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NABU √ľberreicht fast 47.000 Unterschriften gegen Greifvogelmord
Der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016 / Foto: NABU / A. Hart
 
NABU √ľberreicht fast 47.000 Unterschriften gegen Greifvogelmord
Illegale Greifvogelverfolgung stoppen/Verkauf und Besitz von Habichtfangkörben verbieten

Fast 47.000 Unterschriften gegen die illegale Verfolgung von Greifv√∂geln in Deutschland hat der NABU am heutigen Mittwoch an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks √ľberreicht. Sie nahm diese stellvertretend f√ľr die Umwelt- und Innenminister der L√§nder und des Bundes entgegen.

Obwohl alle Greifvogelarten in Deutschland seit den 1970er Jahren unter strengem Schutz stehen, werden immer noch jedes Jahr Hunderte Greifvögel illegal verfolgt. Vergiftungen, Fang, Abschuss und die Zerstörung von Nestern verhindern die weitere Erholung der durch jahrhundertelange Verfolgung dezimierten Bestände und die Wiederbesiedlung verwaister Brutgebiete.

Seit 2004 haben der NABU und das Komitee gegen den Vogelmord 869 Straftaten gegen Greifvögel dokumentiert, bei denen 1373 Vögel von 18 verschiedenen Greifvogel- und drei Eulenarten getötet wurden. Die Dunkelziffer unentdeckter Taten ist wesentlich höher.

Neben dem Vogel des Jahres 2015, dem Habicht, sind vor allem M√§usebussarde und Rotmilane, aber auch sehr seltene Arten wie Wanderfalken, Seeadler, Schreiadler und Steinadler betroffen. Dass die bundesweite Verfolgung dieser faszinierenden Tiere immer noch nicht abnimmt, zeigt die Tatsache, dass auch im Jahr 2015 wieder 63 F√§lle mit 80 toten Greifv√∂geln gez√§hlt wurden. Traurige Hochburg der Greifvogelverfolgung ist trotz abnehmender Tendenz nach wie vor Nordrhein-Westfalen mit 17 F√§llen im vergangenen Jahr, gefolgt von Baden-W√ľrttemberg mit 13 sowie Niedersachsen und Bayern mit je elf F√§llen.

Neu ist die Verfolgung von Greifvögeln im Zusammenhang mit Windkraftanlagen: In 42 zusätzlichen Fällen aus den Jahren 2010 bis 2015 besteht dringender Verdacht auf die illegale Zerstörung von Großvogelhorsten in der Nähe von bestehenden und geplanten Windkraftanlagen. Auch bei drei der registrierten Tötungsdelikte liegt ein entsprechender Zusammenhang nahe.

‚ÄěWer gern mit dem Finger auf die F√§nger unserer Zugv√∂gel im Mittelmeerraum zeigt, muss auch vor der eigenen Haust√ľr kehren und energisch gegen Vogelmord im eigenen Land eintreten. 47.000 Menschen in Deutschland haben dies mit ihrer Unterschrift auf Initiative des NABU bereits getan‚Äú, sagte NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Leif Miller. Mithilfe der Petition fordert der NABU die zust√§ndigen L√§nder auf, Straftaten gegen Greifv√∂gel effektiv zu registrieren, aufzukl√§ren und zu ahnden und verweist dabei auf das Vorbild Nordrhein-Westfalen.

‚ÄěBeim nordrhein-westf√§lischen Umweltministerium wurde eine Stabsstelle Umweltkriminalit√§t eingerichtet, die durch enge Zusammenarbeit mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Naturschutzbeh√∂rden eine effektive Registrierung und Verfolgung entsprechender Straftaten erm√∂glicht und in den vergangenen zehn Jahren bereits zu √ľber 30 rechtskr√§ftigen Verurteilungen gef√ľhrt hat‚Äú, so NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. In anderen L√§ndern, wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, existiere bis heute nicht einmal ein Register f√ľr gemeldete Straftaten gegen Greifv√∂gel.

Die Petition fordert au√üerdem die Bundesregierung auf, nicht nur die Anwendung, sondern auch den Verkauf und Besitz bestimmter Greifvogelfallen, wie den sogenannten Habichtfangkorb, so bald wie m√∂glich zu verbieten, damit die zust√§ndigen Beh√∂rden effektiver gegen den Fang von Greifv√∂geln vorgehen k√∂nnen. ‚ÄěZudem muss die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen lokaler Naturschutzbeh√∂rden f√ľr den Abschuss oder Fang von Greifv√∂geln aufgrund behaupteter allgemeiner Sch√§den an Niederwild und Hausgefl√ľgel endlich der Vergangenheit angeh√∂ren‚Äú, forderte NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Miller.

Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung können auch in Zukunft bei der vom Komitee gegen den Vogelmord eingerichteten Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) unter 0160-5813445 oder edgar@komitee.de gemeldet werden.
 
Eintrag vom: 21.01.2016  




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