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Montag, 19. August 2019
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NABU: Verspielt der Bauernverband die Zukunft seiner Mitglieder?
Miller: EU-Agrarverhandlungen bieten Chance f├╝r natur- und sozialvertr├Ąglichen Umbau der Landwirtschaft - Fahrplan f├╝r Umbau der Subventionen n├Âtig

Berlin ÔÇô Der NABU fordert den Deutschen Bauernverband zum Start des Deutschen Bauerntages in Sachsen auf, endlich die Chancen f├╝r einen sozial und umweltvertr├Ąglichen Wandel der Landwirtschaft zu nutzen. Diese w├╝rden bei den laufenden EU-Agrarverhandlungen geradezu auf dem Silbertablett pr├Ąsentiert. Ein Fahrplan zum ├Âkologischen Umbau der milliardenschweren Subventionen k├Ânnte den meisten Betrieben Planungssicherheit, eine wirtschaftliche Perspektive und gesellschaftliche Wertsch├Ątzung zur├╝ckgeben. Das diesj├Ąhrige Motto ÔÇ×Wandel braucht Verl├ĄsslichkeitÔÇť f├╝hre der Bauernverband mit seiner Blockadehaltung jedoch bisher ad absurdum.

ÔÇ×Viele Branchen m├╝ssen sich in Zeiten von Klimakrise und Artensterben neu aufstellen. Aber wohl kaum eine hat daf├╝r so viel Steuergeld zur Verf├╝gung wie die Landwirtschaft. Leider nur theoretisch ÔÇô denn statt in L├Âsungen f├╝r den Wandel zu investieren, verhindert der Deutsche Bauernverband eine Umverteilung der derzeit knapp 60 Milliarden Euro EU-SubventionenÔÇť, sagt NABU-Bundesgesch├Ąftsf├╝hrer Leif Miller. ÔÇ×Durch sein Festhalten am verschwenderischen und umweltsch├Ądlichen System der pauschalen Fl├Ąchenpr├Ąmien verspielt der DBV die Zukunft vieler seiner Mitglieder.ÔÇť Der NABU wirft dabei der Bundesregierung vor, bei den Haushalts- und Agrarverhandlungen in Br├╝ssel der Linie der von DBV-Pr├Ąsident Rukwied zu folgen und den Rat ihrer wissenschaftlichen Berater und der Rechnungsh├Âfe zu ignorieren.

Bundesagrarministerin Julia Kl├Âckner m├╝sse nun den Mut haben, auch ohne Zustimmung des m├Ąchtigen Lobbyverbands DBV einen klaren Fahrplan f├╝r die Umwandlung der pauschalen Fl├Ąchensubventionen vorzulegen und auf EU-Ebene zu vertreten. J├Ąhrlich 15 Milliarden Euro m├╝ssten dabei konkret f├╝r Naturschutzma├čnahmen flie├čen, damit sich der Erhalt der Artenvielfalt f├╝r Landwirte auch lohne. Hierf├╝r m├╝ssten sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Olaf Scholz in Br├╝ssel einsetzen, wo im Herbst ├╝ber den EU-Haushalt f├╝r das n├Ąchste Jahrzehnt verhandelt wird.

Ein Fahrplan f├╝r eine zukunftsf├Ąhige und nachhaltigere EU-Agrarpolitik, die k├╝nftig die Leistung f├╝r den Naturschutz statt rein pauschal die Fl├Ąche honoriert, k├Ânne sich zudem positiv auf den Stellenwert der Landwirtschaft in der Gesellschaft auswirken, indem ihre wichtige Funktion f├╝r den Erhalt der Kulturlandschaft wieder in den Blickpunkt r├╝ckt. Vermutlich w├╝rden sich die Landwirtinnen und Landwirte dann auch wieder besser vom DBV und der Landwirtschaftsministerin vertreten f├╝hlen. Eine forsa-Umfrage unter Landwirten zeigt, dass sich nur zwei Prozent der B├Ąuerinnen und Bauern vom DBV gut vertreten f├╝hlen, 56 Prozent hingegen f├╝hlen sich schlecht oder eher schlecht vertreten. Doch auch von Julia Kl├Âckner f├╝hlen sich zwei Drittel der Landwirte schlecht repr├Ąsentiert. Die Umfrage zeigt ebenfalls auf, dass 87 Prozent der Landwirte bereit w├Ąren, mehr f├╝r den Naturschutz zu tun, wenn dies entlohnt w├╝rde.

Dass der DBV die Zukunft der Betriebe durch immer weitere Produktionssteigerungen sehe und Umweltproblemen vor allem mit technischen Hilfsmitteln begegnen wolle, werde laut NABU den Anspr├╝chen der Gesellschaft und auch vieler Landwirte nicht mehr gerecht. Zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Gr├╝n- und Ackerland seien pro Betrieb mindestens zehn Prozent nicht-produktiver naturnaher Fl├Ąchenanteile notwendig. Zus├Ątzlich m├╝ssten Extensivierungsma├čnahmen gef├Ârdert werden. In diesem Zusammenhang hat der NABU konkrete Forderungen an die zuk├╝nftige Ackerbaustrategie der Bundesregierung formuliert.

NABU-Bundesgesch├Ąftsf├╝hrer Leif Miller: ÔÇ×Der DBV hat jetzt die M├Âglichkeit zu zeigen, dass er die Erwartungen und W├╝nsche der Gesellschaft verstanden hat und sich auf den Weg hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft machen will. Dies bedeutet, dass wir vor allem mehr Raum f├╝r die Natur in Form von Brachen, S├Ąumen und Hecken brauchen. Au├čerdem muss das Problem der ├ťberd├╝ngung und zu hoher Pestizideins├Ątze schnell und ehrgeizig angegangen werden. Bisher hat sich, wenn ├╝berhaupt, nur die Rhetorik des DBV ver├Ąndert. Grunds├Ątzlich schwingt bei allem aber immer noch eine Anspruchshaltung mit, die von gestern ist. Der Steuerzahler kann f├╝r sein Geld mehr Umweltleistungen erwarten, nicht der Agrarsektor noch mehr Geld frei Haus vom Staat.ÔÇť
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Eintrag vom: 27.06.2019  




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