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Bitcoin: Energieverbrauch, Umweltzerstörung und Gier
Der Bitcoin ist eine digitale Mode-W√§hrung, die Einzelnen satte Profite, aktuell aber auch massive Verluste gebracht hat. Bitcoins "entstehen" durch Mining. Dieses Mining ist ein Vorgang bei dem gro√üe Computer ein kompliziertes mathematisch kryptographisches R√§tsel l√∂sen m√ľssen, das hohen Einsatz von Rechenleistung und somit extrem viel Strom braucht. Die notwendige Technik in Verbindung mit maximaler Gier f√ľhren dazu, dass der Energieverbrauch explodiert. Die Bitcoin-Blase hat erstaunliche Parallelen zur Tulpenzwiebel-Hysterie im Jahr 1636, allerdings mit negativeren Folgen f√ľr die Umwelt.

Der Blockchain-Experten Alex de Vries sagte am 6 Mai 2018: "Innerhalb von nur sechs Monaten hat sich der Energieverbrauch durch Bitcoin-Berechnungen verdoppelt. H√§lt der Trend an, k√∂nnte die Kryptow√§hrung Ende n√§chsten Jahres so viel Energie verschlingen wie derzeit alle Solaranlagen weltweit erzeugen. In SPIEGEL ONLINE am 22.05.2018 sagte er: "Der Energiebedarf des Bitcoin-Systems ist atemberaubend. Zurzeit verbraucht es etwa 67 Terawattstunden pro Jahr. Das ist mehr Strom, als die ganze Schweizer Volkswirtschaft ben√∂tigt: 0,3 Prozent des weltweiten Konsums. Und es wird immer extremer. Bis zum Jahresende k√∂nnte der Anteil auf ein halbes Prozent wachsen. Das w√§re der Verbrauch von √Ėsterreich."

Es ist erstaunlich, wie wenig Debatte und Kritik der Umweltbewegung es zu diesem neuen Themenbereich und den damit verbundenen Problemen gibt. Häufig wird in Sachen Klimaschutz immer noch in winzigen, vorgegebenen Nischen agiert. Was Neonics und Glyphosat in Biotopen sind, sind Bitcoins im Umwelt- und Energiebereich.

Die Blockchain-Technologie kann in Teilbereichen zuk√ľnftig durchaus n√ľtzlich sein. Dort wo sie den Menschen tats√§chlich n√ľtzt, sollte sie umweltfreundlich und energiesparend weiter entwickelt werden.

Wie immer wenn Umwelt zerst√∂rt wird und mit Umweltzerst√∂rung verbundene Profite gef√§hrdet sind, wird eilig versucht den Bitcoins ein gr√ľnes Image zu geben und Greenwash zu betreiben. So steht in Foren der Bitcoin-Lobby: "Bitcoin bedroht die Energiewende nicht, es finanziert dezentrale effiziente und g√ľnstig erzeugte Energie". Doch unser Stromverbrauch und der Energiehunger von Digitalw√§hrungen wie Bitcoins ist immer noch gekoppelt an Atomm√ľllproduktion, Klimawandel und Umweltzerst√∂rung. Und nur um die Profitsucht zu bedienen m√ľssen wir auch keine Windr√§der und Solaranlagen bauen. Um Bitcoins ein "gr√ľnes Image" zu geben, nutzen die Lobbyisten einen guten Trick. Sie bieten Nichtregierungsorganisationen und Umweltverb√§nden die M√∂glichkeit Bitcoin-Spenden zu erhalten und richten liebend gerne die entsprechenden Spendenseiten ein. Das Motto: "Spenden Sie f√ľr eine bessere Welt. Ein Bitcoin kann hunderten von Kindern helfen!" klingt erst mal gut. Die gemeinn√ľtzigen Organisationen hoffen auf Spenden und geben so dem Btitcoin ungewollt ein gr√ľnes Image. Doch erste NGO¬īs wie der BUND-Berlin haben den Zusammenhang erkannt und akzeptieren jetzt keine Bitcoin-Spenden mehr. Die Debatte hat endlich begonnen.

Die Modew√§hrung Bitcoin passt gut in eine Zeit, in der sich libert√§r-neoliberale Gier mit Technikbesoffenheit mischt. Wenn die Bitcoin-Technologie weiter so viel Energie frisst, schafft sie sich selbst ab oder wir m√ľssen sie abschaffen.
Auch f√ľr die neuen Krypto-W√§hrungen gilt der alte Satz von Mahatma Gandhi: "Die Welt hat genug f√ľr jedermanns Bed√ľrfnisse, aber nicht f√ľr jedermanns Gier."

Axel Mayer, BUND-Gesch√§ftsf√ľhrer, Vizepr√§sident Atomschutzverband TRAS
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Eintrag vom: 13.06.2018  




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