oekoplus - Freiburg
Montag, 19. August 2019
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
Kein Bedarf in Sicht: NABU stellt Gutachten zur Fehmarnbeltquerung vor
Miller: Urteil der Verkehrsexperten kommt Todessto√ü f√ľr Ostseetunnel gleich

Berlin/Hamburg ‚Äď F√ľr den geplanten Ostseetunnel gibt es keinen Bedarf ‚Äď das ist das Ergebnis eines Verkehrsgutachtens des renommierten Verkehrsberatungsb√ľros Hanseatic Transport Consultancy (HTC), das am heutigen Donnerstag in Hamburg vorgestellt wurde. Der NABU hatte das Gutachten im Zuge seiner Klagebegr√ľndung zur Fehmarnbeltquerung in Auftrag gegeben. Ziel war es, zu ermitteln, inwieweit Europas derzeit gr√∂√ütes und teuerstes Infrastrukturprojekt unter aktuellen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen noch zu rechtfertigen ist. Das Fazit der HTC-Studie ‚ÄěBedarfsbezogene Verkehrsmarktuntersuchungen im Kontext der geplanten festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ)‚Äú f√§llt vernichtend aus. Ein tats√§chlicher Bedarf f√ľr ein Vorhaben dieser Gr√∂√üenordnung wird mit Blick auf die Kosten sowie die erheblichen negativen √∂kologischen Einfl√ľsse auf den Fehmarnbelt von den Gutachtern ausdr√ľcklich verneint. ‚ÄěDas Urteil der Verkehrsexperten kommt einem Todessto√ü f√ľr die feste Fehmarnbeltquerung gleich. Das Vorhaben atmet den Geist des 20. Jahrhunderts und darf heute, wo dem Klimafragen und neue Mobilit√§tsformen immer wichtiger werden, auf keinen Fall gebaut werden‚Äú, so Leif Miller, NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer.

Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass es auf der Strecke keine wesentlichen Engp√§sse gibt und auch f√ľr die Zukunft keine in Sicht sind. Die Gutachter haben keine Anhaltspunkte daf√ľr, dass sich dies bei aktueller weltwirtschaftlicher Abk√ľhlung √§ndern sollte. Selbst in den vergangenen zehn Jahren der Hochkonjunktur hatte sich kein Wachstum des Verkehrs auf der Strecke eingestellt. Sollte sich dies doch wider Erwarten √§ndern, k√∂nne die Infrastruktur in D√§nemark und Deutschland punktuell angepasst werden, so die Gutachter. Das spare ressourcenfressende, √∂konomisch und √∂kologisch h√∂chst fragw√ľrdige Neubauprojekte.

Ein zentraler Punkt des Gutachtens ist die zunehmende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die zu erwartenden fundamentalen Ver√§nderungen f√ľr Transport, Verkehr und Logistik, etwa mit Blick auf zuk√ľnftige Produktions- und Absatzregionen, die Struktur und das Gesamtvolumen der bef√∂rderten G√ľter, seien nie durch aktualisierte Verkehrsprognosen abgebildet worden, obwohl das zeitlich m√∂glich und inhaltlich seit geraumer Zeit n√∂tig gewesen w√§re.

Nach Auffassung des NABU zeige das Gutachten eindringlich, dass weder f√ľr die Stra√üe noch f√ľr die Schiene ein tats√§chlicher Bedarf besteht. Wolle man zudem das eigentliche Verkehrsziel der Europ√§ischen Union, den Stra√üeng√ľterverkehr auf die Schiene zu verlagern (‚Äěfrom road to rail‚Äú), ernsthaft erreichen, m√ľsse der Bahng√ľterverkehr gest√§rkt werden. ‚ÄěDeswegen erwarten wir eine vern√ľnftige und verantwortungsvolle Anpassung der geplanten Fehmarnbeltquerung an die Realit√§t. Ein reiner Eisenbahntunnel in der gebohrten Variante w√ľrde den Bahng√ľterverkehr st√§rken und deutlich weniger √∂kologischen Schaden anrichten. Die aktuelle Dimension des Vorhabens ist v√∂llig unangemessen‚Äú, so Malte Siegert, Fehmarnbelt-Experte des NABU. Zwei Drittel der Kosten f√ľr das Projekt seien aber f√ľr die Stra√üenverbindung vorgesehen, obwohl es sich laut Planfeststellungsbeschluss explizit um ein Eisenbahnprojekt handelt.

Das Gutachten zum Download....
Mehr
Eintrag vom: 12.07.2019  




zurück

Copyright 2010 - 2019 Benjamin Jäger