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Freitag, 17. August 2018
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Verschiedenes

 
„Stromsparcheck Freiburg“
Energiesparservice fĂŒr einkommensschwache Haushalte
Positive Zwischenbilanz fĂŒr Kooperationsprojekt

BĂŒrgermeisterin Stuchlik: Wichtige Baustein fĂŒr
Breitenwirkung der Freiburger Klimaschutzziele

Eine erste positive Zwischenbilanz verzeichnen die
Kooperationspartner des Projekts „Stromsparcheck Freiburg“.
Wie BĂŒrgermeisterin Gerda Stuchlik heute gegenĂŒber der
Presse betonte, sei es gelungen, Haushalte mit geringem
Einkommen fĂŒr Klimaschutzziele zu sensibilisieren und sie
gleichzeitig finanziell zu entlasten: „Wir konnten wirkungsvoll
vermitteln, dass diese abstrakte Materie ganz konkrete
Auswirkungen hat – zum Beispiel auf den Inhalt des
Geldbeutels. Das ist besonders fĂŒr Menschen
nachvollziehbar, die rechnen mĂŒssen.“ Das Interesse an der
Aktion sei groß – auch von Haushalten, die nicht der
Zielgruppe angehören.

Seit Oktober 2008 sind 14 Langzeitarbeitslose als
Stromsparhelfer/innen qualifiziert worden. In den ersten acht
Monaten dieses Jahres haben sie 143 Freiburger von
Arbeitslosengeld II lebende Haushalte beraten, wie sie Strom
und Wasser sparen können. Dabei installierten sie 329
Energiesparlampen, 98 Steckerleisten, 49 Wasserspar-
Perlatoren und 35 wassersparende Duschköpfe. Die
Schulung der Stromsparhelfer/innen umfasste neben
technischem Fachwissen auch soziale Kompetenz. Drei von
ihnen konnten aufgrund ihrer TĂ€tigkeit bereits in Ausbildung
und Arbeit vermittelt werden.

Das jÀhrliche Einsparpotential pro Haushalt lag bei
durchschnittlich 74 Euro, in EinzelfĂ€llen sogar bei ĂŒber 200
Euro. Die gesamte finanzielle Entlastung der Haushalte
betrug damit rund 10.500 Euro. DarĂŒber hinaus spart auch die
Stadt Freiburg, die derzeit fĂŒr rund 9.000 bedĂŒrftige Haushalte
Miet- und Nebenkosten in Höhe von 3,7 Millionen Euro trÀgt.
Und auch das Klima profitiert von dieser Entwicklung: Rund
23,2 Tonnen Kohlendioxid wurden der AtmosphÀre dadurch
erspart.

„Mit diesen Ergebnissen bestĂ€tigt sich schon in der ersten
Zwischenbilanz eindrĂŒcklich, dass der prognostizierte
Mehrfacheffekt Einsparung – Qualifizierung – Klimaschutz
erreicht wird“, stellten Christiane BlĂŒmle und Patrick Krezdorn
von den ProjekttrÀgern VABE und Caritasverband fest.

Bei dem Projekt arbeiten das stÀdtische Umweltschutzamt,
der Verein zur Förderung kommunaler Arbeits- und
BeschĂ€ftigungsmaßnahmen (VABE), der Caritasverband
Freiburg-Stadt, die ARGE Freiburg und der Energieversorger
Badenova zusammen. Badenova ĂŒbernahm nicht nur einen
Teil der Schulungen. Mit ĂŒber 140.000 Euro aus dem
Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz fördert das
Unternehmen Startersets im Wert von je 50 Euro. Sie
enthalten Energiesparlampen, Steckerleisten, Perlatoren und
Duschköpfe, die kostenlos eingebaut werden. Erst durch die
Förderung des regionalen Energiedienstleisters wird auch ein
Zuschuss fĂŒr den Austausch von veralteten KĂŒhlgerĂ€ten
möglich. „Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafĂŒr, dass
Badenova mit dem Innovationsfonds nicht nur technische und
wissenschaftliche Lösungen fĂŒr den Klima- und Wasserschutz
vorantreibt, sondern auch das energieeffiziente
Nutzungsverhalten der Menschen“, so Anke Held, die bei
Badenova fĂŒr den Innovationsfonds zustĂ€ndig ist.

Die Stadt Freiburg leistete 2008 eine Anschubfinanzierung in
Höhe von 10.000 Euro und unterstĂŒtzt die Aktion 2009 und
2010 mit jeweils 46.000 Euro. Weiterhin wirbt die Stadt im
Rahmen ihrer Aktion Co2libri fĂŒr das Pojekt. Die ARGE
Freiburg unterstĂŒtzt das Vorhaben, indem sie
Teilnehmer/innen zur Qualifizierung vermittelt und mit
FaltblĂ€ttern und Plakaten ĂŒber das Angebot informiert.

TrÀger sind der VABE und der Caritasverband Freiburg-Stadt,
vertreten durch sein BeschÀftigungsprojekt FAIRKAUF. Beide
TrÀger haben durch ihre langjÀhrige TÀtigkeit mit
langzeitarbeitslosen Menschen einen guten Zugang zur
Zielgruppe einkommensschwacher Haushalte, was wesentlich
zum Erfolg des „Stromsparcheck Freiburg“ beitrĂ€gt.

Das Vorhaben vereint mehrere positive Effekte.
Einkommensschwache Haushalte und die Kommune werden
finanziell entlastet. Gleichzeitig wird das Umweltbewusstsein
in einer Bevölkerungsgruppe gestÀrkt, die bisher kaum durch
Klimaschutz-Aktionen erreicht wurde. Weiterhin werden
Langzeitarbeitslose auf einem nachhaltigen TĂ€tigkeitsfeld
qualifiziert und erhalten dadurch eine berufliche Perspektive.
Durch das VerknĂŒpfen ökologischer, ökonomischer und
sozialer Ziele entspricht die Aktion dem aktuellen VerstÀndnis
von Nachhaltigkeit.

Das Freiburger Projekt lehnt sich an ein Frankfurter
BeschÀftigungsprojekt der Caritas an. Die bislang guten
Erfahrungen aus Frankfurt zeigen, dass die Projektziele im
Bezug auf die beratenen Haushalte, die teilnehmenden
Langzeitarbeitslosen und den Klimaschutz erreicht werden
können.
 
 

Buchtipp: Daniel Goleman -
 
Buchtipp: Daniel Goleman - "Ökologische Intelligenz"
Unser emotionales FrĂŒhwarnsystem schlĂ€gt augenblicklich Alarm, wenn sich jemand im Dunkeln schnell auf uns zubewegt. Instinktiv begreifen wir dies als Bedrohung. Bei der KlimaerwĂ€rmung hingegen begreifen wir nicht, wie unmittelbar die Gefahr ist – uns fehlen dafĂŒr einfach die Antennen.

Wir mĂŒssen dringend unser VerstĂ€ndnis ĂŒber die ökologischen Auswirkungen unserer Lebensweise schĂ€rfen, da wir an einem Ă€ußerst kritischen Punkt der globalen Umweltzerstörung angelangt, sagt der US-Psychologe und Bestsellerautor Daniel Goleman.

Wir mĂŒssen ökologische Intelligenz entwickeln. Wir mĂŒssen unseren Konsum einschrĂ€nken. Wir mĂŒssen die Ökobilanz aller Produkte kennen, die wir kaufen, um einen grundlegenden Wandel herbeifĂŒhren zu können. Wir mĂŒssen die Marktgesetze radikal Ă€ndern und eine lupenreine Transparenz sĂ€mtlicher Produktionsprozesse erlangen, um als Verbraucher die Produzenten zur Herstellung ökologisch korrekter Produkte zu zwingen. Erst dann werden wir in der Lage sein, unsere Lebensgrundlagen langfristig zu sichern. FĂŒr Daniel Goleman steht auch fest, wer Vorreiter der ökologischen Intelligenz sein wird: Die MĂŒtter. Sie interessieren sich nĂ€mlich am meisten dafĂŒr, was in den Shampoos, Spielzeugautos oder T-Shirts fĂŒr ihre Kinder steckt.

Daniel Goleman promovierte in Psychologie an der Harvard University, arbeitete bei der New York Times und Psychology Today, bis er 1995 mit Emotionale Intelligenz den internationalen Durchbruch schaffte. Bei Droemer erschien 2006 sein Bestseller Soziale Intelligenz.

Droemer Verlag, 272 Seiten, EUR 19,95
ISBN 978-3-426-27514-6
 
 

 
Keine Chance der Kastanienminiermotte „Motten stoppen - Laub sammeln“
Große Herbstaktion von „Freiburg packt an“

Hilfe von BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern fĂŒr wirksame SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung
notwendig

Herbstliche Stimmung bereits in manchen Straßen Freiburgs:
Gelblich-braunes Laub fĂ€llt schon in so großen Mengen, dass
man sich schon im goldenen Oktober wĂ€hnt. Aber Grund dafĂŒr
ist, dass die Kastanien von einem SchÀdling befallen sind,
der sogenannten Kastanienminiermotte. Und die setzt den
Kastanien heftig zu. Der nur fĂŒnf Millimeter große Schmetterling
befĂ€llt die BĂ€ume und zerstört großflĂ€chig deren BlĂ€tter.
Die einzige Methode, den SchÀdling effektiv zu bekÀmpfen ist
das Aufsammeln und Entsorgen des gefallenen Laubs, um
die Weiterentwicklung der Motte einzudÀmmen. Dabei ist die
Stadt auf die Mithilfe aller angewiesen und gibt heute den
Startschuss fĂŒr eine Reihe von Aktionen im Rahmen von
„Freiburg packt an“.

Gemeinsam mit Anwohnerinnen und Anwohnern rund um die
Mozartstraße hat Martin Leser, stellvertretender Leiter des
Garten- und Tiefbauamtes heute eine Laubsammelaktion
durchgefĂŒhrt. Martin Leser: „Es gibt in Freiburg kaum noch
eine Kastanie, die nicht von der Motten befallen ist. Wir appellieren
deshalb an alle, die Kastanien vor der TĂŒr, im Garten
oder in nĂ€chster NĂ€he haben, regelmĂ€ĂŸig bis in den Herbst
hinein das Laub zu sammeln und in unseren speziellen LaubsÀcken
zu entsorgen.“

Hintergrund zur Kastanienminiermotte

Die Kastanienminiermotte ist erst seit 1986 ĂŒberhaupt bekannt
und wurde nach Deutschland eingeschleppt. Nach wie
vor unbekannt ist ihr eigentliches Herkunftsgebiet. In Freiburg
wird ein deutlicher und zunehmender Befall seit Ende der
90er Jahre beobachtet. Ab Ende April schlĂŒpfen aus den
Puppen im Kastanienlaub die Schmetterlinge, die ihre Eier im
unteren Kronenbereich ablegen. Drei bis vier Generationen
sind in einem Jahr möglich, wobei jede Generation ihre Eier
weiter oben in der Krone, auf noch unbefallenen BlÀttern ablegt.
Die letzte Generation ĂŒberwintert als Puppe im abgefallenen
Laub am Boden.

Die Kastanienminiermotte befĂ€llt fast ausschließlich die weiß
blĂŒhende Rosskastanie. Andere Kastanienarten (rot oder gelb
blĂŒhend) werden nur schwach oder gar nicht befallen. In Freiburg
stehen insbesondere an Straßen ĂŒberwiegend weiß blĂŒhende
Kastanien (zirka 1.800 BĂ€ume), so dass es kaum mehr
KastanienbÀume gibt, die nicht von der Miniermotte befallen
sind. Die winzigen Raupen fressen das nahrhafte Pflanzengewebe
auf und zerstören so großflĂ€chig das Gewebe. Wenn
die Zerstörungen zu groß werden, trennt sich der Baum von
den befallenen BlÀttern, die dann oft noch die Puppen in sich
tragen. Dies fĂŒhrt dazu, dass die Kastanien bei starkem Befall
oft schon im August ihre BlÀtter abwerfen. Wenn nach zwei
bis vier Generationen der Laubabwurf zu stark geworden ist,
hilft sich der Baum durch einen neuen Austrieb, oft verbunden
mit einer "NotblĂŒte" im SpĂ€tsommer. Die Zeit bis zum herbstlichen
Laubfall ist dann zu kurz, um die Energie- und NĂ€hrstoffreserven
wieder aufzufĂŒllen, so dass die betroffenen
BĂ€ume geschwĂ€cht in die Winterruhe gehen. Zum GlĂŒck fĂŒhrt
die Kastanienminiermotte noch nicht zum Absterben der
BÀume. Bei fortdauernder SchwÀchung ist dies aber nicht
auszuschließen.

Wie erkenne ich den Befall?

Der Miniermottenbefall ist dadurch zu erkennen, dass die
BlÀtter zunÀchst im unteren Kronenbereich gelbliche bis
brÀunliche Flecken aufweisen. Diese VerfÀrbungen sind auch
aus einer gewissen Entfernung schon im FrĂŒhsommer zu erkennen:
Im SpÀtsommer sind die BlÀtter oft so stark befallen,
dass die Flecken zu FlÀchen zusammenwachsen und sich
das ganze Blatt braun verfÀrbt. Der Befall wandert dann immer
weiter in den oberen Kronenbereich hinein.

Die BekÀmpfung

Die BekÀmpfung der Kastanienminiermotte ist schwierig. Es
gibt wirksame Insektizide, deren Einsatz sich im bebauten
Gebiet aber verbietet. NatĂŒrliche Feinde gibt es kaum, zumindest
sind diese nicht in der Lage, die immense Anzahl an
Motten zu dezimieren. Die Stadt Freiburg hat verschiedene
Versuche, zum Teil in Zusammenarbeit mit der UniversitÀt
Freiburg, zur BekĂ€mpfung des SchĂ€dlings durchgefĂŒhrt, mit
geringem Erfolg (Pheromonfallen, Leimstreifen am Baumstamm).
Auch das Kompostieren des Laubs tötet die Miniermottenlarven
nicht zuverlÀssig ab, da auf den hÀuslichen
Komposthaufen in den GĂ€rten nicht die erforderliche Temperatur
erreicht wird, um die Larven abzutöten.

Insbesondere in Berlin macht man sich die Tatsache zu Nutze,
dass die letzte Miniermottengeneration im Laub ĂŒberwintert.
Dort wird seit einigen Jahren in breit angelegten Aktionen
das Kastanienlaub eingesammelt und vernichtet. Untersuchungsergebnisse
des Pflanzenschutzamts Berlin bestÀtigen
den Erfolg der Laubsammlungen und einer professionellen
Entsorgung: Wo im letzten Jahr grĂŒndlich Kastanienlaub gesammelt
wurde, sind im FrĂŒhjahr teilweise bis zu 80 Prozent
weniger Motten geschlĂŒpft. Im Durchschnitt sind etwa zwei
Drittel weniger Motten in den BÀumen der gerÀumten FlÀchen
aufgetreten. Der Befall tritt deutlich spÀter ein. Die BlÀtter
werden so anfangs deutlich weniger geschÀdigt und bleiben
lĂ€nger grĂŒn. Auch der Laubfall verzögert sich im Vergleich zu
BĂ€umen, unter denen das Laub nicht entfernt wurde.

Deshalb gilt derzeit das möglichst vollstÀndige Einsammeln
und professionelle Entsorgen des Kastanienlaubs als die einzig
wirksame und praktikable Methode, um den Miniermottenbefall
einzudÀmmen. Die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung
Freiburg sowie das Garten- und Tiefbauamt sammeln natĂŒrlich
innerhalb ihrer ZustÀndigkeit das Herbstlaub ein. Dabei
kann aber lÀngst nicht das gesamte Kastanienlaub erfasst
werden. Deshalb bittet das Garten- und Tiefbauamt um die
Mithilfe der BĂŒrger/-innen. Diese sind vor Ort und können das
Laub kontinuierlich einsammeln.

Aktion „Motten stoppen - Laub sammeln“:

Die Stadt Freiburg, Garten- und Tiefbauamt, stellt kostenlos
leuchtend gelbe LaubsammelsÀcke zum Einsammeln und
Entsorgen des Laubs zur VerfĂŒgung. Diese SĂ€cke dĂŒrfen nur
mit Kastanienlaub befĂŒllt werden. Anders befĂŒllte SĂ€cke werden
nicht entsorgt, da das befallene Laub in der Verbrennungsanlage
aufwÀndig entsorgt werden muss. Die Abfallwirtschaft
und Stadtreinigung Freiburg GmbH weist darauf
hin, dass das Kastanienlaub nicht in die Bio- oder RestmĂŒlltonne
geworfen werden darf.

Die LaubsammelsÀcke sind an folgenden Stellen zu erhalten:

- BĂŒrgerservice im Innenstadtrathaus
- Hauptpforte im Technischen Rathaus
- RathÀuser der Ortsverwaltungen
- Ökostation Freiburg im Seepark
- GĂ€rtnerunterkunft im Stadtgarten bei der KarlsbrĂŒcke
- Recyclinghöfe der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg

Die befĂŒllten SĂ€cke sollten von den BĂŒrger/-innen deutlich
sichtbar an den Straßenrand bzw. den Platz gestellt, wo auch
die AbfallbehÀlter stehen. Der Standort sollte dem Gartenund
Tiefbauamt telefonisch mitgeteilt werden, um die Einsammlung
besser steuern zu können (Tel. 0761 / 201-4711,
Frau Kurze). Die gefĂŒllten LaubsĂ€cke werden vom Gartenund
Tiefbauamt abgeholt und von der Abfallwirtschaft und
Stadtreinigung Freiburg GmbH ordnungsgemĂ€ĂŸ entsorgt.

Die nÀchste Aktion findet bereits kommenden Samstag statt:
Am Samstag, 5. September, wird um 14 Uhr im Eschholzpark
Laub gesammelt. Treffpunkt ist die Gartenschlauch-
Skulptur.

Weitere Aktionen im Herbst im Rahmen von „Freiburg packt
an“ werden in der Presse gesondert angekĂŒndigt. Aktuelle
Infos auch unter www.freiburg.de/freiburgpacktan. ZusÀtzlich
werden an den Ausgabestellen der LaubsammelsÀcke Flyer
mit Informationen ĂŒber die Aktion ausgelegt.
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Bald 137 Naturdenkmale auf Stadtgebiet
Bergahorn beim Alten Wiehrebahnhof soll unter Schutz
gestellt werden

BĂŒrgermeisterin Stuchlik: „Es sind besonders
eindrucksvolle Exemplare, die den Denkmalstatus
erhalten. Sie setzen Zeichen fĂŒr die Bedeutung der Natur
in der Stadt.“

Zehn weitere Naturdenkmale will das stÀdtische
Umweltschutzamt ausweisen – acht mit EinzelbĂ€umen und
zwei als Baumgruppen. Damit erhöht sich die Zahl der
Naturdenkmale auf Freiburger Stadtgebiet von 127, was etwa
200 BĂ€umen entspricht, auf 137, ein Zuwachs von 16
BĂ€umen. Unter den Kandidaten befindet sich auch ein
Bergahorn an der Urachstraße, den BĂŒrgermeisterin Gerda
Stuchlik heute stellvertretend fĂŒr alle Naturdenkmale der
Presse vorstellte. „Es sind besonders eindrucksvolle
Exemplare, die den Denkmalstatus erhalten,
Baumpersönlichkeiten, die ihre Umgebung prÀgen. Schon
deshalb gebĂŒhrt ihnen zusĂ€tzlicher Schutz. Außerdem setzen
sie unĂŒbersehbare Zeichen fĂŒr die Bedeutung der Natur,
haben damit auch eine wichtige pĂ€dagogische Funktion“, so
die BĂŒrgermeisterin.

Knapp die HĂ€lfte der geplanten Naturdenkmale stehen auf
stÀdtischem Grund und Boden, die restlichen auf
PrivatgrundstĂŒcken. Das Umweltschutzamt hat die
EigentĂŒmer informiert. Erste positive RĂŒckmeldungen liegen
vor.

Zu den Kandidaten zÀhlen ein Ginkgo mit auffÀllig markantem
Stamm in der Bernhardstraße, drei alte Eichen am
Gewerbekanal in der KartĂ€userstraße auf Höhe des
Hirzbergparks, eine fĂŒnfstĂ€mmige Erle am Hölderlebach in
der Wiehre und eine besonders schön gewachsene
Atlaszeder am Lorettoberg. Als naturdenkmalwĂŒrdig schĂ€tzen
die Fachleute auch einen Bergahorn ein, der die AtmosphÀre
um den Alten Wiehrebahnhof an der Urachstraße bereichert.

Der Bergahorn, vom Kuratorium „Baum des Jahres“,
Fachbeirat der Stiftung fĂŒr BĂ€ume, zum Baum des Jahres
2009 gewĂ€hlt, ist jedem Kind wegen seiner FrĂŒchte bekannt,
die als „Nasenzwicker“ aufgesetzt oder als Propeller durch die
Luft geworfen werden. FĂŒnflappige, wie HĂ€nde wirkende
BlÀtter unterscheiden ihn vom Spitzahorn mit seinem spitz
gezahnten Blattwerk. Der Baum, der bis zu 600 Jahre alt
werden kann, bevorzugt Bergregionen und kommt vor allem
in den Alpen vor. Er fĂŒhlt sich aber auch im Mittelgebirge
sowie in Tieflagen wohl. Wuchsform und GrĂ¶ĂŸe
beeindrucken. Dichte Belaubung dient als LĂ€rmschutz und
Schadstofffilter und liefert gleichzeitig Sauerstoff fĂŒr das
lokale Klima. Tierökologisch wertvoll ist die Baumart, weil sie
vielen Insekten wie Bienen, Ameisen und Schmetterlingen
durch den hohen Zuckergehalt im Pflanzensaft Nahrung
bietet. Zudem ernĂ€hren sich 20 Vogelarten von den FrĂŒchten.
Die alte Rinde bietet vielen Kleintieren Schutz, vereinzelt
sogar FledermĂ€usen. Entscheidend fĂŒr seine Wahl zum Baum
des Jahres war seine AnpassungsfÀhigkeit an
unterschiedliche klimatische VerhÀltnisse und seine
Unempfindlichkeit gegen Stress. Daher eignet er sich im
Hinblick auf den Klimawandel besonders fĂŒr den Waldumbau
zu ökologisch stabilen MischwĂ€ldern sowie als Straßen- und
Parkbaum.

Sein erstes Naturdenkmal erhielt Freiburg auf Weisung des
Landeskulturamts im Jahr 1950: einen Tulpenbaum in der
Goethestraße, der allerdings im Jahr 2000 gefĂ€llt werden
musste. Das höchste unter den aktuellen Naturdenkmalen ist
die mindestens 38 Meter messende Platane an der Kartaus.
Zu den exotischsten Beispielen zÀhlt ein Maulbeerbaum an
der Eichbergstraße. Die Ă€ltesten sind die Linden am
Kapellenweg. Sie stammen von 1645, aus Zeiten des
DreißigjĂ€hrigen Kriegs. Mit sieben Metern Stammumfang ist
der Mammutbaum an der Starkenstraße das massivste
Denkmal, und das urwĂŒchsigste steht auf dem Kybfelden –
ein rund 220 Jahre alter Bergahorn.

Zuletzt 2006 wurde eine Baumgruppe als Naturdenkmal
ausgewiesen – der Eichenbestand an der Herdermer
Eichhalde, von dem sich der Straßenname herleitet.
Grundlage dafĂŒr ist das Naturschutzgesetz, das bestimmte
Voraussetzungen nennt. Dazu zÀhlen eine besonders
ausgeprĂ€gte Wuchsform, außergewöhnliche GrĂ¶ĂŸe, hohes
Alter, Seltenheit einer Baumart, ökologischer Wert,
stadtviertelprÀgende QualitÀt oder kulturgeschichtliche
Bedeutung. VorschlĂ€ge fĂŒr Naturdenkmale kommen meist
aus der BĂŒrgerschaft, von BĂŒrger- oder Naturschutzvereinen.
Das Umweltschutzamt prĂŒft jeden einzelnen Fall gemeinsam
mit den Naturschutzbeauftragten und den Baumfachleuten
des Garten- und Tiefbauamts.

In einem förmlichen Unterschutzstellungsverfahren erlÀsst
das Umweltschutzamt fĂŒr die neuen Naturdenkmale eine
Sammelverordnung, worin der Schutzzweck genannt und
verbotene und zulÀssige Handlungen geregelt sind. Nach
Inkrafttreten der Verordnung werden die Denkmale mit einem
dreieckigen grĂŒnen Metallschild mit der Aufschrift
„Naturdenkmal“ versehen. Ziel der Unterschutzstellung ist ein
möglichst langfristiger Erhalt des jeweiligen Baums. DafĂŒr
wird er jÀhrlich zweimal kontrolliert. Gegebenenfalls entfernen
Fachleute Totholz oder schneiden Äste zurĂŒck, vor allem um
die Verkehrssicherheit zu gewÀhrleisten. Falls nötig, wird der
Baum saniert. DafĂŒr können Fördermittel aus dem
Landschaftspflegeprogramm des Landes beantragt werden.
Rund 12.000 bis 16.000 Euro wendet die Stadt Freiburg im
Schnitt jĂ€hrlich fĂŒr diese Arbeiten auf.
 
 

„Freiburg packt an“ und rupft Ambrosia
Ambrosia artemisiifolia - Foto: SB Johnny / Wikipedia
 
„Freiburg packt an“ und rupft Ambrosia
Am Samstag, 29. August, veranstaltet das Garten- und Tiefbauamt
im Rahmen von „Freiburg packt an“ ab 9:30 Uhr eine
Ambrosia-Rupf-Aktion bei der Neuen Messe. Dort steht Ambrosia
kurz vor der BlĂŒtenentwicklung. Höchste Zeit also, die
gefĂ€hrliche Pflanze auszureißen und zu vernichten. Interessierte
treffen sich am Samstag um 9.30 Uhr an der östlichen
Zufahrt zum MessegelĂ€nde bei der Schranke (schrĂ€g gegenĂŒber
KaiserstuhlbrĂŒcke und LKW-Verlade-Station). Empfohlene
AusrĂŒstung: geschlossene Schuhe. Jede Teilnehmerin/
jeder Teilnehmer erhÀlt Informationsmaterial und Handschuhe.
Die Aktion findet bei jedem Wetter statt. Anmeldung
ist nicht erforderlich. Die Aktion dauert zirka eineinhalb Stunden.
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WWF fordert „Big Deal“ im Kampf gegen weltweite Wasserkrise
© Chris Martin Bahr / WWF-Canon
 
WWF fordert „Big Deal“ im Kampf gegen weltweite Wasserkrise
Wassermangel und DĂŒrre sind Wachstumsrisiko. / Österreich und Belgien wollen UN-Konvention ratifizieren.

AnlĂ€sslich des Abschluss der Weltwasserwoche in Stockholm fordert die Umweltschutzorganisation WWF einen „Big Deal“ im Kampf gegen die weltweite Wasserkrise. Regierungen, Landwirtschaft und Unternehmen mĂŒssten Strategien entwickeln, um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser dauerhaft sicherzustellen, fordert Martin Geiger, Leiter Bereich SĂŒĂŸwasser beim WWF Deutschland, im Interview auf der Weltwasserwoche in Stockholm. Ein Hoffnungsschimmer sei, dass mit Österreich ein weiterer Staat die Ratifizierung der UN-Konvention zum grenzĂŒberschreitenden Wassermanagement in die Wege geleitet habe und Belgien auf der Weltwasserwoche großes Interesse daran zeigte. WWF-Experte Geiger sieht in der Wasserkrise nicht nur eine ökologische und humanitĂ€re Gefahr, sondern auch ein ökonomisches Wachstumsrisiko.

Wasser als Grundlage des Lebens ist essentiell, doch warum ist es auch fĂŒr die Weltwirtschaft von großer Bedeutung?

Geiger: Wenn der fossile Rohstoff Öl - derzeit noch – als Schmiermittel der Weltwirtschaft angesehen wird, dann muss Wasser als die universelle und unverzichtbare Grundlage ökonomischen Erfolgs betrachtet werden. Ohne Zugang zu Wasser kann der Agrar- und Lebensmittelsektor nicht arbeiten. Ohne Wasser wĂŒrde die Stahlproduktion scheitern und in Folge dessen die Automobilindustrie zusammenbrechen, auch Chips fĂŒr die Computerindustrie könnten nicht produziert werden. Im Gegensatz zu den fossilen Rohstoffen, fĂŒr die zunehmend Ersatzmöglichkeiten gefunden werden, gibt es zu Wasser keine Alternative.

Also ist Wasser ein Wirtschaftsgut?

Geiger: Wasser ist vieles - auch ein Wirtschaftsgut. Aber mehr als bei allen anderen Ressourcen spielen beim „blauen Gold“ humanitĂ€re und ökologische Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle. Es geht um gerechte Verteilung der knappen Ressourcen, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und SanitĂ€ranlagen. Zugleich mĂŒssen die entsprechenden Ökosysteme wie FlĂŒsse, See oder Feuchtgebiete geschĂŒtzt werden, vor nicht nachhaltigen oder vielmals sogar illegalen Wasserentnahmen, Verschmutzung und den Folgen des Klimawandels.

Wie kann eine weitere VerschÀrfung der Wasserkrise abgewendet werden?

Geiger: Was es jetzt braucht ist ein weltweiter „Big Deal“, einen wirklichen großen Wurf, in der Wasserpolitik. Industrie und Landwirtschaft sind hierbei genauso gefordert, wie die internationale Staatengemeinschaft. Als erster Schritt muss endlich die UN-Konvention fĂŒr ein nachhaltiges, verantwortungsvolles und vor allem grenzĂŒberschreitendes Management von Wasservorkommen ratifiziert werden. Besonders erfreulich ist es daher, dass Österreich kĂŒrzlich die Ratifizierung in die Wege leitete und vergangene Woche Belgien die Absicht geĂ€ußert hat, dem Abkommen beizutreten.

Wo sehen Sie die deutsche Bundesregierung in der Pflicht?

Geiger: Deutschland sollte sich auf europĂ€ischer Ebene dafĂŒr einsetzen, dass Agrar-Subventionen nur noch bei einer nachweisbaren, nachhaltigen und effizienten Wassernutzung gewĂ€hrt werden, speziell in der BewĂ€sserungslandwirtschaft. Im internationalen Bereich muss sich eine Industrienation wie Deutschland ĂŒber die Entwicklungszusammenarbeit dafĂŒr engagieren, dass in Ă€rmeren Staaten, die meist besonders hart von einer Wasserkrise betroffen sind, Technologien zur effizienten Wassernutzung eingesetzt werden.

Wie wird Deutschland als wasserreiches Land von einer Wasserkrise betroffen sein?

Geiger: In einer globalisierten Welt, ist keine Volkswirtschaft mehr unabhĂ€ngig. Auch nicht in der Wasser-Frage. Nach der neuen WWF-Studie zum Wasser-Fußabdruck Deutschlands wird rund die HĂ€lfte des deutschen Wasserbedarfs ĂŒber auslĂ€ndische Produkte importiert. Damit fĂŒhrt die Bundesrepublik jedes Jahr 79,5 Mrd. mÂł Wasser ein. Wir sind also direkt abhĂ€ngig von den Wasserressourcen anderer LĂ€nder. Wenn dort, beispielsweise wie derzeit in Indien, Wassermangel herrscht, hat das auf unsere Versorgung mit landwirtschaftlichen GĂŒtern wie Kaffee, Baumwolle oder auch Fleisch Auswirkungen. Ausserdem verschĂ€rft Wassermangel die Armut und schĂŒrt Konflikte - von denen wir wiederum indirekt betroffen sind.

Wird der Zugang zu Trinkwasser also eines Tages zum Luxus werden?

Geiger: Wir dĂŒrfen nicht den Fehler machen unseren westlichen Standard zur weltweiten RealitĂ€t zu verklĂ€ren. FĂŒr die weit ĂŒber ein Milliarde Menschen, die derzeit noch keinen sicheren, dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ist Wasser bereits heute ein Luxusgut. Das muss nicht sein, die Lösungen fĂŒr Alle Zugang zu schaffen gibt es bereits heute. Es ist eine Frage der Planung, PrioritĂ€tensetzung, der Verteilung und der Investitionen und nicht der VerfĂŒgbarkeit.

Nach welchen Kriterien muss sich eine gerechte und zugleich ökologisch nachhaltige Wasserpolitik richten?

Geiger: Grundsatz muss immer sein, wie viel Wasser, in welcher Region und zu welchem Zeitpunkt der Natur entnommen werden kann. Weltweit mĂŒssen FlĂŒsse, Seen und Feuchtgebiete unter Schutz gestellt und renaturiert werden. Nur ökologisch gesunde SĂŒĂŸwasserspeicher können auch in Zukunft, vor allem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserressourcen, unsere Versorgung sichern.
 
 

Wenn Wasser auf Reisen geht
© WWF Joerg Hartmann
 
Wenn Wasser auf Reisen geht
Pipelines, Talsperren und Flussregulierungen: WWF kritisiert soziale und ökologische Folgen / Wassertransfer-Projekte wirtschaftlich fragwĂŒrdig

Frankfurt/Stockholm - Barcelona bekommt per Schiffsladung Wasser aus SĂŒdfrankreich. In SĂŒdafrika trocknet eine ganze Region aus, um weit entfernte Industriegebiete mit dem kostbaren Nass zu versorgen. Und in China wird Wasser ĂŒber 1400 km von SĂŒden nach Norden geleitet, um ein Defizit von 52 kmÂł pro Jahr auszugleichen.- Wassertransferprojekte gelten als „Allheilmittel“ zur Deckung eines steigenden Bedarfs, fĂŒr eine Förderung des Wirtschaftswachstums oder zur ArmutsbekĂ€mpfung. Doch nach einer aktuellen WWF-Analyse, die im Rahmen der Weltwasserwoche in Stockholm vorgestellt wurde, sind die teuren Mega-Projekte oftmals wirtschaftlich fragwĂŒrdig und meist mit enormen sozialen und ökologischen Auswirkungen verbunden.

„Wassertransfer-Projekte sind nicht die Lösung des Problems von Wasserknappkeit und steigender Nachfrage, sondern lediglich eine technokratische Antwort darauf. Sie können angesichts ihrer enormen Auswirkungen immer nur die letzte Option sein, wenn alle anderen Alternativen versagen“, sagt Martin Geiger, Leiter Bereich SĂŒĂŸwasser beim WWF Deutschland. ZunĂ€chst einmal mĂŒsse der Wasserbedarf in der zu versorgenden Region verringert werden, etwa durch die Optimierung von BewĂ€sserungssystemen oder intelligente Wasserwiederverwendung. Auch Entsalzungsanlagen können eine kostengĂŒnstige und umweltvertrĂ€gliche Alternative darstellen.

Der WWF hat fĂŒr seine Analyse weltweit sieben geplante oder bereits umgesetzte Vorhaben untersucht. So soll fĂŒr geschĂ€tzte 2,9 bis 4,4 Milliarden Euro ein Mega-Projekt mit drei großen Talsperren in Griechenland realisiert werden, verbunden mit dem Verlust wertvoller Ökosysteme und der Zerstörung historischer KulturgĂŒter. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen beruht dabei allein auf dem wasserintensiven und von der EU hoch subventionierten Baumwollanbau in der 170 km entfernten Thessaly-Region. Spanien plant hingegen am Fluss Tagus, dem bereits seit Ende der 1970er Jahre Wasser entnommen wird, ein neues Großprojekt. Vornehmlich mit EU-Geldern soll dort fĂŒr ĂŒber 270 Millionen Euro ein neues Transfersystem entstehen, um die Region Castilla-La Mancha mit Wasser zu versorgen. Und das, obwohl die Auswirkungen am Tagus bereits heute enorm sind: BestĂ€ndig sinkende PegelstĂ€nde setzen Ufervegetation und WasserqualitĂ€t zu; zahlreiche, seltene Fischarten sind in ihrem Bestand bedroht. Hinzu kommt, dass der bereits existierende Transfer nicht einmal annĂ€hernd die Erwartungen erfĂŒllt hat.

Hintergrund: Wassertransfer-Projekte sind kein PhĂ€nomen der Moderne und bereits aus dem Altertum bekannt. Doch allein in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts entstanden mehr als 350 große Wassertransfer-Projekte, durch die jĂ€hrlich rund 400 Mrd. mÂł Wasser umgeleitet wird. Bis 2020 soll sich diese Zahl verdoppeln
 
 

Schönen Gruß vom Pfauenauge
Tagpfauenauge / Foto: Wikipedia
 
Schönen Gruß vom Pfauenauge
GefĂ€hrdung von Tierarten – und was man dagegen tun kann

Artenvielfalt, Artenschutz, Zerstörung von Lebensraum,
Ausrottung – fast tĂ€glich findet man diese Begriffe in den
Medien. Doch was ist so schlimm am Verlust einer Art, wozu
RĂŒcksicht nehmen?

Zum Beispiel das Tagpfauenauge – es ist einer der
bekanntesten einheimischen Falter und der Schmetterling des
Jahres 2009. Mit seiner charakteristischen Zeichnung, großen
blauen Augen auf rot gemusterten FlĂŒgeln, schreckt er seine
Feinde ab und bietet den Menschen einen attraktiven Anblick,
der fĂŒr viele zum Sommer gehört wie Biergarten und
Badesee. Doch seine Zukunft und die vieler
mitteleuropÀischer Schmetterlingsarten ist gefÀhrdet.

Um die Situation zu begreifen, muss man weiter ausholen.
Bei der Entstehung der Arten hat sich zwischen
Schmetterlingen und Pflanzen ein kompliziertes
Zusammenspiel entwickelt. Es ist in seinen Ausmaßen auf
den ersten Blick kaum erkennbar, auf den zweiten aber umso
faszinierender.

Beginnen wir bei den Brennnesseln. Wer ist nicht schon beim
Wandern oder bei der Gartenarbeit mit ihnen in Kontakt
gekommen und hat ihren Nutzen spontan in Frage gestellt?
Doch das Tagpfauenauge und viele andere einheimische
Schmetterlingsarten wie Admiral oder Kleiner Fuchs nutzen
die Brennnessel als Kinderstube. Sie ist fĂŒr sie
ĂŒberlebensnotwendig. Die Raupen ernĂ€hren sich
ausschließlich von ihren BlĂ€ttern. Und spĂ€testens seit der
Raupe Nimmersatt weiß jede/r: ohne Raupen keine Puppen,
ohne Puppen keine Schmetterlinge.

Das Tagpfauenauge ernÀhrt sich vom Nektar einheimischer
BlĂŒtenpflanzen. GenĂŒgen ihm im FrĂŒhjahr der gelbe Huflattich
und die weiße Schlehe, so bevorzugt es im Sommer rote bis
blau-violette BlĂŒten wie Ackerkratzdistel, Wiesen-
Flockenblume und Tauben-Skabiose, die auf normalen
Blumenwiesen vorkommen. Das Problem: „Normale“
Blumenwiesen sind kaum noch zu finden. WĂ€hrend die
Tagfalter von der Farbenpracht der BlĂŒten angezogen
werden, locken Pflanzen wie die Nachtkerzen Nachtfalter mit
ihrem starken Geruch an.

Die Tauben-Skabiose bevorzugt einen nÀhrstoffarmen,
mageren Boden. Die Pflanzengesellschaften, die dort
wachsen, werden auch Trocken- und Halbtrockenrasen
genannt. Viele Wiesen dienen aber landwirtschaftlichen
Zwecken. Sie werden mehrmals im Jahr gemÀht, die Mahd
dient als Futtermittel. Damit sie einen möglichst hohen Ertrag
bringen, werden die Wiesen gedĂŒngt. Das im Einklang mit
dem Artenschutz zu tun, ermöglichen landwirtschaftliche
Förderprogramme, die den Landwirten EinnahmeausfÀlle
ersetzen.

Wer hat in letzter Zeit einen Admiral gesehen oder einen
Kleinen Fuchs oder einen Schwalbenschwanz? Verschwinden
die Blumenwiesen, verschwinden nach und nach auch die
einheimischen Schmetterlingsarten. Das Umweltschutzamt
weist darauf hin, dass sich ĂŒber die HĂ€lfte von ihnen auf der
Roten Liste der bedrohten Arten finden.

Doch wie geht es weiter mit dem Beispiel? Schmetterlinge
befruchten mit ihren langen SaugrĂŒsseln Pflanzen. Aufgrund
der BlĂŒtenform kommen dafĂŒr manchmal keine anderen
Insekten in Frage. Beim Fressen streifen die Falter
automatisch Pollen von den StaubblĂ€ttern der BlĂŒte, tragen
sie auf die nÀchste weiter und bestÀuben sie. Auf diese Weise
sorgen Schmetterlinge fĂŒr die Vermehrung, Verbreitung und
den Erhalt der Pflanzen.

Neben ihrer Rolle als BestÀuber dienen die Schmetterlinge
aber auch als Vogelnahrung, und zwar in jedem ihrer
Entwicklungsstadien. Egal ob Raupe, Puppe oder fertiger
Schmetterling – ein hungriger Schnabel findet sich immer.
Und auch FledermÀuse sind einem flatternden Imbiss nicht
abgeneigt. Gegen sie haben Falter kaum eine Chance: Sie
werden mit Schallwellen geortet und direkt aus der Luft
geschnappt.

Vögel und FledermÀuse ernÀhren sich aber nicht
ausschließlich von Faltern, sondern auch von anderen
Insekten und GliederfĂŒĂŸlern und begrenzen damit deren Zahl.
Das bedeutet: Plagen, zum Beispiel durch StechmĂŒcken,
werden in Grenzen gehalten beziehungsweise könnten noch
viel schlimmer sein. Damit tragen Schmetterlinge auch
mittelbar zum Gleichgewicht von SchĂ€dlingen und NĂŒtzlingen
bei.

Ein weiteres Beispiel: Einige Schlupfwespen bieten ihren
Larven ein besonderes Schlaraffenland: Sie legen ihre Eier
direkt in eine lebende, aber durch Gift gelÀhmte Raupe.
SchlĂŒpft die Larve, befindet sie sich direkt in ihrer
Nahrungsquelle, und die Schlemmerei kann beginnen. Die
Schlupfwespen verwenden nicht nur die Raupen von Faltern,
sondern auch die Larven anderer Insekten, weshalb man sie
in der Landwirtschaft als ökologische SchÀdlingsbekÀmpfer
einsetzt.

Eine Besonderheit des Tagpfauenauges ist es, dass die
erwachsenen Tiere hÀufig auf Dachböden oder in
KellerrĂ€umen ĂŒberwintern. Wer also in seinem Haus auf
scheinbar leblose Falter trifft, sollte sie nicht entfernen. Denn
sie beenden im FrĂŒhjahr ihre Winterruhe und beginnen eine
neue Generation von Faltern.

Wie kann man dazu beitragen, dass es auch kĂŒnftig
Tagpfauenaugen gibt? Das Umweltschutzamt rÀt,
Brennnesseln im Garten einfach einmal stehen zu lassen
oder in einem Abschnitt des Rasens Wiesenblumen zu sÀen.
Weitere Tipps zum ökologischen Leben und Naturschutz im
eigenen Garten finden sich auf den Internetseiten des
Naturschutzbunds Deutschland (www.nabu.de) oder des
BUND fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland
(www.bund.net). Dort erfĂ€hrt man zum Beispiel, was man fĂŒr
Singvögel oder FledermÀuse tun kann.
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