oekoplus - Freiburg
Montag, 19. August 2019
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr
  •  


Verschiedenes

 
„Atomaufsicht berichtet ĂŒber Sicherheit vom AKW Fessenheim ...“
Umweltministerium Baden-WĂŒrttemberg zu lsw 0084; 03:05 Uhr:

Auf baden-wĂŒrttembergischer Seite wird dagegen auch nach dem heute von der französischen Atomaufsichtsbehörde vorgestellten PrĂŒfbericht der Betrieb des unweit der Grenze liegenden AKW Fessenheim kritisch bewertet. „Wir haben starkes Bauchgrimmen und halten es fĂŒr ein großes VersĂ€umnis, dass die Grundsatzfrage der Stilllegung des fĂŒr seine StöranfĂ€lligkeit bekannten Altmeilers ausgespart wurde“, sagte Baden-WĂŒrttembergs Umweltminister Franz Untersteller. „Nach den Ereignissen von Fukushima hielten wir es vielmehr fĂŒr richtig, wenn auch im benachbarten Frankreich das derzeit fĂŒr die Reaktoren noch geltende Sicherheitsniveau auf den PrĂŒfstand und der generelle Weiterbetrieb des Altmeilers in Frage gestellt wĂŒrden.“ Das AKW Fessenheim zĂ€hle schließlich in Frankreich aber auch europaweit zu den Ă€ltesten Reaktoren und sei zwei Jahre vor dem Reaktorblock Philippsburg 1 in Betrieb gegangen. Philippsburg 1 war in diesem FrĂŒhjahr auf Grund einer Anordnung der baden-wĂŒrttembergischen Atomaufsicht vom Netz gegangen und soll nicht wieder in Betrieb gehen. „Nach den Erkenntnissen unserer Atomaufsicht verfĂŒgt Fessenheim ĂŒber keine grĂ¶ĂŸeren Sicherheitsreserven als Philippsburg 1“, so Untersteller. Ein Reaktorunfall in Fessenheim wĂŒrde vor der Landesgrenze nicht Halt machen und nicht nur französisches Territorium sondern auch Baden-WĂŒrttemberg betreffen. „Radioaktive Strahlung kennt keine Staatsgrenzen“, mahnte Untersteller.
 
 

 
Brief aus der PrÀfektur Fukushima
Frau Masako Hashimoto aus der PrĂ€fektur Fukushima hat an die Badisch-ElsĂ€ssischen BĂŒrgerinitiativen den nachfolgenden verzweifelten Brief mit der Bitte um Weiterleitung an die Medien ĂŒbersandt. Frau Masako Hashimoto hat vor 28 Jahren als Sprachstudentin in Freiburg im Stadtteil Wiehre gelebt und spricht sehr gut deutsch. Sie wohnt jetzt mit ihrer Familie in der PrĂ€fektur Fukushima und möchte ein ökologisches Leben fĂŒhren.

Eine Anmerkung zur mitgeteilten Strahlenbelastung:

Wenn die Dosis 20 Millisievert pro Jahr nur eine Dosimeter-Dosis ist, dann ist die biologische Strahlenbelastung einschließlich Atmung und ErnĂ€hrung sehr viel (u.U. mehrfach) höher. 3,8 Mikrosievert pro Stunde bei 8760 Stunden im Jahr ergibt ĂŒber 30 Millisievert pro Jahr. Der zitierte Arzt gibt die Meinung der Atomlobby/Internationalen Atombehörde wieder!

Brief von Frau Masako Hashimoto:

"Ich wohne in der Stadt Miharu in PrÀfektur Fukushima, weniger als 50km entfernt von dem havarierten AKW Fukushima. Ich bin mit meinem Mann und unserer Tochter am nÀchsten Tag nach dem Erdbeben zuerst nach Osaka geflohen und spÀter haben wir bei meinen Eltern in Tokyo eine Weile gewohnt. Seit einigen Wochen aber sind wir wieder in Miharu, da die Mittelschule meiner Tochter wieder begonnen hat.

Erst nach dem Schulbeginn haben die Behörde der FukushimaprĂ€fektur ĂŒberhaupt die Strahlendosis um die Schulen gemessen und erschreckende Ergebnisse gefunden. Am Anfang vom April war die Dosis auch außerhalb der Sperrzone (Regionen in einem Radius von 20 km um das AKW) und in 76 % von den allen Schulen in der PrĂ€fektur 0,6 Mikrosievert pro Stunde. Laut einem Gesetz muss ein Gebiet, wo man mehr als 0,6 Mikrosievert pro Stunde ausgesetzt wird, als "Strahlung-Überwachungszone" ausgewiesen werden. Und nach dem Arbeitgesetz dĂŒrfen Jugendliche unter 18 Jahre alt in solchen Überwachungszonen nicht arbeiten .

Aber ohne dass eine solche Rechtslage den Eltern erwĂ€hnt oder erklĂ€rt wurde, wurde die Schule einfach eröffnet. Dazu noch: Das Erziehungsministerium hat am 29. April 2011 die maximale Strahlendosis, der Kinder in Schule und Kindergarten ausgesetzt sein dĂŒrfen, auf 3,8 Mikrosievert pro Stunde (hochgerechnet 20 Millisievert pro Jahr, wenn man annimmt, dass Kinder sich pro Tag 8 Stunden draußen aufhalten) erhöht. Seitdem diese neue Bestimmung bekannt wurde, spielen Kinder draußen im Schulhof, meistens ohne Mundschutz. Club-TĂ€tigkeiten im Schulhof machen sie auch nach dem Unterricht.

SpĂ€ter wurde es bekannt, dass das Erziehungsministerium diesen Grenzwert ohne offizielle Diskussion beschlossen hat (man sogar hat kein Protokoll aufgenommen). Die japanische Atomsicherheitskommission behauptet, dass kein Mitglied den Grenzwert von 20 MĂ­llisievert pro Jahr akzeptiert hĂ€tte und die Kommission bemĂŒht sich, diesen Wert niedriger zu machen. Mittlerweile diskutiert das Parlament darĂŒber und manche Abgeordnete kritisieren den Wert. Experten fĂŒr Strahlenschutz, die Japan Federation of Bar Associations (Rechtsanwaltsverband), der Ärzteverband (Japan Medical Association) usw. erheben EinwĂ€nde gegen diesen Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr. Trotzdem nimmt die Behörde diese Bestimmung nicht zurĂŒck. Denn wenn die Grenzwerte erniedrigt wĂŒrden, muss man noch zwei grĂ¶ĂŸere StĂ€dten evakuieren, was sehr schwierig wĂ€re. Daher will die Behörde möglicherweise die Sperr-Zone nicht mehr erweitern das bedeutet, wer fliehen will, der soll bitte wegziehen, aber der wird keine EntschĂ€digung bekommen .

Ich will mit meiner Tochter vorĂŒbergehend nach Tokyo zu meinen Eltern umziehen. Allerdings kann ich meine Tochter nicht davon ĂŒberzeugen. Sie kann nicht verstehen, warum nur sie die geliebte Schule verlassen muss, um sich zu schĂŒtzen, wĂ€hrend die andere SchĂŒler/innen in der Stadt Miharu bleiben. Was passiert ihnen, fragt sie mich und ich kann ihr keine richtige Antwort geben. In Miharu war die gemessene Dosis relativ niedrig im Vergleich zu den umliegenden StĂ€dten, daher hat man weniger Angst. Kein Schulfreund/in meiner Tochter hat vor, umzuziehen. Die meisten SchĂŒler stammen aus der Stadt und sie haben kaum Verwandte in anderen Orten, wo sie sich aufhalten könnten. Nur Familie mit Kleinkindern, die Eltern in anderen Orten haben, wollen freiwillig die Stadt verlassen. Aber ĂŒberhaupt kann man den Ort, in dem man durch Generationen hindurch gelebt hat, nicht freiwillig verlassen, ohne Aussicht auf Job und Wohnung.

Ein Arzt, den die PrĂ€fektur Fukushima als Berater angeheuert hat, macht VortrĂ€ge in der ganzen PrĂ€fektur und behauptet, dass eine Dosis von 100 Millisievert immer noch kein Problem wĂ€re. Ich vermute, dass die PrĂ€fektur, die einheimischen GemĂŒse um jeden Preis verkaufen lassen will, die Wahrheit vertuschen will. SchĂŒler bekommen ĂŒbrigens solche GemĂŒse fĂŒr das Mittagsessen in der Schule. Ich bin fast verzweifelt nicht nur durch die Situation hinsichtlich des AKW, sondern auch durch die unehrliche und grausame Haltung der Behörden gegenĂŒber der Bevölkerung.

Ich bitte Dich daher, den Medien in Europa diese ernsthafte Situation bekannt zu machen. Ich glaube, dass man mit allen KrÀften und Anstrengungen dieses Problem irgendwie lösen muss. Es ist dringend. Kinder sind tagtÀglich hohen Strahlendosen ausgesetzt. Bitte hilf mir!"
 
 

615 neue Arten auf Madagaskar entdeckt
Eine wahre Schatzinsel: Madagaskar ... © WWF Madagascar
 
615 neue Arten auf Madagaskar entdeckt
Mausmaki und Co. entdecken Licht der Forscherwelt

Frankfurt - Auf Madagaskar wurden mehrere Hundert neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Der WWF-Report „Schatzinsel: Neue Artenvielfalt in Madagaskar“ listet 615 neue Tier- und Pflanzenarten auf, die zwischen 1999 und 2010 entdeckt wurden: 385 Pflanzen, 42 Wirbellose, 17 Fische, 69 Amphibien und sogar 41 neue SĂ€ugetierarten. Zu den neu entdeckten Arten gehört unter anderem der nur 30 Gramm wiegende Berthe-Mausmaki. Dieser Lemur ist der kleinste Primat der Welt und diente einer Figur im Cartoon Madagaskar als Vorlage. Auch eine riesige FĂ€cherpalme (Tahina spectabilis), die nur einmal in ihrem Leben mit einem spektakulĂ€ren BlĂŒtenstand aus der Krone geizt, zĂ€hlt zu den neuen Arten. Sensationell war die Entdeckung eines Geckos, der seine Hautfarbe wie ein ChamĂ€leon dem Hintergrund anpassen kann. Viele von den kĂŒrzlich entdeckten Arten sind jetzt stark bedroht, vor allem durch Abholzung ihrer LebensrĂ€ume.

„Es ist bedrĂŒckend zu wissen, dass viele dieser neu entdeckten Arten schon in KĂŒrze verschwunden sein und unzĂ€hlige andere gar nicht erst das Licht der Forscherwelt entdecken werden“, so WWF Madagaskar-Experte Martin Geiger.

Madagaskar gehört zu den außergewöhnlichsten Ökoregionen der Erde. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es, neben Australien, so viele endemische Arten, also Tier- und Pflanzenarten, die nur dort vorkommen. Unter Wissenschaftlern gilt Madagaskar deshalb als „achter Kontinent“. Fast drei Viertel der dort vorkommenden Arten finden sich nirgendwo sonst außerhalb der viertgrĂ¶ĂŸten Insel dieser Welt.

GrĂ¶ĂŸte Bedrohung ist die rasante Entwaldung. Schon jetzt hat die viertgrĂ¶ĂŸte Insel der Welt mit ihrer einzigartigen Artenvielfalt 90 Prozent ihrer WĂ€lder verloren. Nach dem Staatsstreich im MĂ€rz 2009 und den darauffolgenden politischen Unruhen wurden Madagaskars RegenwĂ€lder geplĂŒndert um teure Harthölzer - besonders Rosenholz - zu exportieren. Davon waren zehntausende Hektar Wald in den besonders wertvollen Nationalparks Marojejy, Masoala, Makira and Mananara im Norden betroffen. Neben der Abholzungswelle wurde zunehmend auch Fleisch von wilden Tieren, sogenanntes „Bush meat“, aus den WĂ€ldern angeboten. In manchen Restaurants kostete ein Teller mit Lemurenfleisch weniger als drei Euro. Die politische InstabilitĂ€t und die Ausbreitung der KriminalitĂ€t hat auch die Tourismusindustrie schwer getroffen, eine der wenigen Einkommensquellen fĂŒr die lokale Bevölkerung.

„Die WĂ€lder Madagaskars sind noch immer unerforscht und geheimnisvoll, obwohl sie schon großflĂ€chig zerstört wurden”, so Martin Geiger“. „Wenn diese wenigen verbleibenden WĂ€lder nicht gerettet werden, verschwinden unzĂ€hlige Arten, die wir noch nicht einmal kennengelernt haben“.

Der WWF arbeitet auf Madagaskar intensiv daran, ein Netzwerk von Schutzgebieten zu etablieren. FĂŒr die Einwohner entwickelt die Umweltorganisation eine Reihe von alternativen und nachhaltigen Einkommensquellen, damit die Familien im Einklang mit ihrer Umwelt leben können.

zum Bild oben: Eine wahre Schatzinsel: Madagaskar gehört zu den außergewöhnlichsten Ökoregionen der Erde. Fast drei Viertel der dort vorkommenden Arten finden sich nirgendwo sonst außerhalb der Insel. © WWF Madagascar
 
 

 
Intersolar Europe, 08. bis 10. Juni 2011
Weltweit grĂ¶ĂŸte Fachmesse fĂŒr Solarwirtschaft startet
unter Freiburger Beteiligung in MĂŒnchen

Von heute an wird die Messe MĂŒnchen zum Treffpunkt der internationalen
Solarwirtschaft: 2.200 nationale und internationale
Aussteller, mehr als 75.000 erwartete Besucher und 165.000 m2
AusstellungsflÀche machen die Intersolar Europe zur weltweit
grĂ¶ĂŸten Fachmesse der Solarwirtschaft.

Freiburg prÀsentiert sich auf der Intersolar mit seinem Green City
Cluster. Am 80 m2 großen Gemeinschaftsstand stellen sich das
Clauster mit seinen rund 100 Mitgliedsfirmen aus der Umweltund
Solarwirtschaft der Region Freiburg vor. Mit der Freiburger
PSE AG, dem Solarinfocenter, EnEd – clean energy solutions und
CRC-Cleanroom Consulting GmbH bietet der Clusterstand zudem
vier Mitgliedsfirmen Raum fĂŒr einen eigenstĂ€ndigen Messeauftritt.

1991 gegrĂŒndet wird die Intersolar Europe seit 2000 von der Freiburg
Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) gemeinsam
mit der Pforzheimer Solarpromotion GmbH veranstaltet. Zur ersten
Intersolar in Freiburg im Jahr 2000 kamen 200 Aussteller und
11.000 Besucher. Aus PlatzgrĂŒnden wechselte die Intersolar
2008 den Standort und findet seither, von der FWTM mitveranstaltet,
auf der Neuen Messe MĂŒnchen statt. FWTMGeschĂ€ftsfĂŒhrer
Klaus Seilnacht: „Mit der Verlagerung nach MĂŒnchen
und der damit verbundenen Internationalisierung leistet die
Intersolar einen wichtigen positiven Beitrag zum Ergebnis der
FWTM“.

Neben der Intersolar Europe wurde bereits 2008 die Intersolar
North America in San Francisco ins Leben gerufen. 2009 folgte
die Intersolar India, die seit 2010 in Mumbai stattfindet. 2011 wird
erstmals die Intersolar China in Peking durchgefĂŒhrt. FWTMGeschĂ€ftsfĂŒhrer
Dr. Bernd Dallmann: "Die Intersolar-Messen in
MĂŒnchen, San Francisco, Mumbai und Peking dienen dem Marketing
der Green City Freiburg. Sie bieten Gelegenheit, den Solar-
und Umweltstandort Region Freiburg weltweit sichtbar zu machen."
 
 

 
BĂŒrgerwindrad in St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis)
Umweltminister Franz Untersteller bei offizieller Inbetriebnahme neuer Windkraftanlage in St. Georgen: „‘BĂŒrgerwindrad‘ ist zukunftsweisendes Modell, ĂŒber das die Menschen bei der Energiewende mitgenommen werden können.“ und „Windkraft soll in der Stromversorgung im Land zu einer tragenden SĂ€ule regenerativer Energiequellen werden.“

Im Beisein von Umweltminister Franz Untersteller wurde heute (4. Juni 2011) in St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis) eine neue Windkraftanlage ihren offiziellen Bestimmungen ĂŒbergeben. „Das neue Windrad ist ein zukunftsweisendes Beispiel fĂŒr den in Baden-WĂŒrttemberg kĂŒnftig wachsenden Stellenwert der Windenergie. Von dem heutigen Tag soll deshalb ein Aufbruchssignal fĂŒr die Windkraft im Land ausgehen“, sagte Umweltminister Untersteller und lobte die ĂŒber den ProjekttrĂ€ger gelungene breite Beteiligung der BĂŒrgerschaft. Der Investor und Betreiber der Anlage, die solarcomplex AG, werde nĂ€mlich von insgesamt ĂŒber 700 AktionĂ€ren getragen, darunter ĂŒberwiegend BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, aber auch Unternehmen wie beispielsweise die fĂŒnf Stadtwerke der Region. „Die engagierten BĂŒrger können sich so mit ‚ihrer Anlage‘ identifizieren.“ Über solche ‚BĂŒrgerwindrĂ€der‘ könne es gelingen, die Menschen bei der Energiewende mitzunehmen, zeigte sich Untersteller zuversichtlich. Das rund 2,7 Millionen Euro teure Windrad hat eine Leistung von cirka 1,8 Megawatt und soll jĂ€hrlich rund drei Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen: Genug um den Strombedarf von etwa 850 Haushalten zu decken.

„In Baden-WĂŒrttemberg wird kĂŒnftig fĂŒr die Windenergie im Land ein neuer Wind wehen“, kĂŒndigte Untersteller an. Beim Ausbau der Windkraft habe Baden-WĂŒrttemberg nĂ€mlich großen Nachholbedarf. Gerade einmal 0,8 Prozent wĂŒrden die landesweit 368 WindrĂ€der zur gesamten Stromerzeugung beisteuern. Die bisherige Verhinderungspolitik beim Ausbau der Windkraft solle deshalb schon bald der Vergangenheit angehören, versprach Untersteller. „Wir sind bereits dabei konkrete Vorstellungen zu entwickeln, wie der Bau neuer Windkraftanlagen erleichtert und vorhandene HĂŒrden abgebaut werden können.“ Nach dem Willen der neuen Landesregierung solle bis 2020 der Anteil der Windenergie auf zehn Prozent gesteigert und damit gegenĂŒber heute mehr als verzehnfacht werden. „Das ist sehr ambitioniert aber erreichbar, wenn alle an einem Strang ziehen“, zeigte sich Minister Untersteller ĂŒberzeugt.

Mit etwas Sorge werde allerdings die von der Bundesregierung aktuell vorbereitete Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) begleitet, so Untersteller. Nach dem aktuellen Gesetzentwurf wĂŒrden danach die VergĂŒtungssĂ€tze fĂŒr an Land erzeugten Windstrom um jĂ€hrlich zwei Prozent abgesenkt. Nach ursprĂŒnglichen Planungen sollte die jĂ€hrliche Absenkung dagegen nur ein Prozent betragen. Im Gegenzug solle die Windstromerzeugung vor den KĂŒsten höher vergĂŒtet werden. "Die StĂ€rkung der offshore-Windkraft ist zwar richtig. Der Zuschlag fĂŒr offshore-Windstrom darf aber nicht zu Lasten der ĂŒbrigen regenerativen Energiequellen gehen.“ Im weiteren Gesetzgebungsverfahren werde sich Baden-WĂŒrttemberg deshalb dafĂŒr stark machen, den Gesetzentwurf nachzubessern, kĂŒndigte Untersteller an.
 
 

Buchtipp: Elmar TrÀbert
 
Buchtipp: Elmar TrÀbert "RadioaktivitÀt"
Was man wissen muss. Eine allgemeinverstÀndliche Darstellung

Von natĂŒrlicher Strahlung bis Fukushima: Was Sie schon immer ĂŒber RadioaktivitĂ€t wissen wollten – und bisher nicht verstanden haben ...
Mehr
 

WWF: Kernkraftwerke mĂŒssen stufenweise auslaufen
WWF-Aktivisten auf der Großdemo in Berlin am 28.05. © Th.Macholz / WWF
 
WWF: Kernkraftwerke mĂŒssen stufenweise auslaufen
Analyse: Reststrommengen der Kernkraftwerke mĂŒssen um mindestens 35 Prozent gekĂŒrzt werden / Laufzeit pro Meiler auf 30 Jahre verringern

Berlin - Der WWF fordert die Bundesregierung auf, die neun verbliebenen Kernkraftwerke stufenweise vom Netz zu nehmen, um Probleme zu vermeiden. Bislang ist geplant, die Meiler innerhalb von nur 12 Monaten in den Jahren 2021/22 abzuschalten. Eine Analyse im Auftrag des WWF zeigt, dass ein solches geballtes Abschalten von insgesamt 10.800 Megawatt KraftwerkskapazitĂ€ten erhebliche energiewirtschaftliche und netztechnische Probleme mit sich bringen könnte, insbesondere im sĂŒddeutschen Raum. Dies lĂ€sst sich laut WWF verhindern, indem die Reststrommengen um mindestens 35Prozent gekĂŒrzt werden. Die Gesamtlaufzeit jedes Kernkraftwerkes solle zudem um zwei auf 30 Jahre verringert werden.

Der WWF-Analyse zufolge ergibt sich derzeit fĂŒr den Zeitraum ab 2011 eine Kernkraftwerksbetriebszeit, die um knapp 60 Prozent ĂŒber der von Rot-GrĂŒn ursprĂŒnglich vorgesehenen Reststrommenge zum heutigen Zeitpunkt liegt. „Aus einem geplanten verlĂ€sslichen Auslaufpfad wird so eine zehnjĂ€hrige Fahrt zu einer hohen Auslauf-Klippe. Wir bewegen uns sehenden Auges auf ein großes Problem zu. Ein reibungsloser Ausstieg wird so schwer“, warnt Regine GĂŒnther, Leiterin Energie und Klimaschutz beim WWF Deutschland. „FĂŒr einen verlĂ€sslichen Übergang ins Zeitalter der erneuerbaren Energien muss der derzeitige abrupte Abschaltplan verĂ€ndert werden.“

In einem Zeitraum von etwa 12 Monaten fast alle lĂ€nger betriebenen Anlagen vom Netz zu nehmen, sei auch politisch riskant: „Eine solche Situation ist eine Steilvorlage fĂŒr die Betreiber der Kernkraftwerke, die Stilllegung weiter hinauszuzögern“, so WWF-Expertin GĂŒnther.

Der WWF plĂ€diert fĂŒr einen schrittweisen Ausstieg. Regine GĂŒnther: „Wir mĂŒssen weitere Spiele der Stromunternehmen schon jetzt unterbinden. Nur so kann Deutschland zum Vorbild fĂŒr einen gelungenen Ausstieg aus der Kernenergie und den Einstieg in Erneuerbare Energien werden.“
 
 

 
Solare Zeiten statt atomarer Risiken
Von der Geschichte der Solarenergie und Perspektiven fĂŒr den Atomausstieg

Freiburg, 01.06.2011: Am Montag, den 30. Mai entfĂŒhrte der renommierte Journalist Bernward Janzing in Kooperation mit dem fesa e.V. sein Publikum im CafĂ© Velo in Freiburg in die Geschichte der Solarenergie. Im Gegensatz zum neuen Energiekonzept der Bundesregierung zeigte er realistische Perspektiven fĂŒr eine solare Zukunft auf.

Der Atomausstieg in Deutschland ist jetzt beschlossene Sache – sicherlich ein Grund zum Feiern. Doch woher die Energie in Zukunft kommen soll, ist weiterhin umstritten. Hier brachte der Freiburger Journalist Bernward Janzing am 30. Mai im CafĂ© Velo Licht ins Dunkel. Fachlich Ă€ußerst kompetent im Grenzbereich zwischen Ökonomie, Ökologie und Technologie versteht er es gleichzeitig, die komplexe Thematik anschaulich und unterhaltsam rĂŒberzubringen. Zuerst stellte er sein neues Buch „Solare Zeiten“ vor und berichtete anekdotenreich ĂŒber die Geschichte der Solarenergie. So war die Photovoltaik in ihren AnfĂ€ngen in der Raumfahrtforschung angesiedelt. „Sie ist die einzige im Weltall verfĂŒgbare Energie und Geld spielte damals ĂŒberhaupt keine Rolle“, erklĂ€rte Janzing. Anfangs tummelten sich daher vor allem die etablierten Firmen der Energiewirtschaft in der PV-Technik: RWE, Siemens und sogar die Atomfirma Nukem produzierten Solarzellen. Bis zu einer Netzeinspeisung war es freilich noch ein weiter Weg. Hier war die HartnĂ€ckigkeit der ÜberzeugungstĂ€ter, die den Nutzen der Photovoltaik fĂŒr die allgemeine Stromversorgung ĂŒber Jahrzehnte propagierten, gefragt. Einer von ihnen ist Hans-Josef Fell, dem es tatsĂ€chlich gelang, in die Rede des damaligen MinisterprĂ€sidenten von NRW, Wolfgang Clement, eine Forderung nach der kostendeckenden VergĂŒtung einzuschmuggeln – gute Kontakte zu Redenschreibern sind zuweilen von Vorteil! Fell war auch einer der VĂ€ter des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG), seit dessen EinfĂŒhrung im Jahr 2000 der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland rasant vorangeht.

Im PV-Bereich geht der Ausbau einher mit stetig sinkenden Modulpreisen. Schon im nĂ€chsten Jahr rechnet man mit der Grid-Parity, dem Zeitpunkt, an dem Strom aus Photovoltaik gleich viel kostet wie Strom aus der Steckdose. Janzing prognostiziert fĂŒr 2011 einen PV-Anteil am Strommix von drei bis vier Prozent. Bei einer so sonnenreichen Wetterlage wie im vergangenen Mai produzieren PV-Anlagen tĂ€glich schon so viel Strom wie im gesamten Jahr 2000 – rund 100 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht einem Anteil am Verbrauch von 25 bis 30 Prozent. Der Verbrauch ist ein entscheidender Knackpunkt, wenn es um Prognosen fĂŒr zukĂŒnftige Anteile der Erneuerbaren Energien am Strommix geht. Janzing hat das spaßeshalber mal anhand von zwei Szenarien ausgerechnet. Im einen steigt der Verbrauch jĂ€hrlich um ein Prozent, im anderen sinkt er um den gleichen Betrag. Im Jahr 2030 wĂŒrde die Differenz zwischen den beiden angenommenen BruttostromverbrĂ€uchen 230 Milliarden Kilowattstunden betragen, das ĂŒbersteigt die Stromproduktion des gesamten Jahres 2010 in deutschen Atomkraftwerken, die bei knapp 140 Milliarden Kilowattstunden lag.

Ein weiterer wichtiger Faktor fĂŒr eine zukĂŒnftige Energieversorgung, der in der angeregten Diskussion mit dem teils sehr fachkundigen Publikum herausgearbeitet wurde, ist das Wie des Ausbaus der Erneuerbaren. Setzt man vor allem auf Offshore-Windkraft, wie es die Bundesregierung in ihrem Entwurf zur Novellierung des EEG vorsieht, sind laut der regierungsnahen Netzagentur dena Hochspannungsleitungen ĂŒber 3600 Kilometer notwendig, um den Strom von der NordseekĂŒste in die Ballungsgebiete im SĂŒden zu transportieren. Verfolgt man dagegen eine dezentrale Energiewende mit einer Vielzahl von Photovoltaikanlagen, Windkraft an Land, Bioenergie und Blockheizkraftwerken, ist der Transportbedarf laut einer Studie von Consentec mit 250 Kilometern deutlich geringer. Die Energie wird dann dort produziert, wo sie gebraucht wird. Auch der fesa e.V. setzt sich fĂŒr eine solche Energiewende vor Ort ein: „Schon der Trassenausbau mit seinen nicht unerheblichen Eingriffen in die Natur wird bei einer dezentralen Energiewende deutlich schonender ausfallen“, meint fesa-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Nico Storz dazu. „Ganz wichtig ist auch, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. So entstehen zukunftsfĂ€hige ArbeitsplĂ€tze vor Ort und der stetige Geldabfluss an internationale Konzerne schrumpft. Die dezentrale Energieerzeugung birgt die einmalige Chance, unsere Energieversorgung gemeinsam mit den BĂŒrgern zu gestalten und in diesem Bereich eine Demokratisierung zu erreichen. Freunde der Monopolstrukturen unterstĂŒtzen diesen Prozess natĂŒrlich nicht – aber die Natur der Erneuerbaren ist dezentral. Diese Strukturen gilt es zu schĂŒtzen und auszubauen, damit die Erneuerbaren Energien gedeihen können.“
Mehr
 



Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 
24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 
47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 
70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 
93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 
116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 
139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 
162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 
185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 
208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 
231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 
254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 
277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 
300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 
323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 
346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 
369 370 371 372 373 


Copyright 2010 - 2019 Benjamin Jäger