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NABU zum Agrarminister-Treffen: Gescheiterte Politik nicht schönreden
Zukunft der Landwirtschaft muss ressortĂŒbergreifend entschieden werden

AnlĂ€sslich des heutigen Ministertreffens zur Zukunft der EU-Agrarpolitik in BrĂŒssel fordert der NABU Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und seine EU-Kollegen auf, nicht lĂ€nger eine gescheiterte und schĂ€dliche Politik zu verteidigen. Stattdessen mĂŒsse der Weg frei gemacht werden fĂŒr umfassende Reformen. Außerdem sollten auch die Umweltminister auf Augenhöhe mitentscheiden können.

„Jahrzehntelang haben vor allem die Landwirtschaftsminister und der Agrarausschuss im EU-Parlament unter sich ausgemacht, wie die milliardenschweren Subventionen verteilt werden und welche Art der Lebensmittelerzeugung ökonomisch lukrativ ist. Dabei ist die Zukunft der Landwirtschaft eine Überlebensfrage fĂŒr die ganze Gesellschaft und muss breit diskutiert werden“, so NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke. Über die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 mĂŒsse der Umweltministerrat gleichberechtigt mitentscheiden dĂŒrfen, ebenso wie die fĂŒr Verbraucherschutz, Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit zustĂ€ndigen Minister, so Tschimpke.

Die Folgen der bislang stark lobbygeleiteten Förderpolitik bekĂ€men Landwirte und Natur jeden Tag schmerzlich zu spĂŒren. „Die lĂ€ndlichen RĂ€ume bluten aus, wenn die BĂ€uerinnen und Bauern gezwungen sind, immer mehr aus ihrem Boden herauszuholen. Ein naturvertrĂ€glicher Anbau wird kaum belohnt. Ehemals hĂ€ufige Tier- und Pflanzenarten wie Rebhuhn, Feldlerche oder Kornblume verschwinden in rasantem Tempo, Grundwasser und Klima werden belastet“, so Tschimpke.

Der NABU begrĂŒĂŸt, dass sich jetzt, zur neuen Reformrunde der Agrarpolitik, ein breites gesellschaftliches BĂŒndnis formiert. Zum heutigen Ministertreffen riefen mehr als 150 zivilgesellschaftliche Organisationen aus den Bereichen ErnĂ€hrung, Entwicklung, Tierschutz und Umwelt die Agrarminister gemeinsam dazu auf, die Landwirtschafts- und ErnĂ€hrungspolitik der EU kĂŒnftig deutlich gerechter, nachhaltiger und gesĂŒnder zu gestalten.

„Die Frage nach der Zukunft der ErnĂ€hrung geht uns alle an. Wenn Landwirtschaftsminister Schmidt sein Credo von der ‚Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft‘ ernst meint, sollten auch andere Ressorts mitentscheiden dĂŒrfen, wie die Steuergelder in Milliardenhöhe verteilt werden. Das gilt insbesondere fĂŒr die Umweltminister. Denn sie mĂŒssen am Ende reparieren, was die hoch-intensivierte Agrarindustrie an unseren Lebensgrundlagen ruiniert“, so Tschimpke.

Fördergelder sollten nach Ansicht des NABU kĂŒnftig an die Erbringung konkreter gesellschaftlicher Leistungen gekoppelt werden, beispielsweise fĂŒr den Umweltschutz. Dagegen mĂŒsse Schluss sein mit der Verteilung von Steuergeldern per Gießkannen-Prinzip.
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Eintrag vom: 09.03.2017  




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