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Fleisch frisst Land
© Roberto Maldonado / WWF
 
Fleisch frisst Land
WWF-Studie: Deutscher Fleischkonsum beansprucht FlĂ€che von der GrĂ¶ĂŸe Österreichs. / Verbraucherempfehlung: Besseres Fleisch - und weniger.

Berlin - Eine FlĂ€che von der GrĂ¶ĂŸe Österreichs wird benötigt, um den Hunger auf Fleisch der Deutschen zu befriedigen. Einer aktuellen WWF-Studie zufolge braucht Deutschland 8,42 Millionen Hektar, nur um den Fleischkonsum seiner Bewohner zu sichern. „Der weltweit steigende Hunger nach Fleisch hat einen bitteren Beigeschmack. Er heizt das Klima an und trĂ€gt zum Artensterben bei“, warnt Tanja DrĂ€ger de Teran, Referentin ErnĂ€hrung beim WWF Deutschland anlĂ€sslich der Veröffentlichung der Studie „Fleisch frisst Land“ in Berlin. Obwohl Fleisch nicht einmal zu einem FĂŒnftel der WelternĂ€hrung beitrage, sei die Viehwirtschaft bereits heute der mit Abstand grĂ¶ĂŸte, globale Landnutzer. Außerdem verursache sie bis zu 18 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Im Durchschnitt isst jeder BundesbĂŒrger rund 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr – und damit fast doppelt so viel wie von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfohlen.

Derzeit wird ungefĂ€hr ein Drittel der gesamten LandoberflĂ€che als Weideland oder AckerflĂ€che zur Futtermittelproduktion genutzt. Tendenz steigend, denn es werden immer mehr Tiere gehalten. Ein entscheidender Bestandteil des Futtermittels stellt inzwischen Soja dar. So hat sich nach WWF-Berechnungen die Soja-AnbauflĂ€che in Argentinien seit 2000 um ĂŒber 190 Prozent auf heute etwa 17 Millionen Hektar, in Brasilien um ĂŒber 160 Prozent auf heute etwa 22 Millionen Hektar ausgeweitet. „Mehr als drei Viertel der deutschen Soja-Einfuhren stammt aus SĂŒdamerika. Dort bedroht der Anbau inzwischen einmalige Ökoregionen, wie etwa die brasilianische Savanne, den Cerrado mit seinem enormen Artenreichtum“, sagt DrĂ€ger de Teran. Von den ĂŒber sechs Millionen Tonnen Soja, die Deutschland jĂ€hrlich importiert, wĂŒrden 79 Prozent als Futtermittel eingesetzt, so die WWF-Expertin.

Noch deutlicher wird der enorme „FlĂ€chen-Fußabdruck“ von Fleisch, wenn man ihn mit dem Abdruck anderer Lebensmittel vergleicht. WĂ€hrend der jĂ€hrliche Fleischkonsum eines Durchschnittsdeutschen gut 1000 Quadratmeter beansprucht, benötigt der Kartoffelverbrauch nur 15 Quadratmeter pro Kopf und Jahr. Auch bei typischen Gerichten ragt die Bedeutung des Fleisches heraus. So hat laut WWF-Angaben ein Hamburger mit Pommes und Salat einen FlĂ€chenbedarf von etwa 3,61 Quadratmeter, ein Schweinebraten mit Rotkohl und KartoffelklĂ¶ĂŸen bringt es auf immerhin 3,12 Quadratmeter. Zum Vergleich: Spaghetti mit Tomatensauce schlagen nach den Berechnungen der UmweltschĂŒtzer mit gerade einmal 0,46 Quadratmetern zu Buche.

Um die negativen, ökologischen Auswirkungen des Fleischkonsums zu mindern, rĂ€t der WWF, nicht nur weniger, sondern auch besseres Fleisch zu essen. Empfehlenswert seien Produkte, die nach den Kriterien des EU-Biosiegels, der Bio-AnbauverbĂ€nde und dem Produktionsverband Neuland hergestellt wurden. Auch „Weidefleisch“ stelle eine Alternative dar. Doch nicht nur die Verbraucher seien gefordert, auch die Fleischindustrie und die EU-Agrarpolitik mĂŒssten endlich den Gedanken der Nachhaltigkeit konsequent umsetzen, so die Forderung des WWF. Dazu gehöre auch, heimische Futtermittel in der EU wieder verstĂ€rkt zu fördern, um zukĂŒnftig vermehrt Soja ersetzen zu können.

Um im Internet eine möglichst breite Diskussion ĂŒber die Folgen des Fleischkonsums anzustoßen, startet der WWF eine Online-Aktion mit dem Titel „Die Fleischfrage“. Internetnutzer werden aufgefordert ĂŒber Facebook und twitter Freunden und Bekannten Fragen zum Thema Fleischkonsum zu stellen, so die Debatte anzuregen und mit Experten im Chat zu diskutieren. Mehr Infos unter fleischfrage.wwf.de
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Eintrag vom: 14.10.2011  




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