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Freitag, 23. August 2019
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Verschiedenes

 
Eingeschleppte Raupe gefÀhrdet Weltnaturerbegebiet Westkaukasus
Invasion des BuchsbaumzĂŒnslers bedroht einzigartige Tier- und Pflanzenwelt

Nach den olympischen Winterspielen in Sotschi sieht sich das UNESCO-Weltnaturerbegebiet Kaukasus mit einer neuen Bedrohung konfrontiert: NABU-Mitarbeiter stellten in den WĂ€ldern einen dramatischen Befall durch den BuchsbaumzĂŒnsler (Cydalima perspectalis) fest. "Die Schmetterlingsraupen sind Neophyten und entlauben die BuchsbĂ€ume innerhalb kĂŒrzester Zeit. Im gesamten Kaukasus drohen ganze Naturkomplexe mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna zu verschwinden", sagte NABU-VizeprĂ€sident Thomas Tennhardt. Der NABU vermutet, dass das Auftreten des Schmetterlings auf die Vorbereitungen zu den olympischen Winterspielen in Sotschi zurĂŒckzufĂŒhren ist und fordert nun die Schaffung von Reservaten fĂŒr den Erhalt von BuchsbaumwĂ€ldern im Kaukasus.

NABU-Mitarbeiter, die das Ausmaß des Befalls wĂ€hrend des Waldmonitorings feststellten, nehmen an, dass zur BegrĂŒnung der Anlagen befallene Pflanzen aus Italien eingefĂŒhrt wurden. Seit 2013 sei insbesondere der SĂŒdhang des Welterbegebietes an der SchwarzmeerkĂŒste, seit wenigen Monaten jedoch auch zunehmend der Nordhang massiv von den Raupen befallen. "Die WĂ€lder auf dem SĂŒdhang des Großen Kaukasus wurden bereits auf ĂŒber 100 Kilometer stark beschĂ€digt, auf den BuchsbĂ€umen ist mitunter kein einziges Blatt mehr verblieben", sagte Vitalij Kovalev, Leiter des NABU-Kaukasusprogramms. "Mittlerweile ist die herausragende Artenvielfalt des Gebietes gefĂ€hrdet, da sich der starke Befall im Weltnaturerbegebiet auch auf NaturwĂ€lder und eiszeitlichen Relikte ausbreitet", so Kovalev weiter. Die russischen Behörden und Fachleute sind von der beispiellos schnellen Verbreitung ĂŒberrascht und benötigen daher dringend internationale UnterstĂŒtzung bei der BekĂ€mpfung des eingeschleppten SchĂ€dlings.

Das Welterbegebiet Westkaukasus ist ein Naturraum mit einer FlĂ€che von etwa 300.000 Hektar und in seiner UrsprĂŒnglichkeit und Einzigartigkeit von unschĂ€tzbarem Wert. Es ist der einzige, weitestgehend unbeeinflusst gebliebene Hochgebirgskomplex dieser GrĂ¶ĂŸe in Europa und Westasien. Der NABU setzt sich seit Anfang der 1990er Jahre fĂŒr Mensch und Natur im Nordwestkaukasus ein. Den Erhalt des global bedeutsamen Naturerbes im Westkaukasus sieht der Verband als eine große Herausforderung und internationale Verpflichtung.

Hintergrund zum BuchsbaumzĂŒnsler:
Der aus dem östlichen Asien stammende Kleinschmetterling wurde Anfang des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeschleppt und hat sich seitdem in rund 20 europÀischen Staaten ausgebreitet. In Deutschland wurde er erstmals im Jahre 2006 nachgewiesen und wurde zu einer regelrechten Plage in zahlreichen GÀrten.
 
 

Shop den Wald!
 
Shop den Wald!

 heißt das Motto eines neuen Supermarktes in Deutschland.

Exklusiv von der Ideen-Expo Hannover ins WaldHaus nach Freiburg

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) hat das breite Angebot an
GeschÀften in Deutschland mit einem Wald-Supermarkt ergÀnzt. Der WaldSupermarkt
macht nach der Ideen-Expo in Hannover nun Station im WaldHaus
Freiburg. Dort kann in den Sommerferien mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr
kostenlos der Einkaufskorb gefĂŒllt werden.

Wer den Shop im WaldHaus besucht, hat die Aufgabe unter zig Produkten diejenigen
in den Einkaufskorb zu legen, die aus dem Wald kommen. Beim anschließenden
Scannen der Ware an der Kasse erfahren die „Kunden“, ob sie richtig gelegen
haben. In einem Quiz können sie dann ihr Wissen zu den Produkten erweitern und
Zusatzpunkte gewinnen. Wer weiß schon, was Kaugummi, FußbĂ€lle und
Wimperntusche mit dem Wald zu tun haben? Oder aus welchen Regionen der Erde
die Rohstoffe fĂŒr diese Produkte stammen? Wie in einem richtigen Supermarkt
erhalten die Kunden am Ende einen Kassenbon mit ihrer Punktzahl. Hier heißt das
Spiel nicht „Wer wird MillionĂ€r?“, sondern „Wer wird Wald-Meister?“.

„Die Besucherinnen und Besucher sind absolut ĂŒberrascht, wie viele Produkte des
tÀglichen Konsums aus dem Wald oder von Waldprodukten stammen. Gleichzeitig
wird deutlich, wie wichtig es ist, die WĂ€lder weltweit zu erhalten und zu schĂŒtzen“,
erlĂ€utert Markus MĂŒller, Leiter des Waldhauses. Alle sind herzlich eingeladen, den
Waldshop auszuprobieren.

Die interaktive Ausstellungseinheit „Shop den Wald!“ wurde vom Bundesministerium
fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft gefördert.
 
 

 
Faltblatt „Hunde im Naturschutzgebiet“
Um rĂŒcksichtsvolles Verhalten in Naturschutzgebieten wirbt das
Umweltschutzamt seit ein paar Wochen mit einem neuen
Informationsfaltblatt bei Hundebesitzerinnen und -besitzern. Das
Faltblatt „Hunde im Naturschutzgebiet“ informiert ĂŒber Regeln, die
aus Sicht des Natur- und Artenschutzes von Hundebesitzenden
beim AusfĂŒhren ihrer Vierbeiner in Naturschutzgebieten zu
beachten sind und erklĂ€rt die GrĂŒnde dafĂŒr.

Naturschutzgebiete sind in der Kategorie der Schutzgebiete die
bedeutendste und strengste in Deutschland. Der Schutz von Tierund
Pflanzenarten samt ihrer LebensrÀume hat hier absoluten
Vorrang. In den Verordnungen zu den Freiburger
Naturschutzgebieten ist zum Schutz der wildlebenden Tiere und
Pflanzen geregelt, dass Hundehaltende ihre Vierbeiner anleinen
mĂŒssen. Vor allem in der Brut- und Aufzuchtszeit sind
freilaufende und stöbernde Hunde eine Gefahr fĂŒr viele
Vogelarten. Durch die stöbernden Hunde werden bodenbrĂŒtende
Vögel aufgeschreckt. Sie lassen das Nest zurĂŒck und ihre Jungen
werden zur leichten Beute fĂŒr NestrĂ€uber. Auch im Winter zehren
die permanenten Störungen durch freilaufende Hunde enorm an
den ĂŒberlebensnotwendigen Fettreserven vieler Wildtiere. Aber
nicht nur fĂŒr Wildtiere sind freilaufende Hunde ein Problem. Ihre
Hinterlassenschaften dĂŒngen und verunreinigen Wiesen und
Weiden, was bestimmte seltene Pflanzenarten zurĂŒckdrĂ€ngt und
zu Problemen bei der Verwertung der Heuernte fĂŒhren kann.

Das Informationsfaltblatt will bei den Hundebesitzenden fĂŒr eine
umsichtige naturvertrÀgliche Nutzung der Freiburger
Naturschutzgebiete werben. Er liegt beim BĂŒrgeramt, bei den
Servicestellen fĂŒr Hundesteuer, bei den Ortsverwaltungen und
beim Umweltschutzamt aus. ZusÀtzlich werden die
Naturschutzwarte, die sich ehrenamtlich an der Betreuung der
Naturschutzgebiete beteiligen, das Faltblatt zur AufklÀrung von
Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern vor Ort nutzen.

Wo die insgesamt sieben Naturschutzgebiete in Freiburg liegen,
ist der Karten auf dem Faltblatt zu entnehmen.
 
 

 
NABU: Fehmarnbelt-Querung rĂŒckt in weite Ferne
Verzögerung ist weiterer Sargnagel fĂŒr Mammutvorhaben

Mit der am heutigen Donnerstag angekĂŒndigten, neuerlichen Verzögerung bei der Fehmarnbelt-Querung steigt aus NABU-Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass das Vorhaben niemals realisiert werden wird. Die erneute Verzögerung hatte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer nach einem Treffen mit dem dĂ€nischen Minister Hans Christian Schmidt signalisiert.

NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller: „Das ist eine gute Nachricht fĂŒr den ökologisch sensiblen Fehmarnbelt. Die neuerliche Verzögerung ist ein weiterer Sargnagel fĂŒr das infrastrukturell ĂŒberflĂŒssige und ökologisch höchst riskante Vorhaben. Je schneller das Projekt jetzt endgĂŒltig begraben wird, desto besser fĂŒr die Natur und Umwelt und die Menschen in der betroffenen Region Ostholstein.“

Im Jahr der Unterzeichnung des Staatsvertrages 2008 zwischen Deutschland und dem Königreich DĂ€nemark sei die Eröffnung der Fehmarnbelt-Querung fĂŒr 2015 prognostiziert worden, die Kosten hĂ€tten allein fĂŒr die damals noch geplante BrĂŒckenkonstruktion bei 4,2 Milliarden Euro gelegen. Laut letzter KostenschĂ€tzung kostet das Vorhaben bei stagnierenden Verkehrsprognosen 7,4 Milliarden Euro und kommt nunmehr aller Wahrscheinlichkeit eine ganze Dekade spĂ€ter.
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NABU veröffentlicht Jahresbericht 2014
560.000 Mitglieder und Förderer

Biologische Vielfalt in der Dauerkrise - Schlechter Zustand der Agrarlandschaft - EU-Naturschutz stÀrken

Der NABU ist auch 2014 weiter gewachsen. Mit 560.000 Mitgliedern und Förderern (Vorjahr: 540.000) bleibt der NABU der mitgliederstĂ€rkste deutsche Umweltverband. Der NABU erzielte gegenĂŒber dem Vorjahr ĂŒber acht Prozent mehr an Einnahmen und konnte 34,9 Millionen Euro fĂŒr den Natur- und Umweltschutz ausgeben.

„Der Natur- und Umweltschutz liegt vielen Menschen am Herzen, das zeigt die ausdauernde und wachsende UnterstĂŒtzung unserer Mitglieder und Förderer und das große ehrenamtliche Engagement im NABU“, sagte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke bei der Vorstellung des Jahresberichts in Berlin. Die wichtige Basis des NABU bleibt die ehrenamtliche Naturschutzarbeit vor Ort: in ĂŒber 2.000 Gruppen setzen sich 37.000 NABU-Mitglieder ehrenamtlich fĂŒr Natur- und Artenschutz ein.

„Trotz der Begeisterung vieler Menschen fĂŒr die Umwelt, befindet sich die biologische Vielfalt in der Dauerkrise“, so Tschimpke. Die Bundesregierung selber habe sich Anfang dieses Jahres ein schlechtes Zeugnis mit der Vorstellung des aktuellen Indikatorenberichtes zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ausgestellt. Zwischen Ist-Zustand und Ziel klafften breite LĂŒcken. Inzwischen sei jede dritte in Deutschland untersuchte Art gefĂ€hrdet, so das Ergebnis des Artenschutzberichtes des Bundesamtes fĂŒr Naturschutz (BfN). Auch innerhalb der gesamten EuropĂ€ischen Union gelten 77 Prozent der Ökosysteme als geschĂ€digt.

Sorgen machten NaturschĂŒtzern vor allem die Arten der Agrarlandschaft, wo BestandsgrĂ¶ĂŸen mehrerer Vogelarten wie Kiebitz oder Feldlerche bei nur knapp ĂŒber 50 Prozent der fĂŒr 2015 angestrebten Werte lĂ€gen. „Die EU-Agrarpolitik trĂ€gt immer noch maßgeblich zum Artenverlust bei. Wir brauchen ein Umsteuern zu mehr Naturschutz in der Landwirtschaft. Ferner hapert es bei der Umsetzung, Durchsetzung und Finanzierung. Dies gilt fĂŒr Natura 2000, dem inzwischen grĂ¶ĂŸten Schutzgebietsnetz der Welt, aber auch außerhalb von Schutzgebieten“, so Tschimpke. Hier seien vor allem die Landesregierungen in der Pflicht.

Der NABU begrĂŒĂŸte, dass sich die Bundesregierung in einem Schreiben Anfang Juli an EU-Umweltkommissar Vella fĂŒr eine Beibehaltung der EU-Naturschutzrichtlinien ausgesprochen hat. In seinem Engagement fĂŒr die beiden Richtlinien und Natura 2000 sieht sich der NABU auch in der ĂŒberwĂ€ltigenden Resonanz auf eine EU-BĂŒrgerbefragung bestĂ€rkt. Mehr als eine halbe Million Menschen und mindestens 94 Prozent aller Teilnehmer Ă€ußerten darin ihr UnverstĂ€ndnis ĂŒber die von EU-KommissionsprĂ€sident Juncker angekĂŒndigten Änderungen der Naturschutzrichtlinien. „Wir brauchen keine Neuverhandlung, die in einer massiven SchwĂ€chung des Arten- und Naturschutzrechts enden könnte, sondern endlich die konsequente Umsetzung des EU-Naturschutzrechts“, so Tschimpke.

Die internationale Arbeit des NABU war im vergangenen Jahr insgesamt erfolgreich: So konnte das erste große, von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) geförderte Projekt im indonesischen Harapan-Regenwald mit der Wiederherstellung von 100.000 Hektar Tieflandregenwald abgeschlossen werden.

Ein weiteres Kernthema des NABU ist die naturvertrĂ€gliche Energiewende. Zwar hat die Bundesregierung auf Initiative des NABU das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende auf den Weg gebracht mit dem Ziel, zur Versachlichung der Debatten und zur Vermeidung von Konflikten vor Ort beizutragen. Aufgrund zahlreicher bĂŒrokratischer HĂŒrden und Unklarheiten zur TrĂ€gerschaft kommt das Projekt allerdings weiterhin nur schleppend voran.

Insgesamt blieb die Energie- und Klimapolitik der Großen Koalition hinter den Erwartungen zurĂŒck – auch mit Blick auf das globale Klimaschutzabkommen, das im Dezember in Paris verhandelt werden soll. „Der SchlĂŒsselfaktor fĂŒr eine naturvertrĂ€gliche Energiewende, die Energieeffizienz, wurde bislang strĂ€flich vernachlĂ€ssigt“, so Tschimpke. Das „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ und der „Nationale Aktionsplan Energieeffizienz“, seien zwei wesentliche MaßnahmenplĂ€ne, um die selbstgesteckten Klimaschutzziele bis zum Jahr 2020 noch zu erreichen. Die Programme krankten noch immer an ihrer „HĂ€tte-Könnte-Sollte“- Formulierung. Negative Beispiele seien die steuerliche Förderung von GebĂ€udesanierungsmaßnahmen, die aufgrund von lĂ€nderspezifischen Partikularinteressen vom Tisch sei, sowie der kĂŒrzlich von Bundeswirtschaftsminister Gabriel geforderte und anschließend gekippte Klimaschutzbeitrag. Dieser hĂ€tte die notwendige CO2-Minderung im Stromsektor erbracht, und das zu einem Bruchteil der Kosten der zĂ€h ausgehandelten KapazitĂ€tsreserve durch Braunkohlekraftwerke, die sich wahrscheinlich nicht mal mit EU-Beihilferecht vereinbaren lĂ€sst. Der NABU spricht sich weiterhin fĂŒr ein klares Verbot der Fracking-Technologie in Deutschland aus.

Neben dem Moorschutz bleiben die Fortschreibung des Nationalen Naturerbes und die Renaturierung der Unteren Havel Schwerpunkte der Verbandsarbeit. Im Jahr 2005 hatte der NABU an der Unteren Havelniederung das grĂ¶ĂŸte europĂ€ische Projekt zur Renaturierung eines Flusses gestartet. Nach mehreren Jahren der Vorbereitung und Planung konnte jetzt mit den praktischen Arbeiten begonnen werden. In den kommenden Jahren soll der Fluss auf 90 Kilometern LĂ€nge seine einstige Vielfalt zurĂŒckerobern. Der NABU werde sich auch weiter verstĂ€rkt fĂŒr den Schutz und die Schaffung naturnaher GewĂ€sser und Auen engagieren, damit diese wieder ihre Funktionen fĂŒr den Natur- und Hochwasserschutz erfĂŒllen könnten. So mĂŒsse das auf Initiative des NABU vereinbarte Bundesprogramm Blaues Band noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden, so Tschimpke. Im Fokus stĂ€nden die 7300 Kilometer Bundeswasserstraßen, wo aus Naturschutzsicht ein besonderer Handlungsbedarf bestehe.

Im Mittelpunkt der Öffentlichkeitsarbeit des gesamten Verbandes steht die im FrĂŒhjahr gestartete NABU-Imagekampagne. Unter dem Motto „Wir sind, was wir tun. Die Naturschutzmacher.“, will der NABU Menschen fĂŒr die Natur und den Naturschutz begeistern.
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NABU-Storchenbilanz: Im Westen gut, im Osten trĂŒb
SpĂ€te RĂŒckkehr und Trockenheit sorgen fĂŒr wenig Nachwuchs im storchenreichsten Bundesland

In diesen Tagen macht sich der diesjĂ€hrige Storchennachwuchs auf seine erste lange Reise in die sĂŒdlichen Winterquartiere. Die Elterntiere gönnen sich noch ein paar Tage Ruhe, bevor auch sie folgen. Die StorchenschĂŒtzer des NABU ziehen eine erste Bilanz: „Wie schon in den Vorjahren entwickeln sich die StorchenbestĂ€nde im Osten und Westen der Bundesrepublik sehr unterschiedlich“, so Christoph Kaatz von der NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorchenschutz. WĂ€hrend man in den westlichen BundeslĂ€ndern Zunahmen verzeichnete, gĂ€be es in den Hauptverbreitungsgebieten des Weißstorches östlich der Elbe leichte BestandsrĂŒckgĂ€nge.

Dabei begann die Brutsaison bundesweit vielversprechend: Wie gewohnt kamen die Tiere, die in Spanien ĂŒberwinterten, schon sehr zeitig in ihre Brutgebiete zurĂŒck. Auch die ersten Ostzieher waren bereits Anfang April wieder in ihren ostdeutschen Brutgebieten angekommen. Danach jedoch wurden die noch ziehenden Weißstörche durch ungĂŒnstige Witterung auf ihrer Reise behindert. So kamen letztendlich doch viele erst spĂ€t in ihre Nester zurĂŒck. „Zu spĂ€t, um noch mit einer erfolgreichen Brut zu starten“, so Kaatz.

„In Brandenburg zog ein Storchenpaar im Schnitt weniger als zwei Jungtiere groß“, meldete Landesbetreuer Bernd Ludwig. Dies reiche in Deutschlands storchenreichstem Bundesland in diesem Jahr nicht zum Bestandserhalt aus. Hinzu komme, dass durch die enorme Ausweitung des großflĂ€chigen Mais-, Raps- und Sonnenblumenanbaus in Brandenburg der Lebensraum der Weißstörche ohnehin immer kleiner wird. In Westdeutschland hingegen war die Witterung fĂŒr die Störche gut und ein sogenanntes „MĂ€usejahr“ sorgte fĂŒr viel Futter, so dass hier ĂŒberdurchschnittlich viele Jungstörche in den Nestern groß wurden.

Im vergangenen Jahr brĂŒteten allein in Brandenburg 1.400 Paare, in Deutschland insgesamt ĂŒber 6.100 Weißstorchpaare. „So viele werden es in diesem Jahr allerdings nicht“, sagte Kaatz. Die endgĂŒltigen Zahlen liegen zum Jahresende vor.

Auch die ersten besenderten NABU-Störche haben ihre Reise in den SĂŒden angetreten: Mit Hilfe der Satelliten-Telemetrie kann der Storchenzug von Adele, Gustav, Michael, Ronja und Junior in einer interaktiven Karte verfolgt werden. Außerdem analysiert und kommentiert NABU-Storchenexperte Kai-Michael Thomsen die Daten im neuen NABU-Blog „Störche auf Reisen“.
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NABU: Projekt Fehmarnbeltquerung endgĂŒltig beenden
Steuerzahler entlasten und ökologisches Desaster fĂŒr Ostsee vermeiden

Der NABU hat seine Kritik am Projekt der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) am heutigen Freitag erneuert. Hintergrund sind aktuelle Berichte, dass DĂ€nemark wegen Verzögerungen auf deutscher Seite mit einem endgĂŒltigen Ja zum Fehmarnbelttunnel zögert.

Dazu erklĂ€rt NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller: „Der Zeitpunkt ist gekommen, das Projekt ohne große SchĂ€den fĂŒr den Steuerzahler endgĂŒltig zu beenden und damit ein ökologisches Desaster fĂŒr die gesamte Ostsee zu vermeiden. Angesichts der ungeklĂ€rten Fragen der EU-Fördermittel, ausufernder Kosten und völliger Unklarheit, wie die deutsche Hinterlandanbindung realisiert werden soll, wĂ€re es kaum verwunderlich, dass zuletzt auch der RĂŒckhalt fĂŒr die FFBQ auch in DĂ€nemark schwindet.“
 
 

Todesfalle Stromleitung
Getöteter Stroch an einem Strommast / Foto: U. Seidel
 
Todesfalle Stromleitung
Ungesicherte Masten gefÀhrden Jungstörche

Zahlreiche Netzbetreiber ignorieren gesetzliche Vorgabe

Der NABU befĂŒrchtet in diesem Jahr viele tote Jungvögel durch ungesicherte Stromleitungen. Allein in den vergangenen vier Wochen wurden sechs tote Weißstörche gemeldet, die an Verbrennungen von StromschlĂ€gen starben. „Jeder einzelne Tod dieser seltenen Vögel hĂ€tte verhindert werden können, wenn die Energieversorger ihrer Verpflichtung nachgekommen wĂ€ren, die Masten vogelsicher zu machen. Bereits Ende 2012 ist die zehnjĂ€hrige gesetzliche Übergangszeit zur NachrĂŒstung abgelaufen. Doch weil an vielen Orten die Kontrollen fehlen, ignorieren zahlreiche Energieversorger die Auflagen oder setzen immer noch wirkungslose Schutzvorrichtungen ein“, sagte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke.

Wie viele Vögel jedes Jahr in Deutschland durch StromschlĂ€ge an ungesicherten Mittelspannungsleitungen und Oberleitungen der Bahn sterben, ist unbekannt. Bundesweit gibt es kein einheitliches System zur Erfassung. In den meisten FĂ€llen handelt es sich um Zufallsfunde durch ehrenamtliche NaturschĂŒtzer, wenn sie in ihrem Umfeld Stromleitungen kontrollieren. Allein fĂŒr Brandenburg weist die Staatliche Vogelschutzwarte 353 Weißstörche nach, die in den vergangenen 20 Jahren an Verbrennungen von StromschlĂ€gen starben.

„Sehr viele Stromschlagopfer werden gar nicht gefunden. Deswegen mĂŒssen wir leider von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen und schĂ€tzen, dass tausende Großvögel in den vergangenen drei Jahren auf diese Weise getötet wurden. Dabei sollte die Zahl eigentlich lĂ€ngst bei null liegen. Um dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen, mĂŒssen die Naturschutzbehörden der BundeslĂ€nder die Masten in ihren Regionen endlich systematischer auf fehlende NachrĂŒstung hin kontrollieren“, so der NABU-PrĂ€sident. SpĂ€testens zum 1. Januar 2013 hĂ€tten alle Energieversorger ihre nicht und bisher unzulĂ€nglich gesicherten Masten entschĂ€rfen mĂŒssen. Zu den verpflichtenden Neuerungen gehören statt den wirkungslosen BĂŒschelabweisern Abdeckungen ĂŒber den Isolatoren und Ummantelungen der abgehenden Leitungen.

Über 50 Prozent aller gemeldeten Opfer sind Weißstörche, da sie auf den Masten schlafen oder gar brĂŒten. Auch fĂŒr Greifvögel und Eulen (33 Prozent) werden ungesicherte Masten zur tödlichen Gefahr, wenn sie einen als Sitzwarte auswĂ€hlen, darunter seltene Arten wie Rotmilane, Uhus oder sogar Steinadler.

Doch nicht nur an ungesicherten Mittelspannungsmasten lauern Gefahren fĂŒr Vögel. Auch an Hochspannungsleitungen sterben zahlreiche Tiere. Vor allem wenn die Leitungen durch Vogelrastgebiete fĂŒhren oder entlang von wichtigen Vogelzugkorridoren liegen. Mehrere Einzelstudien wiesen nach, dass dort pro Leitungskilometer mehrere hundert Vögel im Jahr durch Kollisionen ums Leben kommen können. Besonders betroffen sind Störche, Kraniche, Wasservögel, WiesenbrĂŒter und SchwĂ€rme von Kleinvögeln. Sie können die Entfernung zu den Leitungen nicht richtig einschĂ€tzen oder erkennen sie zu spĂ€t, sind zu schnell oder unwendig, um auszuweichen.

Daher mĂŒssen bei den vielen derzeit neu geplanten Trassen vogelreiche Gebiete möglichst umgangen werden. ZusĂ€tzlich können spezielle Markierungen am besonders schlecht zu sehenden Blitzschutzkabel ĂŒber den Leitern die Kollisionsgefahr um bis zu 90 Prozent verringern. Doch diese speziellen Markierungen werden von den Behörden noch zu selten eingefordert. „Netzbetreiber sind bei Neubauprojekten verpflichtet, die verursachten UmweltbeeintrĂ€chtigungen zu kompensieren. Also sollten auch Bestandsleitungen in Gebieten mit hohem Vogelaufkommen nachgerĂŒstet werden“, sagt Eric Neuling, NABU-Stromnetzexperte.

Der NABU fordert beim Ausbau der Stromnetze stĂ€rker auf Erdkabel zu setzen. Sie entlasten nicht nur die Anwohner, sondern verringern negative Auswirkungen auf die Vogelwelt. „Doch da auch Erdkabel Umweltprobleme mit sich bringen, beispielsweise durch die Verlegung in WĂ€ldern, wĂ€re die beste Lösung weniger Strom zu verbrauchen. Durch Stromsparen und eine höhere Energieeffizienz könnten auf zahlreiche Kilometer Leitungen verzichtet werden“, so Neuling.
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