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Dienstag, 27. Juli 2021
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Buchtipp: Rosa Wolff "Arm, aber Bio!"
Kann man mit schmalem Geldbeutel gutes und gesundes Essen auf den Tisch bringen? Man kann, hat Rosa Wolff getestet und herausbekommen. Dabei hat sie es sich nicht leicht gemacht.
Angeregt durch die provokanten √Ąu√üerungen Thilo Sarrazins, der vorrechnete, dass man mit t√§glich 4,35 ‚ā¨, dem Hartz IV- Satz f√ľr Essen und Trinken durchaus genug zu hat, wollte sie wissen: kann man sich von diesem geringen Betrag auch biologisch ern√§hren?

Sie packte alle Vorr√§te weg und fing quasi bei ‚Äěnull‚Äú an. Ihre √úberlegungen zum Speisezettel und die Auflistung der Eink√§ufe inklusive N√§hrwert und Preis ergeben ein t√§gliches, teilweise sehr am√ľsantes Protokoll √ľber vier Wochen, in denen sich so nach und nach ein paar Erkenntnisse herauskristallisieren:
Mit wenig Geld den Teller t√§glich zu f√ľllen ist anstrengend. Dauernd ist man am Rechnen, auf der Suche nach billigen Produkten, und gezwungen zu Kompromissen. Billiger kann es werden, wenn man selbst viel macht (zum Beispiel Brot). Das hei√üt ‚Äď man verwendet viel Zeit auf das Kochen. Auch wenn man saisonal einkauft, kann man sich nicht alles leisten. Gelegentlich m√∂chte der Mensch sich auch etwas g√∂nnen, was im Budget eigentlich nicht drin ist. M√∂glich ist das, wenn man nicht t√§glich, sondern w√∂chentlich abrechnet.
Ein derart sparsames Leben auf Dauer ist m√∂glich, aber nicht w√ľnschenswert.
Not macht bekanntlich erfinderisch, und so probiert die Autorin auch gerne mal Sachen aus, die sie bisher nicht gemacht hat. Dabei kommen schmackhafte Gerichte heraus, und sie lässt uns an ihren Rezepten teilhaben.

Dass diese Lebensumstellung nicht nur anstrengend und manchmal schambehaftet sein, sondern auch ihre schönen Seiten haben kann, das kommt durch, wenn Rosa Wolff beschreibt, wie es ihr trotz allem gelingt, Gäste zu bewirten, oder wie sie ein Picknick im Englischen Garten veranstaltet.

In eingeschobenen Info-Seiten listet sie Einrichtungen auf, die das Leben mit wenig Geld erleichtern k√∂nnen, wie zum Beispiel Tauschringe. Es gibt Infos √ľber eine Verwertung von Lebensmitteln, bei der nichts verkommt. Eine Adressliste von Bioprojekten f√ľr Kinder, und vieles mehr. Mag auch der Herr S. aus B. eine Ursache f√ľr das Thema gewesen sein, so weist Frau Wolff doch immer wieder deutlich darauf hin, dass ihr B√ľchlein nicht dazu dienen soll, dessen Hartz IV-These zu untermauern. Im Gegenteil, mit viel Humor und Ironie nimmt sie die Aufschl√ľsselung der einzelnen Hartz-IV-Posten auseinander. Ob sie unsinnig, anma√üend oder unm√∂glich sind, √ľberl√§sst sie ihren Lesern.

Nach der recht kurzweiligen Beschreibung dieser vier Wochen, die mit einer √ľberraschenden Einsicht enden, folgen die Rezepte. Sie lesen sich allesamt lecker und verlocken zum Nachkochen.

Edition Butterbrot, EUR 11,95
ISBN 978-3-9813469-1-6
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Eintrag vom: 04.01.2012 Autor: Irene Heitz




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