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Sonntag, 26. März 2023
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Wirkungsvoller Klimaschutz benötigt politische Vorgaben
Die deutsche Energiepolitik nach der Bundestagswahl stand im Mittelpunkt einer von fast 100 sehr interessierten Personen besuchten Podiumsdiskussion in der UniversitĂ€t Freiburg, zu der das KlimabĂŒndnis Freiburg sowie der u-asta der Uni Freiburg vier bedeutende Energie-Experten und fĂŒnf Vertreter der Bundestagskandidaten des Wahlkreises Freiburg eingeladen hatten.

Eingangs setzten sich Gabi Rolland fĂŒr die SPD, Walter Witzel fĂŒr die GrĂŒnen und Dirk Spöri fĂŒr die Linken klar fĂŒr die Beibehaltung des Atomkraftausstiegs ein, wĂ€hrend Manfred Hettich fĂŒr die CDU und Thomas HĂ€rringer sich fĂŒr weitere Atomkraftnutzung als Übergangsenergie aussprachen.

Zwar waren sich alle Sprecher mit dem Publikum einig, dass die erneuerbaren Energien in den nĂ€chsten Jahren enorm ausgebaut werden mĂŒssen und verstĂ€rkte Anstrengungen in den Bereichen Energieeffizienz und Energiesparen von Nöten sind. Aber es wurden auf dem Podium deutlich unterschiedliche Meinungen vertreten, wie dies zu erreichen sei.

Thomas HĂ€rringer (FDP) sprach sich vor allem fĂŒr AufklĂ€rung und finanzielle Vorteile fĂŒr Investoren aus, um die Klimaziele zu erreichen. Nach Ansicht der Vertreter von SPD, GrĂŒnen und der Linken sowie fĂŒr Veit BĂŒrger vom Öko-Institut reicht Freiwilligkeit allein zur Lösung der Klimaproblematik aber nicht aus. Regulierende Eingriffe des Staates, z.B. zum Verbot von energiefressenden HaushaltsgerĂ€ten, Nachtspeicheröfen und Anlagen zur elektrischen WĂ€rmeerzeugung mĂŒssten gepaart werden mit finanzieller Förderung zur Vermeidung von sozialen HĂ€rten. Dies fĂŒhre schneller und umfassender zum Ziel, bis 2050 die Kohlendioxidemissionen möglichst ganz zu vermeiden. So will die SPD laut Gabi Rolland in der nĂ€chsten Legislaturperiode 2 Mrd. Euro fĂŒr die verstĂ€rkte GebĂ€udesanierung bereitstellen, wĂ€hrend Dr. Walter Witzel fĂŒr BĂŒndnis90/ Die GrĂŒnen sowie Dirk Spöri fĂŒr „Die Linke“ einen ebenfalls 2 Mrd. Euro schweren Energiesparfonds zur UnterstĂŒtzung sozial schwĂ€cherer Haushalte auflegen möchten.

Gerhard Stryi-Hipp, neuer Leiter zu Energiepolitik vom Fraunhofer-Institut fĂŒr Solare Energiesysteme (ISE), machte klar, dass die wenig flexiblen Kohle- und Atomkraftwerke nicht vereinbar sind mit der schwankenden Stromeinspeisung der Wind- und Solarkraftwerke. Die VerlĂ€ngerung der Laufzeiten fĂŒr Atomkraftwerke, die von CDU und FDP gewollt wird, wĂŒrde daher Investitionen in erneuerbare Energien, Kraft-WĂ€rme-Kopplung und Energiesparen und somit zehntausende ArbeitsplĂ€tze kurz- und mittelfristig gefĂ€hrden.

Dr. Michael Sladek, der fĂŒr die neue Genossenschaft „Energie in BĂŒrgerhand“ antrat, wandte sich vehement gegen die Linie von CDU und FDP pro Atomkraft als Übergangsenergie mit LaufzeitverlĂ€ngerung. Denn damit wollten Stromkonzerne wie Eon und RWE die erneuerbaren Energien klein halten, wie sich ganz eindeutig an Aktionen dieser Konzerne erweise. Wie Stromrebell Michal Sladek weiter mitteilte, werbe die EWS Schönau/ Schwarzwald nicht nur fĂŒr das Abwracken der alten Atomkraftwerke, sondern auch konkret fĂŒr den Austausch von alten Heizungspumpen. Dieser von der EWS bezuschusste Austausch ermögliche etwa 80% Stromeinsparung und wĂŒrde auf Deutschland hochgerechnet ganze zwei Atomkraftwerke ĂŒberflĂŒssig machen. Die von ihm eingebrachte Idee, CO2-Emissionsrechte aufzukaufen und diese durch „Stilllegung“ aus dem Markt zu nehmen und somit die verbleibenden Rechte zu verteuern, stieß bei den Parteienvertretern auf breite Zustimmung.

Ingenieur Karl-Ekkehard Sester von der „100 Prozent GmbH“, dem neuen Wirtschaftsverband Erneuerbare Energien Regio Freiburg, verdeutlichte, dass mehrere europĂ€ische NachbarlĂ€nder den Anteil der Stromerzeugung aus hocheffizienter Kraft-WĂ€rme-Kopplung (KWK) schnell und deutlich gesteigert hĂ€tten, DĂ€nemark z.B. auf 50%, wĂ€hrend in Deutschland kaum mehr als 10% realisiert seien. WĂ€hrend sich „Rot-Rot-GrĂŒn“ auf dem Podium fĂŒr mindestens 25-30% KWK-Anteil bis 2020 aussprachen und dies ebenso wie Michael Sladek durch einen Mix von hocheffizienten kleinen und großen Anlagen erreichen wollen, sprachen sich Manfred Hettich fĂŒr die CDU und Karl-Ekkehard Seester vor allem fĂŒr die Nutzung von wĂ€rmebedarfsgesteuerten grĂ¶ĂŸeren Anlagen aus. Dr. Witzel bezeichnete Strom aus KWK unwidersprochen als die wichtigste und schnellste Alternative zur Atomkraft.

Der sehr zweifelhafte Nutzen der elektrischen WĂ€rmepumpen, der deutlich zu steigernde Anteil der erneuerbaren Energien bei der WĂ€rmeerzeugung sowie die EinfĂŒhrung des „Top-Runner-Prinzips“, bei dem die effizientesten GerĂ€te nach 3 Jahren Mindestvorgabe werden, schlechtere GerĂ€te dĂŒrfen dann nicht mehr angeboten werden, waren einige der weiteren spannenden Themen des Abends.

Dr. Georg Löser, aktiv fĂŒrs KlimabĂŒndnis Freiburg sowie Vorsitzender des ECOtrinova e.V., entlockte als Leiter der Veranstaltung den PodiumsgĂ€sten sowie den Zuhörern engagierte BeitrĂ€ge, so dass erst die Schließung der UniversitĂ€t um 22 Uhr die Diskussion beenden konnte.

JĂŒrgen Wieland, KlimabĂŒndnis Freiburg, 18.09.09



Im Bild die Parteienvertreter auf dem Podium (von links nach rechts): CDU: Manfred Hettich (CDU), Thomas HĂ€rringer (FDP), Dirk Spöri (Die LINKE), Dr. Walter Witzel (BĂŒndnis90/Die GRÜNEN), Gabi Rolland (SPD)
 
Eintrag vom: 24.09.2009  




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