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Montag, 19. August 2019
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NABU: Ein Jahr Abgas-Skandal ‚Äď zu wenig aus Dieselgate gelernt
Minister Dobrindt h√§lt weiter seine sch√ľtzende Hand √ľber die Autoindustrie

Ein Jahr nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals bei VW kritisiert der NABU die weiterhin mangelnde Bereitschaft von Automobilindustrie und Bundesregierung, der Abgasbelastung durch Pkw mit wirksamen Ma√ünahmen entgegenzuwirken. Anstatt anzuerkennen, dass ein Gro√üteil der Fahrzeuge offenkundig nicht die n√∂tige Schadstoffminderung liefert und hierf√ľr ad√§quate L√∂sungsstrategien zu entwickeln, erweckt die Branche den Eindruck, dass nicht die tats√§chliche Minderung von Emissionen, sondern allenfalls das Einhalten von Grenzwerten unter Laborbedingungen von ihnen gefordert wird. Dass nun ausgerechnet die Bundesregierung und insbesondere Bundesverkehrsminister Dobrindt diese Praxis nicht nur geduldet, sondern durch weitestgehende Unt√§tigkeit auch noch bef√∂rdert haben, ist aus NABU-Sicht ein Hohn f√ľr s√§mtliche Bem√ľhungen von St√§dten und Gemeinden, die Luftschadstoffbelastung vor Ort auf ein unbedenkliches Ma√ü zur√ľckzuf√ľhren.

NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Leif Miller: ‚ÄěBundesverkehrsminister Alexander Dobrindt h√§lt entgegen √∂ffentlicher Ank√ľndigungen weiter seine sch√ľtzende Hand √ľber die Autoindustrie. Es ist ein fatales Signal an Hersteller und Kunden, wenn nicht einmal der Gesetzgeber selbst ein Interesse daran zeigt, bestehende M√§ngel z√ľgig zu beseitigen. Dieses unverantwortliche Verhalten geht eindeutig zulasten der Umwelt, vor allem aber der Gesundheit der B√ľrger.‚Äú Das bisher einzige Ergebnis einer monatelangen Untersuchungskommission ist die ‚Äěfreiwillige Serviceaktion‚Äú der Autoindustrie, bei der die Hersteller Fahrzeuge zur Reduzierung des sogenannten Thermofensters in die Werkst√§tten zur√ľckrufen.‚Äú Wie diese Serviceaktion aussieht, kann konkret am Beispiel des Porsche Macan beobachtet werden: Unterhalb von plus f√ľnf Grad Celsius reduziert Porsche auch in Zukunft die Wirksamkeit des Stickoxidkatalysators und das mit dem Segen des Verkehrsministers. Es sei zu bef√ľrchten, dass auch anderen Herstellern vergleichbare, amtliche Freibriefe ausgestellt w√ľrden, die weiter zu hohe Abgaswerte erlauben.

NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger: ‚ÄěEin Jahr nachdem die Bombe um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen geplatzt ist, hat die Autoindustrie zu wenig aus dem Skandal gelernt. Selbst neue Fahrzeuge der Abgasstufe Euro 6 √ľbersteigen im realen Stra√üenbetrieb immer noch die erlaubten Grenzwerte f√ľr Stickoxidmengen und begr√ľnden dies vielfach mit dem Phantasiebegriff Thermofenster. Dabei ist l√§ngst deutlich geworden, dass es technisch unhaltbar ist, sich hinter Motorschutzargumenten zu verstecken.‚Äú Dieses Auftreten sei angesichts der Ausma√üe des Skandals v√∂llig unbegreiflich, illustriere aber die Arroganz und Narrenfreiheit einer Branche, die sich seit Jahrzehnten des politischen R√ľckhalts auf h√∂chster Ebene sicher sein k√∂nne.

Neben der Nachbesserung der bestehenden Flotte auf echte Euro-6-Werte im Realbetrieb, m√ľsse aus Sicht des NABU daher unter anderem eine Reform des Zulassungsverfahrens in der Zukunft ganz eindeutig die M√∂glichkeiten von Manipulationen dieser Art unterbinden. Dazu hat der NABU bereits im Dezember vergangenen Jahres zusammen mit anderen Umweltverb√§nden ein Konzept vorgestellt. Es basiert in erster Linie auf realen Messungen der Abgaswerte auf der Stra√üe und nicht im Labor, einer Erkl√§rung des Herstellers √ľber die Einhaltung der Werte und empfindlichen Sanktionen bei der Missachtung der Grenzwerte.

‚ÄěEs ist ein Treppenwitz, dass die des Betruges √ľberf√ľhrten Autohersteller in Europa nicht f√ľr ihr Vergehen bestraft werden, sondern allenfalls die Fahrzeuge per Software nachr√ľsten m√ľssen. Man stelle sich vor, ein Raser wird erwischt, muss aber keine Strafe f√ľrchten, sondern nur gelobigen, sich k√ľnftig an die Regeln zu halten. Dies w√§re eine Einladung zur Kriminalit√§t, die der Verkehrsminister bei der Autoindustrie weiterhin duldet‚Äú, so Oeliger.
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Eintrag vom: 22.09.2016  




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