|

Kleine Barsche mit dem falschen „Seeigel“ (c) Mundenhof Freiburg | | | Exklusiv vor Sulawesi, jetzt auch auf dem Mundenhof | Dem Aquarienverein gelingen Nachzuchten des seltenen BanggaiKardinalbarsches
Väter, die ihren Nachwuchs im Maul ausbrüten; Kinder, die sich in einem „Seeigel“ aus Kabelbindern verstecken; Aquariumsfreunde, die voller Interesse nach Indonesien blicken – der Mundenhof hat stets was Neues zu bieten. Immer in seinem frei zugänglichen Tierpark, immer wieder aber auch im ehemaligen Rossstall neben der Exotischen Mitte, in dem unter einem mächtigen Walmdach das Schau-Aquarium untergebracht ist. Erst vor kurzem war dem dort ansässigen Aquarienverein eine kleine Sensation gelungen: die Nachzucht von Piranhas.
Jetzt dringt neuer Jubel aus dem Schau-Aquarium: Erstmals gelang hier in den vergangenen Wochen die Nachzucht von Salzwasserfischen, und zwar in Form der seltenen Banggai-Kardinalbarsche. Dieser Barsch, von Kennern und Freunden auch Kauderni genannt, wird bis zu acht Zentimeter lang. Seine schwarz-weiße Zeichnung mit Seitentüpfeln und spektakulären Flossen prädestiniert ihn als Zierfisch für die Meerwasser-Aquaristik.
Doch der Kauderni hat ein Problem. Er lebt nur in einem sehr kleinen Gebiet vor der indonesischen Insel Sulawesi im flachen Meer – und zwar rund um die Banggai-Inseln, zu denen neben Banggai selbst bekanntlich auch Bandang, Kembongan, South Peleng und 26 weitere Inselchen gehören. Da die Kardinalbarsche hier ausschließlich geschützte, voneinander isolierte Buchten an der wettergeschützten Seite nutzen, umfasst ihr Lebensraum nur 34 Quadratkilometer (zum Vergleich: Freiburg ist 153 qkm groß). Daraus folgt: ihr Bestand in der Natur ist stark gefährdet, sie stehen auf der roten Liste und sind vom Aussterben bedroht. Das liegt am winzigen Verbreitungsgebiet – und an ihrer extravaganten Art der Reproduktion.
Banggai-Kardinalbarsche sind nämlich Maulbrüter. Sobald sich das Paar gefunden hat, werden die vom Weibchen ausgestoßenen Eier sofort vom Männchen besamt und in sein Maul aufgenommen. Der Laichballen besteht aus 40 bis 70 Eiern, die rund 3 Millimeter groß sind. Nach drei Wochen schlüpfen die Larven in der Maulhöhle des Männchens, bleiben dort aber etwa eine weitere Woche. Wenn Papa sie endlich aus dem Maul entlässt, messen sie bereits 6 Millimeter und werden nicht mehr (wie Fischlarven, die sich im offenen Wasser entwickeln) als Plankton verdriftet. Mit dem Verlassen der väterlichen Maulhöhle endet die Brutpflege für die Eltern.
Für die 18 jungen Kauderni auf dem Mundenhof fiel dieser große Tag auf Mittwoch, 19. März. Kaum aus dem Maul des Vaters entlassen, suchten sie wie daheim in Indonesien Schutz zwischen den Stacheln großer Seeigel. Also hat ein Mitglied des Aquarienvereins einen Seeigel „gebaut“, ein etwas abstraktes Imitat aus schwarzen Kabelbindern, das die Jungtiere umgehend und klaglos als Zufluchtsort bezogen haben. Einige von ihnen wurden nun samt dem Seeigel in einem Käfig ins große Salzwasser-Aquarium eingesetzt. Bisher klappt die Vergesellschaftung mit den anderen Fischen gut.
Inzwischen sind die Kauderni gute sechs Wochen alt, schon über zwei Zentimeter groß und allesamt noch wohlauf. Soweit sich das von außen beurteilen lässt, haben sie (neben dem Üblichen) nur einen großen Wunsch: Dass ihr zweibeiniges Publikum nicht ständig, und zu viel, und zu stark an die Scheibe klopft. Junge Kauderni sind nämlich nur bedingt stressresistent.
Übrigens: in der Natur ist der Banggai-Kardinalbarsch stark bedroht, für einen Salzwasserfisch ist er aber vergleichsweise gut zu züchten. Man muss es aber halt tun – und das hat der Aquarienverein Freiburg jetzt getan, auch um 5 bis 10 Artgenossen in Freiheit den Fang zu ersparen. So viele müssen nämlich der Natur entnommen werden, damit einer lebend im Zielland ankommt. Insofern ist jedes nachgezüchtete Jungtier ein Gewinn. Und eine Entlastung für die kleinen Kauderni vor der fernen Insel Sulawesi.
Das Schau-Aquarium auf dem Mundenhof öffnet täglich von 8 bis 18 Uhr. | | | Eintrag vom: 10.05.2025 | |
|
zurück
|
|
|