oekoplus - Freiburg
Sonntag, 26. September 2021
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
Reaktorstahlprobleme beim ältesten und neuesten AKW der Welt
Der Reaktordruckbeh√§lter ist bei jedem AKW der sicherheitstechnisch wichtigste Bereich. In ihm findet unter hohem Druck die Kernspaltung statt und er ist die wichtigste Barriere, die das Austreten radioaktiver Stoffe verhindern soll. In jedem AKW wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivit√§t einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Ein Bersten des Druckbeh√§lters f√ľhrt unweigerlich zum unbeherrschbaren Supergau mit allen Folgen wie wir sie in Tschernobyl und Fukushima erlebt haben.

Die Atomindustrie und die von einem möglichen Unfall betroffene Bevölkerung haben jetzt ein zusätzliches Problem. In zwei belgischen AKW sind bei Untersuchungen viele tausend Risse im Reaktordruckbehälter gefunden worden. Aufgrund dieser massiven Sicherheitsprobleme empfahl der Leiter der belgischen Atomaufsichtsbehörde eine genaue Untersuchung aller Atomreaktoren weltweit.

Der Oberrhein ist jetzt betroffen von Reaktorstahlproblemen beim weltweit ältesten AKW (Beznau-CH) und beim neuesten Atomkraftwerk (Flamanville-F).

AKW Beznau:
In der Schweiz, einem der reichsten L√§nder der Welt, betreiben die Atomkonzerne im grenznahen Beznau das weltweit √§lteste Atomkraftwerk und w√ľrden diese Gefahrenquelle gerne verantwortungslos 60 Jahre lang strahlen lassen. Doch aktuell ist das ‚ÄěTechnikmuseum‚Äú abgeschaltet. Wegen Materialfehlern am Reaktordruckbeh√§lter f√ľhrt die AKW-Betreiberin Axpo Untersuchungen durch. Bei der Jahresrevision waren ‚Äěalte Unregelm√§√üigkeiten‚Äú im Material des Reaktordruckbeh√§lters entdeckt worden, sicherheitstechnische Verunreinigungen im Stahl und Stellen, an denen das Material eine andere Dichte aufweist. Bei einem alten, spr√∂den Reaktordruckgef√§√ü das jahrzehntelang einer hohen Neutronenstrahlung, starken Temperaturschwankungen und einem hohen Druck ausgesetzt war, bedeutet dies ein massives Sicherheitsrisiko.

EPR Flamanville:
In Flamanville, an der franz√∂sischen Atlantikk√ľste, wird gerade ein neues AKW gebaut, das schon 2012 in Betrieb gehen sollte. Der EPR (European Pressurized Water Reactor), das nach Ansicht der Betreiber ‚Äěsicherste ‚Äú AKW der Welt, hatte schon in der bisherigen Bauphase massive technische Probleme und darum sind die Kosten von 3,3 Milliarden Euro auf jetzt 10,5 Milliarden Euro gestiegen. Strom aus Windr√§dern und Solarenergie ist zum Entsetzen der franz√∂sischen Atomlobby wesentlich g√ľnstiger als der Atomstrom. Und kurz vor der geplanten Inbetriebnahme gibt es jetzt erneut ein massives Sicherheitsproblem, diesmal mit dem verwendeten Reaktorstahl. Der Neubau eines AKW in Europa war ein "Sieg" f√ľr die Atomlobby. Jetzt wird immer deutlicher, dass sie sich gerade auch √∂konomisch zu Tode siegt.

Im Fr√ľhjahr 2015 berichtete die franz√∂sische Atomsicherheitsbeh√∂rde ASN √ľber ‚ÄěAnomalien‚Äú im Stahl des schon eingebauten neuen Reaktordruckbeh√§lters. Laut Pierre-Franck Chevet, dem Vorsitzenden der ASN, sind die gefundenen Anomalien ‚Äěsehr ernst‚Äú und k√∂nnten zu Rissbildungen f√ľhren. Das bedeutet, dass ein extrem teurer Austausch des Druckbeh√§lters und mehrere Jahre Verz√∂gerung von EDF und AREVA eingeplant werden m√ľssen. Da die Abschaltung des √§ltesten franz√∂sischen AKW in Fessenheim von der franz√∂sischen Umweltministerin an die Inbetriebnahme von Flamanville gekoppelt und so das Abschaltversprechen von Staatspr√§sident Hollande gebrochen wird, ist die Region am Oberrhein von diesen Entwicklungen am Atlantik mitbetroffen.

Reaktorstahlprobleme, also im sicherheitstechnisch wichtigsten Bereich beim ältesten AKW der Welt in Beznau und im neuesten AKW der Welt in Flamanville zeigen das Versagen der Hochrisikotechnologie Atomkraft wie in einem Brennspiegel.

Aus Gr√ľnden des Menschenschutzes darf das Technikmuseum Beznau nicht mehr ans Netz und Flamanville darf nie angeschaltet werden. Alles andere w√§re ein unverantwortliches Spiel mit Leben und Gesundheit der Menschen. Und in Sachen Fessenheim erinnern wir Herrn Hollande noch einmal ein sein Versprechen, die beiden Alt-Reaktoren 2016 definitiv zu schlie√üen.
Mehr
Eintrag vom: 24.09.2015 Autor: Axel Mayer




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2021 Benjamin Jäger