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Sonntag, 26. September 2021
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Abriss & Neubau
Nicht nur zum Abriss der Grundschule in Endingen

Die wenige Jahrzehnte alte Grundschule am Erle soll abgerissen und komplett neu gebaut werden. In der letzten Sitzung des Stadtrates empfahl Architekt Friedemann Roller einen Neubau, der rund 9,3 Millionen Euro kosten könnte.
Es kann durchaus sein, dass der Abriss die ‚Äěkosteng√ľnstigste L√∂sung‚Äú ist. Dennoch fehlt, nicht nur in Endingen, die Debatte um den teuren Abriss vieler, relativ junger, √∂ffentlicher Geb√§ude.

Als ich in Teningen zur Schule ging, gab es dort zwei Schulen. Die damals neue Schule im Oberdorf (die zwischenzeitlich f√ľr teures Geld immer wieder renoviert werden musste) und ‚Äěmeine Schule‚Äú, die im Jahr 1904 erbaute Viktor-von-Scheffel-Schule im Unterdorf. Wenn die Gemeinde dieses 112 Jahre alte Schulgeb√§ude weiterhin pflegt, k√∂nnen dort noch viele Generationen von Sch√ľlerInnen unterrichtet werden.
Ich erinnere mich an meine Lehrzeit im sch√∂nen, alten Geb√§ude des Emmendinger Vermessungsamtes und an meine Zeit als Zivi in der neuen Sonderschule Wasser und an Wassereimer im Geb√§ude bei Starkregen auf¬īs undichte Flachdach.

Es ist unglaublich, was den Landkreis Emmendingen und den Staat das schlechte Bauen und die ‚ÄěFlachdachmode‚Äú der letzten 60 Jahre gekostet hat und es wird auch nicht √∂ffentlich diskutiert.

Es kann nicht darum gehen, heute so zu bauen wie vor 100 Jahren. Positive Entwicklungen wie W√§rmeschutz, Schallschutz und Brandschutz waren nicht absehbar. Aber vor 50 Jahren, in einer Zeit, in der st√§ndig alles Neue als technischer Fortschritt gepriesen wurde, h√§tte es dennoch m√∂glich sein m√ľssen, neue Geb√§ude langlebig, dauerhaft, flexibel-funktional und sch√∂n zu bauen.

Der notwendige Neubau der Endinger Grundschule zeigt, wie schnell und wie teuer viele "relativ neue", √∂ffentliche Bauwerke erneuert werden m√ľssen. Bauwerke, die vor wenigen Jahrzehnten noch als ‚Äěsuper-modern‚Äú galten, bei deren Errichtung aber Nachhaltigkeit und Langlebigkeit offensichtlich kein Thema waren.

In der Menschheitsgeschichte galt jahrtausendelang, dass Fortschritt neue Produkte und Geb√§ude besser, sch√∂ner, n√ľtzlicher und langlebiger macht. Dieses Menschheitsversprechen hat sich, nicht nur bei Geb√§uden, in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts zum Teil in sein Gegenteil gedreht.

Aspekte der Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und der Folgekosten haben bei vielen öffentlichen Bauten der letzten Jahrzehnte keine große Rolle gespielt und weil es keine Debatte dazu gab und gibt, ist dies auch heute teilweise noch so. Es fehlt eine kritische Fortschrittsdebatte, um Fortschritt nachhaltig und menschengerecht zu gestalten.

Immer noch wird bei √∂ffentlichen Planungen und Bauten haupts√§chlich auf die aktuellen Baukosten und viel zu wenig auf Langlebigkeit und die k√ľnftig anfallenden Reparaturen geachtet. Ob es langfristig kosteng√ľnstig ist, bei √∂ffentlichen Ausschreibungen den billigsten Anbieter nehmen zu m√ľssen, bezweifle ich nach meiner langen T√§tigkeit als Kreisrat immer st√§rker.

Neue, öffentliche Gebäude (nicht nur) in Endingen und im Landkreis sollten funktional, schön, energiesparend, ressourcenschonend und dauerhaft-langlebig gebaut werden. Der Staat, der Kreis und die Stadt haben nicht genug Geld, um sich billiges Bauen leisten zu können.

Ich bin auf die neue Endinger Schule gespannt.
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Eintrag vom: 21.07.2016 Autor: Axel Mayer, Kreisrat




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