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Dienstag, 21. Mai 2019
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Schlechte Grundwassersituation am Oberrhein
Quelle: BUND S√ľdlicher Oberrhein
 
Schlechte Grundwassersituation am Oberrhein
Die verd√ľnnte Spitze der Grundwasser-Versalzungs-Fahne der els√§ssischen Kaliminen ist l√§ngst in Breisach angekommen, doch nicht die Verursacher tragen die Kosten f√ľr die bereits entstandenen, massiven Sch√§den und f√ľr die geplanten 4,7 Millionen Euro Anschlusskosten an den Brunnen in Hausen, sondern die Menschen in Breisach und das Land Baden-W√ľrttemberg.

Eine umfassende, aufwendige, grenz√ľberschreitende Studie "GRENZ√úBERSCHREITENDE BESTANDSAUFNAHME DER GRUNDWASSERQUALIT√ĄT IM OBERRHEINGRABEN", die in den Medien erstaunlicherweise fast keine Resonanz gefunden hat, zeigt die massiven Grundwasserprobleme √ľberdeutlich.

"Insgesamt wurden 172 Parameter an √ľber 1‚Äė500 Messstellen von Basel bis Mainz analysiert.(...) Die Untersuchungen ergaben ein breites Spektrum von Schadstoffen menschlichen Ursprungs im Grundwasser. Bei wenigstens einem der gemessenen Parameter erf√ľllten 44 % der Grundwassermessstellen im Oberrheingraben die gemeinsamen Kriterien f√ľr Trinkwasserqualit√§t nicht. Im Vergleich zu 2009 ist keine Verbesserung der allgemeinen Grundwasserbeschaffenheit festzustellen", schreiben die Verfasser der Studie in einer Pressemitteilung. "Nitrat ist nach wie vor der Stoff mit den meisten Grenzwert√ľberschreitungen im Grundwasser des Oberrheingrabens und nur hier gab es zumindest in Baden W√ľrttemberg minimale Verbesserungen. Die R√§ume n√∂rdlicher Kaiserstuhlrand und Markgr√§flerland, der Westrand des els√§ssischen Grundwasserleiters sowie der Norden des Untersuchungsgebietes sind hinsichtlich des Grenzwertes von 50 mg/Liter weiterhin problematisch. Pflanzenschutzmittel und ihre Abbauprodukte wurden im Untersuchungsgebiet fl√§chendeckend nachgewiesen. Fast 90% der untersuchten Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und Abbauprodukte, f√ľr die es einen Trinkwassergrenzwert gibt, wurden in einem Viertel des Messnetzes mindestens einmal gefunden. Neuartige Spurenstoffe wurden erstmals in dieser Gr√∂√üenordnung untersucht. Einige dieser Substanzen waren im Grundwasser des Oberrheingrabens h√§ufig nachweisbar."

F√ľr BUND-Gesch√§ftsf√ľhrer Axel Mayer zeigt diese Studie, dass in Sachen Grundwasser viel geredet und wenig gehandelt wird. In den letzten 50 Jahren hat der Druck des BUND und der Umweltbewegung dazu gef√ľhrt, dass es in vielen Umweltbereichen gro√üe Fortschritte gegeben hat (Luftreinhaltung, Wasserqualit√§t der Flie√ügew√§sser...), doch in Sachen Grundwasserqualit√§t ist der √∂kologische Fortschritt langsamer als eine Schnecke.

Die massiven Probleme zeigen sich in S√ľdbaden an vielen aktuellen Einzelbeispielen:

- Seit dem Jahr 1997 engagiert sich der BUND f√ľr die Sanierung der Salz-Abraumhalde in Buggingen. Die jetzt bekannt gewordenen Eintragsmengen von bis zu 2,5 Tonnen Salz/t√§glich(!) ins Grundwasser √ľbertreffen bei weitem unsere schlimmsten Bef√ľrchtungen und werfen ein Schlaglicht auf das absolute Versagen der Beh√∂rden. An der skandal√∂sen Verz√∂gerung der Sanierung zeigt sich das geringe Interesse am Grund- und Trinkwasser √ľberdeutlich.

- Erschreckend sind die gezielt ablenkenden Nischendebatten, die mit gro√üer Heftigkeit gef√ľhrt werden. W√§hrend wir reale, massive Probleme mit Nitrat, Salz, Pflanzengiften und neuartigen Spurenstoffen haben, wird im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald √ľber die scheinbaren "Gefahren" von Windr√§dern f√ľr das Grundwasser heftigst diskutiert. Wir erleben nicht nur an diesem Beispiel, wie immer h√§ufiger mit vorgeschobenen Umweltargumenten vollkommen andere Ziele verfolgt werden.

- Seit Dezember 2018 haben die Menschen in Wyhl endlich wieder trinkbares, nitratärmeres Wasser, aber das Grundproblem, die landwirtschaftsbedingte Nitratbelastung der Böden und des Wassers, wurde nicht gelöst. Jetzt wird das Wyhler Trinkwasser zu 100 Prozent vom Tiefbrunnen Sasbach bezogen.

- Vermischen und verd√ľnnen ist das Grundprinzip der scheinbaren Sanierung, nicht nur in Wyhl. Der Oberrhein-Aquifer ist mit einem Volumen von gesch√§tzt 45 Milliarden Kubikmetern einer der bedeutendsten Grundwasserspeicher Mitteleuropas und dennoch sind die Gemeinden Herbolzheim, Endingen, Rheinhausen, Sasbach und Weisweil gezwungen eine Ringleitung zu planen, um die Wasserversorgung zu sichern.

- Im Elsass k√∂nnte sich die marode Giftm√ľlldeponie Stocamine zu einem gro√üen Grundwasserproblem entwickeln. Es kommt die SteuerzahlerInnen schon jetzt teuer zu stehen, dass die fr√ľhen Warnungen von Alsace Nature und BUND in der Planungsphase der Giftm√ľlldeponie nicht geh√∂rt wurden.

- In der Schweiz sehen wir mit wachsender Sorge die grundwassergef√§hrdenden atomaren Endlagerpl√§ne im Rheineinzugsgebiet in einer -im internationalen Vergleich- viel zu d√ľnnen Schicht Opalinuston.

Die neue, fast unbeachtete Studie "GRENZ√úBERSCHREITENDE BESTANDSAUFNAHME DER GRUNDWASSERQUALIT√ĄT IM OBERRHEINGRABEN" best√§rkt den BUND Regionalverband in seiner jahrzehntelangen Kritik. √Ąhnliche, zugegeben nervt√∂tende Dauerkritik hat in vielen anderen Umweltbereichen den √∂kologischen und technischen Fortschritt beschleunigt. Vielleicht sind die angek√ľndigten europ√§ischen Bu√ügelder f√ľr Grundwassers√ľnden hilfreich.

Wie immer wieder in den letzten Jahrzehnten dr√§ngen wir auf eine echte Sanierung der vielf√§ltigen Probleme, auf Sanierungen, die bei den Schadstoffeintr√§gen in Buggingen, auf den √Ąckern und anderswo ansetzen m√ľssen und auf eine Anwendung des Verursacherprinzips, auch bei den gro√üen Grundwasserverschmutzern.

Wasser braucht auch in S√ľdbaden und im Elsass eine st√§rkere Lobby. Die Ursachen der Belastungen sind zwischenzeitlich ausreichend bekannt. Jetzt braucht es Taten und Engagement von Politik und Beh√∂rden, um konsequenter gegen die Ursachen der Grundwasserbelastung vorzugehen und um zuk√ľnftige Gef√§hrdungen zu vermeiden.

Axel Mayer, BUND-Gesch√§ftsf√ľhrer
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Eintrag vom: 01.05.2019  




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