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Mittwoch, 22. März 2023
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Verschlampt nicht Eure Geschichte
Die Anti-AKW Bewegung von Wyhl bis heute

Auf reges Interesse stie√ü ein Filmabend mit Podiumsdiskussion und musikalischer Umrahmung √ľber die Geschchte der Anti-AKW-Bewegung am Kaiserstuhl. Im vollbesetzten Caf√© Velo hatten sich √ľber 100 Besucher eingefunden, um anl√§sslich einer nunmehr 40j√§hrigen Geschichte auf die Anf√§nge der B√ľrgerinitiativen und AKW-Bewegung am Kaiserstuhl zur√ľckzublicken. Zur Veranstaltung eingeladen haten der fesa e.V., der BUND-Regionalverband S√ľdlicherOberrhein, die Anti-Atomgruppe Freiburg und ECOtrinovae.V.

Nach einer Einstimmung mit historischen Anti-AKW-Liedern von Liedermacher Roland ‚ÄěBuki‚Äú Burkhart, damals und heute aktiv in der Antiatom-Bewegung, war der H√∂hepunkt des Abends die Vorf√ľhrung des fast zweist√ľndigen Dokumentarfilmes ‚Äě¬īs Weschpen√§scht - Die Chronik von Wyhl (1970 ‚Äď1982)‚Äú von Walter Mo√ümann. Wer Bef√ľrchtungen ob der √úberl√§nge hatte, wurde positiv √ľberrascht: Die im Film eindrucksvoll dokumentierten Bilder des sich entwickelnden Widerstandes, der Zivilcourage und des zivilen Ungehorsams und die damit verbundenen Emotionen sprang nach wenigen Minuten auf das Publikum √ľber, an vielen Stellen wurde spontan applaudiert und immer wieder lauthals gelacht.

Hier wurde ein St√ľck Geschichte geschrieben und dokumentiert, in dem die Menschen im Dreyeckland die Hauptrolle spielen und das erste Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte die von oben verordnete energiepolitische Entwicklung der Region kritisch hinterfragen. Ein Lehrst√ľck in Sachen b√ľrgerschaftliches Engagement, auch bez√ľglich des Umgangs der Politik und der Interessensvertreter der Energiewirtschaft mit den Menschen, die ihren Interessen im Weg stehen.
Pointierter als manch eine geschliffene Rede brachten die einfachen O-T√∂ne der Kaiserst√ľhler auf den Punkt, dass es bei der geplanten Industrialisierung des Oberrheins um ihre nackte Existenz ging. Als Bonbon obendrauf: Ein Hochgenuss, die Kleidung, Frisuren, Autos und Stra√üenz√ľge aus den 70er Jahre zu sehen. Und w√§hrend man vergn√ľgt √ľber die alten Bilder gluckste, fragte sich manch einer, wie den B√ľrgern heute die Reaktortechnik aus den 1960er und 70er Jahren, als ‚Äěmodern‚Äú und ‚Äěneuester Stand der Sicherheitstechnik‚Äú verkauft werden soll.

Manch einem aus dem Publikum, und auch Jean-Paul-L√Ęcote als Podiumsgast hat es vor R√ľhrung fast die Sprache verschlagen. Der Film ist ein St√ľck regionale Energiegeschichte, das es verdient h√§tte, den Weg auch in die Klassenzimmer zu finden. In der anschlie√üenden Podiumsdiskussion mit Jean-Paul-L√Ęcote (BUND Regionalverband), Dr. Eva Stegen (Elektrizit√§tswerke Sch√∂nau) und Ingo Falk (Anti-Atomgruppe Freiburg) wurde dann der Bogen vom Widerstand in Wyhl zum heutigen Kampf gegen Atomkraft gespannt. Die Thematik ist immer noch hochaktuell angesichts von Laufzeitverl√§ngerungen und dem geplanten Neubau eines AKWs in der Schweiz. So manches Zitat im Film, sei es von Regierungsseite, sei es von Seiten der protestierenden B√ľrger k√∂nnte durchaus aus der Gegenwart stammen. Vielf√§ltige Protestformen von der Bauplatzbesetzung √ľber Menschenketten, Anti-Atom-Spazierg√§nge und Internetkampagnen bis hin zum hartn√§ckigen Anrufen der Justiz sind nach wie vor gefragt. Nicht zuletzt kann auch ein Wechsel des Stromanbieters den Atomkonzernen die Grundlage entziehen. Denn: ‚ÄěHundert Euro weniger f√ľr die B√∂sen und hundert Euro mehr f√ľr die Guten sind ja schon 200 Euro‚Äú, wie Eva Stegen von den Sch√∂nauer Stromrebellen bemerkte. Der gestrige Abend hat sicherlich zu neuem Elan bei den bereits Aktiven im Publikum beigetragen und die noch nicht Engagierten ermutigt.
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Eintrag vom: 04.03.2011  




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