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Freitag, 25. Juni 2021
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NABU fordert gesetzliche Regelung zur Reduzierung von Plastikt├╝ten
Freiwillige Vereinbarung des Handels reicht nicht aus

Mit Blick auf ein Jahr freiwillige Vereinbarung zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und dem Bundesumweltministerium, Plastikt├╝ten nicht mehr kostenfrei abzugeben, begr├╝├čt der NABU erste Erfolge zur Reduzierung von Plastikt├╝ten und fordert deutliche Nachbesserungen. Nach Angaben des Handelsverbandes ist der Pro-Kopf-Konsum an Plastikt├╝ten in Deutschland gesunken. Laut Branchenverband verringerte sich 2016 der T├╝tenverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um zwei Milliarden St├╝ck auf 3,6 Milliarden T├╝ten. Das entspricht einem Pro-Kopf-Konsum von 45 T├╝ten (2015: 68). Nicht ber├╝cksichtigt sind dabei Hygienebeutel wie f├╝r Obst und Gem├╝se oder Wurst und K├Ąse an der Frischetheke. Das Bundesumweltministerium und der HDE hatten die Initiative zum 1. Juli 2016 gestartet.

ÔÇ×Es ist erfreulich, aber nicht ├╝berraschend, dass der Verbrauch zur├╝ckgegangen ist. Das zeigt auch, dass den Kunden vor der Vereinbarung, die eigene Plastikt├╝te regelrecht aufgedr├Ąngt wurde. Wie die Entwicklung weitergeht und ob es tats├Ąchlich gelingt, die Plastikflut in Deutschland deutlich zur├╝ckzudr├Ąngen, wird sich zeigenÔÇť, sagte NABU-Bundesgesch├Ąftsf├╝hrer Leif Miller.

Trotz erster Erfolge geht die getroffene Vereinbarung nicht weit genug: Erstens erfasst die Vereinbarung zur Kostenpflichtigkeit der Plastikt├╝ten noch viel zu wenige T├╝ten, da sich nicht alle Unternehmen der Selbstverpflichtung angeschlossen haben. Zweitens gibt es kein Monitoring, wie sich der Verbrauch an Papiert├╝ten im gleichen Zeitraum entwickelt hat. F├╝r eine positive Umweltwirkung m├╝ssen Einwegt├╝ten insgesamt reduziert werden, da Papiert├╝ten keine bessere ├ľkobilanz haben als Plastikt├╝ten.

ÔÇ×Ohne eine staatliche Abgabe f├╝r alle Einwegt├╝ten ist nicht damit zu rechnen, dass auch die Branchen umdenken, in denen es fast immer noch kostenlose Einwegt├╝ten gibt, wie der Textilhandel oder Apotheken. Auch Imbisse, B├Ąckereien, Kioske oder Wochenm├Ąrkte, deren Plastikt├╝ten h├Ąufig in der Landschaft und in Gew├Ąssern landen, geben T├╝ten in der Regel noch immer kostenlos abÔÇť, so Miller weiter. Die Folgen zeigen sich auch an Deutschlands K├╝sten, wo der NABU im Rahmen seines ÔÇ×Sp├╝lsaum-MonitoringsÔÇť auf nur 100 Metern K├╝ste regelm├Ą├čig zwischen zwei und f├╝nf Plastikt├╝ten findet.

Damit k├╝nftig alle Branchen die Plastikt├╝tenflut reduzieren, schl├Ągt der NABU eine einheitliche gesetzliche Abgabe f├╝r alle Einwegt├╝ten, ob aus Kunststoff oder Papier, vor. Diese w├Ąre von den Kunden an der Kasse zu entrichten. Die Einnahmen m├╝ssen zweckgebunden sein und etwa in Projekte zur Abfallvermeidung flie├čen.

ÔÇ×Es geht nicht darum, einfach nur die EU-Verordnung umzusetzen, was hei├čt, den Verbrauch bis Ende 2025 auf 40 T├╝ten pro Kopf und Jahr zu reduzieren. F├╝r Deutschland, das bei 71 T├╝ten begonnen hat, ist das Ziel nicht sehr ambitioniertÔÇť, kritisiert NABU-Expertin f├╝r nachhaltigen Konsum Katharina Istel. ÔÇ×Ziel muss sein, den Verbrauch an Einwegt├╝ten mindestens auf das Niveau der europ├Ąischen Spitzenreiter, das hei├čt unter zehn T├╝ten zu bringen, ohne dass dabei einfach auf Papiert├╝ten umgestellt wirdÔÇť, so Istel weiter.
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Eintrag vom: 29.06.2017  




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