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Mittwoch, 23. Januar 2019
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Weihnachten – entschleunigt und genussvoll zubereitet
Der Countdown bis Weihnachten steigert bei vielen den Stresspegel. Die notwendige Gelassenheit, um die Feiertage bewusst zu gestalten, kommt oft zu kurz. FĂŒr Slow Food Deutschland aber ist Zeit und WertschĂ€tzung nicht nur der SchlĂŒssel fĂŒr ein nahrhaftes und genussvolles Lebensmittel, sondern auch fĂŒr kulinarische und besinnliche Weihnachten. Der bundesweit aktive Verein empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich vom Genuss anstatt von der Hektik des WeihnachtsgeschĂ€fts leiten zu lassen, gute, nahrhafte Zutaten aus der Region auszuwĂ€hlen, sie kreativ zuzubereiten und gemeinsam zu genießen. Das spart eigene Ressourcen und die unseres Planeten.

Auch ein Feiertag hat nur 24 Stunden
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind um einen gefĂŒllten KĂŒhlschrank zu Weihnachten bemĂŒht. Doch ist gefĂŒllt das eine, ĂŒberfĂŒllt das andere. Zeiten, die sie außerhalb ihrer eigenen vier WĂ€nde, im Familien- und Bekanntenkreis verbringen, planen viele nicht ein und sind ĂŒberrascht, wenn am Ende der Festtage ein Großteil des Einkaufs weiterhin darauf wartet, verzehrt zu werden. Vieles landet auf dem MĂŒll. Um das zu vermeiden, rĂ€t Slow Food, sich zu Weihnachten mehr denn je an einem sorgsam gefĂŒhrten Einkaufszettel zu orientieren, die Reste frĂŒhzeitig weiterzuverarbeiten und haltbar zu machen. Davon profitieren nicht nur ihr Geldbeutel, sondern auch Klima und Umwelt, indem Lebensmittel nicht unnötig verschwendet werden. Um das richtige Maß ĂŒber die Festtage zu halten, hilft der Einkauf auf MĂ€rkten und Höfen. Im direkten Austausch mit kleinbĂ€uerlichen Landwirten und Lebensmittelhandwerkern erfahren ihre Kundinnen und Kunden, was sie aus traditionellen Obst- und GemĂŒsesorten sowie alten Tierrassen der Region Besonderes zubereiten können.

Gans oder gar nicht?
In vielen Haushalten verbindet sich das Weihnachtsfest mit Fleischgenuss. Wie aber entfaltet sich dessen „wahrer“ Genuss? „Einerseits indem wir um die unbedenkliche und somit artgerechte Herkunft von Fleisch wissen und lernen, sie als QualitĂ€t herausschmecken. Andererseits indem wir Fleisch in seiner Vielfalt zubereiten“, ist Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, ĂŒberzeugt. Das klassische WeihnachtsgeflĂŒgel sei etwas Köstliches und verdiene es, als Ganzes voll ausgekostet zu werden und zwar mehrfach, so Hudson weiter. „Verbraucherinnen und Verbrauchern, die beispielsweise Huhn als Ganzes braten, empfehle ich, es nicht beim einmaligen ‚VergnĂŒgen‘ zu belassen. Von einem großen Huhn können viele Menschen mehrfach satt werden. Das Fleisch, fĂŒr den Fall es bliebe was ĂŒbrig, lĂ€sst sich in Sandwiches, fĂŒr Frikassee oder Salate weiterverwenden. Und die abgenagte Karkasse, so ungewohnt es klingen mag, eignet sich hervorragend fĂŒr eine BrĂŒhe. Ich kann nur jedem dazu raten, diese Form der Ganztier- und Mehrfachverwertung auszuprobieren“, schwĂ€rmt Hudson. FĂŒr wen es Fleisch, nicht unbedingt aber Gans oder Ente sein muss, dem empfiehlt Slow Food SchmorstĂŒcke vom Rind. „Ihr Metzger des Vertrauens wird es ihnen danken. Der nĂ€mlich bekommt EngpĂ€sse, wenn zum Heiligabend alle dasselbe wollen“, erklĂ€rt Jens Witt, Leiter des Köche-Netzwerkes von Slow Food.

„Meerwert“
Fisch ist neben Gans und Ente ein weiteres beliebtes Lebensmittel, welches zu Weihnachten auf die Teller kommt. Und klug ausgewĂ€hlt ist es jeden Bissen wert: Slow Food rĂ€t auch hier auf die ökologisch unbedenkliche Herkunft zu achten, das GesprĂ€ch mit verantwortungsvollen FischhĂ€ndlern zu suchen anstatt gefĂ€hrdete Arten wie den Aal oder den Schwertfisch zu kaufen. Am besten lĂ€sst man sich möglichst Fisch aus regionaler und nachhaltiger Bewirtschaftung empfehlen - im Binnenland etwa Karpfen oder Zander aus Seen, FlĂŒssen oder Teichwirtschaften. „FĂŒr uns stehen solche sensiblen Kaufentscheidungen bei tierischen Produkten nicht fĂŒr Verzicht, sondern fĂŒr die Bereitschaft, bewusst mit unseren vorhandenen Ressourcen umzugehen und sich diese einzuteilen. Und in Zeiten in denen selbst die Spitzengastronomie Fleisch und Fisch als Beilage respektiert und Sterneköche durchaus auch vegetarisch kochen und pflanzliche Zutaten wie HĂŒlsenfrĂŒchten nutzen, ist ein solcher Appell salonfĂ€hig“, erklĂ€rt Hudson.

Kann denn SĂŒĂŸes SĂŒnde sein?
Was die Kalorien angeht kann und darf es das, nicht aber bei den Zutaten. Denn das geht auf Kosten des Gaumens. Slow Food ermutigt Verbraucherinnen und Verbraucher dazu, auch kurz vor Weihnachten das Backen fĂŒr sich zu entdecken und zwar mit der guten Zutat! Die Herkunft und die QualitĂ€t des Mehls, der GewĂŒrze und der NĂŒsse beeinflussen, so Witt, den Geschmack des GebĂ€cks. „Wer nussige Aromen mag, der sollte fĂŒr seine PlĂ€tzchen unbedingt alte Getreidesorten wie Emmer oder Dinkel von regionalen MĂŒhlen probieren. Und ich empfehle mit Eiern hauszuhalten. Denn die sind aus artgerechter Haltung vor Weihnachten in der Regel knapp“, so Witt.

Gute VorsÀtze sind dazu da gebrochen zu werden? Nicht unbedingt!
Gerade nach Weihnachten und dem Jahreswechsel beginnen viele mit KalorienzĂ€hlen, Fastenkuren und Verzicht. Slow Food hingegen macht im neuen Jahr mit dem Genuss weiter und lĂ€dt Menschen bei Aktionen und Veranstaltungen dazu ein, ĂŒber ErnĂ€hrung einmal anders nachzudenken. Sie lernen dabei, dass Genuss und Verantwortung unmittelbar zusammenhĂ€ngen und beginnen, „einfache“ Grundnahrungsmitteln ihrer Region fĂŒr die AlltagskĂŒche wieder wertzuschĂ€tzen. „Wenn ich frische und nahrhafte Lebensmittel zu genießen weiß, die im Einklang mit Mensch und Tier sowie der biologischen Vielfalt erzeugt wurden, verĂ€ndert das in der Regel mein Verantwortungsbewusstsein und mein Konsumverhalten. Das ist die Arbeit an der Basis, die wir leisten, um die notwendige Wende unseres Lebensmittelsystems voranzutreiben“, erklĂ€rt Hudson.
 
Eintrag vom: 20.12.2018  




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