oekoplus - Freiburg
Samstag, 10. Juni 2023
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
NABU fordert mehr Engagement beim Fledermausschutz
Deutschland hat besondere Verantwortung

Mit Blick auf den Internationalen Tages des Artenschutzes (3. M√§rz) verweist der NABU auf die in Deutschland besonders gef√§hrdeten Flederm√§use. Vier der 24 heimischen Fledermausarten sind bereits vom Aussterben bedroht: Die Gro√üe und Kleine Hufeisennase sowie die Wimpern- und Mopsfledermaus. Drei weitere Arten gelten als stark gef√§hrdet, f√ľnf als gef√§hrdet.

‚ÄěUrsache f√ľr die starken Bestandseinbr√ľche der meisten Fledermausarten in den vergangenen Jahrzehnten ist vor allem die intensive Landwirtschaft. Neben dem Verlust der Vielfalt b√§uerlicher Kulturlandschaften sind die Auswirkungen auf das Angebot an Beutetieren wie Nachtfaltern, Fluginsekten oder K√§fern erheblich, ebenso wie der Einsatz von Pestiziden‚Äú, sagte NABU-Pr√§sident Olaf Tschimpke.

Viele Fledermaus-Quartiere werden vom Menschen unbewusst zerst√∂rt. Besonders h√∂hlenreiches Altholz wird noch immer aus dem Wald entfernt. Dachb√∂den werden renoviert und mit Holzschutzmitteln behandelt, Hohlr√§ume ausgesch√§umt und Fugen versiegelt, wichtige Quartiere gehen so verloren. ‚ÄěAm Schutz der Tiere kann sich jeder beteiligen. K√ľnstliche Quartiere wie Fledermausk√§sten, Einbausteine ins Mauerwerk, Vermeidung von Pestiziden oder ein fledermausfreundlicher Garten zur F√∂rderung nachtaktiver Insektenarten, vieles ist m√∂glich und bedarf nur eines geringen Aufwands‚Äú, so NABU-Fledermausexperte Sebastian Kolberg.

Auch Windkraftanlagen stellen eine Gefahr f√ľr die heimischen und im besonderen Ma√üe auch f√ľr migrierende Flederm√§use aus dem europ√§ischen Umland dar, wenn sie nicht auf Standorten geplant werden, die aus Naturschutzsicht als konfliktarm eingestuft werden. Einer aktuellen Studie des Leibniz-Instituts f√ľr Zoo- und Wildtierforschung zufolge sterben j√§hrlich 250.000 Tiere an den Folgen von Kollisionen mit den Rotorbl√§ttern oder dem so genannten Barotrauma, welches durch gro√üe Luftdruck√§nderungen an den Rotorbl√§ttern erzeugt wird und bei dem die inneren Organe der Tiere zerrei√üen k√∂nnen.

‚ÄěDeutschland tr√§gt hier eine ganz besondere Verantwortung nicht nur f√ľr die heimischen, sondern alle europ√§ischen Fledermausarten. Als Transitland f√ľr wandernde Flederm√§use muss der Artenschutz im Vordergrund stehen‚Äú, so NABU-Pr√§sident Tschimpke. ‚ÄěAls Vertragsstaat des EUROBATS-Abkommens hat sich die Bundesrepublik dazu verpflichtet, den Fledermausschutz bei der Planung von Windenergieanlagen zu ber√ľcksichtigen.‚Äú

Studien belegen, dass insbesondere der Naturraum sowie Witterungsverh√§ltnisse wie Temperatur, Niederschlag und Windgeschwindigkeit die Aktivit√§t von Flederm√§usen im Umfeld von Windenergieanlagen bestimmen. W√§lder und waldreiche Standorte z√§hlen zu den sensiblen und daher konfliktreichen Gebieten. Hier finden sich Jagdhabitate, Tages- und Winterquartiere vieler Fledermausarten. Von Windkraft besonders gef√§hrdete Arten wie die Rauhautfledermaus, der Gro√üe wie auch der Kleine Abendsegler oder die Zwergfledermaus nutzen W√§lder, besonders mit hohem Altholzanteil, als Tages- und Winterquartiere. Daher sollten Waldstandorte m√∂glichst nicht f√ľr die Windenergienutzung herangezogen werden.

Terminhinweis: 12. Fachtagung der NABU-Bundesarbeitsgruppe (BAG) Fledermausschutz vom 20. bis 22.M√§rz in Erfurt, u.a. mit Th√ľringens Umweltministerin Anja Siegesmund und NABU-Pr√§sident Olaf Tschimpke. In der Landeshauptstadt Th√ľringens werden rund 400 Tagungsg√§ste aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet, die sich zu aktuellen Themen des Fledermausschutzes und der Fledermausforschung austauschen.



Hintergrund

Wichtigstes rechtliches Instrument zum Schutz der Flederm√§use ist die europ√§ische Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Richtlinie, auf deren Grundlage ein europaweites Schutzgebietsnetz entsteht. Besonders sch√ľtzenswerten Arten wird dadurch ein Lebensraum gesichert. Die Vernetzung von- und der notwendige genetische Austausch zwischen Populationen in stark besiedelten und durch Infrastrukturen zerschnittenen L√§ndern wie Deutschland werden somit erst erm√∂glicht. Aktuell √ľberpr√ľft die EU-Kommission im Rahmen eines ‚ÄěFitness Checks‚Äú die Wirksamkeit der europ√§ischen Naturschutzrichtlinien. Viele Beispiele zeigen, dass die Richtlinien der Schl√ľssel zum erfolgreichen Erhalt der biologischen Vielfalt sind, wenn sie konsequent umgesetzt werden. Der NABU fordert daher eine Naturschutzoffensive, damit die Richtlinien ihre Wirkung endlich voll entfalten k√∂nnen.
Mehr
Eintrag vom: 06.03.2015  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2023 Benjamin Jäger