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Verschiedenes

Tabuzonen für Ölförderung auf See
@ WWF / Christian Kaiser
 
Tabuzonen für Ölförderung auf See
Kein Öl aus der Arktis – WWF fordert politischen Richtungswechsel in der Offshore-Ölforderung

Hamburg - Angesichts der unabsehbaren Umweltschäden durch die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko fordert der WWF ein Aussetzen weitere neuer Bohrvorhaben auf See – insbesondere für unmittelbar bevorstehende Bohrungen in den arktischen Gewässern vor Alaska. Geplanter Start für die Explorationsbohrungen in der Arktis durch Shell ist der 1. Juli. Vor Beginn jeglicher neuer Bohrungen in US-Gewässern muss nach WWF-Ansicht die vollständige Aufarbeitung der „Deepwater Horizon“ Katastrophe durch die eingesetzte unabhängige Kommission erfolgen und strengere Sicherheitsvorschriften erlassen werden. Fast 700 Lizenzen für die Beaufort- und Tschuktschensee vor Alaskas Küsten sind bereits vergeben. Am 24. Mai soll das Förderschiff „Frontier Discoverer“ von Shell von den Philippinen aus nach Alaska starten.

„Während man im Golf vom Mexiko noch verzweifelt darum kämpft, die aktuelle Katastrophe unter Kontrolle zu bekommen, wird in Alaska der Startschuss für einen neuen Öl-Rausch in der empfindlichen Arktis abgefeuert,“ sagt WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. „Wer jetzt die gleiche Technik ohne umfassende Fehleranalyse unter eisigen, extremen Bedingungen der Arktis einzusetzen will, spielt ökologisches Roulette.“ Das Risiko für einen Blow-Out bestehe unabhängig von der Tiefe, in der gebohrt werde. In extremen Tiefen seien Reparaturarbeiten und technische Möglichkeiten ein Leck einzudämmen aber stark eingeschränkt. Die von extremer Kälte und Dunkelheit geprägten Bedingungen in der unzugänglichen Arktis seien noch deutlich schlechter. Shell plant Explorationsbohrungen ca. 100 – 200 Kilometer vor der Küste Alaskas, in einer Region mit häufigen Stürmen, eisbedecktem Wasser und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. „Eine Krisen-Infrastruktur wie sie derzeit im Golf zum Einsatz kommt, existiert in der Arktis einfach nicht. Dort müsste man im Ernstfall ein halbes Jahr warten, bis die Eisdecke geschmolzen ist, um das ausgetretene Öl entfernen zu können,“ so Lutter weiter. Ohne ein detailliertes Sicherheitskonzept, wie im Katastrophenfall das Ökosystem der Arktis geschützt werden könne, sollten nach WWF-Ansicht keine Bohrungen in arktischen Gewässern begonnen werden.

Wie Ölkatastrophe im Golf vom Mexiko beweise, sind Offshore-Förderungen auch mit modernster Technik mit unkalkulierbarem Risiko verbunden. „Sicherheit und Risikominimierung müssen erstes politisches Leitprinzip bei der Erteilung von Lizenzen zur Öl- und Gasforderung auf See werden,“ so Lutter weiter. Auch die derzeit geplanten Bohrungen westlich von Irland und Schottland, den Färöer Inseln, und in der Barentssee stellen ein Risiko für die europäischen Meere und Küsten dar.
 
 

„Bitterer Maniok – indianische Kulturen der Amazonasregion“
 
„Bitterer Maniok – indianische Kulturen der Amazonasregion“
Ausstellung im Naturmuseum vom 22. Mai bis 30. Januar

Ab Samstag, 22. Mai, zeigt die Ethnologische Sammlung im
Naturmuseum, Gerberau 32, die Ausstellung „Bitterer Maniok
– Indianische Kulturen der Amazonasregion“. Die Schau
verbindet ethnologische, soziale, ökologische und
naturkundliche Gesichtspunkte. Sie informiert ĂĽber die
traditionelle Kultur ausgewählter indianischer Völker und zeigt
Alltagsgegenstände sowie rituelle Objekte. Darüber hinaus
dokumentiert die Ausstellung die traditionelle und heutige
Nutzung der Schätze des Regenwaldes, seine fortschreitende
Zerstörung und die aktuelle Situation der dort lebenden
Menschen.

Bitterer Maniok ist eine alte indianische Kulturpflanze. Obwohl
in unbearbeitetem Zustand wegen ihres Blausäuregehalts
giftig, ist sie in weiten Regionen des tropischen Regenwaldes
am Amazonas seit Jahrhunderten Grundnahrungsmittel. In
der Ausstellung steht „Bitterer Maniok“ gleichzeitig als
SchlĂĽsselbegriff fĂĽr die VerwĂĽstung des Bodens und der
Wälder, die Lebensgrundlage für zahlreiche
Eingeborenenstämme sind.

Der erste Teil der Ausstellung befasst sich mit der
traditionellen Kultur einiger indianischer Gruppen
Nordwestamazoniens. Jede davon hat ihre eigene kulturelle
Identität, allen gemeinsam ist jedoch der Anbau von Bitterem
Maniok. Diese hochgiftige Pflanze nutzbar gemacht zu haben,
gehört zu den großen Kulturleistungen südamerikanischer
Indianer.

Die ausgestellten Objekte aus dem Bestand der
Ethnologischen Sammlung stammen zum groĂźen Teil aus der
Zeit um 1900. Theodor Koch-GrĂĽnberg, der zwischen 1909
und 1915 an der Universität Freiburg Völkerkunde lehrte,
hatte sie von seinen Forschungsreisen mitgebracht. Weitere
StĂĽcke kamen in den 1960er und 1980er Jahren hinzu. Fotos
und Filme kommentieren die Exponate und stellen BezĂĽge zu
den unterschiedlichen Lebenssituationen her.

Im zweiten Teil der Ausstellung geht es um die aktuelle
Situation der zahlreichen Bevölkerungsgruppen, die heute im
und vom Regenwald leben. Dieser Abschnitt entstand in
enger Zusammenarbeit mit Vereinen und Gruppen, die im
Eine Welt Forum Freiburg zusammengeschlossen sind.

Führte zunächst die christliche Missionierung zur kulturellen
Entfremdung und Entwurzelung der Bevölkerung, entzog im
20. Jahrhundert die Ausbeutung der Rohstoffe durch
regionale, nationale und internationale Gesellschaften den
indianischen Völkern die Lebensgrundlage. Heute leisten
immer mehr indianische Gruppen Widerstand gegen
Bevormundung und Abhängigkeit von außen.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm in Zusammenarbeit mit
dem Eine Welt Forum Freiburg, unterstĂĽtzt vom
Evangelischen Entwicklungsdienst und InWent-Internationale
Weiterbildung und Entwicklung, begleitet die Schau.

Die Ausstellung läuft bis zum 30. Januar und ist dienstags bis
sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3,
ermäßigt 2 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
haben freien Eintritt.
 
 

 
Aktueller Augenzeugenbericht aus der Region Tschernobyl
Die Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 hat großes Leid mit einem starken Anstieg der Krebserkrankungen über die Bevölkerung der Ukraine gebracht. Auch die Natur mit Pflanzen und Tieren wurde schwer geschädigt.

Unter dem Eindruck der Tschernobyl-Katastrophe und der auch bei uns gemessenen radioaktiven Kontamination durch die Tschernobyl-Wolke versprachen die Politiker aller Bundestagsparteien der Bevölkerung einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie!

Die Einlösung dieser Versprechen fordern die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen am Tschernobyl-Tag 2010!

Walter Mossmann, Liedermacher und Gründungsmitglied der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen besucht gerade die Region Tschernobyl und wird einen aktuellen sowie authentischen Augenzeugenbericht liefern:

Menschen und Natur im 25. Jahr der Atomreaktorkatastrophe in Tschernobyl


Freitag, den 28. Mai 2010
20.00 Uhr
BĂĽrgersaal im Rathaus
der Solargemeinde 79367 Weisweil/Kreis Emmendingen
HinterdorfstraĂźe 14

Walter Mossmann wird über seine erneuten vielfältigen Begegnungen mit Menschen und Natur in der Region Tschernobyl sehr eindrücklich berichten. Die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen möchten mit diesem Augenzeugenbericht die Forderung zu einem sofortigen Atomenergie-Ausstieg untermauern und einer Verlängerung der Laufzeiten eine klare Absage erteilen! Die Ausstiegsversprechen von 1986 müssen von der Politik nun endlich eingelöst werden!
 
 

BUND unterstĂĽtzt Schweizer Atomproteste am Pfingsmontag
 
BUND unterstĂĽtzt Schweizer Atomproteste am Pfingsmontag
Am Pfingstmontag, den 24. Mai, organisieren Schweizer Umweltgruppen die Aktion „MenschenStrom gegen Atom“. Es gibt eine Protestwanderung von Aarau oder von Däniken (beim AKW Gösgen) nach Olten. Dort findet eine Kundgebung statt. In der Tradition eines gelebten Europas unterstützt auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland diese Proteste gegen die grenzüberschreitend - menschengefährdenden Atomanlagen. Während die Werbeabteilungen der Atomkonzerne es immer wieder geschickt verstehen, die Menschen über den Rhein hinweg gegeneinander auszuspielen, setzen wir auf die grenzüberschreitende Freundschaft und Solidarität der von Atomanlagen betroffen Menschen.

Es sind nicht die alten und neuen „Schweizer AKW“ die uns bedrohen, sondern die Atomanlagen der Schweizer Atomkonzerne. Auch die deutsche EnBW (die, mit der verlogenen Energiemusterland-Kampagne...) war früher am maroden Siedewasserreaktor des AKW Leibstadt beteiligt. Es sind nicht „Die Schweizer“, die ein Atommülllager in einer viel zu dünnen Schicht Opalinuston einrichten und neue AKW bauen wollen, sondern die Schweizer Atomlobbyisten in einigen Parteien. In Deutschland und der Schweiz sind es gerade diese Parteien, die in Wahlkämpfen laut mit dem „Schutz der Heimat“ werben und die Heimat und Europäische Nachbarn mit alten und neuen Atomanlagen bedrohen. So wie früher Busse aus der Schweiz zu den Atomprotesten nach Wyhl gefahren sind, wird jetzt auch wieder ein Bus ab Freiburg fahren. Vom Hochrhein werden viele Menschen direkt mit dem Zug anreisen.
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Andrang bei Besichtigungstour von Kleinwasserkraftwerken in Emmendingen
Besucher an der Francis-Turbine am Stadttor
 
Andrang bei Besichtigungstour von Kleinwasserkraftwerken in Emmendingen
Auf Einladung des Fördervereins Zukunftsenergien SolarRegio Kaiserstuhl e.V. fand am Sonntag, 16. Mai eine Besichtigungstour von Kleinwasserkraftwerken am Gewerbekanal in Emmendingen statt.

Oskar Kreuz, welcher am 09. Mai den Klaus-Bindner-Zukunftspreis vom Förderverein Zukunftsenergien verliehen bekam, präsentierte drei von seinen fünf Wasserkraftwerken mit den eindruckvollen Fischtreppen. Interessierte Besucher reisten sogar aus Basel und dem Ortenaukreis an. 1,5 Millionen kWh elektrischen Strom produziert Oskar Kreuz mit seinen Kleinwasserkraftwerken: Genug Strom für 1.000 Energiesparhaushalte (bzw. 500 konventionellen Haushalten), was immerhin einem Dorf mit 4.000 Einwohnern entspricht.

Den teilnehmenden Fachbesucher fielen insbesondere bei der Voith-Kaplanturbine (ehemaliges Ramie-Kraftwerk) die kurzfristigen Leistungsschwankungen auf. Die Stromproduktion könnte am Gewerbekanal also größer sein, wenn die Stadt Emmendingen den Wasserzufluss am Kollmarsreuter Einleitungswehr kontinuierlicher gestalten würde.
 
 

 
Buchtipp: Dirk SchĂĽmer "Zu FuĂź. Eine kurze Geschichte des Wanderns"
Die neue Leidenschaft fĂĽr eine alte Fortbewegungsart.

Wandern boomt wie nie zuvor: Fundiert und launig erzählt der begeisterte Fußgänger Dirk Schümer von der Renaissance der archaischsten aller Fortbewegungsarten, die mindestens so gut für Kopf und Seele wie für die Beine ist.

Dirk Schümer ist sein Leben lang mit Hingabe gewandert. Heute ordnet sich der bekennende Teilzeitnomade im soliden Mittelfeld ein, zwischen simplem Spaziergang und hoch ausgerüsteter Expedition. Er durchquert keine Urwälder, bewältigt keine hohen Berge; aber ein Tag, an dem er nicht zu Fuß gegangen ist, ist für ihn ein verlorener Tag. Er schätzt die Spontaneität, aber auch ein gewisses Maß an Vorbereitung und Systematik: Klar, man kann auch in klatschnassen Jeans drauflosstreifen; Funktionskleidung und Landkarte aber erhöhen den Spaß enorm … Kundig, mit Witz und reich an persönlichen Erfahrungen beleuchtet der renommierte Autor Evolution und Kulturgeschichte des Wanderns – und wie es bei Jungen wie Alten zum neuen Breitensport wurde.

MALIK VERLAG, Februar 2010, 208 Seiten, EUR 16,95 / sFr 28,90
ISBN: 9783890293752
 
 

 
Artenerfassung vom Feldberg bis in die Rheinauen
Der GEO-Tag der Artenvielfalt in der Region Freiburg

Am Freitag 11. und Samstag 12. Juni 2010 ist es wieder soweit. Im Rahmen des 12. GEO-Tages der Artenvielfalt ruft das Reportagemagazin GEO alle Naturfreunde auf, innerhalb von 24 Stunden möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu entdecken. Und dies nicht nur in Deutschland, sondern erstmalig in 35 Staaten weltweit. Die bundesweite Hauptveranstaltung des GEO-Tages findet dieses Jahr in der Region Freiburg statt und steht ganz im Zeichen der Entdeckung und Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt. Mit den Rheinauen bei Weisweil, dem Kaiserstuhl, den Freiburger Mooswäldern und dem Feldberg als höchstem Schwarzwaldgipfel wurden vier Untersuchungsgebiete gewählt, die eine Fülle verschiedener Lebensräume und Arten beherbergen. So können durch bewusstes Wahrnehmen und gezieltes Suchen in Wäldern, im Kulturland und an Gewässern faszinierende Einblicke in die Natur gewonnen werden.

Die Veranstaltung bietet jedermann die Möglichkeit, auf rund 40 angebotenen Exkursionen, geführt von anerkannten Experten den Artenreichtum der Region zu entdecken und sich der Notwendigkeit des Erhalts und der Förderung dieser Tiere und Pflanzen bewusst zu werden. Von alpinen Matten bis zum Löss-Hohlweg sind viele spannende Lebensräume vertreten. Für Nachtschwärmer besteht beispielsweise die Möglichkeit, im Rahmen der Kaiserstühler Schmetterlingsnacht am Freitag, den 11. Juni Nachtschmetterlinge und Fledermäuse zu beobachten. Vogelliebhaber können am Samstag, den 12. Juni in allen vier Gebieten mit Begleitung von Spezialisten den Stimmen teils seltener Vögel lauschen. Andere Exkursionen widmen sich der Pflanzenwelt der Wiesen, Trockenrasen oder Gewässerufer, wieder andere nehmen die Käferfauna sprichwörtlich unter die Lupe. Schmetterlinge und Reptilien werden ebenso beobachtet wie viele unscheinbare Tierartengruppen. Das gesamte Exkursionsprogramm finden Sie auf der Website der Ökostation Freiburg www.oekostation.de, welche die Aktivitäten des GEO-Tags in der Region Freiburg koordiniert. Hintergrundinformationen zum GEO-Tag finden Sie auf der Website des Magazins GEO: www.geo.de/artenvielfalt.

Auf dem Rathhausplatz in Freiburg können sich Besucher am Samstag, den 12. Juni ab 10 Uhr an zahlreichen Ständen von Naturschutzvereinen und -verbänden überArtenschutz und Biodiversität informieren.

Um 18 Uhr beginnt dort die Abschlussveranstaltung. Ein Vortrag über den Wert der Biologischen Vielfalt und die Wertigkeit für den Menschen wird dabei Anstöße für die folgende Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Teilnehmern geben. Dazu eingeladen sind die Parlametarische Staatssekretärin des Bundesumweltministeriums Ursula Heinen-Esser, die Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr von Baden-Württemberg Tanja Gönner, die Vorsitzende der Region Freiburg, Ländrätin Dorothea Störr-Ritter, die BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender sowie ein Vertreter des Netzwerks Artenvielfalt Region Freiburg, Dirk Niethammer. Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Harald Kiefer vom SWR.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion werden gefundene Tier- und Pflanzenarten der vier Gebiete in Wort und Bild vorgestellt. Gespannt sein kann man dabei, ob auch dieses Jahr wieder verschollen geglaubte Arten gefunden wurden. Veranstalter des GEO-Tages ist neben dem Magazin GEO die „Region Freiburg“ und das Netzwerk Artenvielfalt. In diesem Zusammenschluss sind die Stadt Freiburg, die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen, PLENUM Naturgarten Kaiserstuhl, der Naturpark Südschwarzwald, das Regierungspräsidium mit dem Ökomobil, die Stiftung Naturschutzfonds sowie etwa 20 Naturschutzverbände und -initiativen vertreten. Schirmherr des GEO-Tages ist Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen.

GEO berichtet in der Septemberausgabe des Magazins ĂĽber die Hauptaktion.
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Todesfalle Ă–lteppich
Basstölpel. © Michael Poliza / WWF
 
Todesfalle Ă–lteppich
WWF befĂĽrchtet Langzeitwirkungen fĂĽr Tier und Pflanzenwelt der Golfregion

Ăśber 400 Arten betroffen

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko droht nach Einschätzung des WWF zu einem Desaster für die Tier- und Pflanzenwelt der Region zu werden. Das Öl hat den Strand der Chandeleur Inseln erreicht. Die Inseln gehören zum Vogelschutzgebiet Breton National Wildlife Refuge, in dem schätzungsweise 34.000 Seevögel brüten. Wenn der Ölteppich sich entlang der Küste von Louisiana bis nach Florida ausbreitet, könnten insgesamt 400-600 Arten negativ betroffen sein. Die Ölpest trifft mit der beginnenden Brut- und Laichsaison vieler Arten zusammen, so dass sich die ökologischen Schäden potenzieren. „Der Nach-wuchsjahrgang wird massiv geschwächt. Einige Populationen werden diesen Aderlass durch das Öl auch in kommenden Jahren nicht wieder wettmachen können“ sagte Alfred Schumm, Leiter des Internationalen WWF-Zentrums für Meeresschutz.

Seevögel / Watvögel

Vier Naturschutzgebiete allein in der Krisenregion Louisiana sind Heimat zahlloser Vogelarten. Im vom Öl betroffenen Schutzgebiet Breton National Wildlife Refuge nisten etwa 2000 Brutpaare des Braunen Pelikans sowie etwa 5000 Brutpaare der Königsseeschwalbe. Die Küstenvögel ernähren sich von Fisch. “Wenn die Elterntiere bei der Nahrungssuche verölen, bleiben die Küken zurück und verhungern” so Schumm weiter. "Watvögel und Reiher können bei der Nahrungssuche auch giftiges Öl mit aufnehmen." Auch beim Versuch ihr ölverklebtes Gefieder zu reinigen, vergiften sich die Vögel. Zudem wird die Wär-medämmung der Tiere außer Kraft gesetzt, so dass sie erfrieren können.

Manatee (auch Seekuh genannt)

Status Rote Liste: Vom Aussterben bedroht
Diese planzenfressenden Meeressäuger siedeln und wandern in Herden an der Golfküste von Florida bis Mississippi. Es gibt in der Region zwei Unterarten. Laut wissenschaftlichen Schätzungen sind ihre Popula-tionen auf jeweils weniger als 2.500 erwachsene Tiere geschrumpft. Die Manatees leben in Mündungsge-bieten von Flüssen, Seegraswiesen und küstennahen Gewässern, in denen sie geeignete Futterpflanzen finden. Sie halten sich zumeist unter der Wasseroberfläche auf. „Für die Seekühe könnte in erster Linie vergiftete Nahrung zur Bedrohung werden, da die Pflanzen Giftstoffe aus dem Öl aufnehmen“ sagt Alfred Schumm weiter. „Wo Seegraswiesen und küstennahe Vegetation beschädigt werden, verlieren die Seekühe zudem ihre letzten Rückzugsräume.“

Blauflossentunfisch (Westatlantischer Bestand)

Status Rote Liste: Vom Aussterben bedroht
Der Bestand des stark bedrohten westatlantischen Blauflossentunfischs, dessen wichtigster Laichgrund im nördlichen Golf von Mexiko liegt, wird durch das Öl massiv belastet. In den letzten 30 Jahren ist der durch Überfischung enorm strapazierte Bestand um rund 80 Prozent eingebrochen und dem diesjährigen Nachwuchsjahrgang droht nun das Aus: Die Laichsaison des Blauflossentunfischs reicht von April bis Juni. „Die Fische laichen in oberflächennahen Wasserschichten - der empfindliche Laich der Tunfische hat gegen den Ölfilm keine Chance“ so WWF-Experte Schumm weiter. „Der ausbleibende Nachwuchs wird den Westatlantischen Bestand weiter schwächen und sich in 2-3 Jahren auch in den Fischereierträgen widerspiegeln.“ Der Blauflossentunfisch zählt zu den teuersten Speisefischen der Welt.

Meeresschildkröten

Fünf verschiedene Arten von gefährdeten Meereschildkröten leben oder nisten im Golf von Mexiko, dar-unter auch die Echte Karrettschildkröte, die Karibische Bastardschildkröte, die Lederrückenschildkröte -alle drei Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Grüne Meeresschildkröte und die Unechte Karett-schildkröte werden auf der Roten Liste der IUCN als bedroht eingestuft. Die Brutzeit der Meeresschild-kröten erreicht derzeit ihren Höhepunkt. Insbesondere die Unechte Karettschildkröte nistet an den Strän-den von Mississippi bis Florida. Der riesige Ölteppich liegt auf der Route zu den Stränden, die sie zur Eiablage ansteuern. Eine besonders ernste Gefahr stellt der Ölteppich für die nach etwa sechs Wochen schlüpfenden Schildkrötenjungen dar. „Als Lungenatmer sind Meeresschildkröten gezwungen, an der verseuchten Wasseroberfläche aufzutauchen. Der Ölfilm schädigt dann ihre Atmungsorgane.“ so WWF-Experte Schumm.

Mangroven

Mangrovenwälder sind besonders artenreiche Ökosysteme, die sehr empfindlich auf Verschmutzungen reagieren. Zudem nutzen viele Fische, Reptilien, Amphibien und Krebstiere die Mangroven als Kinderstu-be. Sollte das Öl in die Mangrovengebiete gelangen, ist eine Reinigung dieser Lebensräume nach Ansicht des WWF nicht möglich. „Das Öl nimmt den Mangroven buchstäblich die Luft zum Atmen. Wenn die Luft- und Stelzwurzeln verkleben, sterben die Pflanzen ab“ so Schumm. Im Schlick der Mangrovenwälder leben Krebse und Würmer, die das Öl in tiefere Bodenschichten eintragen. Dort kann es ohne Luftzufuhr nicht abgebaut werden und vergiftet Tiere und Pflanzen auf Jahre. Den Schlick abzutragen käme der Zer-störung des Ökosystems gleich. „Ohne Mangroven verlieren die Küsten einen Schutzwall gegen die in dieser Region häufigen Hurricans“, so WWF Experte Schumm.
 
 



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