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Dienstag, 21. August 2018
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Verschiedenes

 
NABU kritisiert geplante Änderungen im Baurecht
Erleichterung fĂŒr Wohnbebauung an den SiedlungsrĂ€ndern widerspricht dem 30-Hektar-Ziel

Der NABU kritisiert die geplanten GesetzesĂ€nderungen der Bundesregierung im Bau- und Planungsrecht. FĂŒr Wohnungsbau auf landwirtschaftlichen und unbebauten FlĂ€chen am Ortsrand sieht der Gesetzentwurf zur Novellierung des Baugesetzbuchs und der Baunutzungsverordnung erhebliche Ausnahmeregelungen und Erleichterungen vor. Durch die „Einbeziehung von AußenbereichsflĂ€chen in das beschleunigte Verfahren“ könnte kĂŒnftig generell auf eine PrĂŒfung der Umweltauswirkungen der geplanten Bebauung sowie auf Ausgleichsmaßnahmen fĂŒr Eingriffe in Natur und Landschaft verzichtet werden. Der Gesetzentwurf ist Gegenstand der öffentlichen Anhörung des Umweltausschusses im Bundestag am heutigen Mittwoch.

„Diese Ausnahmeregelung widerspricht klar dem 30-Hektar-Ziel der Bundesregierung, das leider erst kĂŒrzlich mit der Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie auf das Jahr 2030 verschoben wurde. Derzeit liegt der FlĂ€chenverbrauch bei fast 70 Hektar pro Tag. Die jetzt geplante Außenbereichsregelung konterkariert eine flĂ€chensparende Siedlungsentwicklung“, sagt NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. Der NABU fordert, die entsprechende Regelung vollstĂ€ndig aus dem Gesetzentwurf zu streichen, wie es auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 10. Februar empfiehlt. Die derzeit drĂ€ngenden Wohnungsbauerfordernisse sind bereits mit den vorhandenen rechtlichen Regelungen zu bewĂ€ltigen. Dabei sollte auch weiterhin die Entwicklung innerstĂ€dtischer FlĂ€chen im Vordergrund stehen.

Im Mittelpunkt der Änderung des Baurechts stand zunĂ€chst die EinfĂŒhrung einer neuen Baugebietskategorie. In den „Urbanen Gebieten“ dĂŒrfte höher und dichter gebaut werden. Außerdem könnten z.B. Einzelhandel und Wohnen leichter miteinander gemischt werden. Der NABU sieht hierin eine Möglichkeit, eine flĂ€chensparende Siedlungsentwicklung zu unterstĂŒtzen und begrĂŒĂŸt daher im Grundsatz diese lang geplante und vorbereitete Änderung.

Die Außenbereichsregelung hingegen wurde dem Gesetzentwurf Ă€ußerst kurzfristig und ohne Beteiligung der VerbĂ€nde hinzugefĂŒgt. Die in Rede stehenden Ausnahmebestimmungen wurden ursprĂŒnglich 2007 mit dem Ziel eingefĂŒhrt, innerstĂ€dtische Bauvorhaben auf brach gefallenen oder bereits bebauten FlĂ€chen zu erleichtern. Sie aber unangepasst auf FreirĂ€ume an den SiedlungsrĂ€ndern anzuwenden, entspricht weder einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung noch der Logik des bestehenden Planungsrechts.

Neben einer nachhaltigen Innenentwicklung mit behutsamer Nachverdichtung und klugen Nutzungskonzepten ist im Einzelfall auch die Inanspruchnahme neuer FlĂ€chen zu prĂŒfen. Aber gerade bei landwirtschaftlichen und unbebauten FlĂ€chen am Ortsrand darf auf eine UmweltprĂŒfung und gegebenenfalls erforderliche Ausgleichsmaßnahmen keinesfalls verzichtet werden“, so Miller.
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Ausverkauf der Meeresschutzgebiete geht weiter
GefĂ€hrliche Änderung im Bundesnaturschutzgesetz – Bundesregierung verfehlt Ziele zum Schutz von Nord- und Ostsee

Die deutschen UmweltverbĂ€nde Ă€ußern scharfe Kritik an einzelnen Änderungen des novellierten Bundesnaturschutzgesetzes im Bereich Meeresschutz. Sie befĂŒrchten, dass sich der Schutz der Nord- und Ostsee weiter verschlechtern könnte. NABU, BUND, DNR, DUH, Greenpeace, Schutzstation Wattenmeer, WWF und Whale & Dolphin Conservation kritisieren, dass das in den Verhandlungen federfĂŒhrende Bundesumweltministerium dem Druck anderer Ministerien nachgegeben habe und einen gefĂ€hrlichen Handel eingegangen sei, um das Gesetz schnell zu verabschieden. Das neue Bundesnaturschutzgesetz sichert den Ministerien fĂŒr Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Forschung erstmals ein Vetorecht bei der Unterschutzstellung der wertvollsten Meeresgebiete zu. So dĂŒrften kĂŒnftig die Fischerei-, Rohstoff- und Schifffahrtslobbys mitentscheiden, welche Maßnahmen zum Schutz von Schweinswalen und Kegelrobben, Riffen oder Seegraswiesen ergriffen werden. Die UmweltverbĂ€nde fordern jetzt den Bundestag und Bundesrat auf, die sogenannte Einvernehmensregelung zu stoppen. Ansonsten drohe der weitere Ausverkauf der Nord- und Ostsee.

Die Kritik zielt insbesondere auf den Paragraphen 57 der Gesetzesnovelle. Hier wird den Bundesministerien – statt wie bisher eine Beteiligung – nun eine sogenannte Einvernehmensregelung zugesichert. Damit könnte ein einziges Ministerium kĂŒnftig Verordnungen und Maßnahmen zum Schutz der Meere blockieren. „Diese Gesetzesnovelle wird die Übernutzung unserer Meere zementieren. Das zeigten bereits die Verhandlungen um die Natura-2000-Gebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone. Die im vergangenen Jahr veröffentlichten EntwĂŒrfe der Naturschutzgebietsverordnungen sind in den letzten Monaten durch die anderen Ministerien so stark verwĂ€ssert worden, dass die Bundesregierung weder ihrem eigenen Koalitionsvertrag gerecht wird, noch den EU-rechtlichen Verpflichtungen“, so die VerbĂ€nde. Jedes beteiligte Ministerium habe sich Ausnahmen in die VerordnungsentwĂŒrfe schreiben lassen, so dass in den Schutzgebieten weiter gefischt, Sand- und Kies abgebaut oder mit extrem lauten Schallkanonen nach fossilen Rohstoffen gesucht werden dĂŒrfe.

In der eigenen Pressemitteilung zur Gesetzesnovelle sprach die Bundesregierung am vergangenen Mittwoch von einer Grundlage fĂŒr den besseren Schutz der Meere. Zwar ermöglicht das neue Gesetz, zukĂŒnftig auch weniger prominente Artengruppen wie Rochen oder Muscheln bei SchutzbemĂŒhungen zu berĂŒcksichtigen. Doch das nĂŒtze nichts, da effektive und regulierende Maßnahmen praktisch ausgeschlossen wĂŒrden, so die VerbĂ€nde.

Schon heute setzen sich beim Meeresschutz viel zu oft einzelne Wirtschaftsinteressen gegen das Allgemeininteresse durch. Die Gesetzesnovelle dĂŒrfte es dem Bundesumweltministerium und dem Bundesamt fĂŒr Naturschutz noch schwerer machen, die Artenvielfalt in unseren Meeren fĂŒr zukĂŒnftige Generationen zu erhalten. Dabei gilt heute jede dritte Art in Nord- und Ostsee nach Roter Liste als gefĂ€hrdet. Grund dafĂŒr sind nach eigener Aussage der Bundesregierung vor allem Fischerei, Kies- und Sandabbau sowie der Eintrag von NĂ€hr- und Schadstoffen.

„Deutschland setzt sich richtigerweise fĂŒr die Zukunft der Antarktis und gegen die weltweite VermĂŒllung der Meere ein, versagt aber klĂ€glich beim Meeresschutz vor der eigenen HaustĂŒr. Bundestag und Bundesrat dĂŒrfen nicht zulassen, dass die Bundesregierung vor den Interessen der Wirtschaftslobby einknickt, sonst verspielt Deutschland seine internationale Reputation beim Meeresschutz“, so die VerbĂ€nde.
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NABU: Der lange Arm der Agrarlobby
Stimmungsmache des Bauernverbandes lĂ€sst Böses ahnen fĂŒr Debatte um Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik

Der NABU bedauert das erzwungene Ende der viel beachteten Informationskampagne „Neue Bauernregeln“ des Bundesumweltministeriums. Die Bauernregeln von Bundesministerin Hendricks sind auf massive Proteste, vor allem aus den Reihen des Bauernverbandes, gestoßen. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte einen Stopp der Kampagne gefordert, die einfache und völlig korrekte Fakten ĂŒber Umweltprobleme in der Landwirtschaft auf humorvolle Weise thematisiert hat. Aber auch eigene Parteifreunde sind der Ministerin in den RĂŒcken gefallen. Dies gab wohl den Ausschlag, dass sie nicht lĂ€nger der aggressiven und vollkommen unsachlichen Stimmungsmache der Agrarlobby standhalten konnte.

„Es ist nicht die Aufgabe des NABU, eine Bundesministerin zu verteidigen. Aber angesichts des Erfolgs einer völlig faktenfrei orchestrierten Empörung der Agrarlobby gegen eine harmlose AufklĂ€rungskampagne können wir nicht schweigen. Das lĂ€sst Böses ahnen fĂŒr die anstehende Debatte um die EU-Agrarpolitik“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. Immerhin gehe es um jĂ€hrlich 60 Milliarden Euro. Diese lasse sich die Lobby nicht gerne wegnehmen. Es könne aber nicht sein, dass sie nur laut genug schreien mĂŒsse, um ihren Willen zu bekommen. „Das bestĂ€tigt uns als NABU darin, mit unseren 620.000 Mitgliedern und Förderern im Wahljahr mit allen Möglichkeiten fĂŒr eine Neuausrichtung der EU-Agrarförderung zu kĂ€mpfen“, so Miller weiter. Viele Bauern seien bereit zu VerĂ€nderung, wĂŒrden jedoch von der EU-Agrarpolitik, die der Bauernverband vehement verteidigt, gezwungen, immer mehr und immer billiger zu produzieren.

Am Donnerstagabend hatte das Bundesumweltministerium die in Reimen formulierte Darstellung von Umweltproblemen in der Landwirtschaft von seiner Webseite genommen. Die Ministerin verkĂŒndete in einer Videobotschaft, man wolle nun einen Dialogprozess starten. Aus Sicht des NABU ist dies eine klare Kapitulation vor den Lobbyisten. NatĂŒrlich seien Dialogprozesse sinnvoll. Aber dass die Information der Öffentlichkeit ĂŒber wissenschaftlich unstrittige Probleme der Landwirtschaft unterbunden wird, sei ein Armutszeugnis fĂŒr diese Bundesregierung und die SPD. Sogar Teile der GrĂŒnen auf Landesebene seien vor der Agrarlobby eingeknickt und hĂ€tten sich gegen die Kampagne gestellt.

Laut NABU zeigen diese VorgĂ€nge um Hendricks Info-Kampagne die ĂŒbergroße Macht der Agrarindustrie in Deutschland. Verkörpert werde sie durch den Deutschen Bauernverband. Dieser hatte wohl schon seit LĂ€ngerem auf eine Gelegenheit gewartet, die unliebsame Ministerin zu beschĂ€digen oder gar zum RĂŒcktritt zu zwingen. Nun wurde eine aggressive Kampagne gestartet, bei der Fakten als „Pseudo-Wahrheiten“ dargestellt und der Ministerin fĂ€lschlicherweise eine Diffamierung aller Bauern vorgeworfen wurde.

Barbara Hendricks hat sich in den vergangenen Jahren bei der erfolgreichen Verteidigung der EU-Naturschutzrichtlinien europaweit einen Namen gemacht. Der Deutsche Bauernverband hatte dagegen vergeblich die Aufweichung der Standards gefordert. Die Ministerin drĂ€ngt auch auf die Einhaltung des EU-DĂŒngerechts zum Schutz des Grundwassers, sowie auf eine stĂ€rkere Regulierung der Massentierhaltung. „Im Gegensatz zu anderen Teilen der Wirtschaft scheint sich die Agrarindustrie immer noch nicht damit abzufinden, dass auch sie Umweltstandards einhalten muss und Subventionen nicht vererbt werden können“, fasst Miller zusammen.

„Beim Deutschen Bauernverband kann man schon lĂ€ngst nicht mehr von einer echten Vertretung bĂ€uerlicher Interessen sprechen, geschweige denn von einem Bewusstsein fĂŒr Nachhaltigkeit oder gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Der Verband verteidigt ein System, das nur wenigen wirklich nĂŒtzt und fast allen erheblich schadet: den Steuerzahlern, den kĂŒnftigen Generationen und den Bauern selbst“, so Miller weiter.
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Slow Food bedauert Einstampfen der Bauernregeln
"Eine Posse und ein Kniefall vor der Agrarlobby". Die von Barbara Hendricks lancierten neuen Bauernregeln waren leicht verstÀndlich und trafen voll ins Schwarze. Slow Food Deutschland Vorsitzende Ursula Hudson: Kritik an der Ministerin ist "schamloses politisches Getrumpel"

Im Streit zwischen Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat die ErnĂ€hrungsorganisation Slow Food Deutschland der Umweltministerin den RĂŒcken gestĂ€rkt und sie aufgerufen, ihre "neuen Bauernregeln" doch noch zu plakatieren. Nach heftiger Kritik der Bauernlobby und massivem Druck auf das Ministerium hatte Hendricks von der geplanten Kampagne mit beeindruckender Haltung Abstand genommen. Slow Food Vorsitzende Ursula Hudson sagte, die von Hendricks lancierten Bauernregeln hĂ€tten "die Misere der Landwirtschaft in leicht zugĂ€nglicher Form fĂŒr jedermann verstĂ€ndlich gemacht: humorvoll, komprimiert, pointiert und inhaltlich auf den Punkt." Nicht die Bauern seien hier aufs Korn genommen worden, sondern eine desaströse Landwirtschaftspolitik, die von der ĂŒbergroßen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werde. Dass die Plakatierung jetzt unter dem Protestgeschrei des Landwirtschaftsministers gestoppt werde, sei eine "undemokratische Posse und ein Kniefall der Bundesregierung vor der Agrarlobby" (Hudson). Über die Internet-Medien wĂŒrden die Plakate aber auf jeden Fall weiterverbreitet, das könne keine noch so mĂ€chtige Interessenpolitik verhindern.

Die elf zur Plakatierung vorgesehenen neuen Bauernregeln sind in Reimform verfasst und schön illustriert: "Ohne Blumen auf der Wiese, geht's den Bienen richtig miese!" Oder: "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein!" Und: "Zuviel DĂŒnger auf dem Feld, geht erst ins Wasser, dann ins Geld!"

Inhaltlich, so die Slow Food Vorsitzende, wĂŒrden hier unbestreitbare Probleme der Landwirtschaft thematisiert, die auch wissenschaftlich ausreichend belegt seien. Hudson: "Der Aufschrei der Agrarlobby und die maßlose Kritik an der Umweltministerin belegen doch nur eines: dass die Plakate voll ins Schwarze getroffen hĂ€tten! Machen Sie weiter, Frau Hendricks, lassen Sie sich jetzt bloß nicht einschĂŒchtern!"

Hudson bezeichnete die an die Adresse der Ministerin gerichteten RĂŒcktrittsforderungen als "schamloses politisches Getrumpel". Offenbar sei die deutsche Agrarlobby nicht nur herzlos, sondern auch vollkommen humorlos; sie habe die Reime als Angriff auf die Bauern umgedeutet und bewusst missverstanden.

Der Streit zwischen den beiden Ministerien schwele seit vielen Jahren unproduktiv vor sich hin, sagt Tierarzt und Slow Food Vorstand Rupert Ebner. Immer wieder hĂ€tten das Bundesamt fĂŒr Naturschutz und das Umweltbundesamt - beide Behörden unterstehen dem Umweltministerium - Maulkörbe verpasst bekommen. Kritik an der Landwirtschaftspolitik werde regelmĂ€ĂŸig abgeblockt, deshalb sei es mutig und in der Sache vollkommen richtig, wenn Ministerin Hendricks das lange SĂŒndenregister des Agrarmolochs endlich aus dem Dunkel der Kabinettsdisziplin herausgeholt habe. "Und das auch noch in einer kommunikativen Form, die jedes Kind versteht", so Ebner. Im direkten Dialog mit Minister Christian Schmidt und seinen vielen VorgĂ€ngern sei ĂŒber viele Jahre nichts herausgekommen als SchönfĂ€rberei und wohlfeile Lippenbekenntnisse.

An den Gift- und GĂŒlleorgien, an einer zu weiten Teilen grausamen Tierhaltung, an Höfesterben, Artenschwund und Bienensterben habe sich viel zu wenig geĂ€ndert. Im Gegenteil: Die biologische Vielfalt gehe von Jahr zu Jahr weiter zurĂŒck, die AckerflĂ€chen der Intensivlandwirtschaft seien zunehmend totes Land. Und die ĂŒberfĂ€llige Agrarwende komme seit Jahren keinen Millimeter voran.

Der ewige Streit zwischen den beiden Ministerien zeige aber auch, so Ursula Hudson, dass die alten Ressortzuschnitte reformbedĂŒrftig seien. Die Kompetenzen fĂŒr eine neue ErnĂ€hrungspolitik mĂŒssten dringend zusammengebracht werden - ressortĂŒbergreifend. Wir brauchen keine Agrarpolitik, die einseitig Interessen vertritt, sondern eine ErnĂ€hrungspolitik, die das Ganze in den Blick nimmt und verantwortungsvoll gestaltet - eine gute Zukunft fĂŒr uns alle.
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Karlsruhe: Nutzen schaffen statt wegwerfen
Upcycling bei der WaldpÀdagogik / Foto: WaldpÀdagogik Karlsruhe
 
Karlsruhe: Nutzen schaffen statt wegwerfen
RealschĂŒler bauen Palettenmöbel im Waldklassenzimmer

Nutzen schaffen statt wegwerfen - unter diesem Motto stand das Projekt der WaldpĂ€dagogik Karlsruhe. An insgesamt sechs Terminen haben SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Realschule plus des Albert-Grosser-Schulzentrums in Bad Bergzabern im Waldklassenzimmer Möbel aus alten Paletten gebaut. Dabei wurden lediglich das Werkzeug sowie das Grundmaterial gestellt, die Planung, Gestaltung und Umsetzung erarbeiteten die Jugendlichen in Eigenregie. UnterstĂŒtzt wurden sie dabei von den drei Freiwilligendienstleistenden der WaldpĂ€dagogik.

Das Projekt steht im engen Zusammenhang mit dem Konzept der Schule "Keiner ohne Abschluss", das auch lernschwachen und sozial benachteiligten Jugendlichen eine bessere Chance am Arbeitsmarkt eröffnen will. Die Ergebnisse des Projekts können fortan im Außenbereich der WaldpĂ€dagogik genutzt werden.

zum Bild oben:
SchĂŒler der Realschule plus des Albert-Grosser-Schulzentrums haben im Waldklassenzimmer Möbel aus alten Paletten gebaut. / Foto: WaldpĂ€dagogik Karlsruhe
 
 

 
Gericht bremst Elbvertiefung aus
BUND, NABU und WWF: Planung nach zehn Jahren immer noch nicht rechtskonform

UmweltverbÀnde fordern Kooperation der SeehÀfen und bessere Flusspolitik

Leipzig: Es gibt weiterhin kein grĂŒnes Licht fĂŒr die geplante Elbvertiefung. Das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) in Leipzig hat heute verkĂŒndet, dass der vorliegende Planfeststellungsbeschluss zur Elbvertiefung rechtswidrig ist und nicht vollzogen werden kann. Das Gericht folgt damit ĂŒberwiegend einer vom WWF unterstĂŒtzen Klage der UmweltverbĂ€nde BUND und NABU. „Den Behörden ist es erneut nicht gelungen, eine rechtskonforme Planung fĂŒr die geplante Elbvertiefung vorzulegen – und dies nach zehn Jahren Verfahrensdauer. Die Planungsbehörden wĂ€ren gut beraten, das Umweltrecht endlich ernst zu nehmen“, kommentieren die VerbĂ€nde.

Die Richter kritisierten, dass die Auswirkungen auf die Natur unterschĂ€tzt wurden und die geplanten Reparaturmaßnahmen bei weitem nicht ausreichen. „Die Planungsbehörden wollten das Naturschutzpflichtprogramm als speziellen Ausgleich fĂŒr den schweren Eingriff in die Elbe verkaufen. Dieser Etikettenschwindel ist aufgeflogen. Nun sind zusĂ€tzliche Schutzmaßnahmen erforderlich, damit ein so schwerer Eingriff mit dem Recht vereinbar wĂ€re“, sagen die UmweltverbĂ€nde BUND, NABU und WWF.

Über den konkreten Fall hinaus, ist dieses Urteil bedeutsam fĂŒr die notwendige Beachtung der deutschen und europĂ€ischen Naturschutzvorschriften auch bei großen Infrastrukturplanungen. Das frĂŒhere „WegwĂ€gen“ von Naturschutzbelangen fĂŒhrt nach heutiger Rechtslage zum Scheitern von Planungen.

Die UmweltverbĂ€nde favorisieren weiterhin eine Kooperation der drei norddeutschen SeehĂ€fen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven als ökologisch und volkswirtschaftlich beste Lösung. Es sei unverantwortbar, die Elbe und deren einzigartige Natur fĂŒr wenige Großcontainerschiffe weiter zu zerstören, wĂ€hrend der fĂŒr ĂŒber eine Milliarde Euro gebaute Jade-Weser-Port keinerlei TiefgangsbeschrĂ€nkungen habe, aber nur zu rund 20 Prozent ausgelastet sei. „FĂŒr die ganz großen Schiffe gibt es eine Alternative, fĂŒr die Natur nicht“, so die UmweltschĂŒtzer von BUND, NABU und WWF.

Bei der geplanten Elbvertiefung handelt es sich um den historisch grĂ¶ĂŸten Eingriff in die Tideelbe zwischen Hamburg und der Nordsee. Mit rund 40 Mio. Kubikmetern soll drei Mal mehr Sediment aus dem Fluss gebaggert werden als bei der letzten Vertiefung im Jahr 1999. Es besteht das Risiko, dass das Ökosystem der Elbe dann durch verĂ€nderte StrömungsverhĂ€ltnisse, erhöhten Schwebstofftransport und sinkenden Sauerstoffwerte stark geschĂ€digt wird. Das FlussmĂŒndungsgebiet an der Ems ist bereits zum Sanierungsfall geworden.
 
 

Freiburg wird fĂŒr starke Hochwasser gerĂŒstet
Hochwasserschutz im Bohrertal / Quelle: GD 90 Gestaltung Digital
 
Freiburg wird fĂŒr starke Hochwasser gerĂŒstet
Planungen fĂŒr HochwasserrĂŒckhaltebecken Bohrertal nahezu abgeschlossen

Konzept fĂŒr Breitmatte soll im Sommer vorgestellt werden – Kommunale Zusammenarbeit fĂŒhrt zum Ziel

Freiburg wird fĂŒr starke Hochwasser gerĂŒstet. DafĂŒr plant das
Garten- und Tiefbauamt (GuT) zwei
HochwasserrĂŒckhaltebecken (HRB), um GĂŒnterstal, die
Wiehre, Haslach und Weingarten vor starkem Hochwasser zu
schĂŒtzen: Das HRB Bohrertal auf Gemarkung Horben und
das HRB Breitmatte.

Die PlĂ€ne fĂŒr das HRB Bohrertal sind so weit gediehen, dass
sie den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern am Mittwoch, 8. Februar,
beim BĂŒrgergesprĂ€ch mit OberbĂŒrgermeister Dieter Salomon
in GĂŒnterstal vorgestellt werden können. Die Planungen vom
HRB Breitmatte sind noch nicht soweit und sollen im Sommer
vorgestellt werden.

Das RĂŒckhaltebecken Bohrertal wird auf ein statistisch alle
hundert Jahr einmal auftretendes Hochwasserereignis
ausgelegt. Dazu ist ein rund 13 Meter hoher Damm
erforderlich, der 275 Meter lang und an der breitesten Stelle
rund 80 Meter breit ist.

Durch den Damm kann die StauflÀche bei Hochwasser bis zu
200.000 Kubikmeter Wasser speichern; das Wasser kann
danach langsam wieder abfließen. Der durch das
Hochwasser entstehende See wird so groß wie sechs
Fußballfelder - genau 4,4 Hektar - , dies aber nur fĂŒr ganz
kurze Zeit. Die Ingenieure kamen in ihrer Modellrechnung auf
30 Stunden, die es beim hundertjÀhrigen Hochwasserereignis
dauert, bis der See gefĂŒllt und wieder entleert ist.

Neben dem Weg auf dem kĂŒnftigen Damm selbst befindet
sich auch auf jeder Seite des Dammes ein Weg. Der Damm
kann von SpaziergÀngern genutzt werden und wird auch
Sitzmöglichkeiten zum Verweilen bieten. Die
Umweltgutachten zum HRB Bohrertal sind nahezu
abgeschlossen.

Gegen Ende 2016 wurden die Böden auf den kĂŒnftigen
Standorten der beiden HRB Bohrertal und HRB Breitmatte
analysiert. Diese erforderlichen und aufwÀndigen
Untersuchungen fĂŒr beide geplanten Becken werden die
bislang kalkulierten Kosten voraussichtlich erhöhen. Aus
diesem Grund soll das von der Stadt beauftragte
IngenieurbĂŒro eine genaue Kostenberechnung erstellen und
diese zusammen mit dem HRB Breitmatte vor der
Sommerpause vorstellen.

Der Bau der beiden HochwasserrĂŒckhaltebecken soll
voraussichtlich im Herbst 2019 beginnen und die Becken
können gegen Ende 2021 in Betrieb gehen.




 
 

 
Der Mundenhof stellt sein Jahresprogramm vor
Buntmarder im Anmarsch, Umbau der Exotischen Mitte, Rote Achse im Juli, Vorbereitung fĂŒr die PrĂ€rie auf der Bisonkoppel

Auch 2016 kamen ĂŒber 360.000 Besucher in Freiburgs Naturerlebnispark

3.706 Kinder und Jugendliche und 81 Schulklassen im Kontiki

Der Mundenhof bleibt ein PhÀnomen. Die Besucherzahlen in
Freiburgs Naturerlebnispark halten ein beeindruckendes Niveau. Im
vergangenen Jahr kamen wiederum ĂŒber 360.000 Besucherinnen
und Besucher, nachdem er in den Jahren 2015 (369.000) und 2014
(364.000) jeweils neue Rekorde aufgestellt hatte.

Was in diesem Jahr auf den Mundenhof und sein Publikum
zukommt, haben UmweltbĂŒrgermeisterin Gerda Stuchlik und das
Leitungs-Duo des Mundenhofs, Susanne Eckert und Berno
Menzinger, heute auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Dabei hob
Stuchlik hervor: „Der Mundenhof ist nach wie vor ein
Besuchermagnet. Der konstant hohe Zuspruch freut uns sehr und
ermuntert uns auch das GelĂ€nde stetig weiterzuentwickeln.“

Programm 2017
Mit dem Tod des BĂ€ren Joschi ist im Juni 2015 die Ära der
BĂ€renhaltung auf dem Mundenhof zu Ende gegangen. Die BĂ€ren
waren ein Publikumsmagnet gewesen, gleichzeitig war jedoch klar,
dass sie auf dem Mundenhof unter den gegebenen Bedingungen
nicht artgerecht zu halten sind. Seit Ende 2016 wird das alte
BĂ€rengehege in der Exotischen Mitte umgebaut, damit im Idealfall
noch diesen Herbst zwei Buntmarder einziehen können.

Durch bauliche und gestalterische Elemente soll das Gehege nun fĂŒr
Tier und Mensch erlebbar werden. DafĂŒr ist eine Groß-Investition in
Höhe von rund 300.000 Euro nötig. Dies wÀre ohne die
UnterstĂŒtzung der Fördergemeinschaft Mundenhof nicht zu
stemmen. BĂŒrgermeisterin Stuchlik betonte: „Auch Spenden aus der
Bevölkerung sind notwendig und sehr willkommen.“

FĂŒr das neue Mardergehege wurden bereits die hintere große
Betonwand (Richtung Sandbahn) und die Pflastersteine des
ehemaligen BĂ€rengeheges entfernt. Nun folgt das Anlegen der
EntwĂ€sserung und der Sauberkeitsschicht. Außerdem werden zwei
Tierpfleger fĂŒr einige Tage in den Tiergarten NĂŒrnberg delegiert, um
mehr ĂŒber die Haltung und Zucht der Buntmarder zu erfahren.

Jenseits dieser zentralen Großbaustelle sollen auch kleinere
Baumaßnahmen die Haltungsbedingungen im Gehege verbessern.
So erhalten die Haus- und Poitouesel einen neuen Stallboden und
der Wollschweineber eine neue Futterplatte mit Abgrenzung.

Die Veranstaltungen werden auch 2017 in bewÀhrter Weise
stattfinden. ZusÀtzlich wird zum 30-jÀhrigen FirmenjubilÀum des
Umweltversandes WaschbÀr, der den Mundenhof seit Jahren mit
großzĂŒgigen Gaben bedenkt, vom 2. bis 29. Juli ein Zelt mit der
„Roten Achse“ im Erfahrungsfeld der Sinne aufgebaut. Im September
findet wieder ein einwöchiges Bildhauersymposium des Vereins
Kunstgehege statt.

Im Jahr 2018 wird die Stadt Freiburg ihre dreißigjĂ€hrige Partnerschaft
mit Madison, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Wisconsin,
feiern. Dazu trÀgt der Mundenhof ein PrÀrieprojekt auf der
Bisonkoppel bei, fĂŒr das die Planungen bereits begonnen haben.

Durch die Erfahrungen aus diesen ersten Begegnungen konnte der
Mundenhof dann das ganze Jahr ĂŒber BeschĂ€ftigungsmöglichkeiten
fĂŒr GeflĂŒchtete anbieten. So absolvierte ein junger Mann aus Eritrea
ein mehrwöchiges Praktikum im KonTiKi (Kontakt Tier-Kind). Ein
Kurde aus dem Irak leistet seit September ein Bundesfreiwilligenjahr
im Tiergehege. Im Herbst fand eine zweimonatige Qualifizierung fĂŒr
sechs Interessierte am Garten- und Landschaftsbau aus Algerien,
Gambia, Nigeria und Afghanistan statt.

Im FrĂŒhjahr wurde ein Großprojekt verwirklicht, das seit Jahren auf
dem Wunschzettel des Mundenhofs gestanden hatte: der Neubau
der Hauptwasserleitung vom Bienenhaus bis zur StadtgÀrtnerei und
die Übernahme in das öffentliche Wassernetz der Badenova. Zwar
hatte die Großbaustelle am Hauptweg monatelang Behinderungen
fĂŒr Besucher und Tierpfleger zur Folge. Seither spart der Mundenhof
aber viel Wasser und entsprechende GebĂŒhren ein. Zudem existiert
endlich eine genaue Kartierung des bestehenden Rohrsystems, samt
Schiebern und Abzweigungen.

In die offenen GrÀben wurde gleich die NahwÀrmeleitung einer
Holzhackschnitzelheizung gelegt. Diese Heizung wird derzeit in der
StadtgĂ€rtnerei errichtet und geht dieses FrĂŒhjahr in Betrieb. Sie
versorgt dann auch den Mundenhof mit – was in der Verwaltung, im
Kontiki und im alten und neuen Futterhaus wĂ€rmstens begrĂŒĂŸt wird.
Im Dezember wurde das neue Futterhaus eingeweiht, das die Arbeit
der Tierpfleger in der Futterzubereitung erleichtert.

Personalien
Nach 27 Jahren auf dem Mundenhof hat sich Manfred Fruhmann am
30. November als Leiter des Tiergeheges in ein Sabbatjahr und den
folgenden Ruhestand verabschiedet. Dies hatte eine intensive
Vorbereitung zur Folge, um die dadurch entstehende LĂŒcke so klein
wie möglich zu halten und den Erfahrungs- und Wissenstransfer zu
gewĂ€hrleisten. Seither obliegt die Verantwortung fĂŒr die Tiere den
Leitern des KonTiKi, Till Meinrenken, und des Tiergeheges, Matthias
Hiltmann. Neu eingestellt fĂŒr die neue Organisationseinheit „Service,
GrĂŒn und Bauen“ wurde im Dezember Axel Steiert.

Tierbestand
Am stÀrksten prÀgen die Tiere und ihre Gesunderhaltung das Leben
im Tiergehege und im KonTiKi. Jungtiere wie das im April geborene
Kamelfohlen Amir oder kranke Tiere wie das PfauenmÀnnchen, das
sich im Mai ein Bein gebrochen hat, wollen versorgt sein. Und wenn
das nasse, kalte Wetter sich ĂŒber Wochen hinzieht, kann auch die
beste FĂŒrsorge der Tierpfleger einen Teil der geschlĂŒpften
StraußenkĂŒken nicht retten. Die KonTiKi-Kinder mussten sich im Mai
von der Poitoueselstute „Cecile“ trennen, die wegen eines
Darmverschlusses eingeschlÀfert wurde.

Das Jahr 2016 startete mit diversen Geburtskomplikationen bei
Schafen und Ziegen. KĂ€lte, falsche Lage im Mutterleib, zu wenig
Milch oder das Nichtannehmen der Jungtiere durch die Mutter
fĂŒhrten dazu, dass die Tierpfleger in den ersten Monaten vollauf mit
diesen Tieren beschĂ€ftigt waren – hĂ€ufig auch in Nachtschichten. Als
Segen erwies sich dabei die neu umgebaute Krankenstation, die
zwischendurch voll belegt war.

Von drei Jungtieren konnte ein kleiner Bock gerettet und aufgezogen
werden. Dazu wurde er zunÀchst zu einer Burenziegenmutter gelegt,
die ihn als Amme annahm. Da es eine FrĂŒhgeburt war, waren die
Tierpfleger vollauf beschÀftigt, ihm beim Aufbau der Muskulatur und
beim „Laufen lernen“ zu helfen. Inzwischen hĂŒpft der kleine „Forest“
ĂŒber einen Schulbauernhof, auf dem er sich schnell eingelebt hat.

Wegen der Vielzahl alter und dadurch oft schwacher oder kranker
Tiere waren öfter als frĂŒher Besuche beim Tierarzt nötig. Auch dies
stellt das Personal vor Herausforderungen. Viele Tiere sind
inzwischen so alt, dass man sich im Tiergehege Gedanken um den
Erhalt und eine VerjĂŒngung des Bestandes machen muss. DafĂŒr
wurden 2016 zum Beispiel ein neuer Hengst bei den Trampeltieren
und eine neue Stute bei den Pintopferden in die Herden integriert.

KonTiKi
Auch nach 26 Jahren ist das Nachmittagsangebot im KonTiKi in
Zusammenarbeit mit der Fördergemeinschaft Mundenhof weiterhin
fĂŒr viele Kinder und Familien attraktiv. Doch der Schulstress nimmt
zu, das Alltagsverhalten junger Familien Àndert sich, also bleiben
weniger Kinder und Jugendliche langfristig im KonTiKi. SpÀtestens
nach der Grundschulzeit werden viele KonTiKi-Kinder abgemeldet.
Das beschert den Betreuerinnen in den Nachmittagsgruppen mehr
MĂŒhe, da die Ă€lteren, erfahrenen Jugendlichen als „Mit-Betreuerin“
fehlen. Und die hohe Fluktuation lÀsst stabile Gruppen kaum zu.

Daher versucht die KonTiKi-Leitung die wenigen verbliebenen
Jugendlichen gezielt anzusprechen und in der Einrichtung zu halten.
Alle zwei Jahre machen etwa fĂŒnf Jugendliche die Ausbildung zum
Jugendleiter, um dann in den Ferienfreizeiten zu helfen.

Insgesamt kamen im Jahr 2016 an 112 Nachmittagen (Vorjahr 108)
3.706 Kinder und Jugendliche (Vorjahr 4.048): Das sind 8 Prozent
weniger als im Vorjahr. Nach dem 20%-Zuwachs 2014 und dem
13%-RĂŒckgang 2015 sind Schwankungen dieser GrĂ¶ĂŸenordnung
normal. Der RĂŒckgang ist fĂŒr alle drei Nachmittage in etwa gleich
groß, liegt also wohl nicht am Wochentag. Es fĂ€llt aber auf, dass die
Kinder innerhalb eines Schuljahres öfter den Nachmittag wechseln
mĂŒssen, weil die StundenplĂ€ne sich öfters Ă€ndern.

Ein Viertel der KonTiKi-Kinder sind Jungs. Dieser Wert ist seit Jahren
konstant. Über den Jahresverlauf gibt es dagegen leichte
Schwankungen, so kommen im FrĂŒhjahr mehr Kinder als im Herbst
oder Winter. Wenn alle Helfer und Übungsleiter da sind, kann das
KonTiKi jeden Nachmittag mindestens sechs Gruppen anbieten. Und
inzwischen leitet auch wieder eine Jugendliche aus dem „eigenen
Stall“ eine Gruppe.

An den schulspezifischen Angeboten haben 2016 insgesamt 81
Schulklassen und Gruppen (Vorjahr 85) mit 1.511 SchĂŒlern (Vorjahr
1.593) teilgenommen. Zunehmend wollen sich auch Kita-Gruppen
anmelden. Dagegen scheint das KonTiKi auf LehrkrÀfte aus
weiterfĂŒhrenden Schulen weniger Reiz auszuĂŒben. Insbesondere
junge Lehrerinnen und Lehrer haben neuerdings Sorge, dass
zwischen November und MĂ€rz die Angebote im KonTiKi nicht gĂŒnstig
seien, weil es zu nass oder zu kalt oder zu „dreckig“ sei.


Grundschule: 1231 Kinder (1215) 57 Klassen (60)
Hauptschule: 0 Kinder (0) 0 Klasse (0)
Realschule: 12 Kinder (0) 1 Klassen (0)
Gymnasium: 0 Kinder (139) 0 Klassen (6)
Fördergruppen: 81 Teilnehmer (28) 3 Gruppen (4)
Gemeinschafts.: 0 Kinder (24) 0 Klasse (1)
Kindergarten: 159 Kinder (108) 18 Gruppen (8)
Sonstige: 28 Teilnehmer (104) 2 Gruppe (6)
Von den 81 Gruppen kamen 69 (1269 Teilnehmer) aus Freiburg und
12 (242 Teilnehmer) aus dem Umland und Landkreis.

Alle Kooperationsprojekte (einmal pro Woche) liefen auch 2016
kontinuierlich weiter. Teilgenommen haben: 20 SchĂŒler der
Michaelschule (Freie Schule fĂŒr Erziehungshilfe), 5-8 SchĂŒler der
Klinikschule fĂŒr psychisch belastete Kinder/Jugendliche und viele
Kinder der „KiKaMu“ (KindertagesstĂ€tte auf dem Mundenhof).
Daneben gab es zwei Kooperationen zum therapeutischen Reiten.

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Verein Lebenshilfe
konnten 2016 wieder einige beeintrÀchtigte Kinder am KonTiKiNachmittagsangebot
teilnehmen. Es kamen auch wieder behinderte
Kinder ohne spezielle Begleitung ins KonTiKi, die entweder schon
mal mit der Lebenshilfe hier Erfahrungen gesammelt haben oder
durch befreundete Kinder mitbetreut wurden.

In den Sommerferien 2016 bot das im KonTiKi wiederum zwei
einwöchige Ferienfreizeiten an, jeweils unter Leitung von Markus
Stickling. Wieder kamen jeweils 50 Kinder zwischen 8 und 12
Jahren; zwei FĂŒnftel davon waren KonTiKi-Kinder. Zudem haben der
Mundenhof und die Naturschule Freiburg jeweils vier einwöchige
Ferienfreizeiten im KonTiKi veranstaltet.

Chronik 2016 im Tiergehege: Eine Auswahl
Im Januar wird eine der beiden KanadagÀnse von dem Hund eines
Besuchers getötet. Die zweite Kanadagans fÀllt wenig spÀter einem
Fuchs zum Opfer.

Im Februar kommt Ojuna, eine Trampeltierstute aus dem Zoo
ZĂŒrich, auf den Mundenhof und wird von der bestehenden Herde gut
aufgenommen. Das Nest der Mönchsittiche wird komplett entfernt,
um SchÀdlinge zu bekÀmpfen; das stimuliert den Schwarm zu neuen
NestbauaktivitĂ€ten. Ein PfauenkĂŒken ĂŒberfliegt die Abgrenzung des
Geheges und wird von den ErdmÀnnchen angegriffen.

Im MÀrz erhÀlt die Javaneraffendame Akhir ein Hormonimplantat zur
EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung. Die Breinierenimpfung bei den Schafen und
Ziegen wird durchgefĂŒhrt, der Yakbulle Saikhan zugekauft und ein
altes ErdmÀnnchen (vermutlich nach einem Schlaganfall) in der
Tierklinik eingeschlÀfert.

Seit April ergÀnzt eine weibliche Zwergziege aus Waldkirch den
Bestand. Wahrscheinlich durch den Hornstoß eines anderen Tieres
erleidet ein Jungtier bei den Walliserziegen einen schweren
Bluterguss im Auge, der sich entzĂŒndet und stark eitert. Die
EntzĂŒndung kann gestoppt werden, das Auge bleibt aber blind. Ein
neuer Heidschnuckenbock ergÀnzt die Herde, ein weibliches
Zackelschaf wird zugekauft.

Im Mai melden die ErdmÀnnchen wieder Nachwuchs. Zuerst sieht
alles gut aus, plötzlich wird die Gruppe aber unruhig und die
Jungtiere verschwinden. Wahrscheinlich liegt es am Bau der
Wasserleitung mit den dazugehörigen Bagger- und RĂŒttelarbeiten.
Nach intensivem Nestbau haben die Mönchsittiche wieder Gelege in
ihrem neuen Nest. Der Pintostute Pica mĂŒssen zwei ZĂ€hne gezogen
werden. Die Bisons und Yaks werden gegen die
Blauzungenkrankheit geimpft. Weil er sich das Bein gebrochen hat,
wird ein mÀnnlicher Pfau in der Krankenstation separiert. Die Fraktur
verheilt gut, weshalb er nach einiger Zeit wieder frei laufen kann.
Vier StraußenkĂŒken schlĂŒpfen. Im nass-kalten Wetter erleiden sie
aber eine hochgradige NabelentzĂŒndung. Trotz tierĂ€rztlicher
Behandlung kann nur eines gerettet werden.

Im Juni gebiert die neu zugekaufte Yak-Kuh ein Yak-Kalb und
bekommt dafĂŒr viele Scrabble-Punkte. Das alte Wollschwein
Agnetha stirbt wegen eines sehr hohen Selengehaltes. Die
Trampeltierstute Chiara kommt aus der Wilhelma zum Decken. Bei
den Bisons und Hochlandrindern werden gesunde KĂ€lber geboren.

Im Juli wird bei den Watussirindern ein Stierkalb geboren, liegt aber
wenig spĂ€ter tot im Wassergraben. Acht NandukĂŒken schlĂŒpfen.

Im August bricht in ganz Freiburg die Kaninchenpest (Myxomatose)
aus. Auch auf dem Mundenhof weisen tote Tiere eindeutige
Anzeichen auf. Vorsorglich wird der eigene Bestand geimpft;
Eine Pfauenhenne hat eine tiefe Kopfwunde. Wahrscheinlich wurde
sie von einer Katze oder einem Ă€hnlich großen Raubtier angefallen.
Am Hals liegen die Sehnen frei, die Wunde geht bis auf den
Knochen. Dank guter Behandlung kann sie aber bald genesen.
Bei den Bisons werden weiterhin Jungtiere geboren. Bei den
Javaneraffen kommt es zu einer Todgeburt.
Nach langem Leiden und intensiver tierÀrztlicher Behandlung muss
der Damhirsch eingeschlÀfert werden. Die Untersuchung ergibt unter
anderem, dass er sehr schlechte ZĂ€hne hatte.

Im September schlĂŒpfen drei PfauenkĂŒken, eines verstirbt kurz
darauf. Die Pintostute Minette hat eine EuterentzĂŒndung mit
Verdacht auf GebĂ€rmutterentzĂŒndung, wahrscheinlich durch
Bakterien ĂŒbertragen. Die EntzĂŒndung kann zwar erfolgreich
behandelt werden, das Euter bleibt aber dauerhaft geschÀdigt.

Im Oktober erblicken junge Heidschnucken und Damwild das Licht
des Mundenhofs. Der Gibbondame Suria wird ein Hormonimplantat
zur EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung gesetzt.
Bei den Javaneraffen treten vermehrt Rangstreitigkeiten auf. Der
erwachsene Nachwuchs sucht jetzt seinen Platz in der Gruppe und
fordert das alte Establishment heraus. Die Javaner-Dame Asli segnet
mit 28 Jahren das Zeitliche. Nachwuchs bei den Javaneraffen.

November: Wieder Nachwuchs bei den Javaneraffen. Einige der
Affen sehen struppig und geschwÀcht aus. Sie sind von Amöben
befallen. Mega und Rami werden dagegen behandelt;
Wegen der Vogelgrippe wird eine Aufstallungspflicht erlassen. Die
Mönchsittiche kommen ins Innengehege, die Pfaue ins ehemalige
Javanergehege, das eine Plane erhĂ€lt. FĂŒr die Laufvögel gibt es eine
Ausnahmegenehmigung, zum Preis regelmĂ€ĂŸiger Kotuntersuchung.
Ein Jungtier ist bei den Javaneraffen verstorben, weil es zu wenig
Milch bekommen hat. Es dauert einige Tage, bis es aus dem Gehege
genommen werden kann – die Mutter will es nicht loslassen.
Bei den WasserbĂŒffeln werden zwei gesunde KĂ€lber geboren.

Im Dezember tritt Manfred Fruhmann sein Sabbatjahr an.
Ein weibliches Steppenrind kommt aus dem Tierpark Bernburg, um
die Mundenhof-Herde zu ergÀnzen. Bis zur Deckreife wird es zu den
HinterwÀldern gebracht, wo bereits eine Steppenrindkuh steht.
Die beiden Ă€lteren ErdmĂ€nnchen-MĂ€nner mĂŒssen nach langer
Behandlung getötet werden. Altersgebrechen und massive
SchwÀchen machen ein artgerechtes Leben unmöglich.
Die kĂŒrzlich integrierte Zwergziege aus Waldkirch bringt ein
wunderschönes gesundes Jungtier zur Welt. Vier gesunde
Kaschmirziegen werden geboren.



 
 



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