oekoplus - Freiburg
Mittwoch, 30. November 2022
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
Freiburg: Der Mundenhof ist beliebter denn je
Im Rekordjahr 2017 kamen √ľber 389.000 Besucher

Freiburgs Naturerlebnispark hat sein Programm 2018 vorgestellt Der Mundenhof bleibt ein Ph√§nomen. Er bietet keine br√ľllenden Raubtiere der Savanne, sondern ungek√§mmte Haustiere in ihrem Element. Er hat keine Event-Gehege mit Hautnah-Erfahrung, sondern artgerechte Tierhaltung, bei der man die Tiere manchmal nur aus der Mitteldistanz sehen kann. Und trotzdem rennt das Publikum den Kamelen, Ziegen und Schweinen die Bude ein.

Im vergangenen Jahr kamen 389.221 Besucherinnen und Besucher in Freiburgs Naturerlebnispark. Das sind nochmals 20.000 G√§ste mehr als in den bisherigen Rekordjahren 2016 (360.000), 2015 (369.000) und 2014 (364.000). Und die hatten, auch dank zahlreicher Veranstaltungen, eigentlich als ‚Äěunschlagbar‚Äú gegolten.

Umweltb√ľrgermeisterin Gerda Stuchlik zeigt sich grunds√§tzlich erfreut √ľber den neuerlichen Rekord: ‚ÄěDie Zahlen zeigen die gro√üe Beliebtheit des Mundenhofs bei der Bev√∂lkerung. Gleichzeitig machen Sie aber auch deutlich, dass er in seiner derzeitigen Form an die Grenzen seiner Kapazit√§t gekommen ist und daher die anstehenden Investitionen und Umbauma√ünahmen dringend erforderlich sind.‚Äú Was nun im Jahr 2018 auf den Mundenhof und sein Publikum zukommt, haben Stuchlik und das Leitungs-Duo des Mundenhofs, Susanne Eckert und Berno Menzinger, heute auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Buntmardergehege und Prärie
Baulich steht das Mundenhof-Jahr 2018 im Zeichen zweier Gro√ü-Projekte. Der Umbau des fr√ľheren B√§ren- in ein Buntmardergehege l√§uft auf Hochtoren. Die Betonmauern sind bereits abges√§gt, um so neue Zug√§nge zu schaffen und die vorhandenen Stallungen an die Buntmarder anzupassen. Die Leitungen zum Entw√§ssern des Geheges und die Abwassersch√§chte sind angelegt. Der Sockel f√ľr das Ausweich- oder R√ľckzugsgehege ist ebenso errichtet wie ein erstes ‚ÄěDschungelbeet‚Äú und eine Natursteintreppe; an letzteren Aufgaben waren die Mundenhof-Azubis ma√ügeblich beteiligt.

In den n√§chsten Monaten wird ein Ausweichgehege errichtet und die Metallkonstruktion f√ľr das Gel√§nder eingebaut. Sobald die Betonschachtringe in den Naturfelsen gesetzt sind, folgt die elektrische Ausbruchsicherung und eine Holzwand mit Guckl√∂chern. Schlie√ülich wird im gro√üen Gehege eine Landschaft inklusive Bachlauf und Teich modelliert. Da nicht nur das Gehege an sich betroffen ist, sondern auch die Umgebung gestalterisch und konzeptionell mit einbezogen wird, erfordert dieses Gro√üprojekt viel Abstimmung. Zu diesem Zwecke sind die Tierpfleger, die mit der Haltung und Betreuung der Buntmarder betraut sein werden, eng in die Planung eingebunden und waren bereits zum Praktikum im Zoo N√ľrnberg, um dort mehr √ľber ihre k√ľnftigen Sch√ľtzlinge zu erfahren.

Weniger detailliert, aber viel gro√ür√§umiger sind derweil die Arbeiten an der k√ľnftigen ‚ÄěPr√§rie‚Äú auf dem Mundenhof. Derzeit wird die Ansaatfl√§che im Bisongehege entwickelt, Ende Juni wird das Pr√§rieAreal zwischen Pintos und Bisons dann bepflanzt.

Parallel zu diesen beiden Gro√üprojekten laufen die Abschlussarbeiten beim Betriebshof (Futterk√ľche KonTiKi einrichten, Umzug Futterhalle, Endausbau Spaltenbodenstall), die Planungen f√ľr die Veranstaltungen zum diesj√§hrigen Jubil√§um ‚Äě50 Jahre Tiergehege‚Äú, der Umbau der Hofwirtschaft (inkl. neuer Toiletten) und der Umzug der Verwaltung. An kleineren Ma√ünahmen sind f√ľr 2018 vorgesehen: Koppeln sanieren, Stallb√∂den erneuern, Regenwasserabl√§ufe sanieren oder neu bauen, Futtersituationen verbessern. ‚ÄěEs wird uns jedenfalls nicht langweilig‚Äú, bekr√§ftigten Susanne Eckert und Berno Menzinger vom Mundenhof auf der heutigen Pressekonferenz.

Splitter aus dem Tiergehege 2017
Gleich drei Auszubildende haben die Abschlusspr√ľfungen zur Zootierpflegerin bzw. zum Zootierpfleger gemeistert. Stephanie Jehle √ľbernahm sofort danach eine neue Stelle im Schwarzwaldzoo des Steinwasenparks. Steven Eichin und Jan Moritz Berl entschieden sich, noch ein halbes Jahr auf dem Mundenhof zu bleiben. Beide haben im Anschluss daran eine Stelle in ihrem Beruf gefunden. Im September haben dann Theresa Fr√∂hlich, Julian Kirchg√§√üner und Andreas Kleint ihre Ausbildung als Zootierpfleger/in aufgenommen.

Der Ausbau der Krankenstation, der vor Jahren mit der Installierung schwenkbarer Boxent√ľren zur Anpassung der Stallgr√∂√üen an die gehaltene Tierart begann, schreitet flott voran ‚Äď auch dank der immensen Eigenleistung der Tierpflegerinnen und -pfleger. W√§hrend der Hauptsaison haben sie zus√§tzlich zu ihren Kernaufgaben das alte Mauerwerk verfugt, ausgebessert und gestrichen, Leitungen gelegt und einen separaten Bereich f√ľr F√ľtterung und Reinigung geschaffen. Nebenher entstand noch ein kleiner Umkleideraum.

Sowohl bei den Wollschweinen, als auch f√ľr die Heidschnucken wurden durch den Bau niederschwelliger Z√§unen neue R√§ume zur separaten F√ľtterung und Abtrennung der Tiere geschaffen. Das ist f√ľr die Tiere besser und erleichtert den Menschen das Arbeiten. Bei den Javaneraffen wurde eine elektrische Heizung mit Deckenstrahler installiert. Damit sind die alten Nachtspeicher√∂fen pass√©.

Stellvertretend f√ľr eine Vielzahl von Anekdoten und Geschehnissen im Tierbestand 2017 seien drei davon erw√§hnt:

Nachdem Ende 2016 zwei alte Erdm√§nnchen aus der Gruppe verstorben waren, haben im Juni 2017 zwei junge M√§nnchen aus der Stuttgarter Wilhelma die Gruppe vergr√∂√üert und gleich ordentlich f√ľr Aufregung gesorgt. Doch, wie zuvor mit dem neuen Weibchen, konnte auch diese Herausforderung gemeistert werden. Die Wogen haben sich gegl√§ttet; nun warten alle gespannt darauf, wann sich hier Nachwuchs einstellt.

Ein freudiges Ereignis war die Geburt der Trampeltierstute Qara am 18. April 2017. Mittlerweile ist sie wohlauf und zeigt sich als Wirbelwind der Gruppe. Ihre ersten Lebenswochen waren aber nicht einfach, da ihre Mutter Qisma zu wenig Milch hatte. Somit mussten die Tierpflegerinnen und -pfleger mit der Flasche nachhelfen, was sie tags und nachts auf Trab hielt. Zus√§tzlich trat bei Qara eine unerkl√§rliche L√§hmung der Gesichtsmuskulatur auf, die das Atmen erschwerte. Im September brachten die Tierpflegekr√§fte sie mit √§rztlicher Unterst√ľtzung in die Tierklinik, in der sie operiert wurde. Alles ist gut verlaufen, das Atmen f√§llt ihr nun deutlich leichter.

Wie nahe Freud und Leid in einem Tiergehege beieinander liegen, zeigte sich vor Weihnachten, als am 21. Dezember die mittlerweile 23-j√§hrige Hinterw√§lderkuh Lili, Heldin vieler Krippenspiele (als ‚ÄěOchse‚Äú!), eingeschl√§fert werden musste. Auch sie wurde durch die Pfleger gesondert betreut, da sie im Alter das Heu kaum noch kauen konnte und auf beiden Augen blind war. Ihr ruhiges Wesen und die umg√§ngliche Art zeichneten sie schon zu Zeiten aus, als die Landwirtschaft noch zum Mundenhof geh√∂rte und das Tiergehege eine eigene Hinterw√§lderherde unterhielt. Nach der Verpachtung der Landwirtschaft und dem Austausch der Hinterw√§lder durch die Schottischen Hochlandrinder wurde Lili im KonTiKi aktiv, wo engagierte Mitarbeiterinnen ein eigenes Kuhprojekt f√ľr Schulklassen initiierten. Im Juni 2008 bekam sie ihr letztes Kalb; Paula ist heute noch auf dem Mundenhof. Den wohlverdienten Ruhestand verbrachte sie dann wieder im Tiergehege, wo sie den jungen Steppenrind- und Yakk√§lbern, die noch zu klein waren, um in die Herde zu kommen, Manieren beibrachte. Somit hat Lili den Mundenhof √ľber viele Epochen begleitet und ist vielen Mitarbeiter/innen und Besucher/innen ans Herz gewachsen.

Daf√ľr lagen am 22. Dezember bereits sieben fidele Wollschwein-Ferkel bei ihrer Mutter, was recht fr√ľh ist und auf dem Mundenhof Labsal war nach dem Tod von Lili.

Splitter aus dem Jahresbericht des KonTiKi
Der Mundenhof lebt mehr denn je vom b√ľrgerschaftlichen Engagement. Ohne die ehrenamtliche Mitarbeit vieler Eltern und Kinder w√§ren auch im vergangenen Jahr die gro√üen Feste (Mittelalterfest, K√ľrbisfest, Krippenspiel) auf dem Mundenhof nicht m√∂glich gewesen. Viele helfende H√§nde sind auch bei der Gruppenbetreuung an den regelm√§√üigen Nachmittagen oder w√§hrend der Ferienfreizeiten n√∂tig. Leider k√∂nnen √§ltere Sch√ľlerinnen gar nicht mehr oder nicht mehr so verbindlich mitarbeiten wie sie es gerne w√ľrden: Der Schulalltag hat sich sehr ge√§ndert, es wird immer schwerer, geeignete, langfristig verbindliche, ehrenamtliche Kr√§fte zu finden.

Der gesellschaftliche Wandel, ver√§ndertes Freizeitverhalten und die ver√§nderte Schulsituation (Ganztagsschule, Ganztagsbetreuung usw.) wirken sich auch auf die offene Kinder- und Jugendarbeit im KonTiKi (Kontakt Tier-Kind) aus. Es kommen weniger Kinder, und sie bleiben nicht mehr so langfristig. Sp√§testens nach der Grundschulzeit werden viele Kinder abgemeldet. Das bedeutet in den Nachmittagsgruppen mehr M√ľhe f√ľr die Betreuerinnen, da die √§lteren, erfahrenen Jugendlichen als ‚ÄěCo-Betreuende‚Äú fehlen. Die hohe Fluktuation l√§sst stabile Gruppen kaum zu. Zudem bringen viele Kinder Verhaltensauff√§lligkeiten mit, die die Arbeit mit ihnen nicht erleichtert.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr an 111 Nachmittagen (2016: 112) 3.315 Kinder und Jugendliche (2016: 3.706): Das ist gut ein Zehntel weniger als im Vorjahr. Nach den R√ľckg√§ngen in den letzten beiden Jahren ist hier ein Trend un√ľbersehbar, von dem andere Einrichtungen schon l√§nger und gravierender betroffen sind. Es f√§llt auf, dass die Kinder innerhalb eines Schuljahres √∂fter den Nachmittag wechseln m√ľssen, weil die Stundenpl√§ne sich √§ndern.

An den schulspezifischen Angeboten nahmen 74 Klassen/Gruppen (2016: 81) mit 1.237 Kindern (2016: 1.511) teil. Davon kamen 52 (69) Gruppen mit 859 (1.269) Teilnehmern aus Freiburg und 22 (12) Gruppen mit 378 (242) Teilnehmern aus dem Umland. Aus weiterf√ľhrenden Schulen kamen dieses Jahr keine Gruppen, f√ľr deren Lehrkr√§fte scheint das KonTiKi wenig attraktiv.

Alle Kooperationsprojekte ‚Äď regelm√§√üig einmal pro Woche ‚Äď liefen 2017 kontinuierlich weiter. Daran nahmen teil: 20 Sch√ľlerinnen und Sch√ľler der Michaelschule/Freie Schule f√ľr Erziehungshilfe, 5-8 Sch√ľlerinnen und Sch√ľler der Schule f√ľr psychisch belastete Kinder/Jugendliche der Universit√§tsklinik, und 3 Gruppen der Kindertagesst√§tte auf dem Mundenhof. Elisabeth Schramm, Psychologin an der Uniklinik, f√ľhrt regelm√§√üig Achtsamkeitstherapie mit Schafen f√ľr Patientinnen und Patienten im KonTiKi durch.
 
Eintrag vom: 22.02.2018  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2022 Benjamin Jäger