oekoplus - Freiburg
Dienstag, 28. November 2023
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
Ausverkauf der Natur abgelehnt
Europ√§er stimmen gegen Aufweichung des Naturschutzes / EU-weites Naturschutzb√ľndnis mobilisiert rund 500.000 B√ľrger gegen Pl√§ne von Kommissionspr√§sident Juncker

Berlin, 24.07.2015: Rund eine halbe Million Europ√§erinnen und Europ√§er haben sich in einer von der EU-Kommission initiierten Befragung gegen die Aufweichung des Naturschutzes in der EU ausgesprochen. Nie zuvor verzeichnete eine EU-Konsultation eine solche Resonanz. Dies ist vor allem auf die Mobilisierungsaktion von 120 Umweltorganisationen in den 28 Mitgliedstaaten zur√ľckzuf√ľhren, bei der bislang 469.236 (Stand 23. Juli, 12:00 Uhr) Menschen f√ľr eine Beibehaltung der bisherigen Naturschutzrichtlinien stimmten. Die Konsultation endet am Freitag, den 24. Juli, um Mitternacht.

Unter dem Motto "NatureAlert.eu‚Äú hatten auch hierzulande der Bund f√ľr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund Deutschland (NABU), WWF Deutschland sowie der Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) B√ľrgerinnen und B√ľrger aufgerufen, sich an der Konsultation zur Zukunft der EU-Naturschutzrichtlinien zu beteiligen. Kommissionspr√§sident Jean-Claude Juncker habe mit der Befragung den Weg f√ľr ein Naturschutzrecht ebnen wollen, das sich st√§rker an den Interessen der Wirtschaft orientiert, so der Vorwurf der Umweltsch√ľtzer. Es zeichnet sich jedoch ab, dass eine √ľberw√§ltigende Mehrheit der teilnehmenden B√ľrgerinnen und B√ľrger Junckers Pl√§nen zur √Ąnderung des Naturschutzrechts eine klare Absage erteilt hat. Anfang 2016 will die EU-Kommission beschlie√üen, ob sie die Rechtsvorschriften √§ndern wird oder von den EU-L√§ndern eine bessere Durchsetzung der Regeln und mehr Finanzmittel einfordert.

Sollte Junckers Initiative Erfolg haben, bef√ľrchten die Umweltorganisationen eine massive Schw√§chung der Vorschriften zum Schutz von Arten, Lebensr√§umen und Schutzgebieten. Konkret geht es um die EU-Vogelschutzrichtlinie, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) und das weltgr√∂√üte Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000. Die Umweltsch√ľtzer verweisen auf eine Vielzahl von Studien, wonach die Richtlinien bereits zur Rettung bedrohter Tierarten beigetragen haben. Seeadler, Kranich, Wildkatze und Biber gehe es dank ihnen heute wieder deutlich besser. Millionen Zugv√∂gel w√§ren ohne sie auf ihrer Route in den S√ľden zum Abschuss freigegeben. Auch w√§ren deutlich mehr Moore und Feuchtgebiete trockengelegt, die letzten unber√ľhrten K√ľstenabschnitte bebaut und viele Fledermausquartiere zerst√∂rt worden. Dass die Artenvielfalt insgesamt dennoch schwindet, liege vor allem an der naturzerst√∂rerischen EU-Agrarpolitik sowie unzureichender Finanzierung durch EU-Haushalt und die Mitgliedstaaten, Personalmangel und zu laxer Durchsetzung der Richtlinien in den L√§ndern, kritisieren die Umweltverb√§nde.

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident: "Die Naturschutzrichtlinien der EU haben schon Millionen von Zugvögeln das Leben gerettet und unzählige Naturschätze vor der Zerstörung bewahrt. Jean-Claude Juncker sollte nicht funktionierende Gesetze aufbohren, sondern die Agrarpolitik reformieren, deren Subventionsmilliarden einen maßgeblichen Anteil am Schwund der Artenvielfalt haben."

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: "Proteste aus allen EU-L√§ndern haben in den vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt, dass die Menschen von den Politikern in Europa aktive Hilfe beim Schutz des gemeinsamen Naturerbes erwarten. Was sie nicht wollen, ist das Herumzerren an Gesetzestexten, um kurzfristige Profitinteressen zu bedienen. Kommissionspr√§sident Juncker muss nun daf√ľr sorgen, dass die bew√§hrten Naturschutzrichtlinien der EU besser umgesetzt werden. Die ausreichende Finanzierung, auch in den deutschen Bundesl√§ndern, ist dabei ein unverzichtbarer Baustein, praktische Hilfe bei der L√∂sung von Konflikten ein anderer."

Leif Miller, Vizepr√§sident des DNR: ‚ÄěDie EU-Kommission muss endlich begreifen, dass fast 90 Prozent der Menschen in Europa den Verlust von Tier- und Pflanzenarten f√ľr ein Problem halten. Dies haben knapp eine halbe Million Europ√§erinnen und Europ√§er in nur zehn Wochen eindrucksvoll unterstrichen, indem sie sich an der Kampagne beteiligt haben. Europ√§ische Deregulierungsbem√ľhungen im Umwelt- und Naturschutz werden nur den Europaskeptizismus verst√§rken.‚Äú

Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz des WWF Deutschland: "Schutzgebiete sind eine lohnende Investition. Die Natura-2000-Gebiete der EU erfordern jährlich sechs Milliarden Euro, erbringen aber im gleichen Zeitraum Umweltleistungen im Wert von bis zu 300 Milliarden Euro, zum Beispiel sauberes Wasser, Klimaschutz und Erholungsräume. Der Naturschutz ist ökonomisch hocheffizient und das Geld besser investiert als in Subventionen einer naturschädlichen Landwirtschaft und Regionalförderung."
Mehr
Eintrag vom: 31.07.2015  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2023 Benjamin Jäger