oekoplus - Freiburg
Montag, 1. Juni 2020
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


    ├ľKO-TEST Lebensversicherungen
Das ├ľKO-TEST-Magazin Februar 2015 gibt es ab dem 30. Januar 2015 im Handel.
 
├ľKO-TEST Lebensversicherungen
Kunden auf Nulldi├Ąt
Dienstaufsichtsbeschwerde gegen BaFin?

Deutschlands Lebens- und Rentenversicherer klagen derzeit bitter ├╝ber die anhaltende Niedrigzinsphase. Eine aktuelle ├ľKO-TEST-Analyse zeigt jedoch, dass die Branche weiterhin gute Gewinne einf├Ąhrt, was sie jedoch geschickt verbirgt. Nur von den Kunden fordert sie Verzicht. Zu Recht?

Im Jammern sind die Versicherer echte Weltmeister. Woche f├╝r Woche ist in den Medien zu lesen und h├Âren, wie hart sie aufgrund der niedrigen Zinsen k├Ąmpfen m├╝ssen. ├ľKO-TEST wollte es in der aktuellen Februar-Ausgabe nun genau wissen und hat einen Blick in die Bilanzen von 66 deutschen Lebensversicherern geworfen. Das Verbrauchermagazin hat au├čerdem recherchiert, ob Kunden wie vorgeschrieben an den Gewinnen beteiligt oder stattdessen zur Kasse gebeten werden.

Dabei zeigte sich: Von einer Notlage der Branche ist nach wie vor nicht die geringste Spur zu sehen. Im Gegenteil: Bislang brummt das Neugesch├Ąft, 2013 sind die Beitragseinnahmen sogar st├Ąrker gestiegen als noch im Vorjahr und die Kapitalanlagen, in denen umgerechnet immer noch 68,8 Milliarden Euro an stillen Reserven stecken, werfen geradezu traumhafte Gewinne ab. Mit durchschnittlich 4,49 Prozent ist die Nettoverzinsung aus Kapitalanlagen nicht nur ├╝ppig, sondern seit Jahren auch erstaunlich stabil. Die Versicherer haben also keine Probleme, ihre Garantieleistungen zu erbringen. Sie k├Ânnten den Kunden vielmehr auch noch ordentliche ├ťbersch├╝sse gew├Ąhren.

Tun sie aber nicht. Im Gegenteil. Die Beteiligung der Kunden an den ├ťbersch├╝ssen geht immer weiter zur├╝ck. Statt wie fr├╝her zu 90 Prozent am Rohgewinn beteiligt zu werden, liegt die Quote jetzt im Schnitt nur noch bei 63,47 Prozent, bei einzelnen Versicherern sogar unter 40 Prozent. Ein Grund daf├╝r ist die Zinszusatzreserve. Die m├╝ssen die Versicherer bilden, um ihre Garantieleistungen auch im Fall einer extrem langanhaltenden Niedrigzinsphase weiter erf├╝llen zu k├Ânnen. Finanzieren lassen sie sich den Aufbau dieses Reservepuffers aber von den Kunden. Die m├╝ssen daf├╝r erst einmal kr├Ąftig auf ├ťbersch├╝sse verzichten. 2013 gingen im Schnitt bereits knapp 30 Prozent vom gesamten Rohgewinn f├╝r den Aufbau der Zinszusatzreserve drauf. Das ist in ├ľsterreich verboten. Dort m├╝ssen die Versicherer zwar ebenfalls eine Zinszusatzreserve bilden. Die darf aber nicht zu Lasten der ├ťberschussbeteiligung der Kunden gehen. ├ľsterreichs Versicherer m├╝ssen sie allein aus Unternehmensmitteln stemmen. Hierzulande schneiden sich die Versicherer selbst dagegen eine immer dickere Scheibe vom Gewinnkuchen ab und setzen nur die Kunden auf radikale Zinsdi├Ąt. Mehr noch: Der einzelne Kunde hat nicht einmal die Gew├Ąhr, dass er von dem Geld jemals etwas wieder sieht. Dabei handelt es sich nicht um Peanuts. Per Ende 2014 liegen insgesamt bereits rund 20 Milliarden Euro in diesem Reservetopf. Tendenz: stark steigend. Das wirft die Frage auf, ob diese Form der "Finanzierung und Gegenfinanzierung der Zinszusatzreserve", wie es die Branche nennt, mit Blick auf die Kundenvertr├Ąge rechtlich ├╝berhaupt zul├Ąssig ist. Der Bund der Versicherten erw├Ągt jedenfalls, Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die BaFin einzureichen.
Mehr
Eintrag vom: 01.02.2015  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2020 Benjamin Jäger