in Berlin gebracht. Hier sollen neben der Todesursache auch Informationen ĂŒber die verwendete Munition sichergestellt werden.

„In Sachsen-Anhalt wurde zuletzt vor sechs Jahren ein illegal geschossener Wolf gefunden. Dieser Fall ereignete sich ebenfalls im Landkreis Jerichower Land“, so Annette Leipelt, NABU-LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Sachsen-Anhalt. Seit 2000 wurden in Deutschland insgesamt 19 illegal erschossene Wölfe gefunden. Bei weiteren vier Tieren, die an einer natĂŒrlichen Todesursache starben, wurden bei der Autopsie ausgeheilte Schussverletzungen entdeckt. Bis heute ist es nur in einem Fall aus dem Jahr 2012 in Hachenburg (Rheinland Pfalz) zu einer rechtskrĂ€ftigen Verurteilung gekommen. Damals hatte sich der TĂ€ter freiwillig gestellt.

„Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Wolf eine streng geschĂŒtzte Tierart. Seine illegale Tötung kann mit bis zu fĂŒnf Jahren Haft und 50.000 Euro Geldstrafe geahndet werden“, so NABU-Wolfsexperte Markus Bathen.

Der NABU ist angesichts der europaweiten Erfahrung und aus 15 Jahren Erfahrungen und Beobachtungen nach RĂŒckkehr der Wölfe in Deutschland der Überzeugung, dass Menschen, Nutztiere und Wölfe als Nachbarn zusammen leben können. Mit seinem Projekt „Willkommen Wolf!“ unterstĂŒtzt er seit 2005 die RĂŒckkehr der Wölfe nach Deutschland.
Mehr
 

 
NABU: Regierungsprogramm fĂŒr nachhaltigen Konsum zu zaghaft
Guter Ansatz, Durchschlagskraft fehlt/Wunschliste statt wirksamer Plan

Der NABU begrĂŒĂŸt das heute vom Kabinett beschlossene Nationale Programm fĂŒr Nachhaltigen Konsum, bemĂ€ngelt jedoch, dass kaum wirksame Maßnahmen enthalten sind. „Die Bundesregierung hat versĂ€umt, messbare Indikatoren, quantifizierbare Ziele und einen fest definierten Zeitrahmen in das Programm aufzunehmen. Das ist notwendig, um nachhaltigen Konsum als ernsthaftes und ĂŒberprĂŒfbares Politikziel zu etablieren“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.

„Das Nationale Programm fĂŒr Nachhaltigen Konsum liest sich eher wie eine Wunschliste, als ein ernst gemeinter und wirkmĂ€chtiger Plan“, so Miller weiter. Der NABU begrĂŒĂŸt, dass das Programm nicht nur vom Bundesumweltministerium auf den Weg gebracht, sondern ressortĂŒbergreifend abgestimmt wurde und damit andere, fĂŒr nachhaltigen Konsum und Verbrauch maßgebliche Bereiche, wie das Landwirtschaftsministerium und das Ministerium fĂŒr Justiz- und Verbraucherschutz von Anfang an beteiligt waren. Daran ließe sich erkennen, dass nachhaltige Entwicklung auch in ErnĂ€hrungs-, Landwirtschafts- und Verbraucherfragen von Anfang an mitgedacht werden muss.

Aus Sicht des NABU wĂ€re die Regierung gut beraten gewesen, drei bis vier wirkungsvolle Maßnahmen zu beschließen, deren Umsetzung sie tatsĂ€chlich in der Hand hat. Dazu zĂ€hlt beispielsweise, nachhaltigere öffentliche Beschaffungskriterien zu beschließen, als die bloße Umsetzung der EU-Vergaberichtlinien. „Das derzeitige Vergaberecht hilft insbesondere klammen Kommunen nicht, ihre AuftrĂ€ge mit mehr ökologischen und sozialen Anforderungen auszustatten. Stattdessen wirkt das Programm nun wie eine Roadshow an guten Ideen, die lĂ€ngst schon aus anderen politischen Programmen und Strategien bekannt sind. Entscheidend ist es 2016 jedoch, tatsĂ€chlich darauf Einfluss zu nehmen, unseren ressourcenverschwendenden und klimaschĂ€dlichen Lebensstil in Deutschland zu verĂ€ndern“, so NABU-Expertin fĂŒr nachhaltigen Konsum, Indra Enterlein.

Angesichts der Kompetenz und des Sachverstands von zivilgesellschaftlichen Organisationen beim Thema nachhaltiger Konsum, habe es den NABU gewundert, dass diese nicht im Vorfeld ebenfalls zu Rate gezogen worden und somit ihre Erfahrungen einbringen konnten.

Hintergrund:
Die Bundesregierung will mit dem Nationalen Programm fĂŒr Nachhaltigen Konsum den notwendigen Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit vorantreiben und eine breite gesellschaftliche Diskussion ĂŒber Lebensstile und Konsumverantwortung anstoßen. Vor allem in den Feldern MobilitĂ€t, ErnĂ€hrung, Wohnen und Haushalt, Arbeit und BĂŒro, Bekleidung sowie Freizeit und Tourismus. DarĂŒber hinaus werden ĂŒbergreifende HandlungsansĂ€tze des nachhaltigen Konsums vorgestellt.
Mehr
 

NABU und Alnatura verleihen Förderpreis an 15 neue Bio-Bauern
Bio einkaufen lohnt sich / Foto: NABU / S. Hennigs
 
NABU und Alnatura verleihen Förderpreis an 15 neue Bio-Bauern
430.000 Euro Förderung fĂŒr Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft - Bewerbungen ab MĂ€rz wieder möglich

Der NABU und Alnatura haben erstmals gemeinsam den Förderpreis der „Alnatura Bio-Bauern-Initiative“ (ABBI) verliehen. 15 landwirtschaftliche Betriebe erhalten insgesamt 430.000 Euro – und damit die notwendige finanzielle UnterstĂŒtzung, um von konventioneller Landwirtschaft auf Öko-Landbau umzustellen. Elf Landwirte nahmen den Preis am heutigen Donnerstag auf der Bio-Lebensmittel-Messe Biofach in NĂŒrnberg entgegen, weitere vier Betriebe bekommen die Auszeichung am 5. Juni 2016 auf dem Umweltfestival in Berlin. Die Betriebe aus sieben BundeslĂ€ndern haben sich innerhalb des letzten halben Jahres einem in Deutschland anerkannten Ökoanbauverband angeschlossen.

„Die Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln steigt in Deutschland weiter an. Doch fĂŒr Landwirte ist die Umstellung auf Ökolandbau mit hohen Investionen verbunden“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. „Genau diese finanziellen HĂŒrden wollen wir mit dem Förderpreis ĂŒberwinden."

„Wir freuen uns, wenn kĂŒnftig mehr Bio-Produkte in Deutschland erzeugt werden und wir damit entsprechend dem Alnatura-Leitmotiv mehr ,Sinnvolles fĂŒr Mensch und Erde' gestalten können“, ergĂ€nzt Alnatura-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Götz Rehn.

Vom 1.Oktober bis 30. November 2015 konnten sich Landwirte fĂŒr den Förderpreis der Alnatura Bio-Bauern-Initiative bewerben. Von insgesamt 65 Bewerbungen unterschiedlichster landwirtschaftlicher Sparten wurden nun 15 Betriebe ausgewĂ€hlt, die aufgrund Ihres Beitrags fĂŒr die umweltvertrĂ€gliche Produktion regionaler Bio-Lebensmittel in Deutschland besonders herausgestochen sind.

Neben vielen Bewerbungen aus der Milchviehwirtschaft, gab es auch einige wenig verbreitete Konzepte, wie z.B. den Walnuss- oder Johannisbeeranbau. Auch Marktfrucht-, Getreide- und Legehennenbetriebe waren unter den PreistrĂ€gern. Insgesamt konnte mit der Förderung der 15 Landwirtschaftsbetriebe eine FlĂ€che von 2038 Hektar auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt werden. Um solches Engagement auch weiterhin zu unterstĂŒtzen, wird der Förderpreis ab sofort jĂ€hrlich vergeben. Die nĂ€chste Bewerbungsrunde wird vom 1. MĂ€rz bis 30. Juni 2016 laufen.
Mehr
 

 
NABU und LBV: Spatz bleibt hÀufigster Wintervogel
Über 91.000 Menschen machten mit bei der "Stunde der Wintervögel"/Erlenzeisig ist "Shooting Star" des Winters

Der hĂ€ufigste Wintervogel in Deutschland bleibt der Spatz. Auch bei der sechsten bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ behauptete der Haussperling (Passer domesticus) seinen Spitzenplatz, wie der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund fĂŒr Vogelschutz (LBV), am heutigen Freitag mitteilten. Bei Deutschlands grĂ¶ĂŸter wissenschaftlicher Mitmachaktion, die vom 8. bis 10. Januar stattfand, haben bundesweit ĂŒber 91.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen Ergebnisse aus ĂŒber 61.000 GĂ€rten ĂŒbermittelt. In den jeweils einstĂŒndigen BeobachtungszeitrĂ€umen wurden insgesamt ĂŒber 2,5 Millionen Vögel gezĂ€hlt. Pro ZĂ€hlstelle wurden damit im Schnitt knapp ĂŒber 41 Vögel erfasst. Im vergangenen Winter beteiligten sich 77.000 Menschen mit Meldungen aus knapp 53.000 GĂ€rten an der Aktion.

Auf den ersten acht PlĂ€tzen der hĂ€ufigsten Wintervögel folgen nach dem Spitzenreiter Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, Feldsperling, Amsel, GrĂŒnfink, Buchfink und Elster, was genau dem Durchschnitt der ZĂ€hlungen vergangener Jahre entspricht. Nur in kalten Wintern mit viel Zuzug von Verwandten aus dem Norden und Osten scheint die Kohlmeise den sehr sesshaften Haussperling bundesweit von Platz eins verdrĂ€ngen zu können – so geschehen zuletzt im Jahr 2013. „Je mehr BĂŒrger uns Daten ĂŒber die Vögel vor ihrer HaustĂŒr ĂŒbermitteln, desto genauer wird unser Schnappschuss der winterlichen Vogelwelt in Deutschlands GĂ€rten und Parks“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Die große Überraschung des Jahres 2016 liegt auf Platz neun der hĂ€ufigsten Arten: Der Erlenzeisig ist der „Shooting Star“ des Winters. Im Vergleich zum Vorjahr (Platz 22) wurde der kleine gelbgrĂŒne Finkenvogel fast viermal hĂ€ufiger gemeldet – mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2011 erschienen an den ZĂ€hlplĂ€tzen. Die Art konnte deutschlandweit fast in jedem fĂŒnften Garten entdeckt werden, bei durchschnittlich 1,28 Vögeln pro Garten. „Grund fĂŒr diese Zahlen ist eine sogenannte Invasion aus dem Norden. Sie tritt ein, wenn die Zeisige in Skandinavien im Sommer besonders viele Junge aufgezogen haben, fĂŒr die das Futterangebot dort im Winter nicht ausreicht“, erlĂ€utert Lachmann. Bereits ab Juli 2015 hatten Ornithologen verstĂ€rkten Zuzug von Erlenzeisigen aus dem Norden beobachtet. Das bestĂ€tigen jetzt auch die Ergebnisse der Stunde der Wintervögel. Andere typische WintergĂ€ste wie Bergfinken oder SeidenschwĂ€nze, die in manchen Jahren sehr zahlreich auftreten können, machten sich dagegen rar.

Die fĂŒr Ornithologen und NaturschĂŒtzer wichtigsten Ergebnisse der ZĂ€hlung sind jedoch Hinweise auf langfristige Zu- oder Abnahmen bestimmter Vogelarten. „Über Zunahmen freuen wir uns, bei Abnahmen mĂŒssen wir möglichst schnell die Ursachen bestimmen, um gegensteuern zu können“, so Lachmann.
Hier bereitet vor allem der GrĂŒnfink Sorgen: Seit der ersten DurchfĂŒhrung der Aktion werden von Jahr zu Jahr weniger von diesen fĂŒr den menschlichen Siedlungsraum typischen Finkenvögeln gesehen. Mit 1,8 Vögeln pro Garten sind es in diesem Winter nur noch etwas mehr als halb so viele wie 2011. Als Grund vermuten die VogelschĂŒtzer vor allem das in den vergangenen Jahren vermehrt auftretende „GrĂŒnfinkensterben“, hervorgerufen durch eine Infektion mit dem parasitĂ€ren Einzeller Trichomonas gallinae, der besonders an sommerlichen Futterstellen ĂŒbertragen wird, an denen viele Vögel zusammenkommen.

Der KĂ€lteeinbruch kurz vor dem ZĂ€hltermin im Norden Deutschlands fĂŒhrte außerdem zu einer kleinen KuriositĂ€t: Viele Kraniche, die bis dahin versucht hatten, in Deutschland zu ĂŒberwintern, machten sich mitten im Winter doch noch auf den Weg in den warmen SĂŒdwesten und wurden dabei, obwohl keinesfalls typische Gartenvögel, ĂŒber vielen GĂ€rten ziehend beobachtet. 7899 Kraniche wurden gemeldet, wobei manche ziehenden Trupps sicherlich mehrfach registriert wurden. Auf der Deutschlandkarte der Wintervögel bilden sich daher ganz deutlich die beiden Hauptflugrouten der Kraniche ab, nĂ€mlich von der Ostsee ĂŒber das Ruhrgebiet und von Berlin bis ins Saarland.

Abgesehen von den vermehrt in Deutschland ĂŒberwinternden Kranichen konnten trotz des bis zum ZĂ€hltermin besonders milden Winters deutschlandweit keine deutlich erhöhten Zahlen von ĂŒberwinternden Zugvögeln festgestellt werden. Unter den typischen Kurzstreckenziehern, die regelmĂ€ĂŸig in Deutschland zu ĂŒberwintern versuchen, gab es nur leicht erhöhte Zahlen, die durch die grĂ¶ĂŸere Teilnehmerzahl erklĂ€rt werden können: 1988 HausrotschwĂ€nze gegenĂŒber etwa 1700 in den Vorjahren, 589 Zilpzalpe gegenĂŒber etwa 350 in den Vorjahren und 742 Bachstelzen gegenĂŒber etwa 600 in den Vorjahren.

Eine interessante Tendenz beobachten die Vogelforscher jedoch bei Deutschlands grĂ¶ĂŸter Wildtaube, der Ringeltaube. Zwar sind die im Rahmen der Stunde der Wintervögel gemeldeten Zahlen nur unwesentlich angestiegen, dafĂŒr aber ist der Anteil der GĂ€rten, aus denen diese Taube gemeldet wurde, ĂŒber die Jahre signifikant angestiegen: Statt nur in 18 Prozent aller GĂ€rten, findet sie sich nun in fast jedem vierten Garten. Dies deutet darauf hin, dass die Art ihr Winterverbreitungsgebiet in Deutschland derzeit deutlich ausweitet.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt in diesem Jahr der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016. Sein Bestand nimmt deutschlandweit stark ab, er liebt aber winterliche Futterstellen. In der Tat erreichte der Stieglitz in diesem Jahr mit 0,51 Vögeln pro Garten sein bisher bestes Ergebnis. Ob dieses erfreuliche Ergebnis lediglich dem diesjĂ€hrigen „Promi-Status“ des Vogels zu verdanken ist, oder wirklich eine beginnende Bestandserholung anzeigt, werden die Ergebnisse zukĂŒnftiger ZĂ€hlungen zeigen. Im Jahr des Stieglitz fordern NABU und LBV alle BĂŒrger auf viele ‚bunte Meter‘ aus samenreichen Wildblumen zu schaffen.

Auch bei der NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“, die jedes Jahr im Mai durchgefĂŒhrt wird, landet der Haussperling seit vielen Jahren auf Platz eins. Die nĂ€chste große VogelzĂ€hlung findet am Pfingstwochenende statt (13. bis 15. Mai)
Mehr
 

 
NABU: Mammut-Projekt Fehmarnbeltquerung bleibt ĂŒberflĂŒssig
Ausbau des „JĂŒtland-Korridors“ ist bessere Alternative

AnlĂ€sslich der Beratung der deutsch-dĂ€nischen Verkehrskommission am heutigen Montag in Flensburg fordert der NABU Deutschland und DĂ€nemark erneut auf, die PlĂ€ne fĂŒr das Mammut-Projekt feste Fehmarnbeltquerung endgĂŒltig zu begraben. Angesichts ökologischer Risiken und unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸiger Gesamtprojektkosten von rund zwölf Milliarden Euro inklusive der Hinterlandanbindungen auf beiden Seiten des Fehmarnbeltes bleibe das Projekt ĂŒberflĂŒssig. Der NABU setzt sich seit Langem dafĂŒr ein, statt der teuren und ökologisch hoch problematischen Fehmarnbeltquerung, den so genannten „JĂŒtland-Korridor“ – die Verbindung von Hamburg ĂŒber Flensburg und die Storebelt-BrĂŒcke – auszubauen. So könnten Kosten gespart und große SchĂ€den fĂŒr Natur und Umwelt vermieden werden. Beide Routen sind Teile des europĂ€ischen Transportnetzes TEN-T.
„Der NABU steht bei Infrastrukturprojekten fĂŒr das Prinzip Erhalt und ErtĂŒchtigung, und zwar vor allem dann, wenn sich durch kluge Alternativen Neubauten vermeiden lassen. Die europarechtlich zwingend vorgeschriebene PrĂŒfung der möglichen Alternative ĂŒber JĂŒtland ist jedoch unrechtmĂ€ĂŸiger Weise durch den Staatsvertrag ausgehebelt worden. Das werden wir auf jeden Fall angreifen“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. Die feste Fehmarnbeltquerung verbinde nachweislich zwei Rapsfelder, und fĂŒr das bislang prognostizierte Verkehrsaufkommen werde in Deutschland in der Regel nicht mal eine Umgehungsstraße gebaut.
KĂŒrzlich hatte ein hochrangiger Mitarbeiter des VorhabentrĂ€gers (die dĂ€nische Bau- und Planungsgesellschaft Femern A/S) auf einer Anhörung die Fehmarnbeltquerung als „ErgĂ€nzung“ zum JĂŒtland-Korridor bezeichnet.
„Durch den Elbtunnel bei Hamburg fahren tĂ€glich 150.000 Fahrzeuge. Mit offiziell erwarteten 10.000 Verkehrsbewegungen wird es am Fehmarnbelt auch in 100 Jahren keinen Bedarf geben, der diese ökologischen SchĂ€den in einem europĂ€isch geschĂŒtzten, hoch sensiblen Meeresgebiet rechtfertigt. ErgĂ€nzungen baut man dann, wenn infrastruktureller Druck herrscht und nicht, weil es politisch gewollt ist“, so Miller weiter. Das sei keine nachhaltige Verkehrspolitik. In einem Schreiben hatte der NABU dem dĂ€nischen Transportausschuss kĂŒrzlich angeboten, seine Vorbehalte gegen die Fehmarnbeltquerung persönlich vorzutragen.
FĂŒr bedeutungslos mit Blick auf das niedrige Verkehrsaufkommen hĂ€lt der NABU daher auch die gerade veröffentlichte Finanzanalyse der WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft Ernst & Young. Darin wird dem VorhabentrĂ€ger Femern A/S bescheinigt, dass eine feste Fehmarnbeltquerung angeblich unter den fĂŒr eine solide Refinanzierung wichtigen 39 Jahren realisiert werden könnte. Der mangelnde Bedarf und die mögliche Alternative ĂŒber JĂŒtland rechtfertigen aus NABU-Sicht selbst dann das Projekt nicht, wenn sich das Vorhaben – wie in der Analyse behauptet – betriebswirtschaftlich rechnen wĂŒrde.
„Bei einer ersten PrĂŒfung der Bewertung ist uns darĂŒber hinaus aufgefallen, dass Ernst&Young zum Beispiel bei der Ticketpreisgestaltung und der Konkurrenz der FĂ€hrlinie von falschen Voraussetzungen ausgehen. Am Ende ist das Ergebnis einer Analyse eben nur so richtig, wie die zugrunde gelegten Annahmen“, so Malte Siegert, Fehmarnbeltexperte des NABU. Auch deswegen bleibe der NABU von der dĂ€nischen Entscheidung unbeeindruckt. Der Erörterungstermin in Kiel vom November 2015 habe verdeutlicht, dass der VorhabentrĂ€ger auf viele negative ökologische Auswirkungen keine Antworten hat. Nicht nur deren juristische KlĂ€rung werde auf nationaler und europĂ€ischer Ebene Zeit in Anspruch nehmen.
Mit Blick auf den kommenden Bundesverkehrswegeplan birgt die Entscheidung nach Auffassung des NABU weiterhin zahlreiche finanzielle Risiken fĂŒr den nationalen Haushalt. Noch vor dem ersten Spatenstich sind die Baukosten von 900 Millionen auf fast drei Milliarden Euro fĂŒr die Hinterlandanbindung zwischen LĂŒbeck und Puttgarden auf Fehmarn gestiegen.
Mehr
 

ÖKO-TEST Kindergeschirr
Das ÖKO-TEST-Magazin Februar 2016 gibt es seit dem 29. Januar 2016 im Handel
 
ÖKO-TEST Kindergeschirr
Das MĂ€rchen vom Bio-Tellerchen

Es ist ein Tiefschlag fĂŒr das Image von Bio-Kunststoffen: Ein neuer Test des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST zeigt, dass Bambus-Geschirr nicht ausschließlich aus natĂŒrlichen Rohstoffen hergestellt ist, sondern Kunststoffe enthĂ€lt. Die regulĂ€re Plastikware zeigte sich dagegen ohne auffĂ€llige Befunde.

Viele Eltern servieren ihren Kleinkindern die ersten Mahlzeiten auf robustem Plastikgeschirr, das auch mal die ersten Wurf- und Freifallexperimente schadlos ĂŒbersteht. Meist werden diese Geschirre aus Melaminkunstharz gefertigt. Dessen Produktionsgrundstoffe Melamin und Formaldehyd sind jedoch problematisch: Melamin bildet Kristalle im Urin, die die Nieren lebensbedrohlich schĂ€digen können. Formaldeyhd wird von der EU als krebsverdĂ€chtig eingestuft. Im Kunstharz sind diese beiden Stoffe gebunden und damit unbedenklich. Allerdings können sie durchs Braten, Kochen und durch heiße Speisen ins Essen und die GetrĂ€nke ĂŒbergehen.

ÖKO-TEST hat 16 Kindergeschirrsets eingekauft und im Labor auf bedenkliche Inhaltsstoffe und Materialtricksereien prĂŒfen lassen. Das Ergebnis ĂŒberraschte: WĂ€hrend die Kunststoffprodukte kein Melamin oder Formaldehyd absonderten und uneingeschrĂ€nkt empfohlen werden können, sind die fĂŒnf Bambusprodukte aus Sicht des Verbrauchermagazins „nicht verkehrsfĂ€hig“. Die Anbieter bewerben sie als ausschließlich aus natĂŒrlichen Rohstoffen wie Bambus und Maismehl hergestellt. Vier vermeintliche Ökogeschirrsets sind so zwar gesundheitlich unbedenklich. Doch in der Laboranalyse zeigte sich, dass die Pflanzenfasern mit Melaminharz verklebt wurden: klare FĂ€lle von VerbrauchertĂ€uschung. Bei einem fĂŒnften Bambusgeschirr, das ebenfalls als Ökoware beworben wird, konnte das verwendete Kunstharz nicht eindeutig identifiziert werden. Die Teller und Tassen des Sets sonderten jedoch krebsverdĂ€chtiges Formaldehyd in heiße TestflĂŒssigkeit ab - in Mengen ĂŒber EU-Grenzwert.
Mehr
 



Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 
24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 
47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 
70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 
93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 
116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 
139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 
162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 
185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 
208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 
231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 
254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 
277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 
300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 
323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 
346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 


Copyright 2010 - 2019 Benjamin Jäger