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Freitag, 25. Juni 2021
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NABU: Fehmarnbeltquerung bleibt infrastrukturell überflüssig
NABU fordert vor Erörterung zur Fehmarnbeltquerung Neubewertung von Europas größtem Bauprojekt

Mit Blick auf den Beginn der Erörterungstermine im Planfeststellungsverfahren zur geplanten festen Fehmarnbeltquerung am 9. November fordert der NABU eine Neubewertung des Vorhabens. Besonders wegen der erheblichen Auswirkungen auf das europäisch geschützte „Flora-Fauna-Habitat-Gebiet 1332 Fehmarnbelt“ lehnt der NABU eine feste Verbindung zwischen der dänischen Insel Lolland und der deutschen Insel Fehmarn entschieden ab.

Der NABU sei nicht grundsätzlich gegen den Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Mammut-Projekte wie dieses müssten aber neben den ökologischen auch aus ökonomischen Gründen tabu sein. „Die Verkehrsprognosen für das gigantische Tunnelprojekt sind lächerlich gering. Deswegen ist die Fehmarnbeltquerung auch aus Verkehrssicht überflüssig, weil sie eben nicht nur ökologisch höchst riskant ist, sondern gleichzeitig planerisch überdimensioniert. Die einzigen, die davon profitieren werden, sind die Baukonzerne“, so Miller.

Der NABU kritisiert zudem, dass für das Mammut-Projekt EU-Fördergelder in Milliardenhöhe fließen sollen. Dies sei den Bürgern angesichts der Debatte um Arten- und Lebensraumverluste sowie dem Klimawandel kaum mehr zu vermitteln. Vor allem, wo die bestehenden Straßen und Schienenwege seit Jahren immer maroder werden.

„EU-Fördergelder für Projekte des Transeuropäischen Transportnetzwerks (TEN-T) sind an klare Kosten-Nutzen-Verhältnisse gebunden, daher kann die Rechnung allein angesichts der jüngsten gewaltigen Kostensteigerungen von 5,5 auf 7,4 Milliarden Euro (ohne Hinterlandanbindungen) und der marginalen Verkehrsprognosen gar nicht mehr aufgehen. Eine übergreifende Gesamtüberprüfung der Fehmarnbeltquerung auf deutscher und dänischer Seite mit Querung und Hinterlandanbindungen ist überfällig“, so Miller weiter. Dass der Staatsvertrag eine angemessene Alternativenprüfung wie die der bestehenden „Jütlandroute“ über die Storebeltbrücke quasi aushebele, sei ungeheuerlich. Auch dass Dänemark alles daran setze, den Tunnel vor allem mit den höheren Mauteinnahmen aus dem Straßengüterverkehr zu refinanzieren, widerspreche völlig dem Ansatz der EU, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

„Seit der ursprünglichen Planung haben sich die Rahmenbedingungen des Projektes erheblich verändert. So kann die zugrunde gelegte 'Staubsaugerwirkung' der Fehmarnbeltquerung, die auch aus ökologischer Sicht überaus kritisch zu sehen ist, gar nicht mehr eintreten, weil sich die Verkehrswege im Ostseeraum gerade im Laufe der letzten Jahre stark ausdifferenziert haben. Zudem wird die Fährlinie der Reederei Scandlines, die kürzlich auf umweltfreundlichen Hybridantrieb umgerüstet wurde, entgegen der ursprünglichen Annahme des Vorhabenträgers, mit dem geplanten Tunnel konkurrieren. Die Fehmarnbeltquerung ist daher heute noch viel überflüssiger als vor zehn Jahren“, sagte Malte Siegert, NABU Fehmarnbelt-Experte.

Seit über einer Dekade engagiert sich der NABU gegen eine feste Fehmarnbeltquerung und ist fest entschlossen, das Vorhaben mit allen dem Verband zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern. Der NABU bewertet die vom Vorhabenträger vorgelegten Unterlagen, die im Erörterungstermin diskutiert werden sollen, in Teilen als völlig unzulänglich. Auch der BUND unterstützt diese ablehnende Haltung. BUND-Verkehrsexperte Werner Reh: „Die jetzigen Planungen widersprechen völlig den Zielen des ursprünglich als Eisenbahnprojekt geplanten Vorhabens. Die Hinterlandinvestitionen dürfen daher nicht gefördert werden, denn sie widersprechen auch den Zielen des Bundesverkehrswegeplans 2015.“
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Eintrag vom: 12.11.2015  




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