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Mittwoch, 30. November 2022
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NABU unterstreicht fehlenden Bedarf einer festen Fehmarnbeltquerung
Bestehende J√ľtlandroute ist sinnvolle Alternative zum Tunnel-Neubau

Der NABU hat am heutigen Montag ein neues Verkehrsgutachten vorgelegt, das den fehlenden Bedarf einer festen Fehmarnbeltquerung unterstreicht. Das Hamburger Beratungsunternehmen Hanseatic Transport Consultancy (HTC) hat die Entwicklung der schienengebundenen Verkehrsstr√∂me zwischen dem europ√§ischen Festland und Skandinavien als Teil des 3800 Kilometer langen TEN-T Korridors 3 zwischen Helsinki und Valletta untersucht. In ihrer Studie kommen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass das Aufkommen im Schieneng√ľterverkehr von und nach Skandinavien seit Jahren stagniert bzw. sogar leicht r√ľckl√§ufig ist. Zwar konnte f√ľr den d√§nischen Markt seit der Finanzkrise ein leichtes Wachstum verzeichnet werden, dieses wird allerdings ma√ügeblich durch den Transit getrieben. Dagegen entwickelt sich der Schieneng√ľterverkehr mit Quelle und Ziel in D√§nemark seit Jahren r√ľckl√§ufig und befindet sich auf einem niedrigen Niveau. Daher stellt sich die Frage, welchen volkswirtschaftlichen Nutzen ein von D√§nemark finanziertes Schienenprojekt f√ľr die d√§nische Verladerschaft beziehungsweise die Volkswirtschaft insgesamt hat.

Vor diesem Hintergrund stellt der NABU auch nach der parlamentarischen Entscheidung D√§nemarks vom 4. M√§rz den grunds√§tzlichen Bedarf des Vorhabens weiter in Frage und h√§lt die von D√§nemark erwarteten Zusch√ľsse der Europ√§ischen Union in H√∂he von insgesamt 1,7 Milliarden Euro aus den so genannten TEN-T-Mitteln f√ľr ungerechtfertigt.

‚ÄěDas Gutachten macht deutlich, dass die finanziellen Zusch√ľsse in H√∂he von rund 1,7 Milliarden Euro aus Mitteln f√ľr den Ausbau der transeurop√§ischen Netze aus verkehrlicher Sicht nicht zu rechtfertigen sind. Der Bedarf f√ľr einen Neubau entlang des Fehmarnbeltes ist schlicht nicht vorhanden, das dort investierte Geld w√ľrde an anderer Stelle einen deutlich gr√∂√üeren Nutzen entfalten. Es deutet kaum etwas darauf hin, dass sich diese Entwicklung zuk√ľnftig umkehren wird‚Äú, sagte NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Leif Miller.

Mit dem Bau einer alternativen Schienentrasse √ľber den Fehmarnbelt w√ľrde zwar die f√ľr den Schieneng√ľterverkehr wichtige so genannte J√ľtlandroute entlastet. Jedoch besteht auch die Gefahr, dass aufgrund einer Priorisierung der Belt-Querung, Engp√§sse auf der J√ľtlandroute zuk√ľnftig nachrangig angegangen w√ľrden. Das wiederum k√∂nnte sich negativ auf die Wettbewerbsf√§higkeit der Schiene auswirken.
‚ÄěWir sehen daher die Gefahr, dass der G√ľterverkehr nach dem Bau einer festen Fehmarnbeltquerung von der umweltfreundlichen Schiene auf die klimasch√§dlichere Stra√üe verlagert werden k√∂nnte. Diese Erkenntnis scheint den Bef√ľrwortern des Tunnelprojekts bekannt zu sein, denn unl√§ngst erkl√§rte die d√§nische Regierung, die feste Fehmarnbeltquerung mangels Schienenverkehrsaufkommens mit dem Stra√üenverkehr refinanzieren zu wollen. Diese Rolle r√ľckw√§rts ist jedoch mit dem europ√§ischen Ziel einer Verkehrsverlagerung von der Stra√üe auf die Schiene nicht vereinbar‚Äú, sagte Eick von Ruschkowski, Mitglied der NABU-Gesch√§ftsleitung und Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik.

Weiterhin geht das Gutachten davon aus, dass sich die Zeiteinsparungen durch die Fehmarnbeltquerung ‚Äď anders als von der staatlichen Planungsagentur Femern A/S behauptet ‚Äď nicht 1:1 in eine Kostenreduzierung umsetzen lassen. ‚ÄěWir sprechen hier √ľber komplexe Produktionssysteme und optimierte Zuguml√§ufe. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass eine um 20 Prozent k√ľrzere Strecke auch 20 Prozent Zeit- und Kostenersparnis mit sich bringt, zumal unklar ist, wie hoch die Kosten f√ľr eine Tunnelquerung sein werden und ein theoretischer Zeitgewinn von zwei bis drei Stunden durch ungeplante Standzeiten schnell dahin sein kann‚Äú, sagt Torsten Tesch, Senior Consultant bei HTC.

In Anbetracht der im Gutachten dargestellten m√§√üigen Zukunftsperspektiven des Schieneng√ľterverkehrs sowie der beschr√§nkten Leistungsf√§higkeit der J√ľtlandroute liegt es nahe zu √ľberpr√ľfen, ob diese selektiv und in enger Abstimmung mit der sich ergebenden Marktentwicklung im Sinne einer ausbaubasierten Modernisierung und gegebenenfalls kapazitiven Erweiterung investiert werden sollte. Aus NABU-Sicht lie√üen sich mit einem ad√§quaten Ausbau die europ√§ischen Verkehrsziele eines ungehinderten Warenflusses zwischen Nord- und S√ľdeuropa kosteng√ľnstiger, infrastrukturell angemessener und √∂kologisch vertr√§glicher erreichen.

Angesichts erheblicher √∂kologischer Sch√§den durch den Bau der festen Fehmarnbeltquerung bei Gesamtkosten von rund zw√∂lf Milliarden Euro zuz√ľglich Kosten f√ľr die Anbindungen auf deutscher und d√§nischer Seite wirft der NABU den Planern vor, einen vorteilhaften Ausbau der J√ľtlandroute von Beginn an durch den Staatsvertrag ausgehebelt zu haben. ‚ÄěGerade weil das Vorhaben einer festen Fehmarnbeltquerung offenkundig keinen Bedarf hat, ist dieser Trick so durchschaubar. Die mangelnde Pr√ľfung des m√∂glichen alternativen Ausbaus einer J√ľtlandroute verst√∂√üt zudem gegen europ√§isches Recht. Dieses Thema wird in einem juristischen Verfahren eine zentrale Rolle spielen‚Äú, sagte Malte Siegert, Fehmarnbeltexperte des NABU.
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Eintrag vom: 17.03.2016  




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