oekoplus - Freiburg
Donnerstag, 30. November 2023
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


Regionalplanung & Flächenverbrauch
(c) mitwelt.org
 
Regionalplanung & Flächenverbrauch
50 Jahre Regionalverband S√ľdlicher Oberrhein - Kritik & Lob

Der Regionalverband S√ľdlicher Oberrhein wurde am 8. November 1973 mit Sitz in Freiburg gegr√ľndet. Er wird am 8.11.2023 50 Jahre "alt". Die Aufgabe der Regionalplanung besteht in erster Linie in der Konkretisierung der Ziele der Landesplanung und -entwicklung sowie der √ľber√∂rtlichen Abstimmung raumbedeutsamer Planungen. Sie nimmt damit eine vermittelnde Stellung zwischen staatlicher und kommunaler Planung ein. Sie steht im Spannungsfeld zwischen Gewerbe, Wohnraumanspr√ľchen und dem Bem√ľhen, Landschaftszerst√∂rung zu verhindern. Eine kluge, vorausschauende Regionalplanung k√∂nnte stadtnah Wohnraum (hoch, √∂kologisch, Stra√üenbahn erschlossen, sozial & f√ľr Normalverdienende bezahlbar ...) erm√∂glichen und gleichzeitig raumordnerische Fehlentwicklungen verhindern. Doch die Organisationsform Regionalverband hat einen "Strickfehler". Die Verbandsversammlung, das regionale "Parlament", ist b√ľrgermeisterdominiert. Und B√ľrgermeister und viele Gemeinder√§te wollen, dass ihre Gemeinden schnell wachsen. An einer √ľberregional vern√ľnftigen, nachhaltigen Raumordnung haben sie zu zumeist wenig Interesse.

1975, als Regionalplaner und Medien noch mutiger waren, stand im SPIEGEL

"Sie z√§hlte zum Besten, was Deutschland zu bieten hatte, die Tiefebene zwischen Schwarzwald und Vogesen, Odenwald und Pf√§lzer Wald. Sie wurde zu einer ¬Ľreinen Verbrauchslandschaft¬ę, die, so der Nachruf von Professor Wilhelm Sch√§fer, Leiter des Frankfurter Senckenberg-Instituts, an ¬Ľvielen Orten das Gesicht barbarischer Zerst√∂rung tr√§gt. Jeder, der kann, s√§belt sich ein St√ľck heraus.
Wie eine Pestepidemie im Mittelalter¬ę, berichtete Wolfgang Fuchs, Direktor des Regionalverbandes S√ľdlicher Oberrhein, suchte die Nachkriegsprosperit√§t die Oberrheinische Tiefebene heim. Von Norden nach S√ľden wucherten ¬ĽSt√§dteb√§nder, die immer st√§rker zu einem fantasielosen und funktionsgest√∂rten Siedlungsbrei auseinanderlaufen gleich einer Schimmelpilzkultur auf einem St√ľck K√§se¬ę, beobachtete S√ľdhessen-Planer Werner Zimmer."
Quelle:DER SPIEGEL 40/1975

Ein halbes Wachstums-Jahrhundert nach diesen fr√ľhen Warnungen und trotz Regionalplan hat sich die Situation in S√ľdbaden verschlimmert. Verscheu√ülichung, Fl√§chenverbrauch, Naturverlust, Verkehrszunahme, Verkehrsl√§rm, Verbreiung, Verlust von Restnatur und landwirtschaftlichen Fl√§chen, Architekturverbrechen, neonschrille Ortseinfahrten, Gewerbesteppen und Siedlungsbrei entlang der Vorbergzone und in den Schwarzwaldt√§lern sind Realit√§t. Im fr√ľher einmal in B√ľchern beschriebenen "Paradies am Oberrhein" schwindet die Lebensqualit√§t und die Scheu√ülichkeit anderer Ballungsr√§ume holt uns ein.

50 Jahre lang wurde am Oberrhein sinnvolle Regionalplanung immer mehr aufgeweicht und ausgehebelt. Viele regionale Gr√ľnz√ľge und Siedlungsz√§suren wurden auf Druck wachstumshungriger Gemeinder√§te und B√ľrgermeister zur√ľckgenommen. Zwischen Freiburg und Offenburg liegt eine Strecke von 68 km, davon sind 50 km zugebaute Siedlungsfl√§chen und nur noch 18 km Freiraum mit massiv abnehmender Tendenz.

Die Freifl√§chen zwischen den Gemeinden werden immer kleiner. √Ąhnliche Entwicklungen von zusammenwachsenden Siedlungsb√§ndern sind am Rand der Rheinebene und in den T√§lern des Schwarzwaldes nicht zu √ľbersehen. Liebevoll geplante Baugebiete einzelner Gemeinden wachsen zu einem gesichtslosen Siedlungsbrei zusammen. Landwirtschaftliche Fl√§chen und die viel zu kleinen Naturfl√§chen, die der Regionalplan zwischen den Gemeinden freizuhalten versucht, werden zu Stadtparks in einer sich entwickelnden Bandstadt. Der Oberrhein wird immer mehr zu einem gesichtslosen Fragment des zentraleurop√§ischen Verdichtungsraums, der Blauen Banane.

Umweltsch√ľtzer aller Verb√§nde kritisierten und kritisieren Regionalplanung, um sie zu st√§rken. 50 Jahre Regionalverband S√ľdlicher Oberrhein sollten eine Chance sein, um Entwicklungen und Fehlentwicklungen am Oberrhein kritisch zu hinterfragen.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Der Autor besch√§ftigt sich seit 50 Jahren mit Umwelt- und Naturschutz und mit Regionalplanung am Oberrhein. Er war 30 Jahre lang BUND-Gesch√§ftsf√ľhrer in Freiburg.
 
Eintrag vom: 12.11.2023  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2023 Benjamin Jäger