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Montag, 6. Februar 2023
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Studie belegt: EU-Vogelschutz wirkt
Große Erfolge bei bedrohten Arten in Deutschland

EU-Vogelschutzrichtlinie muss bleiben

Das Schicksal der bedrohten Vogelarten Europas ist in hohem Ma√üe von den Naturschutzgesetzen der Europ√§ischen Union abh√§ngig. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die heute im Fachmagazin ‚ÄěConservation Letters‚Äú ver√∂ffentlicht wurde. Darin analysierten Wissenschaftler die Bestandszahlen und Populationstrends aller europ√§ischen Vogelarten, die im vergangenen Jahr von den Mitgliedstaaten an die EU-Kommission gemeldet werden mussten.

‚ÄěOb eine Vogelart zunimmt oder abnimmt, h√§ngt immer von mehreren Faktoren ab. Jetzt aber wissen wir endlich, was in Europa den gr√∂√üten Einfluss hat: N√§mlich, ob eine Art dank der EU-Vogelschutzrichtlinie von besonderen Schutzma√ünahmen profitiert ‚Äď oder eben nicht. Nach den neuesten Erkenntnissen hat dies wesentlich gr√∂√üeren Einfluss auf die Entwicklung einer Art als beispielsweise der Klimawandel‚Äú, sagte NABU-Pr√§sident Olaf Tschimpke.

Im Jahr 1979 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Europ√§ischen Gemeinschaft die Vogelschutzrichtlinie, die seither in der EU den Schutz wildlebender Vogelarten und ihrer Lebensr√§ume regelt. Sie gilt weltweit als eines der fortschrittlichsten und erfolgreichsten Naturschutzgesetze. Wird eine Vogelart im Anhang 1 der Richtlinie gef√ľhrt, m√ľssen die Mitgliedstaaten besondere Ma√ünahmen ergreifen und die wichtigsten Vorkommensgebiete als Vogelschutzgebiete ausweisen. Derzeit fallen 181 Arten in diese Kategorie. ‚ÄěDurch die Studie wissen wir jetzt: Ist eine Vogelart im Anhang 1 gelistet, hat sie wesentlich bessere Chancen auf einen positiven Bestandstrend als andere Arten‚Äú, so Tschimpke. Neben den Schutzgebieten d√ľrften sich auch EU-finanzierte Hilfsprojekte auszahlen, die dank der EU-Naturschutzrichtlinien umgesetzt werden k√∂nnen.

Eine zweite wichtige Erkenntnis der Studie: Je l√§nger die Vogelschutzrichtlinie in einem Land bereits gilt, desto besser f√§llt die Entwicklung der Anhang 1-Arten aus. In den neueren EU-Mitgliedstaaten sind die positiven Effekte noch schw√§cher ausgepr√§gt, doch in Deutschland ‚Äď wo die Richtlinie seit 1979 greift ‚Äď sind zum Teil spektakul√§re Bestandszunahmen zu verzeichnen.

So hat etwa der Schwarzstorch maßgeblich von der EU-Vogelschutzrichtlinie profitiert (Zunahme in den letzten 25 Jahren um 1655 Prozent), aber auch der Seeadler (393 Prozent), die Wiesenweihe (238 Prozent), der Wanderfalke (215 Prozent) und Kranich (415 Prozent). Ebenso verzeichnet die ehemals fast ausgestorbene Großtrappe inzwischen eine solide Bestandszunahme (119 Prozent in den letzten zwölf Jahren). Auch die Bestände weniger bekannter Arten wie des Mittelspechts und der gefährdeten Singvogelarten Heidelerche, Blaukehlchen und Ortolan konnten sich dank der Schutzmaßnahmen wieder erholen.

Doch den Erfolgen stehen auch enorme Verluste in der Vogelwelt gegen√ľber. Vor allem bei den ehemals h√§ufigen, weit verbreiteten und daher nicht durch Anhang 1 gesch√ľtzten Arten gibt es Verlierer. Dazu z√§hlen insbesondere Arten der Agrarlandschaft wie Rebhuhn (Abnahme um 95 Prozent in den letzten 25 Jahren), Kiebitz (minus 75 Prozent) oder Feldlerche (minus 34 Prozent). ‚ÄěDie EU-Agrarpolitik setzt mit ihren Subventionen genau die falschen Anreize. Sie f√∂rdert Naturzerst√∂rung und l√§sst die Artenvielfalt im l√§ndlichen Raum ausbluten‚Äú, so Tschimpke. Dagegen k√∂nne auch die Vogelschutzrichtlinie nicht ankommen.

Statt die Agrarpolitik zu reformieren, unterzieht die EU-Kommission derzeit die beiden wichtigsten EU-Naturschutzrichtlinien einem so genannten ‚ÄěFitness-Check‚Äú. Dieser soll untersuchen, ob die Regeln gelockert werden k√∂nnten. EU-Kommissionspr√§sident Juncker fordert sogar das Ende einer eigenst√§ndigen EU-Vogelschutzrichtlinie. Dagegen haben sich jedoch in den vergangenen Wochen Hunderttausende Europ√§erinnen und Europ√§er in einer EU-weiten Online-Befragung ausgesprochen, die Sonntag endete. ‚ÄěGenau 520.325 B√ľrgerinnen und B√ľrger haben der EU-Kommission ein klares Signal gesendet: Sie wollen keine Aufweichung des Naturschutzes. Die Kommission darf dieses √ľberw√§ltigende Votum der √Ėffentlichkeit und die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht wegen einiger Lobbyisten aus der Agrarindustrie ignorieren. Die Richtlinien wirken, funktionieren und m√ľssen beibehalten werden‚Äú, so Tschimpke. Um die Richtlinien vor Ort umzusetzen, ben√∂tige es aber mehr Geld, Personal und den n√∂tigen politischen Willen.
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Eintrag vom: 31.07.2015  




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