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Freitag, 23. August 2019
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Verschiedenes

Freiburger Delegation in Wiwili
OB Salomon mit Freiburger Patenkindern in Wilili / Quelle: G. Burger
 
Freiburger Delegation in Wiwili
Weitere UnterstĂŒtzung fĂŒr Projekt Wasserversorgung und Schulpatenschaften

Vergangene Woche hielt sich eine elfköpfige stĂ€dtische Delegati-on mit OberbĂŒrgermeister Dieter Salomon und SozialbĂŒrgermeis-ter Ulrich von Kirchbach vier Tage in der Freundschaftsstadt Wi-wili, Nicaragua, auf. Anlass war das 25-jĂ€hrige JubilĂ€um der StĂ€dtefreundschaft mit Wiwili. Mit den BĂŒrgermeistern der Stadt Wiwili und dem Verein fĂŒr Kommunalentwicklung ADEM „Asocia-tiĂłn de Desarollo Municipal“ fanden deshalb mehrere Treffen und GesprĂ€che statt. Die BĂŒrgermeister aus Wiwili dankten den Frei-burgerinnen und Freiburgern herzlich fĂŒr ihre UnterstĂŒtzung und SolidaritĂ€t. Vor zehn Jahren war das letzte Mal eine Delegation mit OB Salomon nach Wiwili gereist. Wie auch damals waren die StadtrĂ€tinnen und StadtrĂ€te und die Mitglieder der Verwaltung in einfachsten UnterkĂŒnften eines GĂ€stehauses auf einem Modell-bauernhof von ADEM untergebracht.

In der nordnicaraguanischen Stadt Wiwili sind nach wie vor die Wasserversorgung und eine einigermaßen geregelte Schulbil-dung die grĂ¶ĂŸten Probleme der Menschen. Deshalb wurde in GesprĂ€chen vereinbart, dass der Wiwili-Verein zusammen mit dem Freundschaftsverein ADEM in den nĂ€chsten Wochen weite-re konkrete Projekte zur Wasserversorgung angehen werden. In der relativ zersiedelten und in einer Bergregion am Rio Coco lie-genden Stadt Wiwili gibt es zwar theoretisch ausreichend Was-ser, aber dieses in TrinkwasserqualitĂ€t in die HĂ€user zu bringen ist nach wie vor schwierig. Ein zentrales Wasserversorgungssys-tem existiert dort nicht. Sogar die neue Schule, die vergangene Woche eingeweiht wurde, verfĂŒgt noch nicht ĂŒber einen eigenen Wasseranschluss.

„Besonders berĂŒhrend war das große Treffen mit allen 44 Paten-kindern und ihren Eltern, die von Privatpersonen finanzielle Hilfe aus Freiburg bekommen, um sich die Schule leisten zu können.“ so OB Dieter Salomon. Spontan hat sich dann auch ein Delegati-onsmitglied fĂŒr eine neue Patenschaft fĂŒr ein Kind entschieden. Benötigt werden auch noch weitere Paten fĂŒr insgesamt 17 Kin-der aus Wiwili. Schon eine Spende von einem Euro pro Tag kann den jungen Menschen die Chance auf eine bessere Schulbildung ermöglichen. Die finanzielle Hilfe aus Freiburg wird von den Fa-milien in Wiwili ausschließlich fĂŒr den Schulbesuch und die Aus-bildung der Kinder verwendet. Neben dem Kauf von BĂŒchern, Stiften und Heften sind vor allem WohnrĂ€ume in SchulnĂ€he, eine ausreichende ErnĂ€hrung sowie eventuell erforderliche Medika-mente zu finanzieren.

Den Anstoß zu der ungewöhnlichen StĂ€dteverbindung gab das Schicksal des Freiburger Arztes Albrecht „Tonio“ Pflaum, der im Auftrag des Deutschen Entwicklungsdienstes in Nicaragua am Aufbau einer Gesundheitsstation mitarbeitete und der 1983 von den Contras in Wiwili erschossen wurde. Um sein Lebenswerk weiterzufĂŒhren, grĂŒndeten sich der „Freundeskreis Tonio Pflaum“ und der „Verein zur Förderung einer StĂ€dtepartnerschaft Frei-burg-Wiwili“. Sie initiierten den Bau einer Trinkwasserleitung in Wiwili. Bei den Bauarbeiten starb ein weiterer Freiburger: Berndt Koberstein, der als Aufbauhelfer nach Nicaragua gereist war, wurde im August 1986 nahe Wiwili von Contras ermordet.

Infos und Vermittlung von Patenschaften:
Ariane Hötzer, Referat fĂŒr internationale Kontakte,
Tel: 201-1024
 
 

 
NABU: Trotz Fukushima bleibt Atomkraft in Europa hoffÀhig
EU-Politik droht erneuerbare Energien im Strommarkt auszubremsen

Als es vor gerade mal drei Jahren in Fukushima zur Kernschmelze kam, war das beherrschbare Restrisiko der zivilen Atomenergienutzung endgĂŒltig Geschichte. „Der Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima sollte uns alle daran erinnern, wie teuer uns die Nutzung der Atomkraft zu stehen kommt, wenn wir nicht auf wirklich nachhaltige Alternativen fĂŒr unsere Energieversorgung setzen“, warnte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller auch angesichts der weiter ungelösten Frage der Endlagerung hochradioaktiver AbfĂ€lle und der steigenden Stromerzeugung aus klimaschĂ€dlichen Kohlekraftwerken.

In Deutschland verkĂŒndete die Bundesregierung im Eiltempo nach der Katastrophe den erneuten Atomausstieg und der Bundestag bekannte sich parteiĂŒbergreifend zur so genannten Energiewende. Auch einige andere Staaten, die bisher auf Atomenergie setzten, wie Belgien und die Schweiz, beschlossen das Ende dieser unbeherrschbaren Technologie. Doch inzwischen beginnt sich der Wind schon wieder zu drehen – Politiker in Berlin und BrĂŒssel machen Stimmung gegen die Energiewende. Mit stĂ€ndigen Verweisen auf steigende Strompreise, die Notwendigkeit der Marktintegration und möglichen Gefahren fĂŒr die Versorgungssicherheit wollen sie letztendlich das dreckige GeschĂ€ft der konventionellen Energiewirtschaft mit Atom und Kohle schĂŒtzen.

Das prominenteste Beispiel ist der aktuelle Streit zwischen EU-Kommission und Bundesregierung ĂŒber die kĂŒnftige Förderung erneuerbarer Energien im Strommarkt und die ausgeuferten Ausnahmeregelungen fĂŒr energieintensive Unternehmen. Ohne Einigung droht die Einstufung des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als „unerlaubte Staatsbeihilfe“. „Wahrscheinlich behĂ€lt die Industrie ihre Privilegien, muss sich aber kĂŒnftig stĂ€rker an den Kosten des EEG beteiligen. Wenn aber der weitere Zubau erneuerbarer Energien kĂŒnftig nur noch ĂŒber europaweite Ausschreibungen erfolgen soll, dann werden davon allenfalls riesige Wind-, Wasser- und Solarkraftwerke und damit die großen Energieunternehmen profitieren“, so Miller. Ein erfolgreicher Umbau in Richtung eines umweltvertrĂ€glichen, stĂ€rker dezentral organisierten und intelligent vernetzten Energiesystems sei dann nicht mehr möglich.

WĂ€hrend die Förderung fĂŒr erneuerbare Energien unter Beschuss ist, setzt Großbritannien weiter auf Kernkraft und will fĂŒr das neue Atomkraftwerk Hinkley Point C den Betreibern 35 Jahre lang eine lukrative VergĂŒtung mit einem Strompreis von ĂŒber 11 Eurocent garantieren. Zum Vergleich: Neue Windenergieanlagen an Land erzeugen bereits heute in Deutschland gĂŒnstiger Ökostrom. Selbst die oft als Kostentreiber der Energiewende diffamierten Photovoltaikanlagen können auf diesem Preisniveau konkurrieren. „Wenn die EU-Kommission jetzt neue Subventionen fĂŒr Atomstrom genehmigen sollte und gleichzeitig feste Einspeisetarife fĂŒr Strom aus erneuerbaren Energien aus GrĂŒnden der Wettbewerbsverzerrung abschaffen will, wĂ€re das ein fatales Signal gegen eine zukunftsfĂ€hige Energiepolitik in Europa“, sagte NABU-Energieexpertin Tina Mieritz.

Atomkraft ist nicht nur gefĂ€hrlich fĂŒr Mensch und Natur, sondern birgt auch immense ökonomische Risiken. In ganz Europa werden Baustellen von Atommeilern zum industriepolitischen Desaster und sind zum Teil bereits aufgegeben, wie in Bulgarien. In Finnland explodierten die Baukosten fĂŒr die Dauerbaustelle der Atomanlage Olkiluoto von ursprĂŒnglich drei Milliarden auf fast neun Milliarden Euro. Im Vergleich dazu wird eine Energieversorgung auf Basis von Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien in Europa bereits 2030 gĂŒnstiger sein als das heutige System. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass die Förderung der Atomenergie den deutschen Steuerzahler in den letzten Jahrzehnten bereits ĂŒber 230 Milliarden Euro gekostet hat.
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4. Kaiserstuhl-Tuniberg-Tage finden vom 12.-13.Juli 2014 in Ihringen statt
Ortsansicht Ihringen / Foto: Gemeinde Ihringen
 
4. Kaiserstuhl-Tuniberg-Tage finden vom 12.-13.Juli 2014 in Ihringen statt
Die regionale Vielfalt im Naturgarten Kaiserstuhl wird erneut erlebbar

Vom 12.-13. Juli 2014 laden die Naturgarten Kaiserstuhl GmbH und die Gemeinde Ihringen zu den vierten Kaiserstuhl-Tuniberg-Tagen in Ihringen ein. Die große PrĂ€sentation der regionalen Vielfalt mit einem großen Regionalmarkt und einem attraktiven Rahmen-und Unterhaltungs-Programm, zeigt die ganze Palette dieser einzigartigen Landschaft. Über eine FĂŒlle an heimischen Produkten bis hin zu traditionsreicher Kultur kann man hier die Region mit allen Sinnen genießen. Bei den im zweijĂ€hrigen Rhythmus stattfindenden Kaiserstuhl-Tuniberg-Tagen zeigten sich die Besucher in der Vergangenheit begeistert von der Vielfalt, die durch Gemeinden, Weinerzeuger, Edelbrenner, Gastronomen, Landwirte sowie Vertreter aus Tourismus, Heimatpflege, Naturschutz, Kunst und Kultur gezeigt wurden. Auch in Ihringen wird es wieder neben dem bunten Regionalmarkt, auf dem sich Erzeuger regionaler Produkte sowie Gemeinden und Institutionen aus dem Naturgarten Kaiserstuhl prĂ€sentieren, Mitmachangebote fĂŒr Groß und Klein sowie ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm geben. Die 4. Kaiserstuhl-Tuniberg-Tage werden in der Ortsmitte von Ihringen auf der Bachenstraße und in einigen anliegenden Innenhöfen stattfinden und zahlreiche Erlebnisse fĂŒr Einheimische und FeriengĂ€ste bieten. Eine gratis Nutzung der S-Bahnen am Kaiserstuhl ab Freiburg und Riegel sorgt fĂŒr eine unkomplizierte Anreise der Besucher nach Ihringen.
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NABU: Bei Verbrauchsgrenzwerten fĂŒr Pkw zahlen Autofahrer und Klima drauf
Neuer Testzyklus muss realitÀtsnahen Verbrauch abbilden

AnlĂ€sslich der heutigen Abstimmung im EU-Parlament begrĂŒĂŸt der NABU, dass das Geschachere ĂŒber kĂŒnftige Verbrauchswerte von Pkw endlich ein Ende haben soll, warnt aber zugleich vor einer möglichen Aufweichung des Grenzwertes bei der anstehenden Reformierung des PrĂŒfzyklus. BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller: „Endlich wurde das neue Reduktionsziel fixiert. Leider sind dabei aber wesentliche Elemente einer klimafreundlichen Ausgestaltung auf der Strecke geblieben. Bereits die Festlegung auf einen Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer reizt das Potenzial möglicher Effizienzsteigerungen im Automobilbau nicht voll aus und kommt insbesondere den Herstellern des Premiumsegments mit ihren schweren, ĂŒbermotorisierten Modellen weit entgegen. Zudem muss der Zielwert nun erst ein Jahr spĂ€ter als ursprĂŒnglich geplant erreicht werden, was den Anreiz verringert, zĂŒgig kleinere und sparsamere Motoren auf den Markt zu bringen. Das gefĂ€hrdet letztlich auch die EinfĂŒhrung eines ambitionierten Zielwertes fĂŒr das Jahr 2025. Es sind die Autofahrer und das Klima, die am Ende fĂŒr den unnötig hohen Kraftstoffverbrauch draufzahlen.“

Zudem sei bei der geplanten Umstellung des aktuell gĂŒltigen Verfahrens zur Ermittlung des CO2-Ausstoßes bei neuen Automodellen darauf zu achten, dass hier nicht durch die HintertĂŒr eine weitere VerwĂ€sserung des Verbrauchsgrenzwertes erfolge. Der kĂŒnftig maßgebliche Standard „World-Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“ (WLTP) werde zu höheren Verbrauchswerten der Fahrzeugflotten fĂŒhren, da derzeit Abweichungen zwischen Testverbrauch und realem Fahrbetrieb von rund 30 Prozent auftrĂ€ten. „Immer seltener decken sich die im Labor ermittelten Fabelwerte der Autohersteller mit dem Spritverbrauch auf der Straße. Dies ist gleichsam Ă€rgerlich fĂŒr die Kunden und fĂŒr den Bundesfinanzminister, dessen Kfz-Steuereinnahmen sich am Normverbrauch orientieren. Autohersteller, Politik und KlimaschĂŒtzer lĂŒgen sich etwas in die Tasche, wenn die Senkung der SpritverbrĂ€uche auf dem PrĂŒfstand gefeiert wird, in der RealitĂ€t davon aber immer weniger ankommt. Was wir brauchen sind Verbrauchsangaben mit GewĂ€hr“, ergĂ€nzte NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger.
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PflanzenblĂŒte beginnt 19 Tage frĂŒher
NABU-Zahl des Monats

Klimawandel verÀndert heimische Tier- und Pflanzenwelt

Der Beginn der Vegetationsperiode in Deutschland hat sich im Zeitraum von 1961 bis 2005 um 19 Tage verschoben. Der Grund ist der Anstieg der Jahresmitteltemperatur, durch den sich die Vegetationsperiode im Mittel um insgesamt 25 Tage im Jahr verlĂ€ngert hat. Der NABU weist darauf hin, dass die VerĂ€nderungen dieser wichtigen Umweltfaktoren einen deutlichen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt ausĂŒben.

Arten und Lebensgemeinschaften hĂ€ngen voneinander ab, so dass der verfrĂŒhte Beginn der BlĂŒte Einfluss auf die davon abhĂ€ngigen Insekten hat, die wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage fĂŒr bestimmte Vogelarten darstellen. Können Zugvögel ihre Ankunfts- und Bruttermine nicht schnell genug an diese VerĂ€nderungen anpassen, fehlt ihnen diese Nahrung zur Aufzucht der Jungvögel. Vogelzugzeiten hĂ€ngen jedoch gleichzeitig von der NahrungsverfĂŒgbarkeit im Winterquartier und auf dem Zug ab, so dass sich in vielen FĂ€llen eine fĂŒr Zugvögel gefĂ€hrliche Dopplung ergibt.

„Verlierer“ dieser Entwicklung sind Langstreckenzieher, heimische Brutvögel mit Winterquartieren in Afrika sĂŒdlich der Sahara wie TrauerschnĂ€pper, Nachtigall oder der Pirol. Eine Anpassung an die neue Situation fĂ€llt ihnen ungleich schwerer als Arten, die in Europa ĂŒberwintern. Diese können ihre Zugzeiten recht flexibel der vorherrschenden Witterung anpassen. Das beste Beispiel dafĂŒr ist der Kranich: Immer weniger Kraniche fliegen bis ins traditionelle Winterquartier in SĂŒdwest-Spanien. Viele bleiben bereits in SĂŒd-Frankreich und oder ĂŒberwintern sogar zunehmend in Deutschland.
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Tödliche Gefahr fĂŒr Europas Geier
GĂ€nsegeier in Extremadura (Spanien) / Foto: NABU / F. Derer
 
Tödliche Gefahr fĂŒr Europas Geier
NABU fordert Verbot von Schmerzmittel Diclofenac

Der NABU und sein internationaler Partner BirdLife International sowie die European Vulture Conservation Foundation fordern ein sofortiges Einsatzverbot des Wirkstoffes Diclofenac bei Tieren in Europa. Diclofenac ist ein starkes schmerz- und entzĂŒndungshemmendes Mittel, das fĂŒr das beinahe komplette Aussterben aller Geierarten Indiens, Pakistans und Nepals verantwortlich ist. Die Tiere sterben qualvoll an Nierenversagen, sobald sie von Tieren fressen, die vor ihrem Tod mit diesem Mittel behandelt wurden. Nun droht eine Wiederholung dieser ökologischen Katastrophe in Europa. Obwohl fĂŒr Geier unschĂ€dliche alternative Wirkstoffe existieren, wurde Diclofenac vor Kurzem fĂŒr die Behandlung von Rindern, Schweinen und Pferden in Italien und Spanien, wo 80 Prozent aller europĂ€ischen Geier leben, zugelassen. In Deutschland ist der Wirkstoff verboten.

Nach Ansicht von Experten des NABU und von BirdLife International besteht damit die große Gefahr eines Geier-Massensterbens, das die Erfolge jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen innerhalb weniger Jahre zerstören kann. Alle Geierarten leben ausschließlich von Aas und erfĂŒllen damit als Gesundheitspolizei eine wichtige Rolle im Naturhaushalt. In Europa leben vier, durchweg seltene, Geierarten: Der kleinste von ihnen, der Schmutzgeier, gilt weltweit als gefĂ€hrdet, der riesige Mönchsgeier – einer der grĂ¶ĂŸten Greifvögel der Welt – steht auf der Vorwarnstufe der Roten Liste. Die anderen beiden Arten, GĂ€nsegeier und Bartgeier, können nach extremen Bestandstiefs inzwischen aufgrund jahrzehntelanger gezielter Artenschutzmaßnahmen gute Bestandserholungen vorweisen. DafĂŒr haben die EuropĂ€ische Union und mehrerer ihrer Mitgliedsstaaten viele Millionen Euro ausgegeben. „Seit einigen Jahren tauchen spanische GĂ€nsegeier auf der Suche nach neuem Lebensraum auch regelmĂ€ĂŸig wieder in Deutschland auf, so dass bereits Hoffnungen auf eine baldige Wiederansiedlung aufkommen“, erlĂ€uterte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. „Die EinfĂŒhrung von Diclofenac in der Tiermedizin auf dem europĂ€ischen Markt gefĂ€hrdet die FrĂŒchte der aufwĂ€ndigen SchutzbemĂŒhungen.“

Auf dem indischen Subkontinent wurde Diclofenac in den 90er Jahren zur Behandlung von Rindern angewandt. Nach dem Tod der Tiere verblieb das Mittel im Körper der Kadaver, die von den damals Millionen zĂ€hlenden Geiern gefressen wurden. Diese starben danach sehr schnell einen qualvollen Tod. In nur einem Jahrzehnt starben so etwa 99 Prozent aller Geier Indiens und damit standen einige der hĂ€ufigsten und wichtigsten Vogelarten des Subkontinents unmittelbar vor dem Aussterben. Hinzu kam die Ausbreitung von Tollwut: Die Kadaver wurden nicht mehr entsorgt und die Zahl verwilderter Hunde explodierte. Das vollstĂ€ndige Aussterben der Geierarten konnte nur gestoppt werden, weil die Anwendung von Diclofenac bei Tieren auf Betreiben von NaturschĂŒtzern aus dem von BirdLife International initiierten Netzwerk SAVE-Vultures verboten wurde. Heute können VogelschĂŒtzer erste Anzeichen einer Erholung der indischen GeierbestĂ€nde erkennen.

Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben sich durch die EU-Vogelschutzrichtlinie und die Gesetzgebung zu Tierarzneimitteln verpflichtet, Geier zu schĂŒtzen und Mittel zu verbieten, die ökologischen Schaden anrichten können. „Ein sofortiges Verbot von Diclofenac fĂŒr Tiere in der gesamten EU ist daher die einzig mögliche Lösung, um den europĂ€ischen Geiern das Schicksal ihrer Vettern in Indien zu ersparen“, so Lachmann. „Dies gĂ€be auch den LĂ€ndern in Afrika, wo noch mehr Geier leben, das richtige Signal, die Verbreitung des Mittels zu stoppen.“ Der NABU hat daher die Bundesregierung gebeten, bei der EU-Kommission eine europaweite Neubewertung und ein Verbot des Mittels zu verlangen.
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NABU: EU-Parlament geht voran, Umwelt- und Energieminister mĂŒssen nachziehen
Bundesregierung muss fĂŒr mehr Klimaschutz werben

AnlĂ€sslich der ab heute in BrĂŒssel stattfindenden RatsgesprĂ€che der Umwelt- und Energieminister ĂŒber die Klimaziele der EU bis 2030, an denen Bundesumweltministerin Hendricks teilnimmt, fordert der NABU von Europa mehr Anstrengungen im Klimaschutz. „Die Bundesregierung muss mit Blick auf den EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Ende MĂ€rz alles daran setzen, auch Angebote an die noch skeptischen EU-LĂ€nder wie Polen zu richten, um diese fĂŒr den Klimaschutz zu gewinnen“, sagte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke. Die Aussprache im Rat mĂŒsse dazu dienen, weiter Vertrauen aufzubauen.

Die Minister wollen mit ihrem Treffen den EU-Gipfel am 20. und 21. MĂ€rz vorbereiten, wo auch der Klimaschutz auf der Tagesordnung steht. „Wir brauchen ein deutliches Signal in Richtung der internationalen Staatengemeinschaft, dass die EU sich beim Klimaschutz an die Spitze stellt“, forderte Tschimpke. Die Umwelt- und Energieminister sollten sich daher dem Votum des EU-Parlaments vom Januar anschließen, neben Einsparungen von 40 Prozent bei Treibhausgasemissionen auch den Anteil der erneuerbaren Energien um 30 Prozent zu erhöhen und erstmals ein festes Ziel von 40 Prozent Energieeinsparung fĂŒr das Jahr 2030 festzulegen.

Klarheit sollte auch in der Frage herrschen, welche BeitrĂ€ge die einzelnen Mitgliedsstaaten zum Erreichen der EU-Ziele leisten sollen. „Es mĂŒssen Verbindlichkeiten geschaffen werden. Der Ansatz der EU-Kommission, jedes Mitgliedsland solle melden, was es zu tun gedenkt und am Ende schaut man mal, was unter dem Strich dabei herauskommt, ist zu wenig“, kritisierte NABU-Energieexperte Ulf Sieberg. Deutschland sei gefordert, als Vorreiter in Sachen Energiewende anderen Mitgliedsstaaten finanziell und technologisch unter die Arme zu greifen. Bereits in diesem FrĂŒhjahr mĂŒsse der Weg fĂŒr den Erfolg eines neuen globalen Weltklimaabkommens geebnet werden, das 2015 dann auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Paris beschlossen werden soll.
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NABU fordert strenge Strafe fĂŒr geplanten illegalen Wolfsfang
Prozess vor Amtsgericht Zossen beginnt

Zum Start des Prozesses um zwei illegale Fanganlagen vor dem Amtsgericht Zossen fordert der NABU strenge Strafen. Angeklagt ist der GeschĂ€ftsfĂŒhrer eines privaten Forstgutes. In dem Forstgut werden zahlreiche Schalenwildarten, insbesondere Rothirsche und Mufflons gehalten. Der NABU geht davon aus, dass störende Wölfe beseitigt werden sollten. Im Winter 2011/2012 wurden in Brandenburg, im Raum Baruth-JohannismĂŒhle (Landkreis Teltow-FlĂ€ming) zwei Zaunanlagen gefunden, die nach EinschĂ€tzung des NABU allein dazu angelegt worden waren, um illegal Wölfe zu fangen. Dies ist nach § 71 Bundesnaturschutzgesetz verboten. Weiterhin wird damit gegen den Tierschutz, das Jagd- und Forstrecht verstoßen.

Dabei handelt es sich um zwei Zaunanlagen von etwa drei Metern Höhe und einer FlĂ€che von mehreren hundert Quadratmetern. In beiden Anlagen wurden jeweils drei Schafe gehalten. Es waren EingĂ€nge von ca. ein Meter Höhe in der Art eingebaut, dass ein um den Zaun laufender Wolf in eine Schleuse gelangen und schließlich aus der Anlage nicht mehr entkommen könnte. Der Zaun war entsprechend der Schutztechnik fĂŒr Herdenschutz gegen Wölfe mit einem Untergrabungsschutz versehen. Ein Wolf wĂ€re damit dem Betreiber der Anlage hilflos ausgeliefert gewesen.

Es wĂ€re auch denkbar gewesen, dass sich freilaufende Hunde in diese Fanganlagen verirren, was ebenso gegen das Tierschutz -und Jagdrecht verstoßen wĂŒrde. Die Behauptung jedoch, man wĂŒrde mit diesen Anlagen wildernde Hunde fangen wollen, wĂ€re aus NABU-Sicht unsinnig, weil Übergriffe von Hunden auf Wild in Brandenburg selten und maximal sporadisch auftreten. Aus Sicht des NABU ist der illegale Fang von Wölfen nicht nur billigend in Kauf genommen worden, sondern war gezielt die Funktion der Anlage. NABU-Wolfsexperte Markus Bathen: „In dieser Anlage vereinigten sich die Erfahrungen aus historischen Wolfsfanganlagen mit den neuesten Erkenntnissen, wie ZĂ€une beschaffen sein mĂŒssen, um fĂŒr Wölfe unĂŒberwindbar zu sein. Sinn und Zweck der Anlage war allein der Fang von Wölfen.“

Seit 2007 ist das Vorkommen von Wölfen in dieser Region nachweislich belegt. Im August 2007 wurde in der benachbarten Rochauer Heide ein illegal erschossener Wolf gefunden. Ein TĂ€ter konnte nie ermittelt werden. Wölfe sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschĂŒtzte Tierart. Eine Nachstellung ist nach § 71 Bundesnaturschutzgesetz verboten und kann mit einer Strafe bis zu fĂŒnf Jahren Haft oder bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
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