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Montag, 17. Februar 2020
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Waldsterben 2.0: Klimawandel, Hitzesommer & Trockenjahre
Quelle: BUND S√ľdlicher Oberrhein
 
Waldsterben 2.0: Klimawandel, Hitzesommer & Trockenjahre
Noch zwei, drei solche Hitzesommer und Trockenjahre wie im Jahr 2018 und wir werden den Schwarzwald nicht wieder erkennen.

Wer heute mit offenen Augen (nicht nur) durch den Schwarzwald f√§hrt und geht, erkennt massive, akute Waldsch√§den, die stark an die Schadbilder der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern. Es gibt mit zunehmender Tendenz immer mehr abgestorbene Einzelb√§ume und Baumgruppen, sch√ľttere Wipfel von Laubb√§umen, Fichten und Tannen mit starken Nadelverlusten - die Ursachen sind vielf√§ltig. Einerseits, und das ist positiv, gibt es bei der Forstverwaltung mehr Mut zu Totholz als in fr√ľheren Jahrzehnten. Andererseits sind die aktuellen massiven Waldsch√§den insbesondere auf den Klimawandel und seine Begleiterscheinungen (extrem trockene Jahre, Hitze, Zunahme von Schadinsekten wie dem Borkenk√§fer...) zur√ľckzuf√ľhren. Gerade der Hitze- und Trockensommer 2018 hat zu einer Schw√§chung der B√§ume und zur massiven Zunahme von Schadinsekten gef√ľhrt.

Der Bund Deutscher Forstleute warnt: "Die Sch√§den im Wald [waren] noch nie so gro√ü wie in diesem Jahr. Der Klimasch√ľtzer Wald sei zunehmend selbst vom Klimawandel bedroht: St√ľrme, D√ľrre, Waldbr√§nde und der Borkenk√§fer h√§tten hier bislang fast 30 Millionen Festmeter Schadholz verursacht, teilte der Verband mit. Das seien mehr als 1,5 Millionen aneinander gereihte Holz-Lastwagen. 300 Millionen Jungpflanzen seien vertrocknet, 300.000 Hektar durch Borkenk√§fer und weitere 300.000 Hektar durch die D√ľrre besch√§digt.[‚Ķ]
Durch die Trockenheit der vergangenen Monate seien zudem fast 30 Prozent der in den vergangenen drei Jahren gepflanzten B√§ume abgestorben. [‚Ķ] Die Sch√§den durch den Borkenk√§fer bezifferte Schirmbeck auf 270 Millionen Euro. Viele K√§fer √ľberwintern, deshalb sei im kommenden Jahr damit zu rechnen, dass sie noch mehr der ohnehin geschw√§chten B√§ume zum Absterben bringen." FAZ

Bei Fichten gibt es ein fl√§chenhaftes Absterben. Der zunehmende Klimawandel wird die Situation der W√§lder verschlechtern. Lange, trockene Sommer wie in diesem Jahr werden wahrscheinlicher. Forscher beobachten, dass sich Luftstr√∂me auf der Nordhalbkugel seit einigen Jahren abschw√§chen, vermutlich ausgel√∂st durch eine w√§rmere Arktis. Weniger Hoch- und Tiefdruckgebiete wechseln sich dann √ľber Mitteleuropa ab. Einzelne Hochdruckgebiete k√∂nnen dann wochenlang √ľber einem Fleck h√§ngen bleiben, und es f√§llt kaum mehr Regen. Die Folgen f√ľr den Wald und andere √Ėkosysteme sind verheerend.

Der Ausstieg aus den fossilen Energien und der Wechsel zu umweltfreundlichen Energiequellen k√∂nnten die Probleme zumindest ansatzweise l√∂sen. Doch industriegelenkte und industrienahe Klimawandelleugner, B√ľrgerinitiativen gegen Windkraft und die Deutsche Wildtierstiftung bek√§mpfen mit vorgeschobenen Naturschutzargumenten √ľberall in Deutschland die umweltfreundlichen, zukunftsf√§higen Energien.

Darf im Zusammenhang mit den aktuellen Waldsch√§den der alte, umstrittene Begriff des Waldsterbens wieder gebraucht werden? Die Debatten in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben den √∂kologischen Fortschritt beschleunigt und die Luftreinhaltung verbessert. Die damaligen Proteste und Aktionen gegen das Waldsterben und f√ľr saubere Luft, Fl√ľsse und eine menschengerechte Umwelt f√ľhrten mittel- und langfristig zu einer massiven Verbesserung der Luftqualit√§t und zu einer Zunahme des Umweltbewusstseins. Gesetze wurden auf Druck der Umweltbewegung und gegen die Lobbyisten versch√§rft, der PKW-Katalysator wurde eingef√ľhrt, verbleites Benzin wurde verboten, Kraftwerke und Industrieanlagen wurden entstickt, entschwefelt und zum Teil technisch auch sicherer. Auch die D√ľngung mancher W√§lder ist ein Ergebnis der Debatte. Eine von vielen Ursachen der Walderkrankungen war der Aussto√ü von Schwefeldioxid und der damit verbundene saure Regen. Hier brachte der Protest die gr√∂√üten Erfolge. "So konnten zum Beispiel alleine in Baden-W√ľrttemberg die SO2-Emissionen von 334.200 Tonnen 1973 auf 58.800 Tonnen 1995 reduziert werden, was einem R√ľckgang um √ľber 80 % entspricht." schreibt die LUBW Baden-W√ľrttemberg. "In den alten Bundesl√§ndern lagen schon im Jahr 1994 die SO2-Emissionen um 76% unter dem Niveau des Jahres 1970." schreibt das Umweltbundesamt in den "Daten zur Umwelt" 1997.
Weitere Kollateralerfolge der damaligen Debatte und Aktionen um das Waldsterben und des gesch√§rften Umweltbewusstseins waren regional die Einf√ľhrung der preisg√ľnstigen Regiokarte in und um Freiburg und der Ausbau des √ĖPNV. Bundesweit und global kam nach massiven Protesten das Verbot von FCKW (und damit die Rettung der Ozonschicht) und die Verbesserung der Luftreinhaltung bei Industrieanlagen und M√ľllverbrennungsanlagen. Gesundheitsgef√§hrdende Dioxinemissionen gingen zur√ľck. Die bessere Luftqualit√§t und die massive Verringerung von Schwefeldioxid und des sauren Regens war auch ein Segen f√ľr Baudenkm√§ler.

Heute wird gerne von "Waldumbau" geredet und die abgestorbenen B√§ume werden ja immer schnell aus dem Wald gebracht. "Waldumbau" klingt zwar sch√∂ner und nach aktiver Probleml√∂sung, aber der pointierte Begriff Waldsterben beschreibt das Ph√§nomen deutlicher. Die aktuelle, bedrohliche Situation des Waldes, zeigt die Gefahren des Klimawandels. Wir m√ľssen jetzt handeln. Der Streit um den Hambacher Forst war in diesem Zusammenhang ein wichtiger, weiterer Schritt gegen Klimawandel und Umweltzerst√∂rung. Jetzt muss die Energiewende voran gebracht werden.

Axel Mayer, BUND-Gesch√§ftsf√ľhrer
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Eintrag vom: 26.10.2018  




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