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Montag, 27. Mai 2024
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Tegeler Fließtal profitiert von EU-Naturschutzrichtlinien
EU-Fitness-Check darf nicht zum Naturschutz-Abbau f√ľhren

Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Pr√ľfstand. Bis zum 24. Juli haben alle B√ľrgerinnen und B√ľrger in den Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer m√∂glichen ‚ÄěModernisierung‚Äú der zwei wichtigsten EU-Gesetze f√ľr den Natur- und Artenschutz zu √§u√üern. Es gilt die Erfolgsgeschichte der EU-Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie fortzuschreiben und die geplanten Lockerungen zu verhindern. Mit der Aktion ‚ÄěNatursch√§tze retten‚Äú stellt der NABU unter www.NABU.de/naturschaetze jede Woche ein Gebiet, eine Art oder einen Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren. Diese Woche: das Tegeler Flie√ütal in Berlin.

Unter dem Schutz der EU hat sich das Tegeler Flie√ütal in Berlin zum ‚ÄěNaturschatz‚Äú entwickelt. Das Natura-2000-Gebiet umfasst das Landschaftsschutzgebiet Tegeler Flie√ü, das Naturschutzgebiet Kalktuffgel√§nde und das Naturschutzgebiet Niedermoorwiesen. Das Flie√ü m√ľndet in den Tegeler See mit direktem Anschluss zur Havel. Seine Ufer sind in weiten Teilen durch eine vielf√§ltige Bachauenlandschaft gepr√§gt, die sich mit ausgedehnten Wiesen, Erlenbruch und Grauweidengeb√ľschen abwechselt. Das Flie√ütal bietet somit auf seiner L√§nge von fast 15 Kilometern Pracht-Nelke und Fieberklee genauso wie Sperbergrasm√ľcke und Fischotter Lebensraum. Es kommen elf von den 13 f√ľr Berlin nachgewiesenen Amphibien- und Reptilienarten hier vor.

Der Zustand des Gebietes wird dank verschiedener Ma√ünahmen kontinuierlich verbessert beziehungsweise auf seinem hohen Standard gehalten. Zurzeit wird an der Durchg√§ngigkeit des Flie√ües mittels Fischtreppen und dem R√ľckbau von Sohlschwellen gearbeitet. Die aus Holz oder Beton bestehenden Schwellen wurden quer zum Wasserverlauf in den Fluss gebaut, um die Flie√ügeschwindigkeit zu verringern. Auch die verschiedenen Feuchtwiesentypen ben√∂tigen viel Pflege durch extensive Mahd und Beweidung. Die NABU-Bezirksgruppe Reinickendorf macht seit vielen Jahren Werbung f√ľr die Natur vor Ort und engagiert sich im Einsatz gegen Neophyten (gebietsfremde Pflanzenarten) wie Springkraut oder Kamtschatka-Kn√∂terich.

‚ÄěEs ist fraglich, ob ohne die Richtlinien aus Br√ľssel Deutschland bzw. das Land Berlin seit 1992 so gro√üe Anstrengungen unternommen h√§tte, um alleine in Berlin 16 Schutzgebiete dieser Qualit√§t auszuweisen‚Äú, sagt Anja Sorges, Gesch√§ftsf√ľhrerin des NABU Berlin. ‚ÄěDabei haben sich die M√ľhen gelohnt: die Berliner B√ľrger wissen Gebiete, wie das Tegeler Flie√ütal als Natur- und Naherholungsr√§ume direkt vor ihrer Haust√ľre genauso zu sch√§tzen, wie Kranich, Biber und Wachtelk√∂nig.

Mit Blick auf die EU-B√ľrgerbefragung zum ‚ÄěFitness-Check‚Äú m√∂chte der NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich f√ľr starke Naturschutzgesetze in der Europ√§ischen Union auszusprechen. Einige Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen bereits die Abschw√§chung der FFH- und Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz von alleine in Deutschland √ľber 5.000 Natura-2000-Gebieten k√∂nnte damit geschw√§cht werden. Die Jagd auf Zugv√∂gel und W√∂lfe, der Schutz von Flederm√§usen, Bibern und Buchenw√§ldern st√ľnde wieder zur Debatte.
Der NABU fordert nicht nur den Erhalt der genannten Richtlinien, sondern auch eine konsequente Durchsetzung und Finanzierung der geltenden Naturschutzstandards.
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Eintrag vom: 12.06.2015  




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