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Wenn Wasser auf Reisen geht
Pipelines, Talsperren und Flussregulierungen: WWF kritisiert soziale und √∂kologische Folgen / Wassertransfer-Projekte wirtschaftlich fragw√ľrdig

Frankfurt/Stockholm - Barcelona bekommt per Schiffsladung Wasser aus S√ľdfrankreich. In S√ľdafrika trocknet eine ganze Region aus, um weit entfernte Industriegebiete mit dem kostbaren Nass zu versorgen. Und in China wird Wasser √ľber 1400 km von S√ľden nach Norden geleitet, um ein Defizit von 52 km¬≥ pro Jahr auszugleichen.- Wassertransferprojekte gelten als ‚ÄěAllheilmittel‚Äú zur Deckung eines steigenden Bedarfs, f√ľr eine F√∂rderung des Wirtschaftswachstums oder zur Armutsbek√§mpfung. Doch nach einer aktuellen WWF-Analyse, die im Rahmen der Weltwasserwoche in Stockholm vorgestellt wurde, sind die teuren Mega-Projekte oftmals wirtschaftlich fragw√ľrdig und meist mit enormen sozialen und √∂kologischen Auswirkungen verbunden.

‚ÄěWassertransfer-Projekte sind nicht die L√∂sung des Problems von Wasserknappkeit und steigender Nachfrage, sondern lediglich eine technokratische Antwort darauf. Sie k√∂nnen angesichts ihrer enormen Auswirkungen immer nur die letzte Option sein, wenn alle anderen Alternativen versagen‚Äú, sagt Martin Geiger, Leiter Bereich S√ľ√üwasser beim WWF Deutschland. Zun√§chst einmal m√ľsse der Wasserbedarf in der zu versorgenden Region verringert werden, etwa durch die Optimierung von Bew√§sserungssystemen oder intelligente Wasserwiederverwendung. Auch Entsalzungsanlagen k√∂nnen eine kosteng√ľnstige und umweltvertr√§gliche Alternative darstellen.

Der WWF hat f√ľr seine Analyse weltweit sieben geplante oder bereits umgesetzte Vorhaben untersucht. So soll f√ľr gesch√§tzte 2,9 bis 4,4 Milliarden Euro ein Mega-Projekt mit drei gro√üen Talsperren in Griechenland realisiert werden, verbunden mit dem Verlust wertvoller √Ėkosysteme und der Zerst√∂rung historischer Kulturg√ľter. Die Wirtschaftlichkeit der Ma√ünahmen beruht dabei allein auf dem wasserintensiven und von der EU hoch subventionierten Baumwollanbau in der 170 km entfernten Thessaly-Region. Spanien plant hingegen am Fluss Tagus, dem bereits seit Ende der 1970er Jahre Wasser entnommen wird, ein neues Gro√üprojekt. Vornehmlich mit EU-Geldern soll dort f√ľr √ľber 270 Millionen Euro ein neues Transfersystem entstehen, um die Region Castilla-La Mancha mit Wasser zu versorgen. Und das, obwohl die Auswirkungen am Tagus bereits heute enorm sind: Best√§ndig sinkende Pegelst√§nde setzen Ufervegetation und Wasserqualit√§t zu; zahlreiche, seltene Fischarten sind in ihrem Bestand bedroht. Hinzu kommt, dass der bereits existierende Transfer nicht einmal ann√§hernd die Erwartungen erf√ľllt hat.

Hintergrund: Wassertransfer-Projekte sind kein Phänomen der Moderne und bereits aus dem Altertum bekannt. Doch allein in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden mehr als 350 große Wassertransfer-Projekte, durch die jährlich rund 400 Mrd. m³ Wasser umgeleitet wird. Bis 2020 soll sich diese Zahl verdoppeln
 
Eintrag vom: 22.08.2009  




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