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Sonntag, 25. Juli 2021
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Slow Food kritisiert Lebensmittelgipfel im Kanzleramt
Tragfähige Zukunftsvisionen bleiben aus

Nach dem gestrigen ‚ÄěLebensmittelgipfel‚Äú im Bundeskanzleramt, an dem neben Bundeskanzlerin Angela Merkel Spitzenvertreter*innen der gr√∂√üten Lebensmittelkonzerne Deutschlands sowie Bundesagrarministerin Julia Kl√∂ckner und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier teilnahmen, kritisiert Slow Food Deutschland: Ermahnungen und Kontrolle von Dumpingpreisen bringen nicht die Ver√§nderungen, die erforderlich sind. Es fehlt an einer gestaltenden Politik, die eine zukunftsf√§hige Ern√§hrungs- und Landwirtschaftspolitik vorantreibt. Deren oberstes Ziel m√ľsste es sein, die Menschen in Deutschland gut zu ern√§hren und einen gesunden Planeten zu hinterlassen.

Die anhaltenden Bauernproteste und Schn√§ppchenpreise gro√üer Handelsketten gaben Anlass f√ľr die Spitzenrunde im Kanzleramt. Das Ergebnis: Die Gespr√§che sollen fortgesetzt, faire Beziehungen zwischen Erzeuger*innen und Handel vorangetrieben werden. Aus Sicht von Slow Food ist es gut, dass damit endlich wieder Bewegung in die Debatte √ľber den Wert von Lebensmitteln als unseren Mitteln zum Leben sowie die Wertsch√§tzung der Erzeuger*innen kommt. Aus den meisten wertvollen Grundnahrungsmitteln sind industrielle ‚ÄöRamschprodukte‚Äė geworden. Bei einem Liter Milch f√ľr 60 Cent sind weder eine faire Entlohnung f√ľr Erzeuger*innen noch das Wohl des Tieres und hohe Qualit√§t m√∂glich.

Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, gehen die Debatte nicht tief und die Ergebnisse nicht weit genug: ‚ÄěDie politisch Verantwortlichen drehen erneut an Schr√§ubchen. Statt die Wurzeln des Problems anzupacken, setzen sie dieses Mal beim Handel an. Nat√ľrlich tr√§gt dieser durch Konkurrenzkampf zur Preismisere bei. Das aber ist Resultat der Herausforderung, ein viel zu gro√ües Volumen an Lebensmitteln aus industrieller Gro√üproduktion an die Verbraucher*innen zu bringen. Allein der Markt an tierischen Erzeugnissen ist in Deutschland von viel zu gro√üen Mengen dominiert, was diese g√ľnstigen Preise erzwingt. Diese Mengen werden zu Bedingungen produziert, die die Bev√∂lkerung in gro√üen Teilen eigentlich nicht mehr will. Das kann der Handel aber nicht alleine von der Supermarktkasse aus steuern. Daf√ľr braucht es eine Politik, die das System zukunftsf√§hig umgestaltet.‚Äú

Aus Sicht von Slow Food sollte die Politik eine Lebensmittelerzeugung und -weiterverarbeitung in den Mittelpunkt stellen, die gut und fair im Umgang mit der Natur, den Menschen und den Tieren ist. Damit h√§tte das ganze Verschwendungssystem ein Ende. Nat√ľrlich h√§tte eine solche Politik h√∂here Lebensmittelpreise und eine ver√§nderte Ern√§hrungsweise zur Folge. Dazu Hudson: ‚ÄěWir werden als Verbraucher*innen mehr Geld f√ľr unsere Lebensmittel ausgeben m√ľssen. Wenn wir den Planeten f√ľr die jetzige und die kommende Generationen nicht weiter zerst√∂ren wollen, kommen wir da nicht drumherum. Zugleich sollte die Politik daf√ľr sorgen, dass Menschen mit Lohn und Rente ein lebenswertes Auskommen haben, um sich die wahren Lebensmittelpreise leisten zu k√∂nnen. Billigprise d√ľrfen keine robuste Sozialpolitik ersetzen.‚Äú Auch viele unserer Gewohnheiten werden sich ver√§ndern m√ľssen. Bei verschiedenen Aktionen zeigt Slow Food Verbraucher*innen, dass das nicht nur mit Verlust einhergeht, sondern mit viel kulinarischem Gewinn in der K√ľche.
 
Eintrag vom: 04.02.2020  




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