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Sonntag, 2. Oktober 2022
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Flächenverbrauch: Eine Rede
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Flächenverbrauch: Eine Rede
In Gundelfingen bei Freiburg sollen 44.000 Quadratmetern beim Areal N√§gelesee-Nord neu bebaut werden. Eine √∂rtliche B√ľrgerinitiative organisiert am 14. M√§rz 2021 (Landtagswahl) einen B√ľrgerentscheid. Die √∂rtliche BI wird unter anderem unterst√ľtzt von Fridays for Future, BUND, NABU und dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband.

Bei einer Informationsveranstaltung gegen diese Politik am 27. Februar waren als Redner vorgesehen:
Prof. Dr. Rainer Grie√ühammer, Wissenschaftler Universit√§t Freiburg, √Ėko-Institut Freiburg,
Martin Linser, Winzer, stellv. Vorsitzender im Bauernverband BLHV in Freiburg und
Axel Mayer,Kreisrat und (Alt-) BUND-Gesch√§ftsf√ľhrer - seinen Redebeitrag folgt hier:

Flächenverbrauch ist ein Scheiß-Thema

Es gibt die Wohnung-Habenden
Es gibt die Nicht Wohnung-Habenden
Und es gibt die Gewinnerregionen und die Verliererregionen
Und es gibt diejenigen die die Einen gegen die Anderen ausspielen

Ich kann zur Situation in Gundelfingen wenig sagen
aber Gundelfingen ist √ľberall, nicht nur in S√ľdbaden

Das neue Gundelfinger Baugebiet wird vom B√ľrgermeister und den Gemeinder√§ten liebevoll und zwischenzeitlich auch ziemlich √∂kologisch geplant
In Endingen, wo ich herkomme, werden die Baugebiete auch liebevoll und zwischenzeitlich ziemlich ökologisch geplant
Auch in den Gundelfinger und den Endinger Nachbargemeinden werden die Baugebiete liebevoll geplant

Doch wenn diese liebevoll geplanten Baugebiete zusammen wachsen, dann ist das hässlicher Siedlungsbrei, Bandstadt, Suburbia, Lärm, Stau & Verkehrsprobleme

Fahren Sie einmal auf der B3 von Buggingen, Freiburg, Gundelfingen nach Offenburg
Hier wächst ein Siedlungsband, eine "Nichteinmalrichtigstadt" Basel-Freiburg-Karlsruhe zusammen
Hier wuchert, gegen jede Idee vern√ľnftiger Regionalplanung, ein h√§ssliches, zugebautes, scheu√üliches Siedlungsband zusammen

Zwischen Freiburg und Offenburg liegt eine Strecke von 68 km
Zwischen Freiburg und Offenburg liegen 50 km zugebaute Siedlungsflächen und nur noch 18 km Freiraum mit massiv abnehmender Tendenz
Ein Betonring wächst langsam auch um den Kaiserstuhl und wuchert in die Seitentäler des Schwarzwaldes

Fahren Sie die Strecke einmal mit offenen Augen und offenen Herzen ab
Das Problem ist nicht nur, dass gebaut wird
Das Problem ist auch wie gebaut wird

Liebevoll gedachte Baugebiete wie in Gundelfingen wachsen zu hässlich wuchernden, breiartige Siedlungsstrukturen zusammen
Wir schreien nach kluger, weitsichtiger, √ľberregionaler Planung und Raumordnung!

Das Problem ist auch wie gebaut wird
Neonschrille Ortseinfahrten, trostlose Gewerbesteppen, Wegwerfarchitektur, architektonische Monotonie und die Billigbauten der Hypermarche-Kultur

Seit Jahrzehnten wird uns ein Ende des Flächenverbrauchs versprochen
Doch täglich werden in Deutschland rund 56 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen.
Dies entspricht einer Fläche von circa 79 Fußballfeldern

Es gibt die Idee der "blauen Banane"
Haben Sie schon einmal etwas von der Vision der "blauen Banane" gehört?

"Die "blauen Banane" ist ein zentraleuropäischer Verdichtungsraum mit rund 111 Millionen Einwohnern, ein bandförmiger europäischer Großraum zwischen Irischer See und Mittelmeer, deren Urbanisierung eine Kette von Ballungsräumen bildet, was man auch als Megalopolis oder Megaregion bezeichnet" (Wikipedia)


Freiburg und Gundelfingen liegen im Herzen der blauen Banane
Freiburg, Gundelfingen und der Oberrhein liegen im Herzen des zusammenwachsenden zentraleuropäischen Verdichtungsraumes

Wenn Dietenbach zugebaut ist, ist Freiburg "voll"
Dann wird "Breiburg im Breigau" noch stärker ins Umland explodieren

Wann endet endlich der vorsintflutliche Kantönlisgeist der Stadt und der beiden Landkreise?
Freiburg und die beiden Nachbarkreise sind keine drei isolierten Inseln
Freiburg und die beiden Nachbarkreise m√ľssen endlich endlich im Zusammenhang gesehen werden

Das neue Gundelfinger Baugebiet ist ein Puzzlestein
Warum legen unsere Politiker, warum legen unsere Medien diese Puzzlesteine so selten zu möglichen Zukunfts-Bildern zusammen?

Welches Bild ergibt sich, wenn die vielen Puzzlesteine zu einem Bild zusammengef√ľgt werden?
Ein zumeist scheußliches Siedlungsband von Basel nach Karlsruhe
Ein Leben in der blauen Banane im zentraleuropäischen Verdichtungsraum das nach dem Prinzip der Salami-Taktik durchgesetzt wird

Was macht das mit der Restlandwirtschaft?
Was macht das mit der Restnatur in Zeiten globaler und regionaler Artenausrottung?
Was macht das mit den Menschen?
Was macht das mit uns?

Es ist dieses alte Wissen, das in der Politik nie angekommen ist:
Unbegrenztes Wachstum und Gier zerstören begrenzte Systeme und Heimat
Unbegrenztes Wachstum und Gier sind die Ursachen f√ľr Klimakatastrophe, Artenausrottung und Fl√§chenverbrauch
Unbegrenztes Wachstum zerstört die Green City und den Oberrhein und Gundelfingen

Was tun?
Ich habe da so eine absolut verr√ľckte Idee
Was fehlt, ist kluge, weitschauende Planung und menschengerechte Raumordnung
Wir br√§uchten so etwas wie Regionalplanung, ein politisches Gremium das Bauen √ľberregional plant und Verbreiung verhindert
Wir könnten es zum Beispiel "Regionalverband" nennen
Klug, nachhaltig und b√ľrgermeisterfern k√∂nnte es raumordnerische Fehlentwicklungen verhindern
Zugegeben: So eine neue, nie gedachte Institution ist angesichts unserer B√ľrgermeister-Macht-Strukturen nat√ľrlich eine verr√ľckte Idee

Was tun?
Es gibt tatsächlich ein Wohnraumproblem am Oberrhein und explodierende Mieten
Aber es gibt auch fast 2 Millionen leerstehende Wohnungen in Deutschland
Es gibt die Gewinnerregionen und die Verliererregionen auch in Baden-W√ľrttemberg
Der Staat versagt, wenn er es nicht schafft √ľberall in diesem Land vergleichbare Lebensverh√§ltnisse zu schaffen
Der Staat versagt, wenn er es nicht schafft, die Landflucht zu bremsen

Die Stadt Freiburg wird ihrer Stadtfunktion im Neubaugebiet Dietenbach nicht gerecht
Die "wir erlauben immer alles Parteien" versagen beim Thema Wohnraumspekulation, Mietenexplosion und sozialer Wohnungsbau

Was nicht tun?
Wir k√∂nnen nat√ľrlich auf die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels in der Hitzeregion am Oberrhein setzen
Wenn aus der wärmsten Region Deutschlands das heißeste Problemgebiet wird, wird der Zuzug stoppen

Wir k√∂nnen nat√ľrlich auch "die Kr√§fte des Marktes" walten lassen
Wir k√∂nnen nat√ľrlich auch die "jeder kann machen was er will Parteien" walten lassen
Das f√ľhrt dazu, dass jeder wo er will und wie er will bauen kann und darf
Fr√ľher hat dieses Prinzip schon einmal zur Katastrophe der menschenfeindlichen "autogerechten Stadt" gef√ľhrt

Wenn wir die "die Kräfte des Marktes uneingeschränkt walten lassen" wird einfach so lange zugebaut,
bis S√ľdbaden, eine der sch√∂nsten Regionen Deutschlands so zugebaut-h√§sslich ist, dass niemand mehr herzieht

Ich wurde von Menschen angesprochen, die aus dem Moloch Mittlerer Neckarraum nach S√ľdbaden geflohen sind
Sie sagen, dass sich die dortigen Zersiedelungsprozesse hier eins zu eins wiederholen
Sie werden der "Nichteinmalrichtigstadt" Basel-Freiburg-Karlsruhe wieder entfliehen und wegziehen

Ich w√ľrde gerne hier bleiben

Wir d√ľrfen nicht zulassen, dass die Wohnung-Habenden gezielt gegen die Nichtwohnung-Habenden ausgespielt werden

Das neue Baugebiet in Gundelfingen ist eben auch ein Puzzlestein in einem Bild der Zerstörung
Unser heutiger Protest und der B√ľrgerentscheid wenden sich auch gegen einen Totalausfall von Raumordnung
Unser heutiger Protest ist Sand im Getriebe der "Nichteinmalrichtigstadt" Basel-Freiburg-Karlsruhe, der europäischen Megapole am Oberrhein
Ein Entscheid der B√ľrgerinnen und B√ľrger gegen das Baugebiet
Euer Entscheid gegen das Baugebiet w√ľrde globale Zerst√∂rungsprozesse regional verlangsamen

Die Grenzen des Wachstums, Klimakatastrophe, Artenausrottung und Fl√§chenverbrauch m√ľssen endlich endlich in Zusammenhang gesehen werden
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Eintrag vom: 01.03.2021  




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