oekoplus - Freiburg
Dienstag, 24. Mai 2022
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


NABU-Negativpreis Dinosaurier des Jahres 2021: Emden ist √ľberall
Dinosaurier des Jahres (c) NABU/Klemens Karkow
 
NABU-Negativpreis Dinosaurier des Jahres 2021: Emden ist √ľberall
Kr√ľger: In Emden und ganz Deutschland wird Natur zubetoniert - bis 2050 ist eine Fl√§che in der Gr√∂√üe des Saarlands von Versiegelung bedroht

Berlin/Emden - Mit dem Negativpreis 'Dinosaurier des Jahres' zeichnet der NABU bereits zum 29. Mal die Umweltsauerei des Jahres aus. Preistr√§ger 2021 ist das Baugebiet Conrebbersweg in der Stadt Emden in Niedersachsen. Es wurde von der NABU-Jury stellvertretend f√ľr die Naturzerst√∂rung durch Bodenversiegelung in ganz Deutschland ausgew√§hlt. Emden hat eine seit vielen Jahren stagnierende Bev√∂lkerungsentwicklung. Die Einwohnerzahl ist zuletzt knapp unter die Marke von 50.000 gefallen. F√ľr ein gro√ües Baugebiet wird jetzt artenreiches Feucht- und Nassgr√ľnland mit fast fl√§chendeckendem Schutzstatus vernichtet. Auf der Fl√§che finden sich zahlreiche stark gef√§hrdete Pflanzen- und Vogelarten, darunter Wiesenpieper, Feldschwirl und Kiebitz. Mehr als zwei Drittel des 75 Hektar gro√üen Gebietes sollen versiegelt werden. Es liegt zudem einen Meter unter dem Meeresspiegel. Angesichts der zunehmenden Starkwetterereignisse droht damit nach der Bebauung weiteres Ungemach.

NABU-Pr√§sident J√∂rg-Andreas Kr√ľger: ‚ÄěWer an Emden und die Nordseek√ľste denkt, hat vermutlich Wind, Natur und plattes Land in saftigem gr√ľn vor Augen. Betonpolitik erwartet an dieser Stelle wohl kaum jemand. Jetzt soll ein landesweit bedeutsames Gebiet f√ľr den Biotopschutz zugunsten eines gro√ües Baugebietes unwiederbringbar zerst√∂rt werden. Der 'Dinosaurier des Jahres 2021' geht deshalb nach Emden an den Conrebbersweg. Wir verleihen ihn stellvertretend f√ľr die grassierende Bodenversiegelung in ganz Deutschland. Denn Emden ist √ľberall. In fast jeder Kommune der Bundesrepublik werden aktuell Fl√§chenversiegelungen geplant, rund 50 Hektar sind das bundesweit pro Tag. Diese Entwicklung l√§sst sich nicht unendlich fortsetzen. Deshalb fordern wir von der Bundesregierung eine st√§rkere Priorisierung der Fl√§chennutzung und eine Reduktion des Fl√§chenverbrauch auf netto Null bis 2030.‚Äú

Die Bundesregierung wollte den Fl√§chenfra√ü in Deutschland bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag reduzieren. Dieses Ziel wurde dann Anfang des Jahres 2018 um zehn Jahre nach hinten, auf das Jahr 2030 verschoben. Erst im Jahr 2050 wird im Klimaschutzplan der Bundesregierung nun das Ziel eines "netto Null"-Fl√§chenverbrauchs angepeilt. Bis dahin w√ľrden, nach diesen Pl√§nen von heute, weitere 250.000 bis 260.000 Hektar an zus√§tzlicher Fl√§che versiegelt. Das entspricht umgerechnet mehr als 350.000 Fu√üballpl√§tzen oder der Gr√∂√üe des Saarlands.

Natur, Landwirtschaft und Bebauung - vielerorts herrscht gro√üer Wettbewerb ums Land. Die Bundesregierung plant in den Ballungsgebieten den Neubau von 400.000 Wohnungen pro Jahr, soviel realisierte die letzte Regierung in der gesamten Legislatur. Dem stehen rund zwei Millionen leerstehende Wohnungen in l√§ndlichen Regionen und eine durch den demographischen Wandel eher sinkende Bev√∂lkerungszahl gegen√ľber. Das verdeutlicht die hohe Komplexit√§t bei der Fl√§chenversiegelung, bei der soziale Aspekte, die Verf√ľgbarkeit von Arbeit, aber auch Fragen von Infrastruktur und Verkehr zu ber√ľcksichtigen sind. Fl√§chen sind daher m√∂glichst nachhaltig und effektiv zu nutzen. Bei der sogenannten Innenverdichtung wird beispielsweise gepr√ľft, welche Fl√§chen sich innerhalb eines Ortes noch f√ľr Bebauung, Aufstockung, Umbau oder Verdichtung anbieten. Gleichzeitig ist auf ausreichend unversiegelte Fl√§che in den Orten zu achten, auf denen beispielsweise Wasser versickern oder verschattende Bepflanzung stehen kann. Baulandmobilisierung in den Au√üenbereichen von Ortschaften bedeutet hingegen weitere Fl√§chenversiegelung. Zwar werden dabei oft Ausgleichsma√ünahmen vorgesehen, die den Verlust an Biodiversit√§t kompensieren sollen. Ein qualitativer Ausgleich der zerst√∂rten Fl√§chen wird jedoch nur selten und wenn, dann erst nach vielen Jahren erreicht. Die Ampelkoalition hat das Problem erkannt und im Koalitionsvertrag angek√ľndigt das Baugesetzbuch dahingehend √ľberpr√ľfen zu wollen, unter anderem soll der umstrittene ¬ß13b gestrichen werden, der die Au√üenbebauung vereinfacht. Der NABU regt zus√§tzlich an, Wachstumsfehlanreize f√ľr Ortschaften aufgrund der Hauptansatzfaktoren des Finanzausgleichs auf Landesebene zu reduzieren.

Mit dem ‚ÄěDinosaurier des Jahres‚Äú, eine 2,6 Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse, zeichnet der NABU seit 1993 Pers√∂nlichkeiten des √∂ffentlichen Lebens aus, die sich durch besonders r√ľckschrittliches √∂ffentliches Engagement in Sachen Natur- und Umweltschutz hervorgetan haben. Seit 2020 werden nicht mehr Personen, sondern konkrete Projekte als Umweltsauerei des Jahres ausgezeichnet. Preistr√§ger 2020 war das Autobahnprojekt A26 Ost.

Mit mehr als 820.000 Mitgliedern und F√∂rdernden ist der 1899 gegr√ľndete NABU der mitgliederst√§rkste Umweltverband Deutschlands. Der NABU engagiert sich f√ľr den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. Zu den zentralen NABU-Anliegen geh√∂ren auch die Vermittlung von Naturerlebnissen und die F√∂rderung naturkundlicher Kenntnisse. Mehr Infos: www.NABU.de/wir-ueber-uns
Mehr
Eintrag vom: 27.12.2021  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2022 Benjamin Jäger