oekoplus - Freiburg
Freitag, 18. Oktober 2019
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
NABU: Vogelgrippe-Einschleppung durch Wildvögel unwahrscheinlich
Risiko-Faktor Massentierhaltung

Aus Sicht des NABU ist die Einschleppung der Vogelgrippe durch Wildvögel unwahrscheinlich. Ein viel grĂ¶ĂŸeres Risiko fĂŒr die Verbreitung des Virus sei vielmehr in Massentierhaltungen sowie den weltweiten Transporten von Tieren und Futtermitteln zu suchen. In den vergangenen Tagen wurde ein hochpathogener GeflĂŒgelpest-Virus, auch hĂ€ufig als „Vogelgrippe“ bezeichnet, in je einem industriellen GeflĂŒgelhaltungsbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern, den Niederlanden und Großbritannien festgestellt. In den ersten beiden FĂ€llen handelt es sich um den Virus-Stamm H5N8, der bisher nur in Ostasien, vor allem in SĂŒdkorea verbreitet war. FĂŒr den Fall in Großbritannien steht die genaue BestĂ€tigung des Stammes noch aus.

Das erneute Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland weckt Erinnerungen an den ersten Ausbruch im Februar 2006, der damals vom Erreger-Stamm H5N1 verursacht wurde. Damals wie heute wurden sehr schnell wilde Zugvögel als wahrscheinliche ÜbertrĂ€ger des Virus beschuldigt, begrĂŒndet lediglich durch das Vorhandensein vogelreicher Feuchtgebiete in der Umgebung der betroffenen Betriebe und bisher fehlende Hinweise auf andere Infektionsquellen.

„Die aktuellen UmstĂ€nde der AusbrĂŒche in den drei europĂ€ischen GeflĂŒgelmastanlagen lassen die Übertragung durch ziehende Wildvögel nach Überzeugung des NABU als extrem unwahrscheinlich erscheinen. Es gibt keine direkten Vogelzugwege zwischen Ostasien wie China und SĂŒdkorea und Westeuropa. Es ist also nicht möglich, dass ein mit einer hochpathogenen Virus-Form infizierter Vogel direkt von dort nach Europa geflogen ist“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Theoretisch denkbar wĂ€re es, dass infizierte Wildvögel sich an Kreuzungen des Vogelzugs gegenseitig anstecken könnten. Auf diese Weise könnte das Virus ĂŒber mehrere Zwischenstationen nach Europa gelangen. In diesem Fall mĂŒsste es aber Vogelgrippe-AusbrĂŒche an Konzentrationspunkten des Vogelzugs zwischen Ostasien und Westeuropa geben. „Darauf gibt es jedoch in diesem Fall keinerlei Hinweise“.

Laut NABU hat die Erfahrung des Ausbruchs von 2006 gezeigt, dass das hochpathogene H5N1-Virus nur in toten Wildvögeln, niemals aber in großen Zahlen getesteten lebenden Wildvögeln nachgewiesen wurde. „Damit ist es unmöglich, dass ein infizierter Wildvogel vor seinem Tod noch weite Strecken zurĂŒcklegen kann und das Virus ĂŒber große Distanzen verschleppen kann“, so Lachmann. Bruteier und EintagskĂŒken hingegen reisen weltweit um ein Tausendfaches hĂ€ufiger herum als Zugvögel und haben weitaus besseren Zugang zu StĂ€llen als Wildvögel. Daher sei die Ursache fĂŒr die Verbreitung des H5N8-Virus eher bei den Praktiken und Warenströmen der modernen GeflĂŒgelhaltung zu suchen als bei ziehenden Wildvögeln.

Auch nach dem Ausbruch 2006 setzte sich unter Experten die Erkenntnis durch, dass die weltweite Verbreitung des Virus kaum durch Wildvögel verursacht werden konnte. Die WelternĂ€hrungsorganisation FAO hat bereits 2007 zum H5N1-Erreger angemerkt, dass viele Virologen Ursache und Ursprung der hochpathogenen Form der Vogelgrippe in der industriellen GeflĂŒgelzucht- und ‑produktion sehen, von wo sie dann auf Wildvögel ĂŒbersprang. Zwar kann laut FAO ein Eintrag durch Wildvögel nicht ausgeschlossen werden, aber ursĂ€chlicher fĂŒr die Ausbreitung des Virus wurden „Importe von GeflĂŒgel und kontaminierte Schalen und Transportkisten von Bruteiern sowie die Verbreitung durch Arbeiter und GerĂ€te“ angesehen.

Auch das Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Deutschlands Bundesforschungsanstalt fĂŒr Tiergesundheit, benennt den Tierhandel als wesentlichen Risiko-Faktor. In seiner BroschĂŒre zu hochpathogenen Vogelgrippe-Viren wird darauf hingewiesen, dass in seltenen FĂ€llen „GeflĂŒgelpesterreger auch aus zunĂ€chst nur gering pathogenen Viren entstehen, die bei Wildvögeln, insbesondere Wasservögeln, weltweit verbreitet sind. Nach Übertragung von gering pathogenen Influenzaviren des Subtyps H5 oder H7 auf HausgeflĂŒgel kann das Virus durch VerĂ€nderung seines Erbgutes die krankmachenden Eigenschaften sprunghaft steigern und zum Ausbruch der GeflĂŒgelpest fĂŒhren."
Mehr
Eintrag vom: 28.11.2014  




zurück

Copyright 2010 - 2019 Benjamin Jäger