oekoplus - Freiburg
Samstag, 24. August 2019
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr
  •  


Verschiedenes

 
Urbane GĂ€rten in Freiburg, Basel und Mulhouse
Urbane GemeinschaftsgĂ€rten sind ein internationaler Trend. Sie dienen sozialen, ökologischen und teils auch ökonomischen Zielen - sind Orte der Begegnung und Bildung, der Umwelt-Experimente und gelegentlich bereits der ErnĂ€hrungssicherung, in EinzelfĂ€llen sogar der ExistenzgrĂŒndungen.

Auch in der Oberrhein-Region entfaltet sich dieser Trend, mit interessanten Unterschieden zwischen Basel, dem Elsaß und der Region Freiburg. Einige Zahlen: ca. 15 Projekte kennen wir in Mulhouse, ca. 30 in Freiburg und ca. 50 in Basel.
Deshalb wird das Thema "Urbane GemeinschaftsgĂ€rten/ Jardins urbains partagĂ©s" ein Schwerpunkt auf dem grenzĂŒberschreitenden zivilgesellschaftlichen Erfahrungsaustausch am 22./ 23. September in Mulhouse, den die EuropĂ€ische Union ĂŒber das Interreg-Programm bezuschußt:
https://www.mcm-web.org/voisins-solidaires

Zur Vorbereitung dieses Schwerpunktes treffen sich VertreterInnen von Gartenprojekten der drei Regionen in Freiburg:
http://www.treffpunkt-freiburg.de/node/1112
Mehr
 

 
Junge Schreiadler brauchen Altvögel um das Winterquartier zu erreichen
Forschungsprogramm liefert neue Erkenntnisse zum Zugverhalten und Schutz der Art

Mit Hilfe von modernen Satellitensendern hat der NABU neue Erkenntnisse ĂŒber das Zugverhalten der Schreiadler herausgefunden. Die Ergebnisse zeigen, dass abziehende Jungvögel, die grundsĂ€tzlich ohne ihre Eltern in das Winterquartier aufbrechen, unterwegs auf die Erfahrung von Altvögeln angewiesen sind, um die beste Route ĂŒber den Bosporus um das Mittelmeer herum zu finden. „Treffen sie unterwegs keine Altvögel, fliegen sie meist einfach nur in sĂŒdliche Richtungen und kommen dann beim Versuch um, das Mittelmeer zu ĂŒberfliegen. Denn ĂŒber dem Meer gibt es keine thermischen Aufwinde, auf die Adler als Segelflieger dringend angewiesen sind“, sagt Bernd-Ulrich Meyburg, Leiter des NABU-Programms.

Die Forschungsergebnisse konnten nun erstmals in einem Artikel im Fachmagazin „Journal of Experimental Biology“ veröffentlicht werden. „Der NABU profitiert enorm von solchen Forschungen, um den Schutz des vom Aussterben bedrohten Schreiadlers zu verbessern. Den Tieren fehlen ungestörte BrutwĂ€lder und nahrungsreiche Feuchtwiesen, aber auch schlecht platzierte Windenergieanlagen im Schreiadlergebiet minimieren weiterhin den Bestand“, sagte Olaf Tschimpke, NABU-PrĂ€sident.

Die winzige Restpopulation des Schreiadlers in Deutschland ist vom Aussterben bedroht. Die verbliebenen gut 100 Brutpaare in Nordost-Deutschland bilden zugleich die Westgrenze der Verbreitung dieser fast ausschließlich in Europa brĂŒtenden Vogelart. Um die Population zu stĂŒtzen, fĂŒhrt der NABU ein Programm zur Handaufzucht und Auswilderung zweitgeborener Schreiadler-KĂŒken durch. Diese hĂ€tten ohne Hilfe keine Überlebenschance, da Schreiadler grundsĂ€tzlich nur eines von zwei Jungen aufziehen. Seit 2004 wurden so bereits 86 zusĂ€tzliche Jungadler in Brandenburg ausgewildert, 36 davon stammten aus der Region. 50 weitere wurden dagegen aus Lettland importiert, wo der Schreiadler noch in grĂ¶ĂŸerer Zahl vorkommt. Der natĂŒrliche Bruterfolg der Schreiadler Brandenburgs konnte so in diesem Zeitraum um ĂŒber 70 Prozent erhöht werden.

FĂŒr das Forschungsprogramm konnte Bernd Meyburg fĂŒr ein einzigartiges Orientierungsexperiment 15 lettische und acht brandenburgische Jungadler sowie neun brandenburgische Altvögel mit GPS-Satellitensendern ausstatten. Insbesondere sollte untersucht werden, ob die von ihrem Geburtsort um 940 km nach SĂŒdwesten gebrachten lettischen Adler vielleicht eine andere, weniger geeignete Zugroute einschlagen wĂŒrden als die heimischen Jungvögel aus Brandenburg. „Wenn die lettischen Jungvögel durch die Umsiedlung im Nachteil wĂ€ren, wĂŒrde das den Erfolg des Aufzuchtprogramms schmĂ€lern“, so Meyburg.

Es zeigte sich aber, dass die eingeschlagenen Zugwege nicht durch die Herkunft der Jungvögel, sondern durch das Abzugsdatum bestimmt werden. Diejenigen Jungadler, die deutlich vor den lokalen Altvögeln abzogen, flogen allgemein in sĂŒdliche Richtungen und landeten meist im Mittelmeer. Die etwas spĂ€ter gleichzeitig mit Altvögeln aus der Region abziehenden Jungvögel flogen dagegen auf dem richtigen Zugweg Richtung Bosporus nach SĂŒdosten. Junge Schreiadler, gleichgĂŒltig ob aus Deutschland oder Lettland stammend, mĂŒssen die optimale Zugroute also von fremden Ă€lteren Adlern erlernen, im Gegensatz etwa zu vielen nachts ziehenden Kleinvögeln, denen die angeborene Zugrichtung und -lĂ€nge zur Orientierung ausreichen. Insgesamt erreichten nur 55 Prozent der Jungvögel Afrika.

„Die Chance bei sĂŒdlichem Abzug auf erfahrene ziehende Altvögel aus westlichen Teilen des Verbreitungsgebietes zu treffen, ist bei osteuropĂ€ischen Schreiadlern groß“, erklĂ€rt Meyburg. „Anders sieht dies fĂŒr Jungvögel am westlichen Rand des Verbreitungsgebietes in Deutschland aus: Sie haben nur ganz am Anfang ihres Zuges eine Chance sich erfahrenen Schreiadlern anzuschließen, was ihre Überlebenschancen deutlich mindert. Gleichzeitig wissen wir nun, dass die aus Deutschland nach SĂŒdosten ziehenden Schreiadler als ‚Einsammeldienst‘ fĂŒr östliche Jungvögel besonders wichtig sind – ein Grund mehr, sich fĂŒr die verbliebenen Schreiadler am westlichen Rand des Verbreitungsgebiets in Deutschland einzusetzen.“

Herausragend fĂŒr die Forscher war auch die Erkenntnis, dass die importierten lettischen Vögel die Auswilderungsregion und nicht den Geburtsort als Heimat betrachten. Einige der ausgewilderten Jungvögel konnten nĂ€mlich spĂ€ter als Brutvögel in Deutschland und im benachbarten Polen festgestellt werden. Ein ursprĂŒnglich aus Lettland stammendes MĂ€nnchen besetzte sogar ein Revier in nur wenigen Kilometern Entfernung von der Auswilderungsstation. Dank der Studie konnte der NABU in diesem Jahr neben Jungvögeln aus Brandenburg erstmals auch wieder acht ZweitkĂŒken aus SĂŒdost-Polen in das Auswilderungsprogramm aufnehmen.
Mehr
 

 
Nationales Forum Diesel kommt zwei Jahre zu spÀt
Letzte Chance fĂŒr Dobrindt

Diesel-Privilegien beenden, Blaue Plakette und NachrĂŒstungen auf Kosten der Autoindustrie mZum morgigen Diesel-Gipfel fordert der NABU sowohl die wirksame NachrĂŒstung aller betroffenen Fahrzeuge als auch ein Ende der Diesel-Privilegien in Deutschland.

„Minister Dobrindts Kuschelkurs mit der Automobilindustrie kommt Deutschland jetzt teuer zu stehen. In zwei Jahren hat es der Bundesverkehrsminister nicht geschafft, den Abgasskandal aufzudecken und zu lösen. Stattdessen hat er weiter zugesehen, wie die Autoindustrie neue Dieselfahrzeuge mit viel zu hohen Abgaswerten auf den Markt wirft. Die Rechnung haben jetzt die BĂŒrger mit ihrer Gesundheit, die Umwelt und sogar die Automobilindustrie selbst zu tragen. Das Vertrauen in den Diesel und die deutschen Hersteller hat dramatisch gelitten“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.

Nach Ansicht des NABU kommt das Diesel-Forum ganze zwei Jahre zu spĂ€t. Zudem seien zum morgigen Gipfel weder Vertreter von Gesundheits- noch von Umweltschutzorganisationen eingeladen. Dennoch erhofft sich der NABU, dass sich die Branche ihrer Verantwortung endlich stellt und gemeinsam mit der Politik wirksame SchlĂŒsse zieht.

„Das Treffen ist die allerletzte Chance fĂŒr Minister Dobrindt, vor dem Ende der Legislaturperiode, doch noch den Stickoxid-Betrug zu beenden. Er muss die Autoindustrie zu einer unverzĂŒglichen NachrĂŒstung aller betroffenen Fahrzeuge mit einem wirksamen Abgassystem verpflichten“, so Miller. FĂŒr die meisten Fahrzeuge bedeute dies eine notwendige NachrĂŒstung der Hardware, bei bestimmten oder neueren Modellen könnten auch ein Software-Update sowie eine zusĂ€tzliche Einzahlung in einen Fonds sinnvoll sein. Aus diesem Fonds könnten Maßnahmen zur Senkung der Abgasbelastung finanziert werden, etwa der Ausbau der Lade-Infrastruktur fĂŒr E-MobilitĂ€t oder die NachrĂŒstung von Busflotten. Alle hierfĂŒr anfallenden Kosten seien allein von den Autoherstellern zu tragen.

Doch nicht nur die Hersteller, auch die Bundesregierung sieht der NABU in der Pflicht. Neben kurzfristigen NachrĂŒstungen mĂŒsse die Politik auch das Stickoxid-Problem an sich dringend lösen. Der NABU fordert daher die EinfĂŒhrung einer Blauen Plakette. Mit ihr könnten Kommunen, die von besonders hohen Abgaswerten geplagt werden, schmutzige Fahrzeuge aus ihren StĂ€dten ausschließen. „Auch die aus ökologischer Sicht unsinnige Subventionierung des Dieselkraftstoffes muss ein Ende haben. Deutschland lĂ€sst sich hier jedes Jahr rund acht Milliarden Euro an Steuergeldern entgehen. Sie könnten viel sinnvoller in den Ausbau einer Elektroauto-Ladeinfrastruktur und in Radwege investiert werden", sagte Dietmar Oeliger, NABU-Leiter fĂŒr Verkehrspolitik.

Zudem mĂŒsse die Kontrolle der Abgaswerte dringend verbessert werden. Der NABU fordert daher, den realen Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub kĂŒnftig im Normalbetrieb auf der Straße zu messen – statt wie bislang in Testlaboren. DarĂŒber hinaus könne auch die kĂŒnftige Bundesregierung ein wichtiges Signal senden und ihre Dienstflotte auf E-Fahrzeuge umstellen.ĂŒssen kommen
 
 

 
NABU: Stopp des Artenschwunds muss Kanzlersache werden
Neuer EU-Naturschutzfonds muss Landwirte fĂŒr Anstrengungen im Naturschutz belohnen

AnlĂ€sslich des heute von der Bundesregierung veröffentlichten zweiten Rechenschaftsbericht zur Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt weist der NABU auf gravierende VersĂ€umnisse der Großen Koalition beim Schutz von Arten und LebensrĂ€umen hin. Insbesondere in der Agrarlandschaft befĂ€nden sich viele Arten im freien Sinkflug. Dazu NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke:

„Die von der Regierung herausgestellten Naturschutz-Erfolge dĂŒrfen nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen: Wir verlieren weiter Vögel, Insekten und ihre LebensrĂ€ume in atemberaubenden Tempo. In Deutschland steht etwa das frĂŒher hĂ€ufige Rebhuhn kurz vor dem Aussterben. Auch Hummeln, Schmetterlinge und artenreiche Wiesen werden immer seltener. Mit jeder Art, die verschwindet, löst sich eine weitere Masche aus dem Netz der Natur. Doch von diesem funktionierenden Netz sind wir Menschen und die Wirtschaft hochgradig abhĂ€ngig. Statt diese tickende Zeitbombe zu entschĂ€rfen, hat sich die Große Koalition in Ressortkonflikten verstrickt.“

Zwar habe die Umweltministerin das wichtige EU-Naturschutzrecht erfolgreich verteidigt und gute Konzepte fĂŒr die Agrarpolitik und die Finanzierung des Naturschutzes vorgelegt. Doch ihre Kollegen aus dem Landwirtschafts- und Verkehrsministerium seien dazu in Blockadehaltung gegangen. „Dieses Gerangel hat Geld und Zeit gekostet, die wir nicht haben. Arten, die aussterben, kommen nicht zurĂŒck. Die Rettung unserer Artenvielfalt muss daher kĂŒnftig zentral vom Kanzleramt koordiniert werden“, forderte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke. Die Umwelt- und Naturschutzpolitik in Deutschland mĂŒsse endlich stĂ€rker als Querschnittsaufgabe verstanden werden.

Es fĂŒhre auch kein Weg daran vorbei, dass die Bundeskanzlerin den Landwirten reinen Wein einschenke. „Ohne eine echte Wende in der Agrarpolitik verlieren wir nicht nur Arten, sondern auch immer mehr Höfe. Daran kann keiner ein Interesse haben“, so Tschimpke.

Der NABU fordert daher, die EU-weit rund 60 Milliarden Euro an Subventionen fĂŒr die Landwirtschaft kĂŒnftig nicht mehr per Gießkanne zu verteilen. Das bisherige System habe den Artenschwund weiter befeuert und zu einer noch stĂ€rkeren Ausbeutung der Natur gefĂŒhrt. Stattdessen sollten die vorhandenen Gelder sinnvoll umgeschichtet und zum Vorteil von Natur und Landwirtschaft gleichermaßen genutzt werden. So könnten mithilfe eines neuen EU-Naturschutzfonds in Höhe von 15 Milliarden Euro Landwirte durch konkrete Umweltschutzleistungen ein zusĂ€tzliches Einkommen erzielen. „Die kĂŒnftige Bundesregierung muss sich fĂŒr eine solche Änderung auf EU-Ebene einsetzen. Was hierzu im neuen Koalitionsvertrag steht, hat Signalwirkung fĂŒr die gesamte EU“, so Tschimpke.

Mit Blick auf die alarmierenden Hinweise, dass derzeit ein massives Insektensterben vor sich geht, fordert der NABU erstmals ein bundesweites Insekten-Monitoring aufzubauen. Dieses mĂŒsse flĂ€chendeckende Erkenntnisse liefern, wie es der Insektenwelt in Deutschland geht, um auch entsprechende Schutzmaßnahmen ableiten zu können. Zudem mĂŒsse der Einsatz von Pestiziden dringend verringert werden.

Der NABU fordert darĂŒber hinaus, kĂŒnftig auch den Handel und Verbraucher stĂ€rker in der Agrarpolitik einzubeziehen. Zielgerichtete Investitionen sollten dazu beitragen, dass Landwirte hochwertige Lebensmittel naturvertrĂ€glich produzieren und auch zu fairen Preisen verkaufen können.
Mehr
 

 
NABU Zahl des Monats
JÀhrlicher Pro-Kopf-Verbrauch an FlÀche liegt bei drei Quadratmetern

FlÀchenverbrauch in Deutschland immer noch zu hoch

Pro Kopf werden in Deutschland jĂ€hrlich drei Quadratmeter an FlĂ€che neu in Anspruch genommen. Damit ist der FlĂ€chenverbrauch in Deutschland immer noch zu hoch. Derzeit betrĂ€gt der tĂ€gliche FlĂ€chenverbrauch fĂŒr Siedlung und Verkehr durchschnittlich 66 Hektar. Das sind 92 Fußballfelder an FlĂ€che, die nicht mehr fĂŒr natĂŒrliche Nutzungen zur VerfĂŒgung stehen. Dabei ist der Boden eine endliche Ressource, mit der sparsamer umgegangen werden muss.

Das Ziel der Bundesregierung, den tĂ€glichen FlĂ€chenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren, liegt somit in weiter Ferne. Der „30-Hektar-Tag“ fiel dieses Jahr bereits auf den 15. Juni. Bis zu diesem Tag wurde seit Anfang des Jahres bundesweit bereits so viel FlĂ€che neu verbaut, dass bis zum Ende des Jahr keine weiteren FlĂ€chen fĂŒr Siedlung und Verkehr neu in Anspruch genommen werden dĂŒrften, wollte man das 30-Hektar-Ziel einhalten.

Obwohl der tĂ€gliche FlĂ€chenverbrauch von etwa 120 Hektar um die Jahrtausendwende mittlerweile nahezu halbiert wurde, sind zusĂ€tzliche Anstrengungen unverzichtbar, um die Neuinanspruchnahme von FlĂ€chen möglichst gering zu halten. Auch die BundeslĂ€nder sowie StĂ€dte und Gemeinden mĂŒssten sich dafĂŒr zeitlich und rĂ€umlich konkrete FlĂ€chensparziele setzen.
Mehr
 

Keine Freiheit im Paradies – Tourismus & Migration
 
Keine Freiheit im Paradies – Tourismus & Migration
iz3w - Zeitschrift zwischen Nord und SĂŒd | Ausgabe 361
(Juli / August 2017)

Tourismus und Migration werden als globale Bewegungsformen selten zusammen genannt. In der RealitĂ€t finden sich jedoch viele BerĂŒhrungspunkte und Kontaktzonen von Urlaubslaunigen und MigrantInnen oder GeflĂŒchteten, die aufgrund von Perspektivlosigkeit ihr Land auf der Suche nach Freiheit und Arbeit verlassen haben.

Solche sozialen und kulturellen Reise(t)rĂ€ume, die sich manchmal ungewollt ĂŒberschneiden oder berĂŒhren, reiben oder auch solidarische Aktionen erlauben, wollen wir in diesem Themenschwerpunkt erkunden – dazu fragen wir unter anderem: Welchen Diskurs entfacht der Freiwilligentourismus in GeflĂŒchtetencamps wie dem Jungle in Calais? Wie kann das Konzept von Gastfreundschaft neu gedacht werden? Was bedeutet Bewegungsfreiheit? Welchen Diskurs entfacht der Freiwilligentourismus in GeflĂŒchteten-Camps wie dem Jungle in Calais? Wie erleben MigrantInnen ihren Urlaub im Land der Herkunft ihrer Eltern? Welche persönlichen Erwartungen, Irritationen und Rollen begleiten TouristInnen und MigrantInnen auf ihren „Reisen“?
Mehr
 

 
Win-Win-Situation fĂŒr Kommunen, Landwirte und Ökologie
Freiburg und Vogtsburg schließen eine modellhafte Stadt-LandPartnerschaft

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen auf Vogtsburger Böschungen fĂŒr Bauvorhaben der Stadt Freiburg

FĂŒr die dringend benötigten WohnbauflĂ€chen in Freiburg werden fĂŒr
deren Bau in NaturflĂ€chen eingegriffen, fĂŒr die die Stadt Freiburg an
anderer Stelle Ausgleich schaffen muss.

DafĂŒr hat sie nun mit der Stadt Vogtsburg im Kaiserstuhl einen
starken Partner gefunden. Vogtsburg stellt Freiburg eigene
BöschungsflĂ€chen zur VerfĂŒgung, damit Freiburg „ökologische
Ausgleichsmaßnahmen“ vornehmen und damit Ökopunkte
generieren kann. Die Grundlage dafĂŒr bildet ein Pflege- und
Entwicklungskonzept, das der Landschaftserhaltungsverband
Breisgau-Hochschwarzwald (LEV) erarbeitet hat.

Durch die Aufwertung der Böschungen in Vogtsburg kann die Stadt
Freiburg 1,972 Millionen Ökopunkte (ÖP) generieren. Feststeht
bereits, dass diese zur teilweisen Deckung des durch den
Bebauungsplan des SC-Stadions erforderlichen Ausgleich verwendet
werden.

Modellhafte Partnerschaft in der Region
Diese Stadt-Land-Partnerschaft haben Vertreter und Vertreterinnen
der StÀdte Freiburg und Vogtsburg, des Landkreises BreisgauHochschwarzwald
und des Badischen Landwirtschaftlichen
Hauptverbandes heute bei einem Pressetermin in Vogtsburg
vorgestellt. Dabei hob Otto Neideck, Erster BĂŒrgermeister der Stadt
Freiburg, hervor, dass es sich hier „um eine erstmalige und bisher
einzigartige Zusammenarbeit in unserer Region handelt“.

Der BĂŒrgermeister von Vogtsburg im Kaiserstuhl, Benjamin Bohn,
war im September 2015 auf Freiburger Vertreter zugekommen und
hatte angezeigt, dass die BöschungsflÀchen in seiner Stadt viel
Potential zur ökologischen Aufwertung bieten. „FĂŒr Vogtsburg stellt
die Pflege der kommunalen Böschungen eine große
Herausforderung dar“, sagt BĂŒrgermeister Bohn. FĂŒr Freiburg sind
sie aber interessant, so EBM Neideck: „Wir suchen ja stetig FlĂ€chen
fĂŒr Ausgleichsmaßnahmen, die sich aus unserer Bauleitplanung
ergeben. Auch der Bebauungsplan zum SC-Stadion am Flugplatz
macht einen umfangreichen Ausgleich fĂŒr den Eingriff in Natur und
Landschaft erforderlich.“

Das Freiburger Amt fĂŒr Liegenschaften und Wohnungswesen hatte
daraufhin in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt und dem
Umweltschutzamt die Kooperation zwischen Vogtsburg und Freiburg
vertraglich entwickelt und ausgearbeitet. Sie sieht vor, dass
Vogtsburg der Stadt Freiburg 33 Hektar gemeindeeigene WeinbergBöschungen
fĂŒr den Öko-Ausgleich zur VerfĂŒgung stellt.

Die Böschungen liegen am Badenberg auf der Gemarkung
Bischoffingen, Oberbergen und Oberrotweil sowie am Scheibenbuck
bei Schelingen. Ein Betrieb des Landschaftserhaltungsverbands
(LEV) wird die Herstellung, Aufwertung und Pflege begleiten und ihre
Entwicklung ĂŒberwachen. Die Stadt Freiburg wird mit dem LEV die
Maßnahmen koordinieren. Die GesamtlĂ€nge der betroffenen
Böschungen betrÀgt nach SchÀtzung des LEV knapp 20 Kilometer.

FĂŒr die ersten 30 Jahre sind Kosten von ca. 2,1 Millionen Euro
veranschlagt, Vogtsburg erhĂ€lt eine EntschĂ€digung infĂŒr die
Bereitstellung der BöschungsflÀchen.

Stimmen zur neuen Partnerschaft
Vor Ort wurde heute hervorgehoben, dass diese Stadt-LandPartnerschaft
viele Nutznießer habe. Insgesamt können damit
Konflikte mit Landwirten vermieden werden, da keine fĂŒr die
Landwirtschaft wertvollen FlÀchen, sondern nicht nutzbare
BöschungsflÀchen in Anspruch genommen werden. Zudem ist der
Kaiserstuhl als Naherholungsgebiet auch bei der Freiburger
Bevölkerung beliebt, die sich dann an den aufgewerteten
Böschungen erfreuen kann.

BĂŒrgermeister Benjamin Bohn sagte: „Das Ergebnis dieser
interkommunalen Vereinbarung ist eine Stadt-Land-Partnerschaft,
von der beide Seiten profitieren. Es ist eine Win-Win-Situation fĂŒr
beide Kommunen, aber auch fĂŒr die Landwirtschaft und die
Artenvielfalt am Kaiserstuhl. Dies kann gerne der Anfang einer
Partnerschaft mit weiteren Kooperationen dieser Art werden.“

LandrÀtin Dorothea Störr-Ritter, die auch dem erwÀhnten
Landschaftserhaltungsverband des Landkreises BreisgauHochschwarzwald
vorsitzt, betont: „Dass diese fĂŒr alle Seiten nur
gewinnbringende Partnerschaft zwischen Stadt und Umland
entstehen konnte, ist vor allem dem Einsatz des
Landschaftserhaltungsverbandes zu verdanken. Darauf bin ich stolz.“

Werner RÀpple, PrÀsident des Badischen Landwirtschaftlichen
Hauptverbands (BLHV), wies darauf hin, dass hier im Interesse der
Landwirtschaft erstmalig ein besonders flÀchenschonendes
Verfahren zum Einsatz komme: „Das ‚Vogtsburger Modell‘ entspricht
der Überzeugung des sĂŒdbadischen Bauernverbandes, dass fĂŒr
erforderliche Ausgleichsmaßnahmen keine fĂŒr die Landwirtschaft
wertvollen FlĂ€chen wegfallen sollen.“ Durch die Pflege der
Weinbergböschungen werden die FlÀchen naturschutzfachlich
aufgewertet, anstatt wertvolle AckerflÀchen in Anspruch zu nehmen.
Die Linie des BLHV sei bekannt: „Landwirtschaftlich genutzte
FlÀchen sind die Basis unserer Lebensmittelproduktion und unserer
Familienbetriebe. Deshalb sollte der Naturschutzausgleich stÀrker
durch die Aufwertung und Folgepflege solcher FlÀchen bereitgestellt
werden.“

Premiere fĂŒr diese Art der Stadt-Land-Partnerschaft
Mit dem „Vogtsburger Modell“ einer direkten bilateralen Stadt-LandPartnerschaft
betreten die Kommunen im SĂŒdwesten Neuland. Eine
Àhnliche Kooperation ist aus dem östlichen Bodenseeraum bekannt.
Zwischen Ravensburg und Friedrichshafen haben sich mehrere
Gemeinden zum „Regionalen Kompensationspool BodenseeOberschwaben
GmbH“ zusammengeschlossen und planen
Ausgleichsprojekte ĂŒbergreifend (NĂ€heres auf
www.friedrichshafen.de).

GrundsÀtzlich sind solche Partnerschaften zwischen Freiburg und
Umlandgemeinden auch kĂŒnftig fĂŒr Ausgleichsmaßnahmen weiterer
Bauvorhaben in Freiburg denkbar und fĂŒr alle Beteiligten
zweckmĂ€ĂŸig. Allerdings sind bei jedem Vorhaben dessen besondere
Belange zu berĂŒcksichtigen. In jedem Fall sind sich Freiburg und
Vogtsburg darin einig, dass man hierzu weiter im Kontakt bleibt, um
zu versuchen, weitere solche Projekte zu realisieren.

Warum muss man Böschungen „aufwerten“?
Nach Auskunft des Landschaftserhaltungsverbandes BreisgauHochschwarzwald
(LEV) ist die Artenvielfalt auf den Rebböschungen
im Kaiserstuhl geringer als auf gleich exponierten Hanglagen im
Bereich Alt-Vogtsburg. Das hatte jĂŒngst auch eine Masterarbeit der
Uni Freiburg gezeigt. Dies liegt an fehlenden Arten und fehlender
Aufwertungspflege. Die Natur im Kaiserstuhl, einer sehr alten
Kulturlandschaft, hÀngt vom Einfluss des Menschen ab. Daher
umfassen die jetzt vom LEV vorgesehenen Maßnahmen nicht nur
eine einfache Pflege, sondern auch die Mahd, Beweidung und
selektive Gehölzpflege. Ziel ist der Übertrag von Arten von
angrenzenden Naturschutzgebieten.

Bisher werden die Böschungen nur im nötigsten Maße gepflegt. Eine
gezielte Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt findet (noch) nicht
statt.

Die Steilheit der HĂ€nge erschwert die Pflege, ist aber gerade fĂŒr
wÀrmeliebende Tier- und Pflanzenarten besonders attraktiv. Ohnehin
ist der Kaiserstuhl fĂŒr seine seltenen, wĂ€rmeliebenden Arten
bekannt. Einige davon können nur bei entsprechender Aufwertung
der FlÀchen leben. Der LEV ist in der differenzierten
Böschungspflege bewandert und gewÀhrleistet die dauerhafte
fachliche Betreuung der Maßnahmen in seinem Zweckbetrieb.

Derzeit sind die Böschungen noch nicht sehr artenreich oder gut
ausgebildet. So gibt es auf vielen FlĂ€chen große BestĂ€nde der
nordamerikanischen Riesen-Goldrute, einem Neophyt, der durch
Mahd und SamenĂŒbertrag gut ersetzt werden kann. Ziel ist die
Entwicklung großflĂ€chiger artenreicher Magerrasen durch Mahd,
SamenĂŒbertrag und teils auch Beweidung mit Schafen. DafĂŒr will der
LEV samenreiches Heu und Samen, die bei der Pflege der
Naturschutzgebiete im Kaiserstuhl entstehen, gezielt auf diese
Böschungen ĂŒbertragen. So können sich dort kĂŒnftig Arten wie
Kugelblume, Wiesen-Salbei, KartÀusernelke, Sonnenröschen,
Goldhaar-Aster und Kleiner Wiesenknopf ansiedeln, die als typisch
fĂŒr die Mager- und Trockenrasen gelten und auf den Rebböschungen
an vielen Stellen noch fehlen.
 
 

 
Wohnbau und KleingÀrten-Erhalt statt Sundgauallee
Das RegioBĂŒndnis Pro Landwirtschaft, Wald & Ökosoziales Wohnen Regio Freiburg mit 14 Vereinigungen hat sich heute mit Schreiben an den Gemeinderat und die BĂŒrgermeisterriege der Stadt Freiburg i.Br. gewandt zur am 25. Juli anstehenden Befassung mit dem Neubaugebiet StĂŒhlinger West-Kleineschholz. Drs. G 17-072 / G 16-062. Hier als Medienmitteilung:



Die Variante vollstĂ€ndiger RĂŒckbau der Sundgauallee ohne Entlastungstraße ist Favorit des RegioBĂŒndnis Pro Landwirtschaft, Wald & Ökosoziales Wohnen Regio Freiburg bei den neuen VorschlĂ€gen des Stadtplanungsamtes fĂŒr das Neubaugebiet StĂŒhlinger West-Kleineschholz. Die Wohnneubauten sollen nach Vorschlag des BĂŒndnisses von 14 Vereinigungen hauptsĂ€chlich auf der jetzigen Sundgauallee auf rund 600 m LĂ€nge und auf dem aktuellen Rathausparkplatz entstehen. Die Vorteile seien: Die jetzigen KleingĂ€rten können ĂŒberwiegend erhalten bleiben und mit GĂ€rten auf den DĂ€chern der Neubauten ergĂ€nzt werden. Dadurch entfalle auch die bisher beabsichtigte und vom BĂŒndnis abgelehnte unsinnige Verlegung von KleingĂ€rten zu Lasten landwirtschaftlichen Bodens am Stadtrand in St. Georgen. Beim Verkehr stĂŒnden dem Bereich StĂŒhlinger-West bereĂ­ts 4 Straßenbahnlinien und den Rathausbediensteten das Jobticket fĂŒr den ÖPNV zur VerfĂŒgung. Ein Verkehrskonzept mit ZugĂ€nglichkeiten weiterentwickelt nach Vorbild von Teilen von Freiburg-Vauban wĂŒrde vor allem Radwege, Carsharing und bei Bedarf eine mit Freiraum ĂŒberbaute Quartiersgarage umfassen. Auch nördlich der Lehener Str. im Klinikbereich bieten sich einige ParkplatzgelĂ€nde zur Überbauung an, dies ggf. auf Stelzen, falls die ParkplĂ€tze weiter benötigt wĂŒrden.

Wohnbau statt Sundgauallee verschont die auch sozial und stadtklimatisch wichtigen GrĂŒnflĂ€chen der KleingĂ€rten und wĂ€re eine geglĂŒckte Innenentwicklung. Mit Wohnraum fĂŒr geschĂ€tzt bis zu 2.000 Menschen je nach Details und Höhe der Bauten entstĂŒnde neben u.a. ZĂ€hringen-Nord und DG-Ausbauten und -Aufstocken ein weiterer wichtiger und großer Baustein zum Verzicht auf den Neubaustadtteil Dietenbach auf der „grĂŒnen Wiese“.
 
 



Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 
24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 
47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 
70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 
93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 
116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 
139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 
162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 
185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 
208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 
231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 
254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 
277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 
300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 
323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 
346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 
369 370 371 372 373 


Copyright 2010 - 2019 Benjamin Jäger