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Deutsche Meeresschutzgebiete ohne Schutz
WWF: Regelungen f├╝r die Fischerei l├Ąngst ├╝berf├Ąllig!

Hamburg - Die deutschen Meeresschutzgebiete sind auch f├╝nf Jahre nach ihrer Ausweisung weitgehend schutzlos. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des WWF. Demnach existieren Schutzregeln f├╝r die zehn deutschen Meeresschutzgebiete vom Borkumriff in der Nordsee bis zur Pommerschen Bucht in der Ostsee lediglich auf dem Papier. Der Abbau von Sand- und Kies, St├Ârungen durch Schifffahrt und Offshore-Industrie und vor allem die Fischerei finden nach wie vor ungehindert statt und belasten die ├ľkosysteme. Deutschland hat vor f├╝nf Jahren mehr als 30% seiner Meeresgew├Ąsser in Nord- und Ostsee als Schutzgebiete ausgewiesen. Konkrete Regelungen f├╝r die Fischerei in diesen Gebieten werden seitdem ausgearbeitet.

ÔÇ×Schleppnetze und Baumkurren durchpfl├╝gen den Meeresboden, Meeress├Ąugetiere und Seev├Âgel ertrinken als Beifang in Stellnetzen, und die Gammelfischerei entnimmt aus der Nahrungskette gro├če Mengen an KleinfischenÔÇť, verdeutlicht Stephan Lutter, Meeresschutzexperte beim WWF. ÔÇ×Das ist, als w├╝rden wir es an Land zulassen, wenn ein unter Naturschutz stehendes Moor- oder Waldst├╝ck von einem Bulldozer durchpfl├╝gt, und sein Bestand an Tieren und Pflanzen gesch├Ądigt und gest├Ârt wird."

Hauptverantwortlich f├╝r die schlechten Zust├Ąnde in den Meeresschutzgebieten ist vor allem, dass Regeln f├╝r ein umweltgerechtes Fischereimanagement fehlen. Bereits 2009 legte der Internationale Rat f├╝r Meeresforschung (ICES) dem Bundesamt f├╝r Naturschutz seine Vorschl├Ąge f├╝r ein umweltgerechtes Fischereimanagement in den Schutzgebieten in Nord- und Ostsee vor, gefolgt von einem Fachsymposium. Seitdem beraten Naturschutz- und Fischereibeh├Ârde des Bundes dar├╝ber, welche Einschr├Ąnkungen und Umstellungen in der Fischerei dort anzustreben sind. Diese m├╝ssen dann bei der EU-Kommission beantragt werden.

"Es ist h├Âchste Zeit, dass Ministerin Aigner ein solches Ma├čnahmenpaket in Br├╝ssel vorstellt und der Rat der Fischereiminister dar├╝ber befindet. Deutschland ist mit gutem Beispiel bei der Ausweisung mariner Natura 2000-Gebiete vorangegangen, jetzt m├╝ssen auch zeitnah vorbildliche Schutzma├čnahmen folgen" fordert Lutter.

Die WWF-Studie legt detaillierte Anforderungen an ein ├Âkosystemgerechtes Fischereimanagement in den deutschen Meeresschutzgebieten vor. Kernforderung des WWF ist, dass 50% der Schutzgebietsfl├Ąche fischereifrei bleiben, damit sich das ├ľkosystem erholen kann.

ÔÇ×Im ├╝brigen Gebiet m├╝ssen ├Âkologisch bedenkliche Fischereitechniken aus bestimmten Zonen oder Zeitfenstern verbannt oder binnen weniger Jahre durch weniger sch├Ądliche ersetzt werdenÔÇť, fordert Lutter weiter. ÔÇťUnsere Meeresschutzgebiete sind die Perlen von Nord- und Ostsee. Sie haben es verdient, dass der h├Âchste Umweltstandard und die beste verf├╝gbare Praxis angewandt werden." Die WWF Studie schl├Ągt dazu u.a. den Einsatz leichterer und selektiverer Netze und den Ersatz von Stellnetzen durch Langleinen und Fallen vor.

Der WWF verweist zudem auf die politische Tragweite des Vorgangs. Der deutsche Antrag bei der EU-Kommission sei ein Testfall f├╝r die Glaubw├╝rdigkeit der Gemeinsamen Fischereipolitik. Andere Mitgliedsstaaten m├╝ssten f├╝r ihre marinen Schutzgebiete dem gleichen Prozedere folgen, wollten sie nicht europ├Ąisches Naturschutzrecht verletzen. "Sollten f├╝r die Schutzgebiete eines EU-Mitglieds notwendige Schutzma├čnahmen durch andere Fischereinationen in Rat oder Parlament mehrheitlich blockiert werden, muss das System der Zust├Ąndigkeiten und Entscheidungswege neu ├╝berdacht werden" so Lutter weiter.
 
Eintrag vom: 08.04.2011  




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