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Dienstag, 21. August 2018
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Verschiedenes

Bioökonomie – kapital am gedeihen
 
Bioökonomie – kapital am gedeihen
iz3w - Zeitschrift zwischen Nord und SĂĽd | Ausgabe 368
September/Oktober 2018)

Gibt es ein Leben nach der Erdölgesellschaft? Ja, sagen die AkteurInnen der Bioökonomie. Bioökonomie – das ist die Idee, fossile und andere umweltschädliche Stoffe durch biogene zu ersetzen. Also durch solche, die wachsen und nachwachsen.

Bioökonomischen Entwicklungen setzen schon jetzt weltweit Veränderungen in Gang. Dies birgt auch Gefahren: Die private Aneignung von Wissen, das intensivierte Ausquetschen von Ökosystemen, der Verlust biologischer Vielfalt und die Marginalisierung sozialökologisch gerechter Modelle gehören zu den möglichen Folgen. Globale Verteilungsgerechtigkeit droht auf der Strecke zu bleiben.

Im Themenschwerpunkt unserer aktuellen Ausgabe werfen wir daher einen kritischen Blick auf neue Entwicklungen in der Bioökonomie: Werden biobasierte Produkte den globalen Konsum um eine hübsche grüne Produktpalette erweitern, während sonst alles so erdölgeschmiert läuft wie bisher? Welche Rolle spielen Deutschland und die EU als Wegbereiter der Bioökonomie? Und welche sozialen und ökologischen Auswirkungen hat sie auf Länder des globalen Südens?
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NABU verfolgt Vogelzug ĂĽber die ISS
Besenderte Turteltauben sind Teil des ICARUS-Projekts zur globalen Beobachtung von Tierwanderungen aus dem All

Berlin/ISS – An der Internationalen Raumstation (ISS) wird heute die Antenne für die Satellitentelemetrie-Empfänger der 2002 gegründeten ICARUS-Initiative (International Cooperation for Animal Research Using Space) installiert. Damit wird es weltweit erstmals möglich sein, globale Wanderbewegungen auch kleinerer Tiere mit einem Satellitensystem in hoher Auflösung zu erfassen. Auch vom NABU besenderte Turteltauben liefern demnächst Daten über die ISS.

Der NABU besendert seit 2016 gemeinsam mit seinem maltesischen Partnerverband BirdLife Malta und in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen Turteltauben. „Die Art ist die einzige ziehende und international gefährdete Taubenart Mitteleuropas. Turteltauben werden im gesamten Mittelmeerraum auf dem Zug zu Hunderttausenden legal und illegal abgeschossen, obwohl sie bereits durch den Lebensraumverlust in ihren europäischen Brutgebieten sehr selten geworden sind“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Sechs Vögel wurden dafür in deutschen Brutgebieten in Hessen und Brandenburg besendert. Die ICARUS-Sender wurden am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell entwickelt. „Wir erhoffen uns Klarheit darüber, welchen Zugweg die heimischen Vögel wählen, damit wir unsere Schutzbemühungen an den Rastplätzen gezielt ausrichten und wissenschaftlich abgesicherte Vogelschutzforderungen an die EU-Kommission stellen können“, so Miller weiter.

„Von fünf in 2016 und 2017 auf Malta besenderten Turteltauben haben wir enorm wichtige Informationen erhalten, etwa wo Turteltauben die Sahara überqueren und welche Lebensräume sie in der Sahelzone als Überwinterungsquartiere nutzen, ebenso zur Dauer und Entfernung der einzelnen Flugetappen“, so Petra Quillfeldt, die mit ihrer Arbeitsgruppe an der Justus-Liebig-Universität in Gießen am Forschungsprojekt beteiligt ist. „Die sechs nun besenderten Vögel werden uns Hinweise dazu liefern, ob in Deutschland brütende Turteltauben unterschiedliche Zugrouten wählen, aber auch, wie groß ihre Aktionsräume im Brutgebiet sind.“

Milliarden Zugvögel, Fledermäuse, Fische, Schmetterlinge und Meeressäuger legen große Wanderungen zwischen den Kontinenten zurück. Mit dem ICARUS-Projekts können nicht nur die Zugbewegungen der Tiere erfasst werden, sondern auch die Verbreitung von durch Tieren übertragene Krankheiten sowie Auswirkungen des Klimawandels. Außerdem könnten die Daten genutzt werden, um Naturkatastrophen vorherzusagen, indem Tiere beobachtet werden, die auf solche Ereignisse sensibel reagieren.
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NABU: Ackerhummel auf Platz eins beim Insektensommer im August
Zählen, was zählt - Bienen und Schmetterlinge unter den Top Ten  

Berlin – Die Ackerhummel führt aktuell die Liste der am häufigsten gemeldeten Insekten bei der NABU-Aktion „Insektensommer“ im August an, gefolgt vom Kleinen Kohlweißling, Honigbiene, Gemeiner Wespe und Erdhummel. Unter den Top Ten der am häufigsten gemeldeten Insekten im Hochsommer sind fünf Bienenarten und vier Schmetterlinge, darunter mit dem Taubenschwänzchen ein Wanderfalter aus dem Mittelmeerraum, der immer häufiger bei uns anzutreffen ist. Mit dem „Insektensommer“ will der NABU auf die enorme Bedeutung von Insekten aufmerksam machen. Diese Tiergruppe ist stark gefährdet und am wenigsten erforscht. Jeder kann mithelfen, Daten zur Artenvielfalt und Häufigkeit der Insekten zu sammeln. In Deutschland gibt es etwa 33.000 Insektenarten. Über die meisten liegen noch keine Daten vor.

„Der häufigste Beobachtungsort bleibt der Garten, gefolgt von Balkon und Park. Vor allem die aktuell fliegenden Insekten wie Schmetterlinge, Hummeln, Bienen, Wespen und Fliegen – die als ausgewachsene Tiere im Hochsommer unterwegs sind – werden besonders wahrgenommen“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Offensichtlich beobachten die Menschen gerne, was in der unmittelbaren Umgebung krabbelt und flattert. Erfreulich sei das große Interesse an der NABU-App „Insektenwelt“, die über 100.000 Mal heruntergeladen wurde. Sie ist kostenfrei unter www.NABU.de/apps erhältlich und bietet ausführliche Insektenporträts der 122 bekanntesten Arten, die in Deutschland vorkommen. Wer über die App meldet, hat es besonders leicht: Sie erkennt diese Tiere automatisch. Einfach das Insekt mit dem Smartphone fotografieren, identifizieren und melden.

Warum die Ackerhummel aktuell Platz eins belegt, kann ähnliche Gründe haben, wie bereits bei der Juni-Zählung, wo die Steinhummel – eine typische Art für den Frühsommer – vorne lag. „Große Blütenbesucher werden eher wahrgenommen. Sie fliegen Blüten gezielt und beständig an. Die Ackerhummel ist sehr anpassungsfähig. Sie besiedelt Wiesen, Straßen-, Weg- und Feldränder sowie Gärten und Parks in urbanen Gebieten“, so NABU-Insektenexpertin Daniela Franzisi. Hummeln seien insgesamt bedeutend für die Bestäubung von Tomaten, Paprika, Auberginen, Gurken und Obst.

Diesen Sommer seien viele Taubenschwänzchen unterwegs. Der Schmetterling aus dem Mittelmeerraum, der einem Kolibri gleich von Blüte zu Blüte schwirrt, belegt derzeit Rang acht. „Taubenschwänzchen sind Wanderfalter, die immer wieder - und immer öfter - zu uns kommen. Beinahe jährlich wandern neben Zugvögeln auch Schmetterlinge aus Südeuropa bei uns ein. Sind wie aktuell die klimatischen Bedingungen in unseren Breiten denen südlich der Alpen sehr ähnlich, können wir sie auch bei uns beobachten“, so Franzisi. Taubenschwänzchen lieben kelchige Balkonblumen wie Geranien, Fuchsien oder Petunien. Aber auch Sommerflieder oder Phlox in Gärten sowie Schmetterlingsblütler wie Rotklee und Luzerne auf Äckern und Wiesen locken die mit langen Saugrüsseln ausgestatteten sirrenden Tiere an.

Für Juni und August sind bislang 7.000 Meldungen beim NABU eingegangen. Beobachtungen können noch bis zum 19. August online oder per App nachgemeldet werden. Die Daten der Zählaktion „Insektensommer“ werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst.
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NABU erfreut sich breiter UnterstĂĽtzung
Mehr Mitglieder und Förderer - Tschimpke: Hoch intensivierte Landwirtschaft gefährdet Insekten / Klimakrise erfordert Umbau der Ökosysteme

Berlin – Der NABU freut sich über breite Unterstützung in der Bevölkerung. Die Zahl der Mitglieder und Förderer vergrößerte sich um 40.000 auf mehr als 660.000 Menschen. Damit bleibt der NABU Deutschlands mitgliederstärkster Umweltverband. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen stiegen im abgelaufenen Geschäftsjahr um rund 1,9 Millionen auf 22 Millionen Euro (Vorjahr: 20,1 Millionen). Bei Spenden verzeichnete der NABU einen Zuwachs um rund eine Million Euro auf insgesamt 6,4 Millionen. Die Gesamterträge blieben 2017 mit rund 44,5 Millionen Euro stabil. Bundesweit setzen sich in 2.000 Orts- und Kreisgruppen insgesamt 40.000 NABU-Mitglieder aktiv für die Natur ein.

„Dieser große Zuspruch stärkt uns den Rücken und spornt uns an, unsere Projekte zum Schutz von Ökosystemen mit aller Kraft voranzutreiben. Ich bedanke mich herzlich bei unseren Unterstützerinnen und Unterstützern. Stolz auf unseren Verband macht mich das unermüdliche ehrenamtliche Engagement unserer vielen tausend NABU-Aktiven im Land – sie sind unsere Naturschutzmacherinnen und Naturschutzmacher“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke anlässlich der Vorstellung des NABU-Jahresberichts 2017 in Berlin.

Um die Erdüberhitzung zu stoppen und auf die Folgen der Klimakrise zu reagieren fordert der NABU eine zügige Neuausrichtung in der Agrar-, Klima- und Naturschutzpolitik. „Dieser Sommer lässt ahnen, wie sich das Klima verändert. Auch wenn die Komplexität des Klimasystems keine punktgenaue Vorhersagen zulässt, eines ist sicher: Die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen wird zunehmen. Sommer wie dieser werden in Zukunft wahrscheinlicher und damit Dürren, Hochwasser und Starkregen“, so Tschimpke.

Vor diesem Hintergrund ist der NABU gegenüber der Forderung des Deutschen Bauernverbandes nach Nothilfen für Ernteausfälle skeptisch. „Es ist falsch, immer nur die Symptome einer fehlgeleiteten Landwirtschaft zu lindern, wenn es möglich ist, die Ursache zu bekämpfen“, so der NABU-Präsident. Die Intensiv-Landwirtschaft mit ausgeräumten Böden und hochspezialisierten Pflanzen sei zu anfällig und belaste die Umwelt massiv. „Hilfszahlungen an Landwirte müssen an Bedingungen geknüpft werden, die einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen bringen. Landwirte müssten sich beispielswese verpflichten, vielfältigere Fruchtarten anzubauen, mehr Naturschutzflächen in der Agrarlandschaft zu schaffen, die Tierbestände deutlich zu reduzieren, den Anteil von 20 Prozent Bio-Anbau schnell zu erreichen und klimaschädliche Emissionen aus der Landwirtschaft, wie Lachgas, zu verringern“, so Tschimpke. Die künftige Gemeinsame Agrarpolitik muss mindestens 15 Milliarden Euro von ihrem rund 60 Milliarden Euro schweren Budget so umschichten, dass attraktive Anreize geschaffen werden, im Einklang mit der Natur zu produzieren.

Ein Umbau der Agrarpolitik sei auch notwendig, um das Insektensterben zu stoppen. „Der Insektenrückgang ist kein kleines Problem, das die Politik mit ein paar netten und punktuellen Aktionen lösen kann. Insekten haben eine enorme Bedeutung für Ökosysteme, ob als Bestäuber oder als Teil der Nahrungskette für andere Tiere“, so der NABU-Präsident. Der NABU begrüßt, dass die Bundesregierung ein Programm zum Insektenschutz angekündigt hat. Neben einem Pestizid-Reduktionsprogramm und mehr Vielfalt im Anbau von Nutzpflanzen müssten auch Programme zum Monitoring von Insekten langfristig etabliert und vor allem ausreichend und sicher finanziert werden. Bereits bekannte Studien in Deutschland zeigen einen Rückgang der Biomasse von Fluginsekten um 75 Prozent. Dass der Insektenschwund nicht nur ein lokales Phänomen ist, verdeutlichen auch aktuelle Untersuchungen aus den Niederlanden. Dort wurde in Schutzgebieten während der letzten drei Jahrzehnte ein Biomasse-Rückgang von Insekten um rund 61 Prozent festgestellt.

Der Ausstieg aus der Kohle hilft nicht nur dem Klima, sondern auch der Natur. Aktuelle Ausnahmegenehmigungen für Kraftwerke, Flüsse über den erlaubten Grenzwert hinaus zu überhitzen, würden überflüssig. Darüber hinaus müssen Flüsse wieder naturnah gestaltet werden. Deren guter ökologischer Zustand könne dazu beitragen, Folgen von Dürre oder Starkregen abzupuffern. Eine insgesamt verbesserte Lebensraumqualität sichere die Bestände von Fischen und anderen Wasserorganismen. Auch wirken sich natürlichere Gewässer positiv auf den Landschaftswasserhaushalt aus. Der NABU appelliert an die Bundesregierung, das Auenprogramm im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band“ ab 2019 zügig umsetzen. Die Gelder müssen im Bundeshaushalt langfristig zur Verfügung stehen. Naturschutzmaßnahmen kommen nicht nur tierischen Flussbewohnern zugute, die künftig bessere Brutbedingungen und Rückzugsräume finden, sondern es profitieren auch die Menschen, die an Küsten und Flüssen leben. Auch ein naturnaher Waldumbau ist als Anpassungsstrategie bedeutend. Statt aber die nordamerikanische Douglasie oder die ebenfalls nicht heimische Küsten-Tanne anzubauen, müssen mehr Laubwälder entstehen, die die Feuchtigkeit besser halten als Fichten-Monokulturen und Tieren bessere Lebensräume bieten. Auch die Wiedervernässung von Mooren helfe der Natur.

Kaum ein Ökosystem macht die Abhängigkeit von Klima- und Naturschutz deutlicher als die Ozeane. „Wenn wir ihre Eigenschaft als Klimapuffer und die marine Biodiversität erhalten wollen, müssen wir handeln. Ein Drittel der Weltmeere müssen als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Mindestens die Hälfte dieser Gebiete muss nutzungsfrei sein, auch bei uns vor der Haustür“, so Tschimpke.
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Kurzkommentar zu den herabgefallen Fassadenteilen der Universitätsbibliothek
Quelle: BUND SĂĽdlicher Oberrhein
 
Kurzkommentar zu den herabgefallen Fassadenteilen der Universitätsbibliothek
In der Bau- und Planungsphase der Freiburger Universitätsbibliothek hat der BUND die extrem kurze "Lebensdauer" der alten Bibliothek, die nach nur 33 Jahren abgerissen werden musste, stark kritisiert.

Unsere damaligen Forderung und Kritikpunkte an den Bau der neuen Bibliothek in der "Green City" waren:
Der Bund fĂĽr Umwelt und Naturschutz Deutschland steht fĂĽr Nachhaltigkeit, das heiĂźt:
Nachfolgende Generationen sollen nicht mit den Langzeitwirkungen des heutigen kurzlebigen Bauens belastet werden. "Schneller bauen - schneller abreißen" ist ein Irrweg. Aspekte der Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und der Folgekosten haben bei vielen öffentlichen Bauten der letzten Jahrzehnte (und insbesondere auch bei der alten UB) keine große Rolle gespielt und weil es keine Debatte dazu gab und gibt, ist dies auch heute teilweise noch so. Die neue UB sollte nach Ansicht des BUND funktional, schön, energiesparend, ressourcenschonend und dauerhaft-langlebig gebaut werden. Über das “Schön” der neuen UB soll und darf dann gerne öffentlich gestritten werden, über das “Funktional, Langlebig, Energiesparend und Dauerhaft” nicht. Die vielen nach der Fertigstellung der UB aufgetretenen Probleme bestätigen unsere Kritik aus der Bau- und Planungsphase.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

Nachtrag:
Falsche Einschätzung in der BUND-PE zur Eröffnung der UB:
"Die Antwort auf die Frage, ob die neue Freiburger UB nachhaltig, zukunftsfähig und vor allem langlebig geplant und gebaut wurde, wird Ihnen der BUND gerne beantworten. Wir bitten Sie aber nicht vor dem Jahr 2065 nachzufragen."
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NABU: Altkleider und Möbel können ab jetzt Elektroschrott sein
Miller: Immer mehr Alltagsgegenstände werden elektronisiert - das erschwert das Recycling

Berlin – Ab dem 15. August müssen Verbraucher alle Abfälle, die Leuchten, Batterien, Elektromotoren oder andere elektrische Bauteile enthalten, an Wertstoffhöfe, große Elektrohändler oder die großen Onlinehändler zurückgeben. Neben Klassikern wie Handys, Kühlschränken und TV-Geräten fallen also künftig auch „smarte“ Kleidungsstücke, wie Blink-Turnschuhe oder beleuchtete Schränke unter die Regelung des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG).

Der NABU begrüßt, dass so Schadstoffemissionen reduziert werden und wichtige Rohstoffe nicht mehr für das Recycling verloren gehen, kritisiert aber die fortschreitende, meist überflüssige und umweltschädliche Elektronisierung von Alltagsgegenständen. „Nicht genug damit, dass verstärkt durch Werbung und Dumpingpreisangebote immer mehr Smartphones, Fitnessarmbänder und beleuchtete Duschen mit immer geringerer Lebensdauer verkauft werden. Nach wie vor nimmt die Mehrzahl der deutschen Einzelhändler ausgediente Elektrogeräte nicht kostenfrei und kundenfreundlich zurück“, kritisiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Neben Warenhäusern, Elektronikfachhändlern und dem Lebensmitteleinzelhandel müssten auch die Bekleidungs- und Möbelbranche ihre Waren zurücknehmen, betont Miller.

Durch die neue Regelung werden noch weniger funktionstüchtige Altgeräte weiter benutzbar sein als bisher. Denn die neuen Kategorien von Groß- und Kleingeräten können zu einer starken Zerstörung der Altgeräte durch Erfassung und den Transport führen. „Wenn eine Waschmaschine auf ein sensibles großes IT-Gerät fällt, ist es kaputt, das Recycling wird behindert und es gibt keine Chance auf Reparatur. Das wird bei der neuen Sammelgruppe für Großgeräte jetzt häufiger vorkommen. Wir brauchen bei einer Novellierung des ElektroG daher eine eigene Wiederverwendungsquote und eindeutige Regelungen zur Vorbereitung zur Wiederverwendung“, so Verena Bax, NABU-Ressourcenexpertin.

„Für die Umwelt und den Ressourcenschutz ist es besser, Abfälle zu vermeiden oder sie zur Wiederverwendung vorzubereiten“, so Bax weiter. Die durch das ElektroG vorgegebenen Sammlungs-, Verwertungs- und Recyclingquoten sollen E-Schrott verringern. Die neue Regelung gefährdet diese Quoten. Die höheren Sammelquoten von 65 Prozent ab 2019 werden aufgrund der bestehenden Hürden für die Rücknahme voraussichtlich verfehlt. Schon in den letzten Jahren wurden die Vorgaben für die Sammelquoten nicht erreicht. Mit dem neuen E-Schrott kommen zudem neue Materialzusammensetzungen in die Rücknahmesysteme, die die Verwertung und das Recycling erschweren. Für Schuhe mit LED-Lampen existieren beispielsweise bislang keine Recyclingwege. Zusätzliche Neuerungen im ElektroG müssen eingeführt werden, die qualitativ hochwertiges Recycling fördern, so Bax.
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Statusbericht kommunaler Klimaschutz in Baden-WĂĽrttemberg
Minister Franz Untersteller: „Wer den Klimawandel immer noch in Frage stellt, ignoriert die offensichtlichen Fakten. Die aktuelle Hitzeperiode ist mehr als ein deutliches Warnsignal.“

„Klimaschutz muss auf der politischen Agenda weiter nach oben rutschen“, forderte Umweltminister Franz Untersteller heute (09.08.) anlässlich der Veröffentlichung des Statusberichts kommunaler Klimaschutz in Baden-Württemberg. Der Bericht stellt die vielfältigen Klimaschutzaktivitäten der Kommunen im Land transparent und nachvollziehbar dar. Der Bericht erscheint in diesem Jahr erstmals. Die rund 200 Seiten umfassende Publikation hat die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH im Auftrag des Ministeriums erstellt.

Untersteller betonte, Klimaschutz sei heute wichtiger denn je. „Wir müssen unsere Anstrengungen bei der Realisierung einer erfolgreichen Klimaschutzpolitik auf allen Ebenen verstärken. Ich hoffe, dass das dieser Tage auch unserer Bundesregierung klargeworden ist und sie sich endlich ihrer Verantwortung für Mensch und Umwelt stellt.“

Auch der kommunalen Ebene komme beim Klimaschutz eine Schlüsselrolle zu, ergänzte der Umweltminister. „Städte, Gemeinden und Landkreise haben für ihre Einwohnerinnen und Einwohner Vorbildfunktion in Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz. Außerdem können sie die Rahmenbedingungen für den Ausstoß von Treibhausgasen auf ihrer Gemarkung maßgeblich mitgestalten.“ Der Bericht mache deutlich, in welchen Bereichen bereits erfolgreich Klimaschutzaktivitäten umgesetzt worden seien und an welchen Stellen noch Nachholbedarf bestehe.

„Unser Statusbericht zum kommunalen Klimaschutz richtet sich in erster Linie an die Kommunen selbst“, erläuterte Untersteller. „Er soll aber auch Vertreterinnen und Vertretern in Politik und Verbänden, regionalen Energieagenturen, Gemeinderäten sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern ein breites Spektrum an Informationen rund um Klimaschutzaktivitäten im Land geben, bestehende Potenziale identifizieren und Anregungen für weitere Aktivitäten liefern.“

Der Bericht startet mit einem Überblick über die CO2-Emissionen und den Ausbau erneuerbarer Energien im Land. Im Kapitel „Strukturen und konzeptionelle Ansätze“ wird unter anderem beleuchtet, welche Kommunen Klimaschutzkonzepte erarbeitet oder ein Klimaschutzmanagement eingeführt haben. Der Bericht gibt außerdem Aufschluss darüber, wie die verschiedenen Förderprogramme des Bundes und des Landes zum Klimaschutz von den Städten, Gemeinden und Landkreisen angenommen werden.

Der Statusbericht „Kommunaler Klimaschutz in Baden-Württemberg“ und eine 28-seitige Kurzfassung des Berichts stehen auf der Internetseite des Umweltministeriums unter www.um.baden-wuerttemberg.de kostenfrei zum Download zur Verfügung. Dort finden Sie auch zahlreiche weitere Informationen zum Kommunalen Klimaschutz.
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Vogelsterben: Gewinner & Verlierer
Quelle: BUND SĂĽdlicher Oberrhein
 
Vogelsterben: Gewinner & Verlierer
- Immer mehr und immer weniger Vögel!?

Aktuell gibt es in den deutschen Medien zwei sich scheinbar heftig widersprechende Beiträge zur Vogelwelt. Einerseits ist der Rückgang vieler Vogelarten, ausgelöst insbesondere durch das große Insektensterben ein wichtiges Thema, anderseits wird aber auch von Bestandszunahmen bei einzelnen Arten wie Wanderfalken, Störchen, Bienenfressern und Gänsen berichtet. Also immer mehr und gleichzeitig immer weniger Vögel? Wie kann das gehen?

In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands gelten drei Viertel der Vögel in offenen, nicht bewaldeten Landschaften, als gefährdet, einschließlich Vorwarnliste sind es sogar 87 Prozent und die Individuenzahlen gehen bei fast allen diesen Arten weiter abwärts.

Dennoch gibt es auch in Teilbereichen und kleinen Nischen eine erfreuliche Bestandszunahme:

- Vögel wie Habicht und Wanderfalke, "Fisch"reiher, Kormoran, Kolkrabe und Uhu wurden als so genannte „Fraßfeinde“ früher häufig abgeschossen oder vergiftet. Hier hat durch öffentlichen Druck ein Umdenken eingesetzt, das zur Bestandserholung beigetragen hat.
- Der Klimawandel wird das globale Artensterben beschleunigen und doch gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel, wie der Bienenfresser zeigt. In Deutschland galt der wärmeliebende Vogel Ende der 1980er Jahre als ausgestorben, seit 1990 wandert er jedoch wieder ein. Er hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Bereich um den Kaiserstuhl in Deutschland angesiedelt und schon 2015 lebte die Hälfte der ca. 1000 in Deutschland brütenden Paare im südlichen Sachsen-Anhalt bei Merseburg.
- Die verschiedenen Gänsearten waren im zweiten Weltkrieg und in den Hungerjahren danach ein intensiv bejagtes Nahrungsmittel. Jetzt hat ihre Zahl wieder stark zugenommen.
- Um die Jahrhundertwende drohte der Wiedehopf am Kaiserstuhl auszusterben. Dass die südbadische Population heute einen beachtlichen Anteil des deutschen Bestandes ausmacht, ist aktiven Naturschützern und einem Artenschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg zu verdanken. Am liebsten brütet der Wiedehopf in natürlichen Baumhöhlen. Doch in der zunehmend ausgeräumten Agrarlandschaft wurden immer mehr alte Obstbäume gefällt. 1996 zählte man lediglich sechs Paare im Kaiserstuhl. Der Vogel drohte aus der Region zu verschwinden. Umweltschützer haben ein flächendeckendes Netz von 140 Wiedehopf-Nistkästen aufgebaut und das Ergebnis ist mehr als erfreulich. Mehr als 100 Wiedehopf-Paare gab es 2018 im Gebiet des Schutzprogramms.
- Der lang zurückliegende Kampf der Umweltbewegung gegen das Ultragift DDT hat sich für Vogel und Mensch gelohnt. Insbesondere vogel- und fischfressende Greifvögel, wie Wanderfalke, Seeadler oder Sperber waren massiv bedroht. Katastrophale Bestandseinbrüche und ein DDT-bedingter erheblicher Rückgang der Eischalendicke nach 1950 wurden in weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre verzeichnet. In Europa starb der Wanderfalke in Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und der DDR bis Ende der 1970er-Jahre aus. Das Verbot von DDT und die damit verbundene Bestandszunahme dieser Greifvögel ist ein großer Erfolg der Umweltbewegung. Der heutige Kampf gegen Neonicotinoide und andere Agrargifte ist für Insekten, Vögel und Umwelt ähnlich wichtig wie die frühen Konflikte um DDT.
- Auch der aktive Schutz des „Vorzeigevogels“ Weißstorch hat zu einer starken Zunahme der Population der Störche geführt. Beim Weiß-, vor allem aber beim Schwarzstorch war auch die Entschärfung von Stromleitungen und Masten im Zug- und Überwintergungsgebiet, z.B. Spanien, ein wichtiger Grund für die Erholung der Vorkommen. In Österreich und der Schweiz sind die Weißstorchbestände heute größer als zur Zeit der ersten Zählung 1934. Die Situation hat sich deutlich gebessert, da an vielen Orten Anstrengungen unternommen wurden, dem wildlebenden Storch wieder bessere Lebensbedingungen zu schaffen.

Wir freuen uns über die Bestandszunahme der wenigen „Gewinner“, sehen aber mit zunehmender Sorge den massiven Rückgang bei den Vögeln der Agrarlandschaft in Feld und Wiese: Frühere „Allerweltsarten“ wie Rebhuhn und Feldlerche zählen heute schon zu den Raritäten. Die Gewinner fallen auf, vor allem, wenn sie groß wie der Storch, oder so bunt wie Bienenfresser und Wiedehopf sind. Die Verlierer verabschieden sich still und leise wie die Bekassine.

Doch das erfolgreiche Engagement für Storch und Wiedehopf und der Kampf gegen DDT zeigen, dass es sich lohnt gemeinsam Anstrengungen zu unternehmen, damit auch zukünftige Generationen eine bunte Artenvielfalt erleben können.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
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