oekoplus - Freiburg
Sonntag, 25. Juli 2021
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
Schmutzige deutsche Klimadeals
WWF-Studie zeigt große LĂŒcken im Emissionshandelssystem der EU auf

Berlin - Der europĂ€ische Emissionshandel erweist sich fĂŒr die beteiligten Unternehmen als lukratives GeschĂ€ft. Der WWF zeigt in einer neuen Studie, dass der angestrebte Klimaschutz dabei allerdings mehr und mehr auf der Strecke bleibt. Im Auftrag des WWF hat das Öko-Institut die kostenlose Zuteilung und die Nutzung von externen Gutschriften im EU-Emissionshandel unter die Lupe genommen. Untersucht wurden sowohl die fĂŒnf Hauptbranchen, die im Emissionshandel verpflichtet sind – Stromerzeugung, Eisen & Stahl, Raffinerien, Chemie, und Zement - als auch 13 deutsche Firmen, die zusammen fĂŒr rund zwei Drittel der Emissionen des EU-Emissionshandels verantwortlich sind.

Die Analyse zeigt, dass die fĂŒnf deutschen Stromversorger durch die Einpreisung von kostenlos erhaltenen CO2-Zertifikaten in den Strompreis mit Zusatzgewinnen von rund 39 Milliarden Euro krĂ€ftig abgesahnt haben. Die deutsche energieintensive Industrie erhielt eine millionenschwere Überausstattung von Emissionshandelszertifikaten. ThyssenKrupp wird bis 2012 voraussichtlich Zusatzprofite in Höhe von 384 Millionen und BASF von 104 Millionen Euro erzielen. „Gerade die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren stark ĂŒber Belastungen durch den Emissionshandel geklagt haben, sind große Gewinner des Systems“, erlĂ€utert Regine GĂŒnther, Leiterin des Bereich Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland.

Die Studie zeigt darĂŒber hinaus, dass Unternehmen im großen Stil von der Möglichkeit Gebrauch machen, ĂŒber Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI) die Minderungsverpflichtungen im Ausland statt in Deutschland zu erbringen. Dadurch werde der dringend notwendige Umbau zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in Deutschland stark gebremst. Bis 2020 kann mehr als die HĂ€lfte der Minderungsleistungen ĂŒber die Nutzung solcher Mechanismen abgedeckt werden. Die QualitĂ€t der Auslandsprojekte der untersuchten deutschen Unternehmen ist nach EinschĂ€tzung des WWF zum ĂŒberwiegenden Teil miserabel. Elf der 13 untersuchten Firmen deckten sich zu mehr als 50 Prozent mit CDM-Zertifikaten aus Projekten zur Vermeidung von HFC-23 Emissionen und N2O bei der Produktion von AdipinsĂ€ure ein. BASF und RWE versorgen sich sogar zu mehr als 95 Prozent durch HFC-23 Projekte. Beide Projekttypen will die EU-Kommission ab 2013 verbieten.

„Es ist beschĂ€mend, dass viele deutsche Unternehmen den CDM als Abzockermechanismus pervertiert haben und keinen Beitrag fĂŒr den Umbau den Energiesystems des Gastlandes geleistet haben,“ kommentiert Regine GĂŒnther. Damit der Klimaschutz in Europa wieder Fahrt aufnehme, mĂŒsse die EU ihre Klimaschutzziele bis 2020 von heute 20 Prozent auf mindestens 30 Prozent erhöhen. Nur so können Industrie und Stromversorger als grĂ¶ĂŸte Verursacher des Klimawandels stĂ€rker in die Verantwortung genommen werden. Die Anrechenbarkeit von CDM-Zertifikaten dĂŒrfe sich mit einer solchen ZielverschĂ€rfung nicht erhöhen. Der WWF begrĂŒĂŸt den gestrigen Kommissionsvorschlag, Emissionsgutschriften aus Projekten mit HFC-23 und N2O aus der Beseitigung von AdipinsĂ€ure im EU-Emissionshandelssystem ab dem 1. Januar 2013 zu verbieten. Der WWF fordert die Bundesregierung auf, diesen Vorschlag zu unterstĂŒtzen.
 
Eintrag vom: 27.11.2010  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2021 Benjamin Jäger