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NABU klagt gegen Windpark zum Schutz seltener Schreiadler
Klimaschutz darf nicht auf Kosten von Arten und LebensrÀumen betrieben werden

Der NABU klagt gegen die Genehmigung eines Windparks mit 16 WindrĂ€dern bei Jördenstorf im Landkreis Rostock. Gleichzeitig wurde ein Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt, um den bevorstehenden Baubeginn zu verhindern. Der Hauptgrund fĂŒr die Klage ist, dass in unmittelbarer Umgebung der geplanten Anlagen Schreiadler leben, die in Deutschland sehr selten und außerdem stark gefĂ€hrdet sind. Die Klage ist am gestrigen Mittwoch, den 25. MĂ€rz, im Verwaltungsgericht Schwerin eingereicht worden.

„Klimaschutz darf nicht auf Kosten von Arten und LebensrĂ€umen vorangetrieben werden“, sagt NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. Der NABU fordert beim Ausbau der erneuerbaren Energien die strikte Einhaltung des geltenden Umweltrechts und appelliert dabei an Planungs- und Genehmigungsbehörden sowie Investoren. „Wir befĂŒrworten den naturvertrĂ€glichen Ausbau von Windkraft, mĂŒssen jedoch auf gravierende VersĂ€umnisse bei der Standortwahl und der Genehmigungspraxis einzelner Projekte hinweisen“, so Miller weiter.

„Der Fall Jördenstorf steht exemplarisch fĂŒr eine wider besseren Wissens schlechte Standortplanung und ein mit großen fachlichen und rechtlichen MĂ€ngeln durchgefĂŒhrtes Genehmigungsverfahren. Dies hat zur Erteilung einer Genehmigung gefĂŒhrt, die aus artenschutzrechtlichen Gesichtspunkten und aus NABU-Sicht niemals hĂ€tte erteilt werden dĂŒrfen“, kritisiert Stefan Schwill, NABU-Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern. Denn den zustĂ€ndigen Behörden war das Vorkommen der stark bedrohten Schreiadler bereits bei der Ausweisung eines Windeignungsgebietes bei Jördenstorf bekannt. Zudem ist die GefĂ€hrdung dieser Art durch WindrĂ€der hinreichend belegt. In Deutschland brĂŒten nur noch 100 Paare dieser Adlerart, 15 davon in einem Radius von etwa 15 Kilometern um den geplanten Standort. Das ausgewiesene Eignungsgebiet befindet sich zwischen den Horsten von vier dieser Paare, nur fĂŒnf Kilometer vom nĂ€chsten Nest entfernt.

Aufgrund der hohen GefÀhrdung der Schreiadler durch Windkraftanlagen empfiehlt der aktuelle Fachstandard zu Abstandsregelungen einen Mindestabstand von sechs Kilometern zwischen WindrÀdern und Schreiadlerhorsten und das gÀnzliche Freihalten der wenigen Verbreitungszentren der Adlerart.

Der NABU hat frĂŒhzeitig auf die Probleme hingewiesen. Da aber eine UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung durch die Genehmigungsbehörde fĂŒr unnötig erklĂ€rt und nicht durchgefĂŒhrt wurde, war die nun eingereichte Klage die einzige Möglichkeit fĂŒr den NABU, die Einhaltung des bestehenden Naturschutzrechts einzufordern. Nach einem Fachgutachten des NABU wĂ€re durch den Windpark eine Verdoppelung der natĂŒrlichen Sterblichkeit der umliegenden Schreiadler zu erwarten, was unweigerlich zu einem Verschwinden der Adler fĂŒhren wĂŒrde.

„Um Fehlinvestitionen, Verzögerungen und Rechtsstreitigkeiten bei der Realisierung von Windkraftanlagen zu vermeiden, appellieren wir an alle Planungsbehörden und Investoren, bereits bei der Ausweisung von Eignungsgebieten und der Standortwahl die fachlichen Empfehlungen zum Abstand von wichtigen Vogelvorkommen zu berĂŒcksichtigen“, so Stefan Schwill. „Allerdings lĂ€sst die in KĂŒrze bevorstehende Ausweisung weiterer höchst kritischer Windeignungsgebiete in den benachbarten Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald befĂŒrchten, dass die Behörden ihre fragwĂŒrdige Praxis fortfĂŒhren und damit die Planungssicherheit der Investoren und die Zukunft des Wappenvogels Mecklenburg-Vorpommerns und anderer seltener Arten gefĂ€hrden.“
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Eintrag vom: 27.03.2015  




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