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Störung im Atomkraftwerk Fessenheim vom 09.04.2014
Beim Bef√ľllen von Wassertanks gab es zun√§chst eine Verstopfung eines √úberlaufrohres
im nicht-nuklearen Bereich. Dadurch kam es zu einem √úberlauf des Tanks und zu √úberflutungen (Wassereintritt) in den Leittechnik-Schr√§nken des Reaktorschutzsystems. Daher musste der Reaktor abgeschaltet werden. Die Leistungsregelung bzw. eine regul√§re Abschaltung des Reaktors war nicht mehr m√∂glich, da die Steuerst√§be im Reaktor durch die ausgefallene Leittechnik nicht mehr normal (= elektrisch) eingefahren werden konnten. Eine Reaktor-Schnellabschaltung mit den Steuerst√§ben (= Einfallen der Steuerst√§be in den AReaktorkern durch die eigene Schwerkraft) w√§re wohl noch m√∂glich gewesen (dies ist aber nur f√ľr den √§u√üersten Notfall vorgesehen, wird daher nur als ‚Äěultima ratio‚Äú praktiziert und birgt au√üerdem eigene weitere Risiken).

Der Betreiber (EDF) hat sich daher zur Abschaltung des Reaktors f√ľr eine dritte M√∂glichkeit, die sogenannte Aufborierung des K√ľhlwassers, entschieden (Zuf√ľhrung von K√ľhlwasser, das mit Bor versetzt ist, welches die Neutronen ‚Äěeinfangen‚Äú kann und so die Kernspaltungen unterbricht). Damit wurde der Reaktor letztendlich abgeschaltet. Hinzu kam, dass der Prim√§rkreislauf des Reaktors dabei offensichtlich zu schnell bzw. mit zu kaltem borhaltigem K√ľhlwasser gespeist wurde. Dies h√§tte an bestimmten Stellen des Prim√§rkreislaufs eventuell zu einem sogenannten Spr√∂dbruch f√ľhren k√∂nnen. Teilweise wurden w√§hrend der St√∂rung auch betriebliche Sicherheitsvorschriften missachtet.


Fazit

Die St√∂rung im nicht-nuklearen Teil des AKW Fessenheim konnte sich auf den nuklearen Teil und sogar auf das Reaktorschutzsystem auswirken; dies war offenbar seitens des Betreibers EDF nicht erwartet bzw. daf√ľr konstruktiv nicht vorgebeugt worden.
TRAS und √Ėko-Institut bezeichnen beide die St√∂rung als schwerwiegend. Die Einstufung der EDF in INES-Stufe 1 (siehe unten) steht dazu ein St√ľck weit im Widerspruch. Die Schwere der St√∂rung ging aus der damaligen Meldung der EDF in keiner Weise hervor. Die Tragweite wurde erst Monate sp√§ter kommuniziert und bekannt.


Weitere Hinweise

Die EDF hat die obigen Vorkommnisse nach der Internationalen Bewertungsskala f√ľr nukleare und radiologische Ereignisse (INES) in die Stufe 1 (= St√∂rung) eingeordnet (von 7 m√∂glichen Stufen) ‚Äď die Stufe 1 muss nicht der IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation in Wien) gemeldet werden.
Die Störung vom 09.04.2014 wurde auch in der Sitzung des Deutschen Begleitausschusses Fessenheim beim Regierungspräsidium Freiburg am 08.10.2014 behandelt. Dazu liegt jedoch noch kein Protokoll vor.


 
Eintrag vom: 01.02.2015  




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