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NABU zum Artenschutzreport
Alarmierender Zustand unserer Tier- und Pflanzenarten

Aktuelle Lage der Natur muss Weckruf fĂŒr Politik sein

Der NABU wertet den am heutigen Mittwoch veröffentlichten Artenschutzreport 2015 als ein alarmierendes Signal und fordert Bund und LĂ€nder auf, aktiv gegen den dramatischen Artenschwund in Deutschland vorzugehen. Sonst werde das Ziel, den Artenverlust bis 2020 zu stoppen, nicht erreicht werden. FĂŒr den erstmals erschienenen Report hatte das Bundesamt fĂŒr Naturschutz (BfN) verschiedene Studien und Analysen der vergangenen Jahre zusammengefĂŒhrt. Jede dritte untersuchte Art in Deutschland ist danach gefĂ€hrdet.

„Der Zustand von Tieren, Pflanzen und LebensrĂ€umen verschlechtert sich in rasantem Tempo. Die aktuelle Lage der Natur muss ein Weckruf an die Politik sein. Denn Abwarten fĂŒhrt dazu, dass unsere Natur immer weiter Schaden nimmt“, sagte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke. Zeitgleich mit dem Artenreport des BfN hat die EU heute einen Bericht zur Lage der Natur in Europa vorgestellt, der ebenfalls dramatische Zahlen des Artenverlustes in Deutschland und Europa unterstreicht. Danach sind beispielsweise die BestĂ€nde der Turteltaube in der EU seit dem Jahr 1980 um 95 Prozent zurĂŒckgegangen, der Kiebitzbestand ist in Deutschland im gleichen Zeitraum auf ein Viertel geschrumpft.

Tschimpke forderte Bund und LĂ€nder auf, endlich mehr fĂŒr den Naturschutz zu tun. „Die Lösungen liegen auf der Hand: Unsere Arten brauchen eine stĂ€rkere Vernetzung ihrer LebensrĂ€ume. Außerdem ist ein besseres Management der Schutzgebiete erforderlich. Und nicht zuletzt mĂŒssen die EinflĂŒsse des Menschen auf die Natur verringert werden, wenn wir FlĂ€chen fĂŒr die Land- und Forstwirtschaft oder fĂŒr den Siedlungsbau nutzen. Nur so können wir den dramatischen AbwĂ€rtstrend noch stoppen“, so der NABU-PrĂ€sident.

Mit Blick auf die Situation von Arten und LebensrĂ€umen sei es geradezu zynisch, dass die EU-Kommission derzeit ĂŒber eine Aufweichung der Naturschutzrichtlinien diskutiere. „Die Faktenlage ist ein unmissverstĂ€ndliches PlĂ€doyer fĂŒr eine bessere Umsetzung eben dieser Richtlinien. Jeder Einschnitt hĂ€tte dramatische Folgen“, warnte Tschimpke. Genau aus diesem Grund hĂ€tten sich auch bereits ĂŒber 100.000 EU-BĂŒrger an einer aktuell laufenden Online-Aktion zum Schutz der Natur beteiligt.

Zwar zeige der Artenschutzreport auch einzelne positive Entwicklungen auf, etwa fĂŒr den Biber, den Wolf oder den Schwarzstorch. Doch gehen diese auf intensive SchutzbemĂŒhungen zurĂŒck und wĂ€ren ohne die EU-Naturschutzrichtlinien nicht denkbar. Ihnen stehen jedoch massive BestandsrĂŒckgĂ€nge bei einer Vielzahl der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gegenĂŒber. Wertvolle LebensrĂ€ume wie Moore, FlĂŒsse und Auen, WĂ€lder oder auch extensiv bewirtschaftete Agrarlandschaften sind stark beeintrĂ€chtigt. Als Hauptursachen des ArtenrĂŒckgangs benennen sowohl der Artenschutzreport als auch die EU-weite Analyse eine immer intensivere Landnutzung sowie die Effekte des Klimawandels.


Zum Hintergrund:

Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den PrĂŒfstand: Bis zum 24. Juli haben alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in den Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer möglichen „Modernisierung" der zwei wichtigsten EU-Gesetze fĂŒr den Natur- und Artenschutz zu Ă€ußern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) -und der Vogelschutzrichtlinie. Mit Blick auf diese EU-BĂŒrgerbefragung zum „Fitness Check“ möchte der NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich unter www.NABU.de/naturschaetze fĂŒr starke Naturschutzgesetze in der EuropĂ€ischen Union auszusprechen.
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Eintrag vom: 22.05.2015  




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