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Verschiedenes

 
Zivilgesellschaft fordert Sofortprogramm fĂŒr Klimaschutz 2020
Neue Bundesregierung muss Kohleausstieg beschließen

Berlin, 09.11.2017. Über 60 Umwelt- und EntwicklungsverbĂ€nde sowie Landeskirchen fordern von den heutigen Jamaika-Sondierern ein klares Bekenntnis zum schnellen Ausstieg aus der Kohle. In ihrem jĂŒngst vorgelegten Klimaschutz-Sofortprogramm verlangt das zivilgesellschaftliche BĂŒndnis von der neuen Bundesregierung sofortige Maßnahmen, um das Klimaziel bis 2020 zu erreichen und 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 auszustoßen. Geschieht in den kommenden zwei Jahren nichts, so wird Deutschland nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums seine Ziele um mindestens acht Prozentpunkte verfehlen. Dies wĂ€re ein klimapolitischer Offenbarungseid, mit dem auch die internationale GlaubwĂŒrdigkeit Deutschlands endgĂŒltig verspielt wĂŒrde.

„In Bonn wie in Berlin stehen in diesen Tagen entscheidende Weichenstellungen an: Auf der internationalen BĂŒhne der Weltklimakonferenz ist ein klares Bekenntnis fĂŒr die Umsetzung des Pariser Klimavertrags erforderlich, wĂ€hrend bei den Sondierungen die Einhaltung der nationalen Klimaziele PrioritĂ€t haben muss. Nur durch einen sehr steilen CO2-Minderungspfad und ein Klimaschutz-Sofortprogramm können wir das Ziel fĂŒr 2020 noch erreichen. Tun wir das nicht, machen wir uns gegenĂŒber kommenden Generationen schuldig“, sagt DNR-PrĂ€sident Kai Niebert.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger erklĂ€rt: „Wir nehmen die Bundeskanzlerin beim Wort, dass das Klimaziel 2020 eingehalten wird. Das hat klimapolitische Konsequenzen fĂŒr die Kohleverstromung. Wir schlagen vor, alle Kohlekraftwerke, die vor 1990 ans Netz gegangen sind, in den nĂ€chsten zwei Jahren stillzulegen. So werden die KohlekapazitĂ€ten im Jahr 2020 halbiert und kurzfristig so viel CO2 eingespart wie nötig. Eine Jamaika-Koalition darf nicht ohne die Festlegung eines zeitnahen Kohleausstiegs besiegelt werden, sonst werden auch alle kĂŒnftigen Klimaziele zur Makulatur.“

Michael SchĂ€fer, Leiter Energie und Klima beim WWF, sagt: „Deutschlands CO2-Ausstoß ist seit acht Jahren nicht mehr gesunken. Ein Koalitionsvertrag ohne Kohleausstieg wĂ€re inakzeptabel. Das Pariser Klimaziel bedeutet konkret: Die Bundesregierung muss allein im Kohlesektor bis 2020 100 Millionen Tonnen CO2 einsparen.“

NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke erklĂ€rt: „Der Kohleausstieg ist unverzichtbar, weil in den vergangenen Jahren im Verkehrs- und WĂ€rmesektor keine wirksame Klimaschutzpolitik erkennbar war. Auch in diesen Sektoren mĂŒssen nun dringend die richtigen Weichen gestellt werden, um die Sanierungsquote endlich substanziell zu steigern und die Verkehrswende einzuleiten.“

Sascha MĂŒller-Kraenner, BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Ă€ußert sich wie folgt: „Das Ausbautempo der Erneuerbaren Energien muss bis 2020 verdoppelt werden. Außerdem mĂŒssen sich die Koalitionspartner auf eine steuerliche Förderung der GebĂ€udedĂ€mmung und die EinfĂŒhrung eines CO2-Preises einigen. Diese Sofortmaßnahmen sind die Voraussetzung dafĂŒr, dass die Klimaziele erreicht werden und der neue Koalitionsvertrag den Klimatest besteht.“
Der politische GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Germanwatch, Christoph Bals, erklĂ€rt: „Neben dem schnellen Einstieg in den Kohleausstieg muss die neue Bundesregierung ein Modernisierungsprogramm fĂŒr eine zukunftsfĂ€hige Wirtschaft vorlegen. Dieses muss den Rahmen vorgeben und die Instrumente benennen wie die Klimaziele 2030 der einzelnen Sektoren zu erreichen sind. Dies forderten auch jĂŒngst ĂŒber 50 Unternehmen der deutschen Wirtschaft, die davon ĂŒberzeugt sind, dass ökologisches Handeln und ökonomische Chancen zusammengehören.“

Neben der zusÀtzlichen Abschaltung von 50 Prozent der KohlekraftwerkskapazitÀten bedarf es auch eines Schnellstarts in allen anderen Sektoren. Die kommende Regierung muss den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen, eine echte Effizienz- und WÀrmewende auf den Weg bringen und die Landwirtschafts- wie Verkehrspolitik neu ausrichten.
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Infoveranstaltung zur Photovoltaik-Kampagne „Dein Dach kann mehr“
am Dienstag, 14. November, ab 19 Uhr im BĂŒrgerhaus ZĂ€hringen

„Solarstrom – selbst erzeugen und speichern!“ – Solarbetriebe stellen sich vor

Im Rahmen der Photovoltaik-Kampagne „Dein Dach kann mehr“ findet am Dienstag, 14. November, ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung im BĂŒrgerhaus ZĂ€hringen, Lameystraße 2, statt. Dazu sind alle interessierten BĂŒrgerinnen und BĂŒrger herzlich eingeladen.

Im Rahmen dieser Veranstaltung prĂ€sentieren sich vor Ort Solarbetriebe und beantworten alle Fragen zur konkreten Realisierung von PV-Anlagen. Bereits ab 19 Uhr können BĂŒrgerinnen und BĂŒrger die PV-Experten zu den unterschiedlichsten Themen befragen.

Um 20 Uhr beginnen die VortrĂ€ge, Malte Thoma vom Umweltschutzamt wird die Veranstaltung eröffnen und die PVKampagne der Stadt vorstellen. Danach erlĂ€utert Arne Blumberg von der Energieagentur Freiburg praxisnah die zehn Schritte zu einer eignen Anlage. Anschließend wird Heinz Kury, Betriebsleiter StromSpeicher Markt, vorstellen, wie sich Sonnenstrom sinnvoll speichern lĂ€sst und welche technischen Möglichkeiten es fĂŒr zu Hause gibt.

Eine Frage-Antwort-Runde schließt die VortrĂ€ge ab. Die Solarbetriebe stehen danach noch fĂŒr Fragen zu VerfĂŒgung. Nico Storz von der Energieagentur Freiburg moderiert die Veranstaltung.

Der Eintritt ist frei.
 
 

 
Weiterhin keine Einigung ĂŒber Glyphosat-VerlĂ€ngerung
EU-Mitgliedsstaaten mĂŒssen der Nutzung von Glyphosat ein Ende setzen

Nachdem am 25. Oktober 2017 keine Einigung ĂŒber die ZulassungsverlĂ€ngerung des Unkrautvernichters Glyphosat erzielt werden konnte und die EuropĂ€ische Kommission nun einen Vorschlag vorgelegt hat, die Laufzeit der Zulassung von 10 auf 5 Jahre zu begrenzen, haben die Mitgliedsstaaten heute erneut abgestimmt: es wurde wieder keine Einigung erzielt.

Die EuropÀische Kommission hat indes schon verlauten lassen, dass sie dem Berufungsausschuss (ein Treffen der Regierungen auf höherer Ebene) am 27. November den gleichen, heute prÀsentierten Vorschlag zur ZulassungsverlÀngerung vorlegen wird. Die EU-Mitgliedsstaaten haben dann erneut die Möglichkeit die ZulassungsverlÀngerung von Glyphosat abzulehnen.

Angesichts dieser Tatsache fordert Slow Food weiterhin ein Glyphosat-Verbot. Die Kommission darf die Regierungen vieler EU-LĂ€nder und BĂŒrger nicht lĂ€nger ignorieren, die sie eigentlich vertreten sollten: bereits im Juli 2017 und erneut am 5. und 6. Oktober haben sich die Regierungen gegen eine Lizenzerneuerung um zehn Jahre ausgesprochen. Die heutige Abstimmung zeigt erneut einen starken Widerwillen seitens der Regierungen noch einmal eine Glyphosat-Zulassung zu bewilligen.

Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland zu den neusten Entwicklungen: "Wir sprechen hier ĂŒber die Zukunft der Landwirtschaft, die Zukunft unserer tĂ€glichen ErnĂ€hrung. Als BĂŒrgerin Europas bin ich enttĂ€uscht, dass die Mitgliedsstaaten heute wieder die Chance verpasst haben, sich geeint gegen Glyphosat auszusprechen. Diese fehlende Einigkeit gegen dieses Totalherbizid betrifft unsere Gesundheit und die Gesundheit der Menschen, die wir lieben. Glyphosat erneut zuzulassen wĂŒrde bedeuten, dass Kinder weiterhin giftigen Chemikalien ausgesetzt sind, nicht nur in den Lebensmitteln und dem Trinkwasser, sondern auch in der Umwelt, in der sie leben und spielen. Deshalb mĂŒssen wir der Nutzung von Glyphosat ein Ende setzen, den agrarökologischen Landbau und umweltfreundliche Praktiken unterstĂŒtzen sowie konventionellen Landwirten bei der Umstellung helfen".

Das EuropĂ€ische Parlament hat bestĂ€tigt, dass die Organisatoren der EuropĂ€ischen BĂŒrgerinitiative (EBI) "Stop Glyphosat" die Möglichkeit erhalten, die BĂŒrgerinitiative (die 1.070.865 Unterschriften gesammelt hat) bei einer öffentlichen Anhörung am 20. November 2017 vorzustellen. Die Kommission soll ab diesem Datum innerhalb von drei Monaten, also bis zum 8. Januar 2018, in einer Mitteilung kundtun, welche rechtlichen und politischen Schlussfolgerungen sie aus der BĂŒrgerinitiative zieht, welche Maßnahmen sie ergreifen will, falls dem so ist, und ihre GrĂŒnde fĂŒr oder gegen die jeweiligen Maßnahmen ausfĂŒhren. Bis heute ist es jedoch keiner EBI gelungen, ihre Ziele umzusetzen.

Slow Food wird sich weiterhin fĂŒr ein Glyphosat-Verbot und die Förderung des agrarökologischen Landbaus einsetzen.

Hintergrundinformationen:

Der Entscheidung gingen wiederholte gescheiterte Versuche voran, im StĂ€ndigen Ausschuss und am 24. Juni 2016 auch im Berufungsausschuss eine qualifizierte Mehrheit zu erreichen. Beide AusschĂŒsse reprĂ€sentieren die Mitgliedsstaaten. Am 29. Juni 2016 weitete die EuropĂ€ische Kommission die Zulassung von Glyphosat bis zur heutigen Entscheidung aus.

Glyphosat ist seit 1974 im Handel und wurde 2015 vom Internationalen Krebsforschungszentrum (IARC) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als 'vermutlich krebserregend fĂŒr den Menschen' eingestuft. Zwei Monate nach Anhörung der EinschĂ€tzung vom IARC kam die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu einer gegenteiligen Schlussfolgerung: aus ihrer Sicht ist es unwahrscheinlich, dass Glyphosat 'ein Krebsrisiko fĂŒr die Menschen darstellt'. Die EFSA stĂŒtzte ihre EinschĂ€tzung jedoch auf einen EU-Bericht, der Analysen aus einer Studie von Monsanto kopierte und einfĂŒgte, wobei einige Seiten der Studie mit einem Antrag ĂŒbereinstimmten, den Monsanto im Namen der Glyphosate Task Force (GTF) eingereicht hatte, einem von der Firma gefĂŒhrten Industrieverband.
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Zunehmendes Ärgernis: Immer mehr Hundekot-Beutel in Wald  und Wiese
Quelle: BUND SĂŒdlicher Oberrhein
 
Zunehmendes Ärgernis: Immer mehr Hundekot-Beutel in Wald und Wiese
Seit einigen Jahren gibt es nicht nur in SĂŒdbaden eine schwer erklĂ€rbare "Modewelle". Einige Hundebesitzer packen den Kot ihrer Vierbeiner zwar vorschriftsgemĂ€ĂŸ in Beutel, doch entsorgt wird der dann nicht im MĂŒlleimer, sondern in der Natur und "ziert" WaldrĂ€nder und Wiesen. In Deutschland sind ca. acht Millionen Hunde gemeldet und das bedeutet etwa 16 Millionen Stinkehaufen pro Tag, also ĂŒber 5800 Millionen Haufen im Jahr. SchĂ€tzungen zufolge werden mehr als 500 Millionen Beutel pro Jahr in Deutschland verwendet und ein Teil davon landet in der Natur.
Immer mehr dieser sehr dauerhaften und langlebigen PlastiktĂŒten finden sich entlang der Wege. Es handelt sich erfreulicherweise (noch) um eine kleine Minderheit der Hundehalter, die so handeln, weil der Weg zum nĂ€chsten AbfallbehĂ€lter zu weit ist.

In Stadt, Dorf und in landwirtschaftlich genutzten FlĂ€chen sollten die Hinterlassenschaften der Hunde auf jeden Fall in den AbfallbehĂ€lter. Gelangt der Kunststoff samt Ausscheidungen ĂŒbers Heu in den Futtertrog, ist die Gesundheit der Tiere in Gefahr. Im Wald ist im Not- und Zweifelsfall eine Handvoll Erde die bessere "Abdeckung", als die konservierende Verpackung in einer PlastiktĂŒte.

Was diese "TĂŒten" fĂŒr Gemeindearbeiter bedeuten, die mit einem Freischneider das öffentliche GrĂŒn pflegen, ist leicht vorstellbar. Das neue MĂŒll-PhĂ€nomen passt leider gut in eine zunehmend egoistische Gesellschaft, in der viele Menschen davon ausgehen, dass irgendjemand "hinterherputzt".

In Deutschland wird intensiv diskutiert, wie der zunehmende PlastikmĂŒll aus den Meeren entfernt werden kann. Wir sollten verhindern, dass der MĂŒll seinen Weg ins Meer findet.


Nachtrag:

Was ist die vierte Steigerungsform von "dumm"?

dumm
dĂŒmmer
am dĂŒmmsten
Hundekotbeutel in den Wald werfen
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NABU-Statement zu ICCT-Spritverbrauchsstudie fĂŒr Pkw
Miller: Messungen auf dem PrĂŒfstand sind sinnlos / Emissionen mĂŒssen unter realen Fahrbedingungen ermittelt werden

Berlin – Eine heute von der unabhĂ€ngigen Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) vorgestellte Studie belegt die Abweichung des tatsĂ€chlichen Kraftstoffverbrauchs zwischen den Herstellerangaben und tatsĂ€chlichen Emissionen bei Neuwagen um durchschnittlich 42 Prozent. Dazu erklĂ€rt NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller: „Die SpritverbrauchslĂŒge der Autoindustrie wird immer offenkundiger. Noch nie war die Abweichung zwischen angegebenem und tatsĂ€chlichem Kraftstoffverbrauch so hoch wie heute. Klimaschutz findet bei neuen Pkw vor allem auf dem Papier statt. PrĂŒfstandwerte sind zunehmend reine Phantasiewerte und damit sinnlos. Analog zu den Luftschadstoffemissionen brauchen wir auch fĂŒr CO2 schnellstmöglich Emissionsmessungen im realen Fahrbetrieb.“

Die Ergebnisse der Studie mĂŒssten ein letzter Weckruf fĂŒr die EuropĂ€ische Kommission sein, mit dem fĂŒr Mittwoch angekĂŒndigten Gesetzespaket zur kĂŒnftigen Ausgestaltung der CO2-Grenzwerte fĂŒr Pkw ein ambitioniertes Konzept zur tatsĂ€chlichen Emissionsminderung nach 2021 vorzulegen. Auch die kĂŒnftige Bundesregierung mĂŒsse sich von der Rolle des reinen ErfĂŒllungsgehilfen der Automobilindustrie emanzipieren und stattdessen eine Verkehrswende einleiten, die MobilitĂ€t und Klimaschutz in Einklang bringe. Die CO2-Grenzwertverordnung böte hier den effektivsten Hebel, um das nationale Treibhausgasminderungsziel von 42 Prozent im Verkehrssektor bis 2030 erreichen zu können. „Ein ambitionierter Grenzwert fĂŒr das Jahr 2030, mit einem verbindlichen Zwischenziel fĂŒr 2025 sowie einer Quote fĂŒr Elektroautos sind unabdingbar“, so Miller. DarĂŒber hinaus mĂŒssten bestehende Grenzwerte durch effektive MarktĂŒberwachung sowie ein „Not-to-exceed-Limit“, also eine maximal zu tolerierende Abweichung im realen Fahrbetrieb, abgesichert werden.
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NABU Bundesvertreterversammlung tagte in Hannover
NABU fordert Kohle-Ausstiegsplan, Maßnahmen gegen Insektensterben und naturvertrĂ€glichere Landwirtschaft

Hannover/Berlin – Der NABU hat die möglichen Koalitionspartner in Bund und Niedersachsen dazu aufgefordert, die Landwirtschaft deutlich nachhaltiger auszurichten und den Klimaschutz stĂ€rker voranzutreiben. Dazu mĂŒssten die Jamaika-Verhandler schnellstmöglich einen konkreten Ausstiegsplan aus der Kohle vorlegen, ein verbindliches Klimaschutzgesetz verabschieden und sich fĂŒr eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik einsetzen. Dies forderten rund 270 NABU-Delegierte, die am Wochenende zur NABU-Bundesvertreterversammlung in Hannover zusammenkamen.

Mit Blick auf die beginnende Weltklimakonferenz in Bonn erwartet der NABU klare Bekenntnisse der Jamaika-Verhandler. „Deutschland hat seine Vorreiterrolle im Klimaschutz lĂ€ngst verloren. Das muss sich wieder Ă€ndern. Unsere dreckigsten Braunkohlekraftwerke mĂŒssen schnell vom Netz, spĂ€testens bis 2020“, so NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke. Deutschland brauche zudem ein Sofortprogramm 2020 fĂŒr den Klimaschutz, das die Emissionen auch im Verkehr und an GebĂ€uden deutlich senke. Bislang habe sich der deutsche Klimaschutz zu stark auf den Energiesektor konzentriert. Nach wie vor hĂ€ngt Deutschland seinen internationalen Verpflichtungen massiv hinterher, der Ausstoß an Treibhausgasen stagniert auf hohem Niveau.

FĂŒr die Landwirtschaft forderten die NABU-Vertreter, die milliardenschweren EU-Subventionen so umzuschichten, dass Landwirte kĂŒnftig stĂ€rker fĂŒr ihre Leistungen fĂŒr Natur und Artenvielfalt belohnt werden. „Angesichts der drohenden ökologischen Katastrophe des Insektensterbens sind alle Parteien gefordert, die Landwirtschaft wieder naturvertrĂ€glicher auszurichten. Das Problem wurde zu lange verschlafen“, sagte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke. Eine Studie hatte erst kĂŒrzlich nachgewiesen, dass in den vergangenen 27 Jahren die Biomasse von Fluginsekten in Nordwestdeutschland um mehr als 75 Prozent abgenommen hat. NABU-Untersuchungen zeigen zudem, dass auch Vögel massiv unter dem Insektensterben leiden: In nur zwölf Jahren verlor Deutschland 15 Prozent seiner Vogelbrutpaare – fast alle betroffenen Arten fĂŒttern zumindest ihre Jungen mit Insekten.

Der NABU fordert daher, den RĂŒckgang der biologischen Vielfalt in AgrarrĂ€umen zu stoppen. Dazu sei ein grundlegendes Umsteuern in der Agrarpolitik notwendig, das Prinzip „Wachse oder weiche“ mĂŒsse beendet und Fördergelder stĂ€rker an den Naturschutz gekoppelt werden, etwa mithilfe eines neuen EU-Naturschutzfonds in Höhe von 15 Milliarden Euro. Auf Bundesebene mĂŒsse das Bundesprogramm Biologische Vielfalt auf 50 Millionen Euro erhöht und ein langfristiges bundesweites Insektenmonitoring aufgebaut werden. Zudem mĂŒsse der Einsatz von Pestiziden in Naturschutz- und Natura 2000-Gebieten generell verboten werden, ebenso im Haus- und Kleingartenbereich sowie auf kommunalen FlĂ€chen.

Der NABU-Landesvorsitzende, Dr. Holger Buschmann, verwies auf 70 Jahre erfolgreiche Naturschutzarbeit in Niedersachsen. Rund 95.000 NABU-Mitglieder setzen sich hier inzwischen fĂŒr den Erhalt der Natur ein. In der Landespolitik sieht Dr. Buschmann jedoch Nachholbedarf und fordert von der kĂŒnftigen Landesregierung mehr Geld fĂŒr den Naturschutz. Deutschland und damit die fĂŒr Naturschutz verantwortlichen LĂ€nder sĂ€hen derzeit mehreren EU-Vertragsverletzungsverfahren entgegen, da sowohl die Nitratgrenzwerte im Grundwasser ĂŒberschritten werden als auch das europĂ€ische Schutzgebietsnetz Natura 2000 nicht rechtzeitig umgesetzt wurde. „Viele der betroffenen Arten und LebensrĂ€ume befinden sich im freien Fall. Um den EU-Vertragsverletzungsverfahren entgegenzuwirken und wieder eine positive Entwicklung fĂŒr unsere Natur und damit unsere Lebensgrundlage einzulĂ€uten, muss die neue Landesregierung den Naturschutz-Anteil im Landeshaushalt dringend aufstocken“, so Dr. Buschmann. Der Anteil solle von derzeit 0,25 Prozent auf zunĂ€chst 0,5 und schrittweise auf ein Prozent steigen.

An alle Landesregierungen richten die Delegierten die Aufforderung, ihre Anstrengungen gegen UmweltkriminalitĂ€t zu verstĂ€rken. Nach wie vor werden zahlreiche streng geschĂŒtzte Arten wie Wolf, Luchs oder Greifvögel in Deutschland illegal getötet. Allein 2016 wurden ĂŒber 1.000 FĂ€lle von Greifvogelverfolgung gemeldet. Ein besonders prominenter Fall ereignete sich unlĂ€ngst in Niedersachsen, als im Landkreis Stade ein weiblicher Seeadler erschossen im Nest gefunden wurde. Der NABU forderte die zustĂ€ndigen Landesbehörden auf, Stellen fĂŒr UmweltkriminalitĂ€t einzurichten und TĂ€ter konsequenter zu ermitteln.

Die NABU-Bundesvertreterversammlung tagte am 4. und 5. November in Hannover.
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Ein Jahr Freiburg-Cup – das Pilotprojekt ist erfolgreich
Viele StÀdte kopieren mittlerweile das Freiburger Modell

Der Freiburg-Cup hat viel bewegt. Ein Jahr nach der Vorstellung des Kaffee-Pfandbechers in Freiburg zieht die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine positive Bilanz.

Das Freiburger Pilotprojekt fand im letzten Jahr bundesweit enorm Beachtung. Freiburg war die erste deutsche Großstadt, die mit einem Pfandbecher fĂŒr Coffee-To-Go den Kampf gegen die Flut von Einwegverpackungen aufnahm. Das Prinzip ist denkbar einfach, die Kunden zahlen einen Euro Pfand fĂŒr den Becher, können ihren Kaffee genießen und danach den gebrauchten Becher zurĂŒckgeben.

Bei seiner Vorstellung im November 2016 löste der FreiburgCup ein beachtliches Medieninteresse aus: Lokale und ĂŒberregionale Zeitungen, Zeitschriften sowie viele Fernsehsender und Radios berichteten in den vergangenen Monaten ĂŒber den stĂ€dtischen Mehrwegbecher mit seinen Freiburg-Motiven. Viele StĂ€dte, UniversitĂ€ten oder private Firmen interessierten sich fĂŒr das ungewöhnliche Pfandsystem.

Nach nur vier Wochen beteiligten sich bereits 44 GeschĂ€fte an der Aktion. Inzwischen bieten 100 GeschĂ€fte in der Innenstadt den Freiburg-Cup an, rund 26.000 spĂŒlmaschinenfeste Pfandbecher hat die ASF ausgeliefert. Vertreten sind vor allem BĂ€ckereien, EiscafĂ©s und CafĂ©terien in zentralen UniversitĂ€tsgebĂ€uden. Außerhalb der Freiburger Innenstadt ist der Pfandbecher bereits im StĂŒhlinger, in der Wiehre, in CafĂ©s in Herdern und im Uni-Klinikum zu bekommen.

GeschĂ€fte, die den Freiburg-Cup anbieten, sind an einem grĂŒnen Aufkleber im Schaufenster zu erkennen. FĂŒr zusĂ€tzliche Informationen hat die ASF die Webseite www.freiburgcup.de und einen digitalen Stadtplan eingerichtet, in dem alle beteiligten KaffeegeschĂ€fte aufgelistet sind. Seit September ist die zweite Generation von Freiburg-Cups mit einem QR-Code bedruckt, der die Konsumenten auf die Webseite leitet.

Die Nachfrage nach dem Freiburger Pfandbecher ist vor allem in den CafĂ©terien von Uni- und HochschulgebĂ€uden groß. Aber auch viele Besucherinnen und Besucher greifen gerne nach dem Mehrwegbecher und nehmen ihn als preiswertes Souvenir mit nach Hause, die „Mitnehmrate“ liegt bei etwa 15 Prozent. Diese Becher gehen dem RĂŒckgabesystem verloren und mĂŒssen ersetzt werden.

„Unser Pilotprojekt hier in der Stadt ist ein großer Erfolg und wir bauen es kontinuierlich aus. Bundesweit haben viele StĂ€dte inzwischen das Freiburger Modell ĂŒbernommen. Das bestĂ€tigt uns, dass wir mit dieser Idee der Abfallvermeidung durch den Freiburg-Cup auf dem richtigen Weg sind“, so UmweltbĂŒrgermeisterin Gerda Stuchlik.

Im Sommer untersuchten Studierende der Freiburger FakultĂ€t fĂŒr Umweltwissenschaften den Pfandbecher und bewerteten ihn insgesamt als eine sinnvolle Initiative mit Verbesserungspotenzial. „Die VerbesserungsvorschlĂ€ge der Studie nahmen wir gerne auf und haben uns mit den Autoren des Berichts intensiv ĂŒber das System ausgetauscht“, erklĂ€rt Michael Broglin, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der ASF.

Auch nicht nur fĂŒr die Medien, auch fĂŒr die Praxis ist der Freiburg-Cup ein Thema. Da die Sauberkeit vieler StĂ€dte unter der Lawine von Einwegbechern leidet, interessierten sich auch zahlreiche kommunale Entsorgungsbetriebe fĂŒr das Freiburger Modell. Vertreter aus Köln, Hannover und NĂŒrnberg waren vor Ort, um sich ĂŒber die Mehrwegkampagne zu informieren, in Heilbronn, Friedrichshafen, MĂŒnchen und Bielefeld entstanden Ă€hnliche Konzepte zur Vermeidung unnötiger Verpackungen. Das Pilotprojekt Freiburg-Cup rundet das stĂ€dtische Mehrwegkonzept erfolgreich ab. Die Freiburger Abfallwirtschaft wird den Mehrwegbecher weiter entwickeln, das Netz der Ausgabestellen verdichten und mit gezielter Werbung das Interesse an diesem innovativen System fördern.
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„Weichen stellen fĂŒr eine klimaneutrale Kommune“
Ab sofort ist eine neue BroschĂŒre zu den Projekten aus dem Freiburger Klimaschutzfonds unter www.freiburg.de/klimaschutz abrufbar

„Weichen stellen fĂŒr eine klimaneutrale Kommune“ ist der Titel einer neuen stĂ€dtischen Publikation. Unter www.freiburg.de/klimaschutz sind ab sofort eine Übersicht aller Projekte zu finden, die aus den Mitteln der Konzessionsabgabe finanziert wurden.

Mit dem Beschluss des Gemeinderates, Mittel aus der Konzessionsabgabe fĂŒr zusĂ€tzliche Klimaschutzprojekte zu verwenden, hat Freiburg ein deutliches Zeichen gesetzt. Seit 2008 fließen zehn Prozent der Gelder aus der Konzessionsabgabe in verschiedenste Projekte, seit 2014 sind sogar 25 Prozent der Mittel fĂŒr den Klimaschutz reserviert. Diese Vorhaben werden zusĂ€tzlich zu jenen Klimaschutzprojekten realisiert, die mit regulĂ€ren Haushaltsmitteln finanziert werden. Rund drei Millionen Euro jĂ€hrlich kann die Stadt somit zusĂ€tzlich einsetzen, um auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune bis 2050 beispielhaft voran zu gehen.

„Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Freiburg mit den Mitteln aus der Konzessionsabgabe ĂŒber solch ein starkes Instrument verfĂŒgt, um im Klimaschutz neue Wege zu beschreiten und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Darauf kann die Stadt zu Recht stolz sein“, so UmweltbĂŒrgermeisterin Gerda Stuchlik.

Die Verwendung der Mittel erfolgt dabei zielgerichtet fĂŒr GebĂ€ude, Energieversorgung, Industrie, Handel und Gewerbe sowie den Verkehr. Neben den regulĂ€ren stĂ€dtischen Haushaltsmitteln ermöglichen die Gelder aus der Konzessionsabgabe, Klimaschutzprojekte schneller und umfangreicher zu realisieren.

In der BroschĂŒre werden konkrete Investitionsvorhaben, wie beispielsweise Blockheizkraftwerke oder Solarstromanlagen fĂŒr stĂ€dtische GebĂ€ude erlĂ€utert. Hinzu kommen Informations- und Förderprojekte fĂŒr Betriebe und fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, wie das Förderprogramm „Energiebewusst sanieren“ oder die FortfĂŒhrung der Aktion „KĂŒhlschranktausch“. Die Publikation bietet darĂŒber hinaus auch einen Überblick ĂŒber die geplanten Vorhaben.
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346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 


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