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NABU: Mit mehr Auen- und GrĂŒnlandschutz Folgen von Unwettern mildern
Umdenken in der Landwirtschaft und Neuausrichtung der GewÀsserpolitik nötig

Angesichts der Folgen starker Unwetter in vielen Regionen Deutschlands drÀngt der NABU auf einen Kurswechsel in der Agrar- und GewÀsserpolitik und mahnt einen grundlegenden Bewusstseinswandel an.

„Extreme Wetterereignisse wie derartige Starkregen werden in den nĂ€chsten Jahren und Jahrzehnten vielerorts zunehmen, das zeigen die Klimaprognosen. Es kommt nun darauf an, welche SchlĂŒsse wir daraus ziehen. Verhindern lassen sich diese Ereignisse nie völlig, wir können aber alles daran setzen, die Auswirkungen zu mildern“, so NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.
Menschliches Handeln habe an vielen Stellen dafĂŒr gesorgt, dass NiederschlĂ€ge weniger in der FlĂ€che zurĂŒck gehalten werden und schneller in die BachlĂ€ufe gelangen. Dies geschieht beispielsweise durch die Intensivierung der Landwirtschaft, die technische EntwĂ€sserung und die Versiegelung des Bodens fĂŒr Siedlungs- und Verkehrszwecke.

„In den vergangenen 200 Jahren wurden FlĂŒsse begradigt, Auen bebaut und viele FlĂ€chen mit Beton und Asphalt versiegelt. In der Landwirtschaft bewirkt der RĂŒckgang von Wiesen und Weiden einen Verlust von RĂŒckhalteflĂ€chen. Anstatt langsam zu versickern, lĂ€uft das Regenwasser schnell in die BĂ€che und FlĂŒsse ab und lĂ€sst diese rasant anschwellen“, so Miller weiter. Gerade der in den vergangenen Jahren verstĂ€rkte Maisanbau könnte hier besonders lokal ein Problem darstellen, hier lĂ€uft das Wasser viel schneller ab als auf Wiesen und Weiden oder mit Getreide bestandenen AckerflĂ€chen. „Auf mehr als 20 Prozent der Äcker steht mittlerweile Mais, in manchen Regionen ist der Anteil noch viel höher. Wenn dann noch Hanglagen hinzukommen, kann dies bei starken NiederschlĂ€gen zum Problem werden“, so Miller.

Ähnlich gestalte es sich in Einzugsgebieten mit einem hohen Anteil versiegelter FlĂ€chen. „Hier rĂ€cht es sich, dass in der Vergangenheit vielfach keine RĂŒcksicht auf die lokalen Gegebenheiten genommen und in die natĂŒrlichen ÜberflutungsflĂ€chen hinein gebaut wurde. Wenn dann noch der Lauf begradigt und die GewĂ€sserbetten kĂŒnstlich eingeengt wurden, kann das katastrophale Ausmaße annehmen, wie viele Menschen gerade wieder leidvoll erfahren mussten“, so Miller.

Hier brauche es ein Umdenken nicht zuletzt auch auf kommunaler Ebene. Der Vorsorgegedanke mĂŒsse gegenĂŒber kurzfristigen Interessen viel stĂ€rker in der kommunalen Bauplanung berĂŒcksichtigt werden, die dezentrale Versickerung von Regenwasser könne da nur ein erster, aber gleichwohl relativ leicht umzusetzender Anfang sein. „Die Informationsgrundlagen sind dank der EU-Hochwassermanagementrichtlinie da, die Hochwassergefahrenkarten im Internet ganz einfach abrufbar. Jede Gemeinde sollte prĂŒfen, wie verletzlich sie durch Starkregenereignisse oder andere Wetterextreme wie StĂŒrme oder Hitzeperioden ist und daraus die richtigen SchlĂŒsse fĂŒr eine langfristige Anpassungsplanung ziehen“, so Miller.

Der NABU fordert eine umweltvertrĂ€glichere GewĂ€sserpolitik und setzt sich fĂŒr ein Bundesprogramm „Blaues Band“ ein. Ziel ist es, den ökologischen Zustand unserer GewĂ€sser zu verbessern. Bislang weist nur jeder zehnte Fluss oder Bach in Deutschland einen „guten Zustand“ auf, wie ihn die EU fordert und wie er bis zu diesem Jahr eigentlich fĂŒr alle FließgewĂ€sser erreicht sein sollte. Die NABU-Forderung nach einem Bundesprogramm zur ökologischen Entwicklung von Bundeswasserstraßen hat die Bundesregierung in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen. Aktuell erarbeitet eine Gruppe aus Vertretern des Verkehrs- und Umweltministeriums, wie das Programm konkret aussehen soll. Dem Bund kommt dabei, nach Ansicht des NABU, besondere Verantwortung zu: Er ist EigentĂŒmer aller als Bundeswasserstraßen eingestuften FlĂŒsse in Deutschland. Um sie zu verbessern, könnte die laufende Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hilfreich sein. Neue Einstufungen der FlĂŒsse anhand ihrer tatsĂ€chlichen Bedeutung fĂŒr den GĂŒtertransport und damit kĂŒnftig besser am Bedarf ausgerichtete Maßnahmen können den Druck auf die FlĂŒsse deutlich reduzieren.

Hintergrund zu den aktuellen Ereignissen und NABU-Forderungen:

Besonders betroffen waren Mittelgebirgsregionen. Bei solchen starken Unwettern wird in der Regel immer der gesamte Talboden geflutet. Wegen der Besiedelung der FlĂ€chen ist in diesen Regionen der Platz beengt und der Fluss hat wenig Raum. FrĂŒher gab es dort mehr Moore, die Wasser aufgenommen und es ĂŒber Wochen wieder abgegeben haben. Heute sind die Berglagen in aller Regel erschlossen und werden vielfach intensiv forstlich bzw. landwirtschaftlich genutzt. Nicht selten transportieren Drainagen und GrĂ€ben das Wasser auch noch beschleunigt in das Tal.

Insgesamt ist die FĂ€higkeit unserer Landschaft, Niederschlag zurĂŒckzuhalten, durch Nutzungen in den vergangenen Jahrhunderten stark reduziert worden. FĂŒr das dadurch schneller abfließende Niederschlagswasser fehlt in den besiedelten Auen der Abflussquerschnitt, also die Menge Wasser, die gespeichert werden kann, wenn man den Querschnitt senkrecht zur Fließrichtung bildet. Mit kĂŒnstlichem Retentionsersatz (RĂŒckhaltebecken) wird aus NABU-Sicht daher nur wenig erreicht, da diese an jedem Taleingang errichtet werden mĂŒssten. DarĂŒber hinaus fehlen fĂŒr solche Becken der Platz und das Aufnahmevolumen.

Was ist zu tun?
Der NABU spricht sich fĂŒr eine wesentliche Verbesserung natĂŒrlicher RĂŒckhalteflĂ€chen in Bergregionen durch eine strikt nachhaltige Landnutzung aus. Dazu zĂ€hlt vor allen Dingen die Erhöhung der natĂŒrlichen Speicherfunktion durch Moore, Humus-Bildung, naturnahe WĂ€lder sowie die Beseitigung von Drainagen und EntwĂ€sserung außerhalb von Siedlungen. Neben dem meist bestehenden technischen Hochwasserschutz ist vor allem die Schaffung von Abflussmöglichkeiten durch eine umfassende Auenentwicklung notwendig, ein Bauverbot in Gefahrengebieten und die Anpassung der kommunalen Raumplanung an mögliche Gefahrensituationen durch Unwetter.
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Eintrag vom: 09.06.2016  




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