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Donnerstag, 8. Dezember 2022
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Naturschatz #6: Schreiadler
Bedeutender Naturschatz in Europa - ‚ÄěFitness-Check‚Äú darf nicht zum Naturschutz-Abbau f√ľhren

Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Pr√ľfstand: Bis zum 24. Juli haben alle B√ľrgerinnen und B√ľrger in den Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer m√∂glichen ‚ÄěModernisierung" der zwei wichtigsten EU-Gesetze f√ľr den Natur- und Artenschutz zu √§u√üern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) -und der Vogelschutzrichtlinie. Mit der Aktion ‚ÄěNatursch√§tze retten‚Äú stellt der NABU jede Woche unter www.NABU.de/naturschaetze ein Gebiet, eine Art oder einen Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne diesen verloren gehen k√∂nnten.

In Mecklenburg-Vorpommern br√ľten etwa 80 Schreiadlerpaare ‚Äď und damit der gr√∂√üte Teil des gesamten Schreiadlerbestands in Deutschland. Die anderen rund 20 Paare leben im Nordosten Brandenburgs. Intensive Land- und Forstwirtschaft sowie die Entw√§sserung von Feuchtgebieten entziehen den seltenen Greifv√∂geln hierzulande zunehmend die Lebensgrundlagen.

Als sogenannter Langstreckenzieher √ľberwintert der Schreiadler im s√ľdlichen Afrika. Doch nicht nur auf dem Zug ist er gro√üen Gefahren ausgesetzt (vor allem durch Wilderei im Nahen Osten). Zwar spielt die direkte Verfolgung in Mitteleuropa bis auf Ausnahmen keine Rolle mehr. Dennoch ist der Schreiadler im Brutrevier sehr empfindlich gegen√ľber St√∂rungen. Bei Beunruhigung verl√§sst er schnell auch angestammte Reviere. Schreiadler stellen hohe Anspr√ľche an ihre Brut- und Nahrungsgebiete. Zum Br√ľten ben√∂tigen sie ungest√∂rte Laub- und Mischw√§lder. Diese m√ľssen von feuchten Lebensr√§umen wie Erlenbr√ľchen oder feuchten Wiesen durchzogen oder umgeben sein, wo die V√∂gel jagen k√∂nnen. Zudem siedeln die letzten Schreiadler in weitgehend unzerschnittenen Lebensr√§umen. Doch solche Fl√§chen sind heute in Mecklenburg-Vorpommern fast nur noch in den gro√üen Schutzgebieten zu finden.

‚ÄěHierzu z√§hlen die Natura 2000-Gebiete. Au√üerhalb der Grenzen dieser FFH- und Vogelschutzgebiete werden wertvolle Schreiadlerlebensr√§ume weiter zerst√∂rt. Entw√§sserung und Nutzungsintensivierung vernichten die Lebensr√§ume ebenso wie schlecht geplante Windparks‚Äú, sagte der Landesvorsitzende des NABU-Mecklenburg Vorpommern, Stefan Schwill. Der NABU richtet sich daher mit einer Klage gegen die nicht artenschutzkonforme Praxis mecklenburgischer Beh√∂rden bei der Windkraftplanung (https://www.nabu.de/news/2015/03/18621.html), die das √úberleben der Schreiadler gef√§hrdet. Im betreffenden Fall im Landkreis Rostock sind mindestens vier Schreiadlerpaare direkt von einem Windparkprojekt betroffen. Es ist unstrittig, dass Schreiadler durch Vogelschlag an Windkraftanlagen besonders gef√§hrdet sind.

‚ÄěDer Schreiadler wird im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie gelistet. Das bedeutet, dass besondere Schutzgebiete f√ľr ihn ausgewiesen wurden. Ein Wegfall oder eine Aufweichung der Vogelschutzrichtlinie h√§tte dramatische Folgen f√ľr den seltenen Greifvogel. Ein baldiges Aussterben des deutschen Brutvorkommens kann nur verhindert werden, wenn die f√ľr diese Art ausgewiesenen Natura 2000-Gebiete konsequent gesch√ľtzt und verbessert werden und gleichzeitig der spezielle Schutz, den die EU-Vogelschutzrichtlinie der Art gew√§hrt voll umgesetzt wird‚Äú, so Schwill weiter.

Mit Blick auf die EU-B√ľrgerbefragung zum ‚ÄěFitness-Check‚Äú m√∂chte der NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich unter www.NABU.de/naturschaetze f√ľr starke Naturschutzgesetze in der Europ√§ischen Union auszusprechen. Einige Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen bereits die Abschw√§chung der Fauna-Flora-Habitat- (FFH)- und Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz von allein in Deutschland √ľber 5.000 Natura-2000-Gebieten k√∂nnte damit geschw√§cht werden. Die Jagd auf Zugv√∂gel und W√∂lfe, der Schutz von Flederm√§usen, Bibern und Buchenw√§ldern st√ľnde wieder zur Debatte.
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Eintrag vom: 05.06.2015  




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