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Windgfällweiher: Schöne bedrohte Natur im Schwarzwald
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Windgfällweiher: Schöne bedrohte Natur im Schwarzwald
Der Windgfällweiher ist ein wunderschön gelegener, stiller, kleiner Schwarzwald-Stausee in einer durch eiszeitliche Gletscher geformten Mulde. Er liegt zwischen dem Titisee und dem Schluchsee im Hochschwarzwald. Leider nur der südliche Teil des Sees und seine Umgebung sind als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen, obwohl eigentlich der ganze See schutzwürdig ist. Bis vor wenigen Jahren war das Kleinod mit dem hübschen, kleinen Strandbad im Schwarzwald noch ein "Geheimtipp". Jetzt wird er mehr und mehr zum Rummelplatz.

Die geplante Seilbahn über den Taubergießen, die Verrummelung des Feldberges und des Nationalparks Schwarzwald zeigen: Manche Lokalpolitiker in Südbaden lieben die Natur aus tiefstem Herzen, allerdings nur, wenn sich damit Umsatz und Gewinn machen lassen. So ist der überlaufene "Rummelsee - Mummelsee" an der Schwarzwaldhochstraße der Traum aller Schwarzwaldtouristiker und ein Albtraum für die Natur.

Der wunderschöne Windgfällweiher mit seiner Restnatur wird jetzt schon überbeansprucht. Die Entstehung einer breiartig wuchernden Bandstadt "Basel-Freiburg-Offenburg" in der Vorbergzone der Rheinebene erhöht (nicht nur in Corona-Zeiten) den Besucherdruck auf alle naturnahen Restgebiete.

Jetzt soll auch der Windgfällweiher noch "besser vermarktet werden". Das fürstliche Haus aus Donaueschingen möchte einen kommerziellen Wohnmobilplatz für 115 Fahrzeuge bauen und betreiben, aber örtliche Naturschützerinnen und Naturschützer sind wachsam. Das 3 ha große Gebiet für die Stellplätze besteht aus einer feuchten Senke, muss also aufgeschüttet werden. Im bedrohten Gebiet leben u.a. neun Fledermausarten, Waldeidechsen, Blindschleichen und weitere Reptilienarten wie Schlingnatter, Ringelnatter und Kreuzotter und 24 Vogelarten.

Der Konflikt um die Wohnmobil-Stellplätze am Windgfällweiher könnte gewonnen werden. Noch gibt es keine konkreten Planungen, sondern "Vorüberlegungen". In diesen Versuchsballon wollen die örtlich Aktiven, unterstützt auch von der Mitwelt Stiftung Oberrhein, mit einer Unterschriftenaktion eine Nadel stechen. Sollten aus "Vorüberlegungen" allerdings konkrete Planungen werden, ist mit heftigem Protest zu rechnen.

Die wenigen, erhalten gebliebenen, historischen Altstädte und die restlichen Naturgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend bedrohte Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.
Die großen, drängenden Naturschutz-Fragen in Südbaden müssen im Zusammenhang und losgelöst von Einzelproblemen gesehen werden. Artenausrottung, Windgfällweiher-Gefährdung, Seilbahnpläne über den Taubergießen und die Kaiserstuhl- und Feldberg-Verrummelung stehen für eine verhängnisvolle Gesamtentwicklung.

Wie umgehen mit einer wachsenden Bevölkerung in einer verbauten, zunehmend hässlich werdenden Rheinebene, einer Bevölkerung mit immer mehr Freizeit und einem verständlichen Drang in die verbleibende Rest-Natur? Um in einer Zeit globaler und regionaler Artenausrottung die letzten und wertvollsten Gebiete und Arten am Oberrhein zu erhalten, müssten eigentlich immer mehr "Rühr-mich-nicht-an"-Schutzgebiete ausgewiesen werden. Es gibt ein Dilemma zwischen der Notwendigkeit, die bedrohten Arten und die Restnatur zu schützen und dem verständlichen Wunsch der Menschen nach Natur. Wir brauchen endlich mehr Natur und Naturschutzgebiete, mehr Flächen statt Nischen, einen größeren Nationalpark und mehr Gewässerrenaturierung. Wohnmobil-Stellplätze an weniger sensiblen Standorten und stadtnahe Rummelseen sind notwendig und akzeptabel. In der schönsten Rest-Natur brauchen wir sie nicht und werden sie auch verhindern.
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Eintrag vom: 07.01.2021 Autor: Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein




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